Worte des Verheißenen Messias (as)

Herz und Verstand

Wenn das Herz erkennt, bevor der Verstand fragt - Weisheiten über den allzu oft übergangenen direkten Draht

Es gibt in der heutigen Zeit gewisse unwissende Philosophen, die jeden positiven Fortschritt dem Gehirn zuschreiben. Solche Menschen erkennen jedoch nicht, dass das Gehirn lediglich die Fähigkeit besitzt, Argumente und Beweise abzuwägen. Zwar ist es das Gehirn, das über die Fähigkeit des Nachdenkens und Behaltens verfügt, doch das Herz besitzt eine Eigenschaft, die es in die Stellung eines Oberhauptes erhebt.

Der Verstand folgt einem erzwungenen, mechanischen Prozess, während das Herz davon frei ist und auf ungezwungene, natürliche Weise wirkt. Aus diesem Grund steht das Herz in Affinität zum Herrn des Thrones und vermag die Wahrheit allein durch seine Wahrnehmungskraft zu erkennen, ohne irgendeinen Beweis oder Nachweis. Deshalb wird in einem Hadith berichtet:

استفت قلبك

Das bedeutet: Hole dir ein Urteil von deinem Herzen ein. Man wurde nicht angewiesen, ein Urteil vom Gehirn einzuholen. Mit dem Herzen ist die Linie der Göttlichkeit verbunden. Niemand sollte dies für unwahrscheinlich halten. Dieses Konzept ist zwar tief und schwierig, doch diejenigen, die Erfahrung in der Läuterung der Seele besitzen, wissen, dass alle guten Werte ihrem Wesen nach im Herzen vorhanden sind. Wenn das Herz diese Kräfte nicht besäße, wäre das Dasein des Menschen selbst zwecklos.

Sufis, die sich mit mystischen Übungen beschäftigen, und jene, die geistige Disziplinen praktizieren, wissen sehr wohl, dass das Herz sichtbar Lichtsäulen ausstrahlen kann, die sich in gerader Linie zum Himmel hinaufziehen. Dies ist ein deutlich sichtbares und eindeutig festgestelltes Phänomen. Ich kann dies nicht anhand konkreter Beispiele erläutern, doch diejenigen, die sich in geistigen Übungen betätigt oder die Stufen der spirituellen Suche zu durchschreiten versucht haben, haben dieses Schauspiel und diese Erfahrung als wahr erkannt.

Es ist, als bestünde eine feine Linie zwischen dem Herzen und dem Thron Gottes, und das Herz empfindet Freude an jedem Befehl, den es vom Thron des Herrn empfängt. Das Herz bedarf keiner äußeren Beweise oder Nachweise; vielmehr empfängt es Offenbarung von Gott und wird von innen her durch Gott erleuchtet, woraufhin es ein Urteil fällt. Tatsache ist jedoch, dass ein Herz, solange es nicht im wahren Sinne zum Herzen geworden ist, treffend durch den folgenden Vers beschrieben werden kann:

لَوۡ كُنَّا نَسۡمَعُ اَوۡ نَعۡقِلُ مَا كُنَّا فِیۡ اَصۡحٰبِ السَّعِيۡرِ

„Hätten wir nur gehört oder Verstand besessen, wären wir nicht unter den Insassen der lodernden Feuersglut gewesen.“

Das bedeutet, der Mensch durchläuft eine Zeit, in der weder Herz noch Verstand überhaupt über Fähigkeiten oder Kräfte verfügen. Dann kommt eine Phase, in der das Gehirn zu wachsen und sich zu entwickeln beginnt. Danach tritt ein Stadium ein, in dem die Fähigkeiten und Kräfte des Herzens entwickelt werden, woraufhin das Herz erleuchtet, entzündet und erhellt wird. Wenn das Herz diesen Punkt erreicht, gelangt der Mensch zur Stufe geistiger Reife, und das Gehirn wird dem Herzen untergeordnet; die Fähigkeiten des Verstandes beherrschen dann nicht mehr die Eigenschaften und Kräfte des Herzens.

Es sollte auch bedacht werden, dass diese verschiedenen Zustände des Verstandes nicht allein Gläubigen vorbehalten sind. Auch Hindus und Menschen aus niederen Kasten bedienen sich des Gehirns. Ebenso nutzen alle, die in weltlichen Angelegenheiten und im Geschäftsleben tätig sind, ihren Verstand. Die geistigen Fähigkeiten solcher Menschen haben sich vollständig entwickelt, und durch diese Fähigkeiten gelangen sie zu neuen und innovativen Ideen, um ihr Geschäft voranzubringen. Blickt man nach Europa und in die Neue Welt, so sieht man, wie ihre Menschen ihre geistigen Fähigkeiten einsetzen und mit welcher Geschwindigkeit sie neue Technologien erfinden.

Die Arbeit des Herzens (aber) beginnt, wenn ein Mensch sich Gott hingibt. In einer solchen Zeit hören alle inneren Fähigkeiten und Autoritäten des Menschen auf zu bestehen, und die Herrschaft des Herzens gewinnt an Macht und Stärke. Erst dann kann ein Mensch als vollständig gelten. Es ist genau dieser Zustand, in dem der Mensch zur Verkörperung des folgenden Verses wird:

نَفَخۡتُ فِيۡهِ مِنۡ رُّوۡحِيۡ

„Ich habe ihm von Meinem Geist eingehaucht.“

In eben diesem Zustand werfen sich selbst die Engel vor einem solchen Menschen nieder. Zu diesem Zeitpunkt wird die betreffende Person zu einem völlig neuen Menschen, und ihre Seele wird ganz von Freude und Wonne erfüllt. Es muss auch daran erinnert werden, dass diese Freude keineswegs mit der Lust verglichen werden kann, die ein triebhafter Übeltäter in der Unzucht empfindet, oder mit dem Genuss, den ein Liebhaber schöner Stimmen beim Hören eines wohlklingenden Gesangs verspürt – keineswegs; man darf sich hierin nicht täuschen. Die Seele erfährt Freude, wenn der Mensch aus Furcht und Ehrfurcht vor Gott schmilzt und beginnt, gleich Wasser zu Ihm hinzuströmen. In diesem Stadium wird der Mensch zum „Wort Gottes“, und der folgende Vers beginnt sich in ihm auszuwirken:

اِنَّمَآ اَمۡرُہُٓ اِذَآ اَرَادَ شَيۡئًا اَنۡ يَّقُوۡلَ لَهٗ كُنۡ فَيَكُوۡنُ

„Sein Befehl ist, wenn Er etwas will, nur, dass Er dazu spricht: ‚Sei!‘ – und es wird.“

(Malfuzat, engl. Ausg., Bd. 2, S. 119–121)

Kommentar hinzufügen

Klicken Sie hier, um einen Kommentar zu posten

Aktuelle Freitagsansprache

Multimedia

Neueste Kommentare

Archiv