Ahmadiyya Aus den Schriften des Verheißenen Messias (as) Islam

Der wahre Sinn von Religionen

Aus den Schriften von Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS
Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat

Der wahre Sinn von Religionen ist, den wahren Gott, den Schöpfer des Universums zu erkennen, eine solche Liebe zu Ihm zu entwickeln, die die Liebe zu allem anderen erkalten lässt, mit Seinen Geschöpfen mit Mitgefühl umzugehen, und danach zu streben, die größtmögliche innere Reinheit zu erlangen. Demgegenüber sehe ich jedoch, dass dieser Zweck in der heutigen Zeit vergessen wurde und viele Menschen einem wie auch immer geartetem Atheismus folgen. Sie sind sich der Existenz Gottes nicht bewusst und dieses mangelhafte Bewusstsein über die Existenz Gottes führt dazu, dass mit immer weniger Skrupel Sünden begangen werden. Es ist logisch, dass man eine Sache, die man nicht kennt, nicht wertschätzt, nicht liebt noch hat man Furcht vor ihr. Alle Arten der Liebe und Furcht entstehen nach der Erkenntnis. Es ist also ersichtlich, dass heutzutage auf der Welt eine Vielzahl der Sünden aufgrund fehlender Erkenntnis begangen wird. Ein Merkmal von wahren Religion ist, dass in ihr viele solcher großartigen Zeichen vorhanden sind, die das Erkennen von Gott ermöglichen, sodass die Menschen sich nicht nur vor Sündhaftigkeit schützen, sondern sie die Schönheit Gottes erfahren und daraufhin solch einen Liebe zu Ihm entwickeln, dass auch nur ein Augenblick der Trennung von Gott für sie sich schlimmer anfühlt als die Qualen der Hölle. Befreiung von Sündhaftigkeit und in der Liebe Gottes zu versinken, bedeuten nicht nur den unzweifelhaft höchsten Sinn menschlicher Existenz erlangt zu haben, sondern auch wahre Glückseligkeit und das Erlangen von Seelenfrieden. Demgegenüber sind alle Wünsche, die dem Wohlgefallen Gottes widersprechen, und jedes Leben, das damit verbracht wird, diese Wünsche zu erlangen, gleichzusetzen mit dem Feuer der Hölle.

Wie Befreiung von Sünden gelingen kann
An dieser Stelle kommt nun die Frage auf, wie man sich von dieser höllischen Existenz befreien kann. Die mir von Allah mitgeteilte Antwort lautet, dass wenn man sich von diesem Feuertempel befreien möchte, man eine wahre und vollkommene Erkenntnis von Gott besitzen muss, denn die menschlichen Gefühle, die einen zum Schlechten verleiten, den Glauben zu vernichten. Gegen die Stärke solcher Kräfte wird ein Gegenmittel benötigt, das ebenso stark ist. Wir brauchen also um Erlösung zu erlangen, vollkommenes Wissen und vollkommene Erkenntnis von Gott, denn es verhält sich wie mit dem Diamanten; nur ein Diamant hat die Stärke einen anderen zu schneiden. Es benötigt nicht viele Argumente um aufzuzeigen, dass nur wahre Gotteserkenntnis – ma’rifat – Liebe zu Frucht entstehen lässt. Wenn z. B. einem Kind ein wertvoller Diamant mit einem Wert von mehreren Millionen gegeben wird, dann wird das Kind diesen Diamanten genauso wertschätzen wie ein Spielzeug. Und wenn einem Menschen ohne sein Wissen in seinem Honig Gift beigemischt wird, dann wird er diesen Honig sehr gerne essen und nicht daran denken, dass der Verzehr seinen Tod zur Folge hat. Dies verhält sich so, weil er keine Kenntnis von diesem Gift hat. Man kann nicht wissentlich in das Loch einer Schlange greifen. Denn man weiß ja, dass dies den Tod zur Folge haben könnte. Genauso wird man auch nicht ein Gift zu sich nehmen, denn man hat Kenntnis darüber, dass die Einnahme zum Tod führen wird. Was ist dann der Grund dafür, dass man diesen Tod nicht fürchtet, der einen überkommt, wenn man die Gebote Allahs missachtet? Ich sage, es liegt einzig daran, dass man sich nicht bewusst ist, welche Gefahren sündhaftes Verhalten birgt, im Gegensatz zu der Gefahr, die von Schlangen oder Gift ausgeht, die ja sehr offensichtlich ist.
Diese Tatsache ist eindeutig und keine Logik kann das Faktum widerlegen, wonach vollkommene Erkenntnis die Menschen von all den Taten abhält, de dem Leben und Eigentum eines Menschen schaden könnten. Und um so zu handeln, ist auch nicht der Glaube an irgendeine Sühnedoktrin notwendig. Ist es nicht wahr, dass auch den Verbrechern, die es gewohnt sind, Straftaten zu begehen, tausende von Gefühle und Gewissensbisse überkommen, denn sie wissen, dass, wenn sie erwischt werden, ihnen schwere Strafen drohen? Und man sieht, dass diese Verbrecher nicht tagsüber in einem Geschäft einbrechen, in dem Tausende von Rupien frei rum liegen und in deren Umgebung Polizisten unterwegs sind. Hören diese Leute also mit ihren Diebstählen und Ungerechtigkeiten auf, weil sie einen festen Glauben besitzen oder weil sie von der Vorstellung des Kreuzes überzeugt sind?
Nein, sondern nur weil sie die schwarzen Uniformen der Polizisten fürchten und der Glanz der Polizistenschwerter ihre Herzen zum Erzittern bringt. Sie haben die vollkommene Erkenntnis, dass, wenn sie Gewalt ausüben, sie sofort ins Gefängnis müssen. An dieses Gesetz sind nicht nur wir Menschen gebunden, sondern auch Tiere. Ein angreifender Löwe würde seine Pfoten nicht in brennendes Feuer legen, auch wenn sich auf der anderen Seite Beute befinden würde. Und ein Wolf wird eine Ziege nicht angreifen, wenn der Hirte mit geladenem Gewehr und gezogenem Schwert daneben steht.
Also, meine Lieben! Es ist eine wahre und erwiesene Tatsache, dass der Mensch zur Befreiung von Sünden von vollkommener Gotteserkenntnis abhängig ist und nicht von irgendeiner Erlösung. Ich sage wahrhaftig, wenn das Volk von NoahAS durch vollkommene Gotteserkenntnis vollkommene Furcht erlangt hätte, dann wäre es niemals versunken. Und wenn LotsAS Volk diese Erkenntnis gewährt wäre, so hätte es auf sie nicht Steine gehagelt. Und wenn diesem Land die Erkenntnis Gottes zuteil geworden wäre, die im Körper ein Zittern erzeugt, dann hätte die Pest nicht eine solche Vernichtung angerichtet, wie sei es getan hat. Eine mangelhafte Erkenntnis jedoch bringt nichts, noch kann dessen Ergebnis, also Furcht und Liebe, vollkommen sein. Unvollkommener Glaube ist nutzlos und unvollkommene Liebe ist nutzlos und unvollkommene Furcht ist nutzlos und unvollkommene Erlösung ist nutzlos. Und jegliche Nahrung und jeglicher Trank, die nicht vollkommen sind, sind nutzlos. Kannst du deinen Hunger nur durch ein Korn stillen?
O diejenigen, die träge in ihren Bemühungen sind! O Wahrheitssuchende! Wie könnt ihr mit geringer Erlösung, geringer Liebe und geringer Furcht große Segnungen Gottes erwarten?
Es ist die Aufgabe von Gott, dem Allmächtigen, die Menschen von Sünden zu reinigen und die Herzen mit seiner Liebe zu füllen. Und es ist von Seiner Absicht abhängig, die Furcht von Seiner Erhabenheit im Herzen zu erzeugen. Ebenso war es schon immer ein göttliches Verfahren, dass all diese Dinge nur nach der vollkommenen Erkenntnis erlangt werden können. Die Wurzel von Frucht, Liebe und Respektbekundung liegt also in der vollkommenen Erkenntnis. Derjenige also, der vollkommene Erkenntnis erlangt hat, der hat auch vollkommene Furcht und Liebe erlangt. Und derjenige, der vollkommene Furcht und Liebe erlangt hat, der wir auch von jeder Sünde, die durch Skrupellosigkeit entsteht, befreit. Für diese Erlösung sind wir weder auf irgendjemandes Blut angewiesen, noch auf irgendein Kreuz. Und wir benötigen auch kein Sühneopfer, sonder nur ein Opfer unserer Begierden, dessen Notwendigkeit unsere Natur verspürt. Eine andere Bezeichnung für ein solches Opfer ist ISLAM.
ISLAM bedeutet, dass man sein Selbst opfert, dass man mit vollkommener Überzeugung seine Seele an die Schwelle zu Gott legt. Dieser schöne Name ist die Seele jeder Scharia (A.d.Ü.: Gottesgesetz) und das Leben aller göttlichen Gebote. Mit Herzensfreude und Wohlwollen sich selbst zu opfern, erfordert vollkommene Liebe. Und vollkommene Liebe erfordert vollkommene Erkenntnis. Der Begriff Islam deutet also darauf hin, dass für das wahre Opfern vollkommene Erkenntnis und Liebe notwendig sind und nichts anderes. Darauf deutet Allah im Heiligen Qur’an hin:
„Weder das Fleisch, noch das Blut eurer Opfer erreichen Mich; das einzige Opfer, das Mich erreicht, ist eure Furcht vor Mir, und dass ihr Meinetwillen Rechtschaffenheit erlangt.“ (al-Hadsch:38)
Man sollte wissen, dass alle Gebote des Islam den Zweck erfüllen, zu dem Ziel zu führen, dass dem Wort Islam inhärent ist. Aus diesem Grund gibt es im Heiligen Qur’an solche Lehren, die versuchen, Gott liebenswürdig darzustellen.
Mal zeigen sie die Schönheit und Pracht Gottes und mal erinnern sie an Seine Güte. Denn die Liebe zu etwas entsteht entweder durch Schönheit oder durch Güte. Schließlich steht geschrieben, dass Gott in seinen Vorzügen einzigartig du unvergleichbar ist. In Ihm ist keine Schwäche. Er ist die Summe aller vollkommenen Attribute und in Ihm manifestiert sich alle heilige Macht, Er ist der Ursprung aller Schöpfung, die Quelle aller Wohltätigkeit, Der Meister von Belohnung und Bestrafung und zu Ihm kehrt alles zurück. Er ist nah trotz Ferne und Er ist fern trotz Nähe. Er ist ganz oben, jedoch kann man nicht sagen, dass etwas unter Ihm liegt. Und er ist von allen Dingen am meisten Verborgen, doch man kann nicht sagen, dass etwas sichtbarer ist als Er. Er ist lebendig durch seine Natur und alle Dinge sind mit Ihm lebendig. Er existiert mit seiner Natur und alle anderen Dinge existieren wegen Ihm. Er hat alle Dinge erhoben, doch nichts hat Ihn erhoben. Nichts ist ohne Ihn von selbst entstanden oder kann ohne Ihn von selbst bestehen bleiben. Er umfasst alle Dinge, doch man kann nicht sagen, dass Er begrenzt ist. Er ist das Licht aller Dinge, im Himmel und auf der Erde. Jegliches Licht strahlt aus Seiner Hand und spiegelt Sein Wesen wieder. Er ist der Gott aller Welten. Es gibt keine Seele, die nicht von Ihm aufgezogen wird und aus sich selbst bestehen könnte.
Seine Gnade besteht aus zwei Arten:

  1. Die Gnade, die, ohne dass jemand etwas getan hat, seit jeher besteht, wie die Erde, Himmel, Sonne, Mond, Sterne, Wasser, Feuer, Luft und alle Teilchen in dieser Welt, die für unser Wohl erschaffen wurden. Genauso wurden alle Dinge, die für uns notwendig sind, vor unserer Geburt erschaffen, so dass niemand von uns auch nur irgendeine Handlung ausführen musste. Wer kann also behaupten, dass die Sonne wegen seiner Taten erschaffen wurde oder die Erde nur wegen seiner reineren Güte?
  2. Die Gnade, die abhängig ist von den Handlungen der Menschen. Diese erfordert keine Erklärung.

Im Qur’an wird erwähnt, dass Gott frei von jeglicher Schwäche ist, und dass Er möchte, dass der Mensch Seine Lehren befolgt und sich so von Schwächen befreit. Er sagt:
„Derjenige, der in dieser Welt blind ist (und unfähig dazu ist, Den Unvergleichlichen zu erblicken), wird auch im Jenseits blind sein und die Dunkelheit wird ihn nicht verlassen.“ (17:73)

Wie Gott im Diesseits erfahrbar wird
Um Gott sehen zu können, erhält man in dieser Welt Sinne und derjenige, der diese Sinne verkümmern lässt und nicht von dieser Welt in die nächste mitnimmt, der wird auch im Jenseits Gott nicht sehen können. In diesem Vers hat Gott deutlich erklärt, welche Fortschritte Er vom Menschen erwartet und bis wohin der Mensch gelangen kann, wenn er Gottes Lehre befolgt. Danach stellt er im Qur’an die Lehre vor, durch die man in dieser Welt Gott erfahren kann. So sagt er:
Sprich: „Ich bin nur ein Mensch wie ihr, doch mir ist es offenbart worden, daß euer Gott ein Einiger Gott ist. Möge denn der, der auf die Begegnung mit seinem Herrn hofft, gute Werke tun und keinen andern einbeziehen in den Dienst an seinem Herrn.“ (18:111)
D. h. Wer auch immer es wünscht, Gott – den wahren Erschaffer – in dieser Welt zu sehen, sollte rechtschaffen handeln. Seine Taten sollten frei sein von Zurschaustellung und durch sie sollte im Herzen kein Hochmut entstehen, noch sollten die Taten unvollkommen und mangelhaft sein. Und sie sollten nicht einen Gestank erhalten, der die Liebe zu Gott verdrängt. Vielmehr sollten die Taten von Wahrheit und Aufrichtigkeit erfüllt sein. Zudem sollte man sich vor jeglicher Gottesgleichstellung (širk) schützen. Nicht Sonne, Mond, Himmel, Sterne, Luft, Feuer oder Wasser noch irgendeine andere weltliche Sache sollte vergöttert werden und weltlichen Mitteln sollte nicht so viel Vertrauen geschenkt werden als wären sei Gott gleichgestellt. Außerdem sollte man sein Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht überbewerten, denn auch dies ist eine Form von širk. Auch wenn man sehr viel erreicht hat, sollte man glauben, nichts erreicht zu haben. Es sollte nicht mit Wissen und Taten geprahlt werden, vielmehr sollte man sich als ungebildet erachten und demütig sein. Man sollte sein Seele vor der Schwelle Gottes legen und mit Gebeten Seine Wohltätigkeit auf sich ziehen. So wie jemand, der große Durst verspürt und plötzlich eine Wasserquelle findet, aus der reines und süßes Wasser fließt. Von großem Durst geplagt kämpft er sich stolpernd und fallend bis zur Quelle hervor, beginnt zu trinken und hört nicht auf, bis er seinen Durst vollkommen gelöscht hat. (Der Vortrag von Lahore, Frankfurt 2011, S. 20-27)

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