Islam

Das Paradies im Islam

Von Fahd Peerzada, Kanada

Es wird oft behauptet, dass der Islam ein Konzept des Paradieses beinhaltet, das von ewigen, lustvollen und weltlichen Begierden erfüllt ist. Traurigerweise werden verunsicherte Jugendliche durch dieses Konzept zu extremistischen Gruppen gelockt, wobei dies ein schwerwiegendes Missverständnis sowohl für Muslime als auch für Nicht-Muslime darstellt.

Schon im Kindesalter wird einem Muslim beigebracht, dass der letztendliche Zweck unserer Schöpfung darin besteht, Gott anzubeten und eine spirituelle Beziehung zu Ihm aufzubauen. Infolgedessen wird er oder sie sowohl in diesem Leben als auch im Jenseits belohnt. Wir wissen nicht viel über das Jenseits, wie es im Heiligen Qur’an heißt: »Doch niemand weiß, was für Augenweide für sie verborgen ist als Lohn für ihre Taten.«[i] Doch der Heilige Qur’an und die Ahadith (Aussprüche des Heiligen ProphetenSAW) haben eine begrenzte Beschreibung dessen gegeben, was das Paradies für uns bereithält und leider ist dieses begrenzte Wissen von den Muslimen selbst falsch interpretiert worden.

Die Mainstream-Muslime haben das Paradies im Jenseits als einen unermesslich großen unendlichen Garten verstanden, der üppig grün und voller Schatten ist. Unter den Gärten gibt es Ströme von Milch, Honig und Wein. Man kann aus ihnen trinken, ohne gesättigt oder berauscht zu werden. Dem Verlangen nach jeder Art von Fleisch wird stets Sorge getragen. Ein Mann wird mit etwa siebzig schönen jungen Frauen belohnt werden, die ihm unterworfen sein werden. Es wird keine physische Form des Reiches geben und man kann sich frei bewegen, ohne zu ermüden und zu arbeiten.[ii]

Es ist in der Tat widersprüchlich, dass eine Religion, die sich immens auf Rechtschaffenheit und Spiritualität konzentriert, ihre Anhänger mit lustvollen und weltlichen Leidenschaften belohnt.

Es ist der Gnade Gottes des Allmächtigen zu verdanken, dass die Ahmadiyya Muslim Jamaat durch Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS, dem Verheißenen Messias und Imam Mahdi, geleitet wurde und die wahre Realität dessen erfahren hat, was der Qur’an und der Heilige ProphetSAW uns mitgeteilt haben.

Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, dass der Heilige Qur’an eine universelle Sprache verwendet, die von Menschen verstanden werden kann. Die Belohnungen des Jenseits sind nicht weltlich, sondern werden als Gleichnisse mit weltlichen Namen beschrieben, damit wir die Güte, mit der wir belohnt werden, verstehen können.

Ein Beispiel dafür ist die Beschreibung der Endzeit und des Dajjal durch den Heiligen ProphetenSAW: Jabir bin Abdullah berichtete, dass der Heilige ProphetSAW über Dajjal Folgendes sagte: »Und sein Esel, auf dem er ankommen wird, wird eine Spannweite von 40 Händen zwischen seinen beiden Ohren haben.«[iii] An einer anderen Stelle beschrieb der Heilige ProphetSAW, dass der Dajjal leicht auf Land und auf Wasser reisen könne.[iv]

Wir haben nun mittlerweile erfahren, dass es sich bei dieser Beschreibung um Züge und Flugzeuge handelte. Damals war es jedoch fast unmöglich zu erklären, was Züge und Flugzeuge sind.

Abgesehen davon sind die Belohnungen des Jenseits nicht physischer Natur, sondern eher spiritueller Natur und helfen einem kontinuierlich dabei, sich in Spiritualität weiterzuentwickeln. 

Im Heiligen Qur’an heißt es zum Beispiel: »Und bringe frohe Botschaft denen, die glauben und gute Werke tun, dass Gärten für sie sind, durch die Ströme fließen.«[v]

Der Verheißene MessiasAS hat dies wie folgt erklärt:
»In diesem Vers hat Gott der Allmächtige den Glauben als Garten und rechtschaffene Handlungen als Wasserströme bezeichnet. Das ist der Zusammenhang zwischen rechtschaffenen Handlungen und Glauben. Da kein Garten ohne Wasser blühen und Frucht bringen kann, ist auch kein Glaube hilfreich, der nicht von rechtschaffenem Handeln begleitet wird. Was ist also das Paradies? Er ist die Verkörperung des Glaubens und rechtschaffenen Handelns.«[vi]

Ähnlich verhält es sich mit dem Erhalten von Milch, Honig und Wein, wie es der Verheißene MessiasAS formuliert:
»Sie werden physisch beschrieben, aber wir werden unterrichtet, dass sie die Seele erleuchten und Verständnis für Gott schaffen. Ihre Quelle ist die Seele und die Rechtschaffenheit. Das bedeutet nicht, dass das, was wir in dieser Welt an Milch, Honig, Trauben, Granatäpfeln usw. zu uns nehmen, auch im Jenseits bereitgestellt wird. Ganz und gar nicht. Diese Dinge werden in ihrer Art und Beschaffenheit völlig verschieden sein, mit Ausnahme der Dinge, die gemeinsame Namen haben. Obwohl all diese Segnungen konkret veranschaulicht werden, ist gleichzeitig darauf hingewiesen worden, dass all diese Segnungen die Seele erleuchten und zur Erkenntnis des Göttlichen führen. Ihre Quelle ist die Seele und die Wahrheit. ›Was uns zuvor gegeben wurde‹, bedeutet nicht, dass sie materielle Gaben dieser Welt sind. Nein, absolut nicht. Was Gott in diesem Vers sagen will, ist, dass die Gläubigen, die rechtschaffen handeln, mit ihren eigenen Händen einen Himmel schaffen, dessen Frucht sie auch in der anderen Welt genießen werden. Wenn sie diese Frucht geistlich in dieser Welt gekostet haben werden, werden sie sie in der anderen Welt erkennen und ausrufen: ›Dies scheinen dieselben Früchte und geistlichen Errungenschaften zu sein, die wir in der Welt genossen haben.‹ Auf diese Weise werden diejenigen, die Gott anbeten und spirituelle Erkenntnis besitzen, sie erkennen.«[vii]

Der vielleicht größte Irrtum und wogegen die meisten Anschuldigungen erhoben werden, ist die Belohnung von schönen, holden Jungfrauen, die sexuelle Leidenschaften erfüllen. Im Heiligen Qur’an heißt es:
»So (wird es sein). Und Wir werden sie mit holdseligen Mädchen vermählen, die große, herrliche Augen haben.«[viii]

Hier ist es notwendig zu erklären, was das arabische Wort ḥūr (حور), das als holde Jungfrauen übersetzt wird, eigentlich bedeutet. In der arabischen Sprache sind die Substantive entweder männlich oder weiblich. Oft wird ein männliches Substantiv verwendet, wenn es sich auf ein Maskulin bezieht und wenn es sich auf ein Feminin bezieht, ist die häufigste Form die Hinzufügung von tā marbūṭa (ة) am Ende des maskulinischen Substantivs, um es in die feminine Form umzuwandeln. Es gibt jedoch viele Dinge, die entweder als maskulin oder feminin bezeichnet werden, aber kein wirkliches Geschlecht haben, wie zum Beispiel ein Tisch, der minḍadatun (منضدة) genannt wird. Er hat eine weiblichen Form, aber kein Geschlecht. Ein Beispiel aus dem Qur’an ist:
»(Doch) du, o beruhigte Seele, kehre zurück zu deinem Herrn, befriedigt in (Seiner) Zufriedenheit! So tritt denn ein unter Meine Diener, und tritt ein in Meinen Garten!«[ix]

Die arabische Bezeichnung für »Seele in Frieden« ist an-nafsu l-muṭmaʾinnah (اَلنَّفْسُ الْمُطْمَئِنَّةُ), das hier in der weiblichen Form verwendet wird. Im Allgemeinen wird das Wort nafs (نفس) in der männlichen Form verwendet, in diesem Fall jedoch erscheint nafs hier in der weiblichen Form, da muṭmaʾinnah (مطمئنّة) als Adjektiv nach dem Wort nafs aus einem tā marbūṭa (ة) am Ende besteht. Somit kann nafs sowohl in der männlichen als auch in der weiblichen Form auftreten.

Dies ist bei dem arabischen Wort ḥūr der Fall. Es kann sowohl auf männliche als auch auf weibliche Personen angewandt werden und bedeutet, dass im Jenseits die Männer reine Partner haben und die Frauen ebenfalls reine Partner. Deshalb wird an einigen Stellen im Heiligen Qur’an, wie z.B. in Kapitel 2, Vers 26 und Kapitel 3, Vers 16, das Wort »reine Ehepartner« verwendet, das sowohl auf Männer als auch auf Frauen zutreffen kann. Das Wort ḥūr bedeutet auch jemand, der extrem weiße Augen hat, was auf Reinheit hindeutet.[x]

Zur Klarstellung: Der Zweck dieser Ehepartner wird nicht darin bestehen, sexuelle Gelüste zu befriedigen, vielmehr werden Gläubige mit spirituellen Partnern zusammengebracht, die ihnen helfen, spirituell voranzukommen und sie zu guten Taten zu motivieren, so wie es das Konzept der Ehe auch in dieser Welt ist.

Wenn man sich diese Perspektive vor Augen hält, ist das Konzept des Paradieses viel verständlicher und widerlegt jede Behauptung, dass das Jenseits solch lüsterne und eitle Begierden aufweist. Es besteht kein Zweifel daran, dass Gott diejenigen, die es verdienen, mit unvorstellbaren Gaben belohnen wird, die ewig, spirituell und von reiner Natur sein werden.

Referenzen:
[i] Der Heilige Qur’an 32:18
[ii] Der Heilige Qur’an 15:46-49, 36:56-59
[iii] Kanzu l-ʿummāl Bd. 7, Hadith Nr. 2998
[iv] Ṣaḥīḥ muslim, Hadith No.2937a
[v] Der Heilige Qur’an 2:26
[vi] Malfūẓāt, Bd. III, S. 25-30
[vii] Malfūẓāt, Bd. III, S. 25-30
[viii] Der Heilige Qur’an 44:55
[ix] Der Heilige Qur’an 89:28-31
[x] Team, Almaany. almaany.com. Accessed May 20, 2020. https://www.almaany.com/ur/dict/ar-ar/حور/.

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