Hadhrat Mirza Bashiruddin Mahmud Ahmad – Verheißene Reformer des Islam Theologie

Das Wesen der Seele

Die Frage nach der Seele beschäftigt die Menschheit seit Jahrhunderten. Religionen, Philosophen, aber auch Naturwissenschaftler haben immer wieder versucht, ihren Ursprung oder ihre Wirkungsweise zu erklären – oder ihre Existenz infrage zu stellen. In einem seiner Werke schreibt der Verheißene Reformer des Islam, Hadhrat Mirza Bashiruddin Mahmud Ahmad (ra), über den islamischen Standpunkt zu dieser Thematik.
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Seine Heiligkeit Mirza Bashiruddin Mahmud Ahmad (ra) schreibt:

»Man bedenke: Sobald der Mensch beginnt, den Zustand nach dem Tode zu erörtern und zu ergründen, steht er unvermeidlich vor der Frage, ob es die Seele überhaupt gibt – und wenn ja, was sie genau ist.

Der Islam gibt darauf folgende Antwort: Die Seele ist tatsächlich eine Entität, durch die der Mensch jenes subtile Wissen und Erkenntnisse erlangt, die ihm über seine äußeren Sinne nicht zugänglich sind. Sie ist der Ort der Beziehung zwischen Gott und dem Menschen, der Thronsitz der Herrlichkeit Gottes.

Ihr Verhältnis zum Körper ist von einer so wundersamen Art, dass sich kein wirkliches Pendant dafür findet. Über die Denkkraft des Gehirns und die Empfindungskraft des Herzens übt sie Einfluss auf die äußeren Sinne und Kräfte des menschlichen Körpers aus. Daher wird sie nicht so sehr durch körperliche Bewegungen berührt, wie durch Gedanken und Emotionen, denn ihre Beziehung besteht überwiegend zu diesen beiden Sphären. (…)

Wie aus dem Heiligen Koran hervorgeht, kommt die Seele nicht etwa von außen in den Körper. Sie entsteht vielmehr zusammen mit der körperlichen Bildung und Reifung des Menschen im Mutterleib. In Wahrheit ist sie ein sich aus dem Körper herausbildender feiner Auszug. Das kann man mit dem Alkohol vergleichen: so wie aus Gerste, Trauben oder anderen Substanzen durch einen bestimmten Prozess der Gärung Wein hervorgeht, so durchläuft auch der embryonale Körper im Mutterleib bestimmte Stadien, aus denen sich eine feinstoffliche Essenz löst – die „Seele“ genannt wird.

Sobald diese Essenz ihre Verbindung mit dem Körper vollständig ausgebildet hat, beginnt das Herz zu schlagen, und das menschliche Leben tritt in Erscheinung. Wenn die Seele später (nach dem Sterben des Menschen) vom Körper getrennt wird, bleibt sie doch als eigenständige Daseinsform bestehen – so wie auch der Wein. [nach seiner Entstehung unabhängig von der Frucht weiterexistiert, aus der er hervorging. (Anm. d. Hrsg.)]

Nach der islamischen Auffassung ist also die Seele ein Geschöpf. Wenn sich das Kind im Mutterleib befindet, entsteht sie. Und der Islam lehrt uns, dass die menschliche Seele nach dem Tod nicht vergeht; ihr steht anschließend eine ewige Zeitspanne bevor. Der Zustand, den wir „Tod“ nennen, bedeutet lediglich die Trennung der Seele vom (irdischen) Körper, was als natürliche Folge das Aufhören des Herzschlags und die Untauglichkeit des Körpers zur Funktion hat.

Nach islamischem Prinzip ist die Seele (in dieser Welt) stets auf den Körper angewiesen, um ihre Kräfte und Fähigkeiten zu entfalten. Sobald der Körper unfähig wird, diese Funktionen zu tragen, verlässt sie ihn – und dieser Moment heißt „Maut“ [Tod], wörtlich: das Aufhören der Bewegung. Wenn wir also sagen, jemand sei gestorben, meinen wir damit nur, dass seine Seele den Körper verlassen hat – nicht, dass sie vernichtet wurde. Sie bleibt lebendig.

Und wenn jemand Gott anerkennt und von Seinen Kräften überzeugt ist, wie könnte er dann meinen, dass der Allmächtige Gott diese ganze Werkstätte des Universums – Sonne, Mond, Sterne, Erde, was sich dazwischen befindet und all die feinen Gesetze der Natur – nur geschaffen habe, damit der Mensch ein paar Jahrzehnte darin nur zum Essen und Trinken lebe, oder zum Erforschen der Geheimnisse der Natur – und dann ins Nichts falle? Der Gedanke, dass ein intelligentes Wesen dieses ganze Weltgefüge erschaffen hätte, nur um einen Menschen hervorzubringen, der siebzig, achtzig oder hundert Jahre lebt und dann erlischt, ist ein Gedanke, den die Vernunft entschieden zurückweist und vor dem das menschliche Wesen zurückschreckt.

Der Fakt, dass das Universum in solchem Umfang für den Menschen erschaffen wurde und ihm zugleich durch den Verstand die Fähigkeit verliehen ist, es zu ergründen und darüber zu verfügen, verlangt danach, dass für ihn über dieses begrenzte irdische Leben hinaus noch ein weiterer Zweck bestimmt ist. Der Islam erklärt: dieser Zweck ist die Möglichkeit zur ewigen Fortexistenz und der Weg zu unaufhörlichem Fortschritt des Menschen.«

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Quelle: Hadhrat Mirza Bashiruddin Mahmud Ahmad: Ahmadiyyat, yanī Haqīqī Islām [Ahmadiyya – Der wahre Islam], In: Anwār-ul-ʿUlūm, Bd. 8., S. 320 f. (eigene Übersetzung aus dem Original)

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