Kopftuch

World Hijab Day – Wir haben muslimische Frauen gefragt, was der Hijab für sie persönlich bedeutet

Frauenabteilung, The Review of Religions

Seit 2013 wird der World Hijab Day weltweit am 1. Februar gefeiert.  Die New Yorkerin Nazma Khan wollte mit ihrer Initiative (#WorldHijabDay) „Frauen aller Religionen und Hintergründe dazu ermutigen, den Hijab zu tragen und zu erleben“[1]. Damit die Anerkennung von Millionen muslimischer Frauen gefördert werden, die sich für das Tragen des Hijab (Schleier) entscheiden haben und dabei ein Leben in Bescheidenheit gemäß der koranischen  Lehre führen möchten [2]. Die Frauenabteilung der Zeitschrift Review of Religions hat muslimische Frauen auf der ganzen Welt dazu ermutigt, uns ihre Gedanken über die Bedeutung des Hijab mitzuteilen, in der Hoffnung, ein besseres Verständnis für diese islamische Praxis zu fördern. Mit Begeisterung haben die muslimischen Frauen uns ihre Erfahrung und Gefühle mitgeteilt und aufschlussreiche Perspektiven uns geboten.

»Das Tragen des Hijab ist ein wichtiger Teil meiner Identität. Ohne ihn würde ich mich sehr unzureichend angezogen fühlen. Er hilft mir dabei mich ständig daran zu erinnern, dass ich den Islam in meinem Handeln und im Umgang mit meinen Kollegen, Nachbarn und den Menschen, denen ich begegne, repräsentiere. Bei der Arbeit spüre ich definitiv ein anderes Maß an Respekt aufgrund meines Hijab.

Eine der vielen Schönheiten, die das Tragen des Hijab mit sich bringt, ist das Gefühl der Verbundenheit mit anderen muslimischen Frauen, unabhängig von Rasse, ethnischer Herkunft oder Nationalität. Das ist wahre Schwesternschaft!«

– Mariam Andersson Malik, Mathematiklehrerin, New Jersey, U.S.A.

» Für mich ist die körperliche Selbstbestimmtheit wahre Emanzipation. Wenn eine Frau sich freiwillig dafür entscheidet, sich zu bedecken und selbst entscheidet, was sie von sich zeigen möchte, dann ist das eine Form von Emanzipation. Wenn wir einen Blick auf unsere Gesellschaft werfen, dann sehen wir, dass der Frauenkörper als ein Sexualobjekt missbraucht wird. Die Freizügigkeit wird mit Freiheit gleichgesetzt. Die Frau wird verwendet, um die Verkäufe durch Werbung anzuregen. Ist das wahre Emanzipation? Wahre Emanzipation für mich ist, wenn jede Frau selbst über ihren Körper entscheiden darf und ihr Körper nicht zweckentfremdet missbraucht wird. Das Kopftuch ermächtigt mich zu einem selbstbestimmten Umgang mit meinem Körper.«

– Shazia Noor Malik, PdD Studentin der Geographie, Hamburg, Deutschland

»Ich erinnere mich, dass ich am College gefragt wurde, ob mein Kopftuch ein modisches Statement sei – damals war es ungewöhnlich, ein Hijab in meiner Umgebung zu sehen. Heutzutage, wenn ich ihnbei der Arbeit oder unterwegs trage, gibt es keine Verwirrungen mehr, denn der Hijab macht selten Schlagzeilen. Der Hijab hält mich in keiner Weise auf. Vielmehr hilft er mir dabei andere Perspektiven einzunehmen und die Welt anders zu erfahren, was für mich spirituelle Vorteile mit sich bringt.«

– Munazzah Chou, Ärztin, England

»Als ein geschätzter Teil dieser Gesellschaft, kleide mich mit dem Hijab. Wenn ich von anderen dazu gefragt wurde, habe ich immer geantwortet, dass mir mein Hijab ein Gefühl der Sicherheit gibt. Ich erinnere mich, dass ich von anderen Frauen in Malta gefragt wurde, ob ich angesichts des heißen Wetters, unter meiner Bedeckung »kochen« müsse. Auch habe ich oftmals für Verwunderung gesorgt, wenn ich erzählte, dass ich als Hijabi-Wissenschaftlerin arbeite. Oftmals erklärte ich, dass mein Schleier mich angesichts der hohen Hautkrebsrate in Malta, aufgrund meiner eigenen Forschungen über gefährliche Krebsarten, vor den schädlichen ultravioletten Strahlen des direkten Sonnenlichts schützt. Dadurch, dass mein Hijab aus einem sehr leichten Material besteht, bewahrt er mich vor einem Sonnenbrand. Zudem genieße ich das allgemeine Gefühl der Zufriedenheit und des Komforts, was nur von Frauen erfahren werden kann, die selbst ausprobieren ihn zu tragen.«

– Amnah Khan MSc., Forschungswissenschaftlerin, Malta

»Ich trage denHijab, um mich von der ungerechten gesellschaftlichen Vorstellung zu befreien, dass Frauen minderwertig seien. Der Hijab verschleiert meine Weiblichkeit und ermöglicht es mir, meine Werte und Handlungen nicht von meinem Aussehen abhängig zu machen. So können meine Leistungen genauso gewichtet werden wie die eines Mannes. Durch das Tragen des Hijab fühle ich mich befreit und er ermächtigt mich. Ich bekomme eine Stimme, die ernst genommen wird. Seit ich den Hijab trage, habe ich an vielen Vorträgen teilgenommen, im Radio gesprochen und meine Artikel in Zeitschriften veröffentlicht. Bevor ich das Hijab trug, hatte ich diese Art von Selbstvertrauen nicht gehabt.«

– Emma Ahmed, SEN-Lehrerin, Leicester, UK

»Als Allgemeinmedizinerin ist es meine Aufgabe, Patienten über Monate oder sogar Jahre hinweg zu betreuen, wodurch mir die Möglichkeit gegeben wird, eine Arzt-Patienten-Beziehung aufzubauen. Bei der Arbeit ist es sehr wichtig für mich, als Muslima identifiziert zu werden, was durch meinen Hijab deutlich wird. Bei jedem Kontakt mit meinen Patienten habe ich das Gefühl, dass ich als Botschafterin des Islam dastehe. Ich bemühe mich bewusst, meinen Patienten zuzuhören und eine gute Arzt-Patienten-Beziehung aufzubauen. Ich möchte, dass meine Patienten zurückblicken und darüber nachdenken, dass ihre behandelnde Ärztin eine Muslima ist, wodurch die schönen Lehren des Islam verbreitet werden können, die in den Medien leider viel zu oft negativ dargestellt werden. Das ist wirklich wichtig für mich.«

– Dr. Aisha Qayyum, Ärztin, Fareham, Großbritannien

»Der Hijab ist so viel mehr als nur ein Kleidungsstück, das man auf dem Kopf trägt. Im Laufe der Jahre hat er uns eine tiefgreifende Lektion über die inneren und äußeren Facetten unseres weiblichen Wesens erteilt. Er hat uns auf eindringliche Weise daran erinnert, dass wir uns zwar dafür entscheiden, bestimmte Äußerlichkeiten zu bedecken, was die Tiefe und Schönheit unserer Seele über die physischen Parameter unserer Kleidung hinaus sichtbar werden lässt. Unsere Herzen und unser Handeln sollten die Menschen überzeugen, nicht die die oberflächliche Fassade unseres äußeren Wesens. Während zahllosen Gelegenheiten hatte ich das Gefühl, dass diese wichtige Lebenslektion für mich, ohne meinen Hijab, vielleicht nicht so kraftvoll und klar geworden wäre.«

– Ayesha Malik, LLM (Harvard Law School), UAE

»Für manche mag derHijab nur ein Tuch sein, aber für mich hat er eine tiefe Bedeutung, die ich nicht beschreiben kann. Schon in jungen Jahren traf ich die selbstbestimmte Entscheidung, den Hijab zu tragen, denn für mich bedeutet der Hijab maßgeblich Frieden und Schutz. Er ist einer der bedeutendsten Aspekte meines Glaubens. Er erinnert mich daran, dass ich eine Muslima bin und dass Allah mir all die Segnungen gegeben hat, die ich in meinem Leben habe. Ich glaube, der Hijab steht für Gleichheit, dafür, dass ich niemandem unterlegen bin. Zudem machtmich der Hijab demütiger und er gibt mir die Kraft und den Glauben, den ich brauche, um meine Ziele zu verfolgen. Der Hijab ist weit entfernt von einer Unterdrückungs-Ideologie, sondern steht für Fortschritt.«

– Syeda Maria Daniel, Medizinstudentin, Universität von Southampton, UK

»Im Laufe unseres Lebens werden wir oft mit dem Ratschlag konfrontiert, ein Buch nicht nach seinem Einband zu beurteilen. Obwohl diese Redewendung weit verbreitet ist, scheint sie doch die gesellschaftliche Realität darzustellen. Meinen persönlichen Einband, habe ich mir selbst sorgfältig ausgewählt, um mich nicht ständig mit gesellschaftlichen Schönheitsnormen für Frauen zu vergleichen. Vielmehr möchte ich symbolisieren, was mir wichtig ist: meine Moral, meine Spiritualität, mein Verhalten, meine Individualität innerhalb einer kollektiven Identität und, was in der heutigen Zeit vielleicht am wichtigsten ist, mein Recht, als Frau durch meinen Charakter wahrgenommen zu werden. Das ist für mich wahre Freiheit.

Letztendlich trage ich den Hijab, weil Gott in seiner unendlichen Weisheit es so befohlen hat. Er hat befohlen, dass ich für meine Qualitäten gesehen werden soll, nicht für meine vergängliche Hülle.«

– S. N. Ahmed, BSc Universität Cambridge, Gambia

»Mein Hijab und meine lange Kleidung sind immer aufgefallen und haben mir dabei geholfen, meine Identität zu finden. Manchmal werde ich verurteilt, aber meistens werde ich sehr geschätzt. Die Neugierde der Leute zu meinem Hijab-Stil mündet oftmals in ein Gespräch, das damit endet, dass ich ihnen von dem Verheißenen MessiasAS erzähle, was mir dabei hilft meine Identität zu festigen und zudem meinen sozialen Kreis zu erweitern. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen mir als Hijabi-Mädchen einen gewissen, besonderen Respekt entgegenbringen und auf meine religiösen Pflichten Rücksicht nehmen. So fühle ich mich jeden Tag selbstbewusster, sicherer und stolzer durch mein Hijab.«

Shamamah A Dogar, M.A. Journalismus und Medienmanagement, M.A. Politische Psychologie, Bournemouth, UK

»Mein Hijab schränkt mich nicht ein, er gibt mir Kraft. Er erinnert mich daran, dass ich authentisch sein kann. Ich kann sein, wer ich bin, ohne zu zögern. Die Gesellschaft bewegt sich heute in Richtung Akzeptanz von Vielfalt, und Hijabi-Frauen werden in diese Entwicklung einbezogen und gefeiert. Ein Zitat aus einem früheren Interview, das ich für »The Review of Religions« über den Einfluss meines Glaubens auf meine wissenschaftliche Forschung gegeben habe, wird auf einer Tafel am Lowell Observatory’s Astronomy Discovery Center (das im Jahr 2023 eröffnet werden soll) zu sehen sein. Auf der Tafel wird auch mein eigenes Kunstwerk zu sehen sein: die Silhouette einer Hijabi-Frau mit einem von der Galaxie inspirierten Hintergrund. (am Anfang des Artikels abgebildet).«

– Dr. Munazza Alam, Astronomin, Washington D.C., US

Diese Erfahrungsberichte muslimischer Frauen scheinen mit dem übereinzustimmen, was das weltweite Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Seine Heiligkeit Hazrat Mirza Masroor AhmadABA, im Jahr 2014 in seiner Ansprache an die Ahmadi-Frauen über dasPurdah (Praxis des Hijab) sagte:

»Heute habe ich besonders über Purdah gesprochen, weil oft behauptet wird, dass Purdah die Rechte der Frauen beschneide. Wir wissen jedoch, dass dies nicht der Fall ist, und die Wahrheit ist, dass Purdah und Hijab tatsächlich die wahre Würde, Unabhängigkeit und Freiheit der Frauen begründen. Der Hijab gibt den Frauen nicht nur körperliche Sicherheit, sondern ist auch ein wichtiges Mittel, um ihnen spirituelle Sicherheit und Reinheit des Herzens zu geben.«[3]

Fußnote

[1] https://en.wikipedia.org/wiki/World_Hijab_Day

[2] Heiliger Qur’an, 24:32, 33:60

[3] https://alisl.am/e3237

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