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Deutsche Medien zu Nachrichten aus Israel: Ja und Amen?

„Wir können es nicht offiziell bestätigen, aber Sie können davon ausgehen, dass es passiert ist, und dem Bericht glauben.“

von Scharjil Khalid

Immer mehr Menschen beklagen eine Einseitigkeit in der deutschen Berichterstattung und sehen eine erhebliche Diskrepanz zwischen deutschen und internationalen Medien. Kritisiert wird insbesondere, dass deutsche Medien häufig die israelische Perspektive überbetonen, und das, ohne dabei oft Meldungen aus Israel kritisch zu prüfen. Stimmt es, dass internationale öffentlich-rechtliche Sender die ganze Situation ausgewogener abbilden? Sagt Deutschland dagegen zu allem Ja und Amen?

In folgendem Vergleich zwischen deutscher und internationaler Berichterstattung soll offen gelegt werden, ob dieser Trend tatsächlich existiert und wie ausgeprägt und besorgniserregend er tatsächlich ist. 

Schon zu Kriegsbeginn in Israel-Gaza wurde der Unterschied zwischen deutschen und internationalen Medien deutlich, als die Meldung von 40 enthaupteten Babys weltweit für Schlagzeilen sorgte. Während deutsche Medien – bis auf wenige Ausnahmen – diese Nachricht bis heute nicht eingeordnet haben, wurde sie international bereits einige Tage nach der Meldung von nahezu allen bedeutenden Medien revidiert. 

Nicht nur das. Eine Journalistin von CNN hat sich sogar öffentlich dafür entschuldigt, dass sie die Nachricht Israels über enthauptete Babys verteidigt hat.1 In Deutschland indes wird jedes Anzeichen einer kritischen Hinterfragung unverhohlen als Kollaboration mit den Feinden geahndet. Viele verwenden sogar noch immer diese Falschmeldung, um die rücksichtslosen Bombardements Israels zu rechtfertigen. 

Als in persönlichen Gesprächen Politiker und sogar Journalisten darauf hingewiesen wurden, dass die Meldung über 40 enthauptete Babys längst widerlegt worden ist, reagierten die meisten ungläubig und gaben zu, davon zum ersten Mal zu hören. Viele von ihnen hatten noch nicht einmal mitbekommen, dass selbst Präsident Biden seine Aussage dazu revidiert hatte.2 

Meldungen internationaler Medien, wie im Bild oben dargestellt, wären in Deutschland wünschenswert. Internationale Medien haben im Gegensatz zu den deutschen nicht einfach blind dem israelischen Sender i24News geglaubt, sondern nachgehakt und von einem IDF-Soldaten direkte Beweise eingefordert, woraufhin er wie folgt reagierte: 

„Wir werden den Zustand der Leichen nicht untersuchen und selbst, wenn wir es täten, würden wir uns nicht öffentlich über den Zustand der Leichen unserer Zivilisten und Babys äußern. Die Kriegsverbrechen, die die Hamas begangen hat, sind für die Welt offensichtlich und werden in der Welt gesehen, und ich muss keine Beweise dafür vorlegen und werde es auch nicht tun. Lassen Sie Ihre Leser wissen, dass das eine Behauptung von einem Soldaten war, der mit den Leichen zu tun hatte. Das war seine Behauptung, Ich habe keine Beweise und suche auch nicht nach einem.“3

Der israelische Soldat sagt hier selbst, dass er keine Beweise für die Behauptung 40 enthaupteter Babys vorlegen könne und auch nicht danach suchen werde. Ein Sprecher der IDF bekräftigte diesen Anspruch: 

„Wir können es nicht offiziell bestätigen, aber Sie können davon ausgehen, dass es passiert ist, und dem Bericht glauben.“4

Während internationale Medien aufgrund der mangelnden Beweislage skeptisch waren, schenkten deutsche Medien der IDF blindes Vertrauen. Deren Sprecher hatte doch schließlich gesagt: „Sie können davon ausgehen, dass es passiert ist.“ Wozu also noch investigativ aktiv werden? Kurios ist dabei, dass selbst ein israelischer Beamter gegenüber CNN sagte, die Regierung habe die Behauptungen über die Enthauptungen nicht bestätigt, nachdem ein Tag zuvor – am 11.10. – ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten behauptete, Babys und Kleinkinder mit enthaupteten Köpfen seien nach dem Hamas-Angriff im Süden Israels gefunden worden.5 Am selben Tag erklärte der IDF Sprecher Doron Spielman, dass er den Bericht von i24NEWS über 40 enthauptete Babys nicht bestätigen könne.6 

Dieses Beispiel entlarvt den sogenannten Qualitätsjournalismus unserer Medien. Statt sich, wie die CNN-Journalistin, zu entschuldigen, verabsäumten es viele deutschen Medien, ihre Berichte überhaupt zu korrigieren. Im Gegenteil: Während internationale Medien den Bericht längst kritisch eingeordnet hatten, veröffentlichte Die Welt sogar am Folgetag einen Artikel darüber, dass tatsächlich Babys enthauptet worden seien.7 Auch die Bild-Zeitung hat als auflagenstärkste Tageszeitung Deutschlands ihre falsche Schlagzeile von „Babys mit abgeschnittenen Köpfen“ nicht korrigiert.8 Dafür hat sie scheinbare Fake News Palästinas „aufgedeckt“, wie die von vermeintlichen Plastik-Babys, die als echte Babys dargestellt worden seien. Interessant ist, dass es sich bei diesen Plastik-Babys laut Rechtsmedizinern wie Carsten Babian tatsächlich um echte Leichname handelte.9 Anstatt über wirkliche Falschmeldungen zu berichten, verbreitet Bild weitere Fake News. Und dann wundern wir uns, dass viele Menschen den deutschen „Mainstream-Medien“ nicht mehr vertrauen. Warum wohl?

Diese Diskrepanz in der Berichterstattung ist kein Einzelfall, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Krieg. Exemplarisch hierfür sind die Nachrichten rund um das Al-Schifa Krankenhaus, das in Deutschland einhellig als Kommandozentrale der Hamas verkauft wurde. Wie ist jedoch die internationale Sicht darauf? Wie aussagekräftig werden die von der IDF präsentierten “Beweise” betrachtet? Die Schlagzeilen sprechen für sich: 

Während internationale Medien das Video zum Hamas-Tunnel und dem Waffenfund hinterfragen, wird in deutschen Medien in bestimmendem Ton darüber berichtet, als sei es ein unzweideutiger Fakt. Fakt ist jedoch, dass es viele berechtigte Zweifel an der Darstellung der IDF gibt. Beispielsweise kommen BBC und CNN zu dem Schluss, dass einige Unstimmigkeiten in dem veröffentlichten Video der IDF vorhanden sind. Bei CNN heißt es: 

„Ein Video der israelischen Streitkräfte vom 15. November, das eine Ansicht der Hamas-Waffen zeigt, die im Al-Shifa-Krankenhaus gefunden wurden, zeigt weniger Waffen am Tatort als in späteren Aufnahmen, die von internationalen Nachrichtenteams gefilmt wurden, was darauf hindeutet, dass die Waffen möglicherweise vor dem Eintreffen der Nachrichtenteams dorthin gebracht oder dort platziert wurden.“10

„BBC Verify“ hat in einem drei-minütigen Beitrag mehrere Ungereimtheiten des Videos offengelegt und daraufhin die Plausibilität der IDF-Darstellung in Frage gestellt: 

„Israel sagt auch, dass es sich bei seinem Video um eine einzelne Aufnahme handelt, die nicht bearbeitet wurde. Aber es scheint tatsächlich eine Bearbeitung zu sein. Das IDF-Video zeigt auch militärische Ausrüstung an anderen Orten, obwohl wir nicht verifizieren können, wie sie dorthin gelangt ist.“11

Aufgrund dieser Sachlage resümiert The Guardian: 

„Die bisherigen Beweise der IDF liegen weit hinter der Behauptung zurück, dass das al-Shifa-Krankenhaus das Hauptquartier der Hamas ist.“12

In Deutschland beschränkt man sich auf den Hinweis, dass sich die Angaben nicht unabhängig prüfen lassen, gibt jedoch die Ansicht Israels so häufig ohne kritische Einordnung wieder, bis das Narrativ als wahr und unangefochten gilt. So wie beim Angriff auf den Krankenwagen neben dem Al-Schifa Krankenhaus: 

„Ein Sprecher des israelischen Militärs hat den Angriff auf den Krankenwagen verteidigt. »Wenn wir eine unmittelbare Bedrohung wahrnehmen, haben wir das Recht, zuzuschlagen«, schreibt er auf X . »Die Hamas missbraucht seit langem Krankenwagen in Gaza, um Kämpfer, Kommandeure und Waffen zu transportieren. Auf diese Weise verstößt sie gegen das Völkerrecht.« Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.“13

Statt den Völkerrechtsbruch der israelischen Regierung hervorzuheben, wird die IDF zitiert, wie sie der Hamas Völkerrechtsbruch vorwirft. In vielen internationalen Medien ist es umgekehrt und Israel wird gerügt: 

„»Selbst wenn die Hamas den Krankenwagen benutzen würde, um schädliche Handlungen zu begehen, würde dies einen Angriff nach dem Kriegsrecht nicht legitimieren«, sagte Brian Finucane, leitender Berater der International Crisis Group. Angesichts des offensichtlichen Schadens für die Zivilbevölkerung, der durch den Angriff in der Nähe des Al-Shifa-Krankenhauses verursacht wurde, wirft dieser Angriff ernste Fragen über die Einhaltung des Kriegsrechts auf.“14

Ein umfassender Vergleich zur Diskrepanz zwischen deutscher und internationaler Berichterstattung wurde vom Journalisten und Podcaster Tilo Jung in einem dreistündigen Beitrag vorgelegt, worin er sich ausschließlich auf öffentlich-rechtliche Medien konzentrierte. Gerade beim Luftangriff auf den Krankenwagen wird die Schieflage hiesiger Berichterstattung besonders offensichtlich. BBC, CBS, CNN etc. gehen ausführlich auf die Situation in Gaza ein, benennen die Zahl der Getöteten, zeigen Bilder der Kinder, spielen verschiedene O-Töne in längeren Beiträgen ein und bezeichnen den Angriff Israels als Kriegsverbrechen. Im Kontrast dazu widmet sich die Tagesschau am selben Tag lediglich 15 Sekunden den Menschen in Gaza, ohne Bilder von Zivilisten, ohne O-Töne, ohne kritische Einordnung.15 

Die Vermutung liegt nahe, dass diese Art der Berichterstattung bei der ARD mit dem Glossar zusammenhängt, das z.B. die NachDenkSeiten im Oktober veröffentlicht haben. In dem 44-seitigen Dokument wird den Journalisten der ARD genau vorgegeben, was sie über den Krieg im Nahen Osten sagen dürfen und was nicht. Auf Seite 4 des Glossars heißt es: 

„Die israelische Armee fliegt als Reaktion Angriffe im Gaza-Streifen. Ziele waren in der Vergangenheit stets militärische Einrichtungen der Hamas. Oft sterben dabei viele Zivilisten – die Hamas nutzt diese oft als menschliche Schutzschilde. Dennoch sollten wir stets klarmachen, dass es sich in der Regel um Angriffe auf militärische Ziele handelt.“16

Ergo werden ARD-Journalisten aufgefordert, kritiklos die Lesart der israelischen Armee zu übernehmen. Erschütternd ist dieser blinde Glaube an die IDF erstens, weil die IDF Kriegspartei ist und weil das ‘erste Opfer des Krieges bekanntlich die Wahrheit ist‘, wie es der frühere US-Gouverneur Hiram Johnson formulierte. 

Zweitens ist die unreflektierte Akzeptanz der IDF Aussagen deswegen so fatal, weil sie nachweislich nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in diesem Krieg vermehrt Falschinformationen veröffentlicht hat.

Ein Militärsprecher der IDF behauptete, in einem Krankenhaus in Gaza Stadt einen ‚Schichtplan der Terroristen‘ gefunden zu haben, was von einigen Medien sofort verbreitet wurde. Bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus, dass es sich nicht um Namen von Hamas-Leuten handelte, sondern um die bloßen Wochentage in einem Kalender.17 

Auch über Social Media wurden und werden Falschinformationen verbreitet, bspw. durch den israelischen Diplomaten Ofir Gendelman, der einen irreführenden Clip in den sozialen Medien postete und dazu kommentierte: 

„Die Palästinenser täuschen die internationalen Medien und die öffentliche Meinung. FALLEN SIE NICHT DARAUF HEREIN. Seht selbst, wie sie Verletzungen vortäuschen und “verletzte” Zivilisten evakuieren, und das alles vor den Kameras: ‚Pallywood wird wieder gesprengt‘.“18

In Wirklichkeit handelte es sich bei dem Video um einen Behind-the-Scenes-Clip aus einem Kurzfilm, der im Libanon gedreht wurde. Der Beitrag blieb mehrere Tage online, trotz Einwänden einer Twitter-Community-Notiz, Hunderten von Kommentatoren, einem BBC-Bericht und dem Regisseur des Films, der bestätigte, dass es sich bei dem Beitrag um eine Fälschung handelte. Gendelman wurde auch schon 2021 beim Verbreiten von Falschnachrichten entlarvt, als er ein Video teilte und fälschlicherweise behauptete, es zeige Palästinenser, die Raketen aus einem zivilen Gebiet in Gaza abfeuern. Dieses Video war 2018 in Syrien aufgenommen worden.19

Medienkritikerin Sana Saeed bemerkte bereits zu Beginn des Kriegs zurecht: 

„Es ist etwa vier Tage her, dass diese unglaubliche und tragische Eskalation der Gewalt stattfindet, und das Ausmaß an Fehlinformationen – sogar Desinformation – scheint nahezu beispiellos zu sein. Wir haben gesehen, wie insbesondere Journalisten ungeprüfte Informationen verbreitet haben, die dazu benutzt werden, israelische und sogar amerikanische Aufrufe und Aktionen zur Vernichtung einer ganzen Bevölkerung zu rechtfertigen.“20

Hadhrat Mirza Masroor Ahmad, Kalif und Oberhaupt der weltweiten Ahmadiyya Muslim Jamaat, erklärt treffend: 

„In der Berichterstattung der Medien werden Bilder gezeigt, um einseitig das Ausmaß der Grausamkeiten zu verdeutlichen; für diesen Zweck werden bisweilen auch Falschmeldungen verbreitet. Beispielsweise wird an einem Tag über die Lage und das schlimme Schicksal der israelischen Frauen und Kinder berichtet. Doch am nächsten Tag stellt sich heraus, dass es sich dabei nicht um Israelis, sondern tatsächlich um Palästinenser gehandelt hat. Doch weder sind die Medien bereit, Verantwortung dafür zu übernehmen und sich zu entschuldigen, noch wird Mitgefühl für die (eigentlichen) Opfer geäußert.“ 

Angesichts dessen ist es von der ARD höchst fahrlässig und naiv, das zuvor erwähnte Glossar an die eigenen Journalisten herauszugeben und somit kritischen Journalismus von Grund auf zu verhindern. Zumal viele Aussagen offenkundig falsch und verstörend sind, wie die Behauptung „Dennoch sollten wir stets klarmachen, dass es sich in der Regel um Angriffe auf militärische Ziele handelt.“Wie kann man bei über 5000 getöteten Kindern in Gaza so eine zynische und heuchlerische Aussage treffen? 

Wenn jetzt wie immer der absurde Vorwurf erhoben wird, dass den Zahlen nicht zu trauen sei, da sie von der Hamas stammen, stellt sich die Frage, von wie vielen Toten diese Leute ausgehen, wenn allein in der ersten Woche mehr als 6000 Bomben über Gaza abgeworfen wurden? Diese Zahl übersteigt sogar die Bombenangriffe der Vereinigten Staaten in jedem anderen Monat ihres Kampfes gegen den IS.21 Denken die Leute etwa, dass bei einer derart massiven und völlig unverhältnismäßigen Bombardierung auf einem so dicht besiedelten Gebiet wie dem Gaza-Streifen wenig zivile Opfer zu erwarten sind? Es ist unfassbar, dass man lieber über die vermeintlich verfälschten „Hamas-Zahlen“ spricht, als über das grausame Blutbad, das Israel täglich in Gaza anrichtet. 

Überdies haben verschiedene NGOs sowie die UNO die Zahlen als glaubwürdig eingestuft.22 Das Problem ist nur, dass für Menschen, die Israel blind folgen, auf einmal alle Institutionen und Organisationen – einschließlich UNO, Rotes Kreuz, usw. – suspekt sind und sie lieber nur noch der IDF trauen. Für solche Verblendeten sei auf die eigene Einschätzung der IDF verwiesen, die bis zum 04.11. – also vor den Angriffen auf das Al-Schifa Krankenhaus – bereits von 20.000 Toten in Gaza ausging.23 Sprich: Die aktuellen Zahlen aus Gaza liegen sogar einen Monat später unter den Angaben der IDF.   

Die deutschen Mainstream-Medien sollten innehalten und über die Konsequenzen ihrer einseitigen und inzwischen häufig irreführenden Berichterstattung nachdenken. Durch die verzerrte mediale Darstellung werden die ohnehin herausfordernden gesellschaftlichen Spannungen zunehmend verschärft. Das daraus resultierende gefährliche Konfliktpotential manifestiert sich täglich auf verschiedenen Ebenen der Gesellschaft, sei es durch den rapiden Anstieg von Antisemitismus einerseits und Muslimfeindlichkeit andererseits, sowie durch den wachsenden Unmut und Frust der hier lebenden Palästinenser, die sich nicht ausreichend gesehen und gehört fühlen. Mit ihnen haben haben inzwischen auch viele andere Menschen ein dermaßen starkes Misstrauen gegenüber den Mainstream-Medien entwickelt, dass sie vermehrt auf alternative Medien zurückgreifen. Häufig wird dabei sogar verschwörerischen Theorien auf Plattformen wie TikTok und Instagram mehr Glauben geschenkt als den öffentlich-rechtlichen Sendern. Für sie hat sich so die Erzählung der Moderne von Demokratie und Menschenrechten aufgrund ihrer Doppelmoral ausgeträumt. 

Die unzureichende Darstellung der palästinensischen Perspektive im aktuellen Brandherd in Nahost bestätigt in gewisser Weise die Kritik von Marx, Adorno und Horkheimer an der Moderne. Die von der Moderne hervorgebrachte instrumentelle Vernunft sowie ihre Rationalisierungsprozesse führen ihrer Meinung nach zur Abstumpfung und Entfremdung des Menschen. 

Viele sehen diese Kritik im medialen Diskurs widergespiegelt, besonders wenn das Leid der Menschen in Gaza durch abstrakte Zahlen kaschiert wird. Die Reduzierung auf Zahlen mindert die Empathie und das Mitgefühl der Menschen, da es ihnen schwerfällt, sich mit abstrakten Zahlen zu identifizieren. Das Leiden wird entfremdet und verliert seinen menschlichen Bezug. Im Fall der Menschen ist Gaza ist das Unrecht noch gravierender, da selbst diese Zahlen in Frage gestellt werden, und somit das Leiden der Palästinenser doppelt ignoriert wird.

Wird die Kluft zwischen deutschen und internationalen Medien nicht geschlossen, schaden die Medien nicht nur ihrem eigenen Ansehen, sondern beeinträchtigen auch maßgeblich den gesellschaftlichen Zusammenhalt und unsere wehrhafte Demokratie. Parteiische Solidarität und eine unreflektierte Staatsräson zu Israel führen dazu, israelischen Meldungen blind zu folgen und palästinensisches Leid unsichtbar zu machen. 

Es ist daher höchste Zeit, dass die deutschen Medien dies erkennen und die Art ihrer Berichterstattung grundlegend reformieren. Vor allem ist es Zeit, Solidarität zu Israel nicht als bedingungsloses Ja und Amen zu verstehen. Ein bedingungsloses Ja und Amen zu Israel ist keine Solidarität und keine Staatsräson; es ist feige und unaufrichtig und wird am Ende entlarvt werden.

__________________

1  CNN reporter apologizes for defending Israeli claims that Hamas beheaded babies (aa.com.tr)
2 Evan Hill auf X: „Clarification from the White House regarding Biden’s remarks https://t.co/8fXafd5Bpn https://t.co/N7ci2jHXf2“ / X (twitter.com)
3 IDF sagt, dass es “respektlos” wäre, die Behauptung über enthauptete Babys nicht zu stützen (businessinsider.com)
4 IDF sagt, dass es “respektlos” wäre, die Behauptung über enthauptete Babys nicht zu stützen (businessinsider.com)
5 Unbestätigte Berichte über “40 enthauptete Babys” im Krieg zwischen Israel und der Hamas entzünden die sozialen Medien (nbcnews.com)
6 Ebd.
7 Israel: Netanjahu zeigt US-Außenminister Blinken Fotos von ermordeten Babys – WELT
8 Israel-Reporterin über Massaker: „Babys mit abgeschnittenen Köpfen“ | Politik | BILD.de
9 Puppe statt totes Kind in Gaza? Warum es keine Belege für diese Behauptung gibt (correctiv.org)
10 18. November 2023 Krieg zwischen Israel und der Hamas (cnn.com)
11 BBC: Israel Has Provided No Evidence That Al-Shifa Hospital Was A Hamas “Command Center” | Video | RealClearPolitics
12 Die bisherigen Beweise der IDF liegen weit hinter der Tatsache zurück, dass das al-Shifa-Krankenhaus das Hauptquartier der Hamas ist | Krieg zwischen Israel und der Hamas | Der Wächter (theguardian.com)
13 Krieg in Gaza: Angriff auf Krankenwagen – laut Israel Terroristen getötet – DER SPIEGEL
14 Israel strikes ambulance at Al-Shifa Hospital in Gaza City – The Washington Post
15 Ab 02:44:55 (3) Aufwachen #456: Nahost-Berichterstattung von ARD & ZDF + Nord Stream Sabotage (mit Holger Stark) – YouTube
16 Glossar (nachdenkseiten.de)
17 (6) ‘That was a mistake’: Mehdi challenges Israeli adviser Mark Regev on false Israeli claims – YouTube
18 Der israelische Diplomat Ofir Gendelman wurde bei der Verbreitung von Desinformationen über Palästinenser inmitten des Gaza-Krieges erwischt (thedailybeast.com)
19 Das Video, das von einem hochrangigen israelischen Beamten geteilt wurde, wurde 2018 in Syrien gedreht – und 2021 nicht in Gaza | Reuters
20 Israelisches Militär will virale Behauptung über “enthauptete Babys” nicht bestätigen (theintercept.com)
21 Israel hat in 6 Tagen mehr Bomben auf Gaza abgeworfen als die US-geführte Koalition in jedem anderen Monat im Kampf gegen ISIS | Der Business-Standard (tbsnews.net)
22 UNO hält die Zahl der Todesopfer des Gesundheitsministeriums in Gaza in früheren Kriegen für “glaubwürdig” | Israel-Palästina-Konflikt Nachrichten | Al Jazeera
23 ynet – ישראל במלחמה: עדכוני היום ה-29

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