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Cannabis: Ein unaufhaltsamer Krieg?

Die Cannabis-Debatte: Der Hintergrund

Vor kurzem wurde in Großbritannien ein umstrittener Fall öffentlich bekannt, bei dem es um die Verwendung von medizinischem Cannabis ging, einer Form von Cannabis, die bei der Behandlung bestimmter Erkrankungen verwendet wird. Die Mutter eines 12-jährigen Kindes, das an schwerer Epilepsie litt, entfachte die Debatte über die Legalisierung des Medikaments, nachdem sie sagte, dass es das einzige Medikament sei, das dazu beitrug, die lebensbedrohlichen Anfälle ihres Sohnes zu beruhigen. Dies löste eine heftige Debatte über dessen Konsum aus, wobei die Öffentlichkeit eine große Sympathie für das Kleinkind zeigte.1

Cannabis enthält auch Cannabidiol (CBD), das nachweislich dazu beiträgt, Anfälle bei Kindern mit schweren Epilepsien zu reduzieren. Die öffentliche Diskussion führte dazu, dass Ärzte in Großbritannien seit dem 1. November 2018 unter bestimmten Voraussetzungen medizinisches Cannabis verschreiben dürfen. In Asien ist Thailand das erste Land, das die Nutzung von Cannabis in Medizin und Forschung im Dezember 2018 legalisiert hat. In den USA ist der medizinische Gebrauch von Cannabis bereits in 31 Staaten legal. 

In Deutschland erlaubt das 2017 verabschiedete Gesetz »Cannabis als Medizin« den medizinischen Einsatz von Cannabisarzneimitteln. Demnach kann Cannabis in Form getrockneter Blüten vom Arzt verschrieben werden.2

Während die medizinischen Vorteile von Cannabis im Allgemeinen als positiv eingestuft werden, wird die Droge hauptsächlich in der Freizeit verwendet, um »high« zu werden, oder um ein Gefühl der Entspannung und des Glücks zu erlangen, und nicht wegen ihres Gesundheitsnutzens. Die Legalisierung des gelegentlichen Cannabiskonsums wurde in den letzten Monaten verstärkt untersucht.

Cannabis wird weltweit konsumiert, hauptsächlich um »high« zu werden. Dabei wird beim Konsumenten vorübergehend ein Gefühl der Entspannung hervorgerufen.
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In Deutschland sowie in anderen europäischen Ländern ist Cannabis die am weitesten verbreitete illegale Droge, auch bekannt als Marihuana, Dope, Gras, Hasch oder Weed etc. Stärkere Cannabissorten werden oft als »Skunk« bezeichnet, die wegen ihrer höheren Konzentration des Hauptwirkstoffes THC (Tetrahydrocannabinol) angebaut werden.

Die europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht veröffentlicht jedes Jahr einen europäischen Drogenbericht und zeigt darin Trends und Entwicklungen in den europäischen Ländern auf. Dem Jahresbericht für 2018 zufolge haben mehr als 92 Millionen erwachsene Europäer schon einmal in ihrem Leben illegale Drogen genommen. Das entspricht gut einem Viertel der 15- bis 64-Jährigen in der Europäischen Union. 
Die von allen Altersgruppen am häufigsten konsumierte illegale Droge ist Cannabis (53,5 Millionen Männer und 34,3 Millionen Frauen).3
Dieselbe Tendenz spiegelt sich in Deutschland wider. Gemäß dem Drogenbericht der »Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht« (DBDD) hat in Deutschland mehr als jeder vierte Deutsche einmal in seinem Leben illegale Drogen genommen. Dabei nimmt der Cannabis-Konsum sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen weiterhin die bedeutendste Stellung ein.4

In den USA haben seit 2016 118 Millionen Amerikaner angegeben, Marihuana irgendwann in ihrem Leben konsumiert zu haben – das ist jeder dritte Amerikaner. Die Freizeitnutzung ist in 9 Staaten und Washington, D.C. legal.5
Uruguay war das erste Land, das den Verkauf von Cannabis für den Freizeitkonsum im Dezember 2013 legalisierte. Vor kurzem hat das kanadische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das den Freizeitkonsum von Cannabis erlaubt. Kanadier können somit seit September 2018 Cannabis legal kaufen und konsumieren und sind damit weltweit das zweite Land, das Cannabis legalisiert hat.

Was sagt der Islam über den Konsum von Drogen wie Cannabis, zu einer Zeit in der immer mehr Länder über die Möglichkeit nachdenken, solche Drogen nicht nur für den medizinischen Gebrauch, sondern auch für den gelegentlichen Konsum zu legalisieren?

Die langfristigen schädlichen Nebenwirkungen von Cannabis sind traumatisierend und können dauerhafte körperliche und psychische Schäden einschließlich Schizophrenie verursachen.
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Stellungnahme des weltweiten Oberhauptes der Ahmadiyya Muslim Jamaat

Ich habe Seine Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, das weltweite Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, gefragt, was die islamische Sicht auf den Konsum von Cannabis ist. Die Leser von »The Review of Religions« werden von den verschiedenen Beiträgen zu einer Reihe von Themen profitiert haben, die Seine Heiligkeit erläutert hat und die wir in den letzten Jahren veröffentlicht haben. Diese Antworten spiegeln tiefe Weisheit wider und basieren immer auf den wahren Lehren des Islam. Hier gab Seine Heiligkeit die folgende Antwort auf meine Frage zur Sichtweise des Islam auf Drogen, wie Cannabis und andere Rauschmittel. 

Seine Heiligkeit sagte:
»Drogen sind verboten, weil sie für den Menschen schädlich sind. Im Islam ist alles Schädliche, was einen von Frömmigkeit abhält, verboten. Damals, in der Zeit des Heiligen ProphetenSAW, haben die Menschen Alkohol getrunken, aber das hinderte sie daran, ihre Gebete richtig zu verrichten, da sie berauscht waren und daher wurde es verboten. Einige Leute fragen, warum sind Zigaretten nicht verboten, wie andere Drogen (z.B. Cannabis). Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS, der Verheißene Messias und Imam Mahdi, Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat, hat jedoch gesagt, dass Zigaretten zwar nicht verboten sind, aber wenn es sie in der Zeit des Heiligen ProphetenSAW gegeben hätte, wären sie verboten worden. Jetzt sehen wir, dass die Menschen die negativen Auswirkungen der Zigaretten erkannt haben, und deshalb gibt es klare Warnhinweise auf Zigarettenpackungen. Krebs, Lungenerkrankungen und ähnliche schädliche Auswirkungen des Tabakkonsums sind alle bekannt.

(Im Hinblick auf die Drogenlegalisierung) Genauso wird es bei diesen Drogen sein, wie z.B. Cannabis und Ganja usw. All ihre schädlichen Auswirkungen werden ans Licht kommen (auch wenn im Moment einige Leute meinen, diese seien nicht gesundheitsschädlich). Der Islam sagt, alles, was auch nur gering schädlich ist, ist verboten. Der Islam sagt jedoch auch, dass dort, wo es einen Nutzen bringen kann, um gezielt bei der Rettung eines Menschenlebens zu helfen, die Erlaubnis erteilt wurde.«

Obwohl es eindeutig einige medizinische Vorteile von Cannabis gibt, deuten die Erkenntnisse darauf hin, dass wenn höhere Mengen an Cannabis konsumiert werden, die Konsumenten je nach Stimmungslage und Situation unangenehme Erfahrungen machen können, einschließlich Verwirrung, Halluzinationen, Angst und Paranoia.

Einige Konsumenten können psychotische Symptome mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen von einigen Stunden erleben, die sehr unangenehm sein können. Der regelmäßige Konsum der Droge scheint das Risiko einer psychotischen Erkrankung oder einer langfristigen Schizophrenie zu verdoppeln.6

Es wurde auch nachgewiesen, dass der langfristige Konsum eine depressive Wirkung hat und die Leistungsbereitschaft verringert. Einige Forscher sind der Meinung, dass der Langzeitkonsum zu einem irreversiblen, aber geringen kognitiven Defizit führen kann.7

Seine Heiligkeit erläuterte die zugrunde liegende Philosophie des Verbots solcher Drogen im Islam:
»Der wichtigste Punkt ist folgender: der [Drogenkonsum] ist zwar falsch, Ziel aber ist, zu versuchen, eine Reform herbeizuführen. Man sollte keine Feindschaft gegen eine Person hegen, die [Drogen] konsumiert, sondern das Ziel ist, sie zu retten. Das Grundprinzip ist: was man für sich selbst als falsch betrachtet, sollte man auch für andere als falsch betrachten. Man sollte andere vor dem bewahren, wovor man sich selbst schützen möchte.

Auf jeden Fall ist das Gebot des Islam klar, dass Rauschmittel und Drogen unzulässig sind. Zum Beispiel sagte der Heilige ProphetSAW, dass Allah den Wein verflucht hat, ebenso denjenigen, der Wein trinkt, der Wein serviert, der Wein kauft oder verkauft und denjenigen, der diesen ausliefert. Was bedeutet das? Während es im Islam keine vorgeschriebene Strafe für den Gebrauch gibt, kann es dennoch eine rechtliche Maßregelung geben. Der Zweck dahinter wäre, einer Person zu helfen, sich zu reformieren, damit sie davor bewahrt bleibt, unter diesen Fluch und der göttlichen Strafe zu fallen.

Warum sollte man auch unter diesen Fluch fallen wollen? Als ich in Ghana lebte, schickte einmal ein Oberst, der ein Nachbar war, eine Flasche Alkohol, um sie in unserem Kühlschrank unterzubringen. Ich weigerte mich, das zu tun. Daraufhin wurde der Oberst wütend und kam heftig klopfend an unsere Tür. Der Oberst sagte, was kann es schaden, eine ungeöffnete Flasche in unseren Kühlschrank zu stellen? Ich sagte, dass unser ProphetSAW erklärt hat, dass derjenige, der Alkohol trinkt, der Alkohol zum Trinken bereitstellt, der Alkohol zubereitet, der Alkohol lagert und derjenige, der ihn verkauft, allesamt in die Hölle gelangen werden. Also sagte ich zu ihm: ›Entscheiden Sie selbst: Meinen Sie, dass ich unter den Insassen des Feuers sein möchte? Natürlich nicht.‹ Also sollten wir uns vor dem schützen, wovor wir uns laut dem Heiligen ProphetenSAW schützen sollen.«

Die Schäden von Drogen wie Cannabis überwiegen bei weitem die Vorteile. 
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Seine Heiligkeit verwies mich dann auf einige Verse des Heiligen Qur’an, Hadith (Überlieferungen des Heiligen ProphetenSAW) und Aussagen von Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS, dem Verheißenen Messias, als Leitfaden im Zusammenhang mit der islamischen Sicht auf Drogen.

In Kapitel 2, Vers 220, des Heiligen Qur’an, sagt Allah der Allmächtige:
»Sie fragen dich über Wein und Glücksspiel. Sprich: ›In beiden ist großes Übel und auch Nutzen für die Menschen; doch ihr Übel ist größer als ihr Nutzen.‹ Und sie fragen dich, was sie spenden sollen. Sprich: ›(Gebt, was ihr) entbehren (könnt).‹ So macht Allah euch die Gebote klar, auf dass ihr nachdenkt.«

Der Qur’an sagt deutlich, dass es einen gewissen Nutzen gibt. Bei Drogen wie Cannabis überwiegt der Schaden jedoch den Nutzen. Muslime werden vor kognitiven Auswirkungen gewarnt, die solche Substanzen durch Beeinträchtigung des eigenen Denkvermögens haben können.

In Kapitel 4, Vers 44, des Heiligen Qur’an erklärt Allah der Allmächtige:
»O die ihr glaubt, nahet nicht dem Gebet, wenn ihr nicht bei Sinnen seid, bis ihr klar versteht, was ihr sprecht, noch im Zustande der Unreinheit – ausgenommen als Reisende unterwegs –, bis ihr gebadet habt. Und wenn ihr krank seid oder auf einer Reise (im Zustande der Unreinheit), oder einer von euch kommt vom Abtritt und wenn ihr Frauen berührt habt und findet kein Wasser, dann nehmt reinen Sand und reibt euch damit Gesicht und Hände. Wahrlich, Allah ist nachsichtig, allverzeihend.«

In einem Hadith, überliefert von Abdullah bin UmarRA, sagte der Heilige ProphetSAW Allahs:
»Jedes Rauschmittel ist verboten und was auch immer die Berauschung in großen Mengen verursacht, ist (auch) in kleiner Menge verboten.«

Der Verheißene MessiasAS geht darauf näher ein und gibt uns zu bedenken:
»Im Gegensatz zum Evangelium gebietet euch der Qur’an nicht, dass ihr nur so viel Wein zu euch nehmen dürft, dass ihr nicht einen Rausch erlebt, sondern verbietet jeglichen Genuss des Weins, denn der Irrweg führt euch fernab von Allah. Der Verzehr hindert dich am Empfang göttlicher Botschaften, denn du hörst die Stimme deines Herrn nicht mehr. Er wird nicht mit dir kommunizieren, dich nicht reinigen und deine Seele läutern. Der Qur’an sagt, dass es sich bei diesen Getränken um eine Erfindung Satans handelt. Hütet euch vor dem Schachzug Satans!«8 

Der Verheißene MessiasAS mahnt, auch wenn Rauschmittel in kleinen Mengen keinen Schaden anrichten, sind sie dennoch verboten, weil der Drogenkonsum in der Freizeit nicht nur den Einzelnen, sondern die Gesellschaft als Ganzes beeinträchtigt.

Der Verheißene MessiasAS sagt:
»Jeder reiche Mensch, der Wein trinkt, soll auch die Sünden all seiner Untergebenen tragen, die mit ihm trinken. O ihr mit Vernunft Begabten! Diese Welt wird nicht ewig dauern. So gebt Acht! Gebt jedes Übermaß und jede Ausschweifung auf. Enthaltet euch aller Rauschgifte! Nicht nur der Wein zerstört den Menschen, sondern Opium, Ganja [Marihuana], Charas [Haschisch], Bhang [indische Hanfzubereitung], Tarie [Droge aus dem Saft einer Art Dattelpalme] und alle anderen Rauschgifte, durch deren Gebrauch ihr süchtig werdet, zerstören das Gehirn und sind Gift, das tödlich ist. Also hütet euch davor. Ich kann nicht verstehen, wie und weshalb ihr zu diesen Dingen greift, die doch alljährlich den offensichtlichen Beweis erbringen, dass sie Tausende von Menschen in den Tod reißen, ganz abgesehen von der kommenden Strafe im Jenseits.«9

Darüber hinaus erklärt der Verheißene MessiasAS:
»Wenn eine Person drogensüchtig wird, dann wird es für sie schwierig, damit aufzuhören. Was sind Drogen? Auf der einen Seite zerstören sie das Leben und auf der anderen Seite dienen sie als Lebensgrundlage. Wenn ein Drogenabhängiger keine Dosis des Rauschgifts erhält, dann kann sein Zustand tödlich enden.«10

Über den Autor: Syed Amer Safir ist der Chefredakteur und Manager von »The Review of Religions«.

Referenzen
1. www.theguardian.com/lifeandstyle/2018/jun/22/legalise-medical-cannabis-uk-billy-caldwell-law-reform
2. Kurzbericht Situation illegaler Drogen in Deutschland, www.dbdd.de/fileadmin/user_upload_dbdd/05_Publikationen/PDFs/REITOX_BERICHT_2018/2018_Kurzbericht_illegaleDrogen.pdf
3. Der European Drug Report 2018, www.dbdd.de/fileadmin/user_upload_dbdd/05_Publikationen/PDFs/EDR_CDR_2018/20181816_TDAT18001DEN_PDF.pdf
4. Siehe 3
5. www.statista.com/topics/3117/recreational-marijuana/
6.www.rcpsych.ac.uk/healthadvice/problemsanddisorders/cannabismentalhealthkey.aspx
7. www.bbc.co.uk/news/uk-44531112
8. Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS: Die Arche Noahs. S. 69 f.
9. Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS: Die Arche Noahs. S. 141
10. Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS: Malfūẓāt Bd. 2, S. 423

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