Ahmadiyya Hadhrat Mirza Masroor Ahmad - Khalifatul Masih V (aba)

Ein Vermächtnis den künftigen Generationen

Seine Heiligkeit hielt auf dem 15. jährlichen Friedenssymposium der Ahmadiyya Muslim Jamaat Großbritannien in London eine Grundsatzrede.

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Grundsatzrede Seiner Heiligkeit, Hadhrat Khalifatul Masih VABA, weltweites Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, auf dem 15. jährlichen Friedenssymposium 2018

Jedes Jahr veranstaltet die Ahmadiyya Muslim Jamaat Großbritannien ein Friedenssymposium mit einer Grundsatzrede Seiner Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, Khalifatul Masih V, weltweites Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat. Darin spricht Seine Heiligkeit wichtige Themen an, die den Weltfrieden gefährden. In diesem Jahr ging Seine Heiligkeit auf die Zusammenhänge zwischen Armut, globaler Sicherheit und Klimawandel ein und erklärte zugleich, dass die Lehren des Islam zu Frieden und nicht zu Gewalt führen. Auf diesem jährlichen Friedenssymposium wird auch die Ahmadiyya-Muslim-Auszeichnung zur Friedensförderung verliehen. Der diesjährige Preisträger, Dr. Leonid Roshal aus Russland, wurde geehrt, für seine Arbeit bei der Unterstützung der jüngsten und verletzlichsten Opfer der Welt. Er ist Vorsitzender des internationalen Wohltätigkeitsfonds für Kinder in Katastrophen und Kriegen. Das Symposium fand dieses Jahr am Samstag, den 17. März 2018, in der Baitul-Futuh-Moschee in London statt und zog hunderte Gäste an, darunter Minister, Botschafter, Mitglieder beider Kammern des Parlaments und verschiedene andere Würdenträger. Lesen Sie im Folgenden die wichtige und aktuelle Botschaft Seiner Heiligkeit.

Seine Heiligkeit, Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, weltweites Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat und Fünfter Kalif des Verheißenen MessiasAS, sagte:

»Bi-smillāhi r-raḥmāni r-raḥīm – Im Namen Allahs, des Gnädigen, des immer Barmherzigen.
Sehr geehrte Gäste, as-salāmu ʿalaikum wa-raḥmatu llāhi wa-barakātuhu – Friede und Segnungen Allahs seien mit Ihnen allen.

Zunächst einmal möchte ich mich bei all unseren Gästen bedanken, dass Sie zu unserem jährlichen Friedenssymposium gekommen sind.

Seit nunmehr 15 Jahren ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat Ausrichter und Gastgeber dieses Friedenssymposiums, um den Weltfrieden zu fördern. Einige von Ihnen fragen vielleicht nach dem Nutzen, dass wir diese Veranstaltung jedes Jahr wieder aufs Neue organisieren, gleichwohl der Frieden in der Welt in all dieser Zeit nicht zugenommen hat – egal ob in muslimischen Ländern oder anderswo – im Gegenteil, er hat abgenommen. Ein Großteil der Welt ist von zunehmender Spaltung, Hass und Ungerechtigkeit betroffen. Gesellschaften haben sich polarisiert, es gab Kriege, Nationen haben einander gedroht, und sowohl in den Industrienationen als auch Entwicklungsländern hat die Ungleichheit zugenommen. Angesichts dieser Situation ist Ihre Frage durchaus gerechtfertigt. Nichtsdestotrotz verlangt unser Glaube von uns zu versuchen, die Menschen auf allen Erdteilen zu Frieden und Gerechtigkeit zu mahnen, egal ob reich oder arm, ob mächtig oder unterdrückt, ob religiös oder areligiös. Deshalb werden wir weiterhin unserer Aufgabe nachkommen, der Menschheit ihre Pflicht zu verdeutlichen, menschliche Grundwerte zu respektieren und anzuerkennen. Die zentrale Lehre des Islam besteht darin, die Rechte unseres Schöpfers und die unserer Mitmenschen zu wahren. Nach diesen kurzen Einführungsworten möchte ich nun die Gelegenheit nutzen, über einige Dinge zu sprechen, denen ich angesichts dieser turbulenten Zeiten große Wichtigkeit beimesse.

In der heutigen Welt beobachten wir oftmals, wie Großmächte und internationale Organisationen Projekte oder Pläne ausführen mit dem Ziel, die Lebensumstände der Menschen überall auf der Welt zu verbessern. In letzter Zeit ist eine der Fragen, die viele Politiker und Intellektuelle debattiert und wofür sie sich eingesetzt haben, die des Klimawandels und insbesondere die einer Senkung des Kohlenstoffdioxidausstoßes. Sicherlich sind Umweltschutz und ein sorgsamer Umgang mit unserem Planeten äußerst noble und ehrenwerte Anliegen. Gleichzeitig jedoch sollten die Industrienationen und insbesondere die Staatsoberhäupter ebenso begreifen, dass es auch andere Belange gibt, die mit gleicher Dringlichkeit angegangen werden müssen.

Menschen in den ärmsten Ländern der Welt befassen sich nicht mit Umweltschutz oder den aktuellsten Zahlen zum Kohlenstoffdioxidausstoß. Vielmehr wachen sie Tag für Tag mit der Frage auf, ob es ihnen gelingen wird, den Hunger ihrer Kinder zu stillen. Ihre wirtschaftliche Not ist wahrhaft aussichtslos und ihre Armut liegt weit jenseits unserer Vorstellungskraft. So gibt es zum Beispiel zahlreiche Länder, in denen die Mehrzahl der Bürger keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat; und sie sind, um ihr eigenes Überleben zu sichern, dazu gezwungen schmutziges Teichwasser zu verwenden, um so ihre Grundbedürfnisse zu stillen. Und selbst dieses ist nicht auf einfachem Wege zugänglich. Vielmehr müssen Frauen und Kinder täglich unzählige Meilen zurücklegen, um Wasser für ihre Familien zu finden, welches sie dann – in großen Gefäßen auf ihren Köpfen balancierend – nach Hause tragen.

Wir dürfen solche Not nicht als Problem anderer Menschen betrachten. Stattdessen müssen wir begreifen, dass das Ergebnis einer solchen Armut gravierende Auswirkungen auf die übrige Welt und direkte Auswirkungen auf den weltweiten Frieden und die weltweite Sicherheit hat. Die Tatsache, dass Kinder keine andere Wahl haben, als ihre Tage damit zu verbringen, Wasser für ihre Familien zu beschaffen, bedeutet, dass es ihnen unmöglich ist, eine Schule zu besuchen oder sich auch nur irgendeine Form von Bildung anzueignen. Sie sind in einem Teufelskreis aus Analphabetismus und Armut gefangen, der scheinbar endlos ist und von außerordentlichem Schaden für die Gesellschaft. Verstärkt noch werden ihre Armut und Not heutzutage durch die moderne Technik, mithilfe derer selbst Menschen, die in vom Krieg gezeichneten oder sozial benachteiligten Regionen der Welt leben, die Möglichkeit erhalten, den Komfort zu sehen, in dem die Menschen in den Industrienationen leben, ebenso wie auch die Chancen, die sich diesen bieten. Zu erkennen, wie enorm die Ungleichheit ist zwischen den eigenen Gegebenheiten und denen anderer, führt zu weiterer Unruhe unter den Einheimischen, und ebendiese Frustration nutzen Extremisten aus, die Mittellose mit finanzieller Entlohnung locken sowie dem Versprechen eines besseren Lebens für ihre Familien. Ebenso bedeutet das gezielte Ansprechen einer ungebildeten Jugend freie Hand für die Extremisten, diese zu radikalisieren und einer Gehirnwäsche zu unterziehen. Die Extremisten nutzen die Tatsache, dass die Machthaber dieser Länder ihre Völker in den meisten Fällen im Stich gelassen haben.

Das Publikum und die geladenen Gäste hören der Grundsatzrede Seiner Heiligkeit aufmerksam zu.
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Höchst bedauerlicherweise macht sich die herrschende Klasse in kriegsgebeutelten oder sozial unterprivilegierten Nationen mehr Gedanken um den Erhalt ihres eigenen Status und der eigenen Macht, als dabei zu helfen, das Leid ihrer Bürger zu lindern. Im Ergebnis bedeutet dies, dass jene, die nichts haben, irgendwann ihren eigenen korrupten Machthabern mit Verachtung begegnen und die führenden Großmächte als Feind betrachten. Tragischerweise sehen wir diese verheerenden Auswirkungen auch in muslimischen Ländern, und erst nachdem die verzweifelte Lage in ihren Heimatländern zu erkennen war, haben sich einige in den Industrienationen aufgewachsene Muslime radikalisiert und hier im Westen entsetzliche Terroranschläge verübt.

Infolgedessen bin ich der festen Überzeugung: Wenn wir uns aufrichtig wünschen, unsere Welt zu schützen und sicherzustellen, dass jenen, die uns folgen, ein Vermächtnis voller Chancen hinterlassen wird, ist es unabdingbar, jedwede Anstrengung zu unternehmen, die Lage der Entwicklungsländer zu verbessern. Auf arme Nationen darf nicht herabgeblickt werden, im Gegenteil, wir sollten sie als Teil unserer Familie betrachten – als unsere Brüder und Schwestern. Indem wir den Entwicklungsländern dabei helfen, auf eigenen Füßen zu stehen, und ihren Bewohnern sowohl Chancen wie auch Hoffnung bieten, helfen wir tatsächlich uns selbst und sichern die Zukunft der Welt. Ansonsten sehen wir ja bereits, dass Armut und Verelendung in den Entwicklungsländern auch auf die restliche Welt negative Auswirkungen hat.

Darüber hinaus konnte aufgrund der jüngsten Terroranschläge und weit verbreiteten Immigration in den Westen in vielen westlichen Ländern außerdem ein gefährlicher Anstieg des Nationalismus beobachtet werden, der Ängste vor den dunklen Zeiten der Vergangenheit heraufbeschwor. Diesbezüglich ganz besonders beunruhigend ist, wie weit rechts stehende Gruppierungen sich immer mehr Gehör verschafften sowie einen Zulauf an Mitgliedern erlebten und sogar politische Gewinne erzielen konnten. Auch sie sind Extremisten, die danach trachten, die westlichen Gesellschaften zu vergiften, indem sie die Massen gegen diejenigen aufstacheln, die eine andere Hautfarbe aufweisen oder anderen Glaubensvorstellungen folgen.

Hinzu kommt, dass die Rhetorik bestimmter mächtiger Staatsoberhäupter zunehmend nationalistischer und kriegerischer geworden ist, da sie gelobt haben, die Rechte ihrer eigenen Bürger über die aller anderen zu stellen. Ich bestreite nicht den Tatbestand, dass es zur Verantwortung von Regierungen und Machthabern gehört, ihr eigenes Volk zu behüten. Solange die Machthaber mit Gerechtigkeit handeln und nicht die Rechte anderer verletzen, verkörpern Bestrebungen, die Lebensumstände ihrer Bürger zu verbessern, eine großartige Tugend. Beruht Politik gleichwohl auf Eigennutz, Habgier sowie der Bereitschaft, die Rechte anderer zu verletzen, ist dies irrig und ein Mittel, um in der Welt Zwietracht und Spaltung zu säen.

Eine andere Problematik ist der internationale Waffenhandel. Heutzutage betrachtet sich die Welt als viel zivilisierter als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in der Vergangenheit. Dennoch gibt es im Jahr 2018 Länder, die von Waffen zerstört und ausradiert werden, die nur als inhuman kategorisiert werden können. In Ländern wie Syrien, dem Irak oder Jemen bekämpfen sich Regierungstruppen, Rebellen und terroristische Organisationen. Trotz ihrer gegenläufigen Interessen haben sie alle eine Sache gemeinsam – nämlich, dass die überwiegende Zahl ihrer Waffen in der Fremde in den Industrienationen hergestellt wurde. Völlig freimütig und stolz handeln die Großmächte mit Waffen, die dafür verwendet werden, unschuldige Menschen zu töten, zu verstümmeln und zu verrohen.

Bedauerlicherweise konzentrieren sich solche Nationen ausschließlich auf das Bemühen, ihre Wirtschaft anzukurbeln und das Vermögen ihres Staates zu maximieren, ohne dabei auch nur einen einzigen Gedanken an die Konsequenzen zu verschwenden. Verzweifelt streben sie nach den größtmöglichen Verträgen zum Verkauf von Vernichtungswaffen, die, einmal abgefeuert, nicht zwischen Unschuldigen und Schuldigen unterscheiden. Hoffärtig verkaufen sie Waffen, die keinerlei Ausnahme kennen, egal ob gegenüber Kindern, Frauen oder den Gebrechlichen. Schamlos verkaufen sie Waffen, die unterschiedslos Ortschaften und Städte gleichermaßen untergehen lassen und ausradieren. Wiewohl die Wirtschaft der Verkäuferländer daraus einen kurzzeitigen Nutzen ziehen mag, sind ihre Hände mit dem Blut Hunderttausender Menschen besudelt. Unzählige Kinder sehen mit an, wie ihre Eltern auf menschenunwürdigste Art und Weise getötet werden; und alles, was ihnen verbleibt, ist sich zu fragen, warum ihnen die Eltern genommen wurden. Abertausende Frauen blieben verwitwet zurück, verzweifelt und schutzlos.

Was für Gutes soll aus einer solchen Zerstörung entstehen können? Alles, was ich sehe, ist eine Generation von Kindern, die in die Arme derjenigen getrieben wird, die danach trachten, den Frieden dieser Welt zu zerstören.

Wenn ein Kleinkind oder ein Jugendlicher mitansehen muss, wie ihm seine Eltern auf die barbarischste Weise genommen werden, wer kann es ihm verübeln, wenn er darauf reagiert? Ich habe zuvor erwähnt, dass Extremisten gezielt diejenigen ansprechen, die in Armut versunken sind, und sie zielen genauso auf jene Kinder oder Jugendliche, die durch den Krieg verroht wurden. Sie rekrutieren solche Heranwachsenden mit dem Wissen, dass deren Bewusstsein gegenwärtig noch nicht ausgereift ist und mühelos manipulierbar, um durch Terror blutige Rache zu üben. Anstatt in der Schule zu sitzen, um dort Bildung zu erlangen, so dass sie zu anständigen und gesetzestreuen Bürgern heranwachsen, besteht für eine gesamte Generation von Kindern die einzige Bildung darin, wie man mit Granaten und Raketenwerfern hantiert, wie man Selbstmordattentate verübt und wie man Chaos und Verwüstung in die Welt hinausträgt. Überdies verstricken sich einige Länder unnötigerweise in Konflikte, die tausende Meilen entfernt stattfinden, indem sie ihre eigenen Soldaten dorthin entsenden oder durch Luftangriffe fremde Staaten zerbomben.

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In vielen Fällen scheint es so, als ob die Welt aus ihren vergangenen Fehlern nichts gelernt habe. Es ist weithin anerkannt, dass der Irakkrieg im Jahr 2003 unrechtmäßig war und auf falschen Vorwänden beruhte; dieweil Libyen im Chaos versunken ist und sich zu einer Brutstätte extremistischer Bestrebungen gewandelt hat, seit westliche Mächte dort vor einigen Jahren eingegriffen hatten. Ungeachtet dessen haben die Großmächte daraus keine Lehre gezogen. Städte und Ortschaften sind dem Erdboden gleichgemacht worden. Tausende Gebäude wurden in Staub verwandelt.

Zu Beginn erwähnte ich, dass ein wesentlicher Fokus der internationalen Gemeinschaft auf dem Klimawandel liegt sowie auf dem Bedürfnis, die Luft, die wir atmen, rein zu halten. Gibt es irgendjemanden, der glaubt, dass schweres Bombardement keinerlei Auswirkungen auf die Atmosphäre hätten? Falls sich darüber hinaus in den kriegszerrütteten Ländern jemals Frieden durchsetzen sollte, werden deren Ortschaften und Städte von Grund auf neu errichtet werden müssen, und dies wird an sich bereits eine gewaltige Industrie sein, die eine Zunahme schädlicher Emissionen verursacht und zu Umweltbelastung führt. Also versuchen wir einerseits, den Planeten zu retten, gleichwohl wir ihn mit der anderen Hand sinnlos zerstören. Angesichts all dessen bin ich fest davon überzeugt, dass die Großmächte geblendet sind von Kurzsichtigkeit und einem Tunnelblick.

Eines der ins Feld geführten Hauptargumente jener, die den Waffenhandel befürworten, lautet, dass die Waffenbeschaffung ein Mittel zur Abschreckung und Friedensbewahrung sei. Andererseits müssen wir nur unser Fernsehgerät einschalten und einen Moment lang Nachrichten schauen, um zu erkennen, dass solche Argumente irreführend sind und offensichtlich falsch. Gewiss weder die tausenden unschuldigen Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder die ihre eigenen Gliedmaßen verloren haben, werden niemals von einer derartigen Logik überzeugt sein, noch die tausenden Frauen, die nun ihr Witwendasein fristen, oder jene Millionen Menschen, die aus ihren Heimstätten vertrieben wurden. Falls wir vorhaben, unseren Kindern ein Vermächtnis voller Hoffnung zu hinterlassen und – ungeachtet unserer Religion oder Glaubensvorstellungen – unseren zukünftigen Generationen eine friedliche Welt zu vererben, ist es bitter nötig, unsere Prioritäten dringendst zu ändern.

Mitglieder verschiedener Glaubensgemeinschaften kamen zum Friedenssymposium, auf dem Seine Heiligkeit die Bedeutung der Zusammenarbeit unterstrich.

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Anstatt vom Materialismus und Machtsucht verzehrt zu werden, muss jede Nation, ob reich oder arm, Frieden und Sicherheit auf der gesamten Erde Vorrang über allem anderen einräumen.

Anstatt sich in ein Wettrüsten zu stürzen, was zu Tod und Zerstörung führt, müssen wir an dem Wettlauf teilnehmen, die Menschheit zu retten und zu beschützen. Anstatt Grenzen und Häfen kriegführender Staaten zu schließen, was dazu führt, dass unschuldige Kinder Hunger leiden müssen und den Kranken medizinische Versorgung vorenthalten wird, müssen wir unsere Herzen füreinander öffnen, die Wände niederreißen, die uns trennen, die Hungrigen versorgen und jenen helfen, die notleidend sind.

Was politische Rivalitäten angeht, bedroht der Disput zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea auch weiterhin den Weltfrieden, und jeglicher Konflikt zwischen diesen beiden hätte gleichermaßen gravierende Auswirkungen auf Länder wie Südkorea, China und Japan. Obwohl es in den vergangenen Tagen geheißen hat, dass es einen Durchbruch gegeben habe, weil der Präsident der Vereinigten Staaten plötzlich seine Bereitschaft bekundete, sich mit dem nordkoreanischen Staatsoberhaupt treffen zu wollen, existieren dennoch keinerlei Garantien, dass der Friede sich durchsetzen wird. Es ist nicht einmal klar, unter welchen Bedingungen sie sich träfen oder wo und wann ein derartiges Treffen stattfände. Selbst wenn ein Abkommen zustande käme, wüsste Gott allein, wie lange ein solches hielte, da auf beiden Seiten ein hohes Maß an tiefsitzendem Hass herrscht. Das vor einigen Jahren beschlossene Iran-Atomabkommen ist ein typisches Beispiel, bei dem zwischen dem Iran und dem Westen ein ausgehandeltes Abkommen zustande kam; wohingegen jetzt, gerade einmal wenige Jahre später, das Abkommen an einem seidenen Faden hängt.

Somit gibt es viele Belange, die knapp unter der Oberfläche brodeln, wobei ein jeder davon sich jederzeit entladen könnte und man gar nicht erst über die Konsequenzen nachdenken möchte. Wie dem auch sei, der Islam lehrt, dass Frieden nur dann erlangt werden kann, wenn sämtliche Spuren der Missgunst und Arglist aus dem Herzen einer Person verschwunden sind und ersetzt wurden durch einen Geist der Barmherzigkeit, Liebe und des Mitgefühls für andere.

Der Islam wird oftmals als eine extremistische Religion gebrandmarkt, die zu Gewalt aufstachele, und es wird auch behauptet, dass Muslime in großer Zahl illoyal ihrem Land gegenüber seien oder in der Gesellschaft Zwietracht säen wollten. Ich jedoch halte derartige Äußerungen für falsch und ungerechtfertigt. Selbst wenn sogenannte muslimische Terroristen behaupten, im Namen des Islam zu handeln, glaube ich nicht, dass wir Zeuge eines Religionskrieges sind; vielmehr gilt, dass ausschließlich wegen geopolitischer Vorteile Kriege geführt und Gräueltaten begangen werden. Die sogenannten Dschihad-Terroristen und extremistischen Geistlichen dienen lediglich dazu, den Namen des Islam zu beflecken und die Bemühungen der überwältigenden Mehrheit der Muslime zu untergraben, die friedvolle und gesetzestreue Bürger sind. Es ist unbestritten, dass der Islam von Anbeginn an jegliche Art des Extremismus abgelehnt hat, und die Verse aus dem Heiligen Qur’an, die am heutigen Abend zuvor rezitiert worden waren, sind ein offenkundiger Beweis dafür. Diese Verse berichten uns, dass die frühen islamischen Kriege gefochten wurden, um alle Religionen zu schützen und um das heilige Prinzip der Glaubensfreiheit zu bewahren. Kategorisch bestehen diese Verse darauf, dass Kirchen, Synagogen, Tempel und Moscheen zu beschützen sind.

Nun ein Punkt, den ich wiederholt vorgetragen habe und bekräftige: ein jeder, der den allgemeinen Werten der Glaubensfreiheit und Gewissensfreiheit zuwiderhandelt, ist weit entfernt vom Islam. Sogar in den westlichen Medien existieren Publikationen, die dies anerkennen, und ich würdige ihren Einsatz für Wahrheit und Gerechtigkeit. Beispielsweise wurde kürzlich im The Guardian eine Kolumne veröffentlicht, in der der Autor schreibt:

»Bei islamistischem Terrorismus ging es niemals und – so würde ich behaupten – wird es auch niemals darum gehen, den Islam zu fördern und zu unterstützen. Nahezu immer ging es um Bodenrechte, Diebstahl natürlicher und wirtschaftlicher Ressourcen und globale Finanzinteressen, die in muslimischen Ländern ganze Bevölkerungen hinterließen, die in Not und Elend leben.«

Diese Worte beschreiben akkurat die Realität des von sogenannten Muslimen verbreiteten Terrorismus. Desweiteren liefert der Journalist Peter Oborne in einer Kolumne eines überregionalen Blattes zwingende Belege dafür, dass eine erhebliche Zahl an Muslimen aufgrund der Einflussnahme bestimmter westlicher Geheimdienste radikalisiert wird – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Diesbezüglich zitiert der Journalist einen früheren Geheimdienstmitarbeiter. Er sagt: »Es geht nicht an, dass einerseits die heimischen Polizeidienste mit jeder Faser ihrer Körper den Terrorismus bekämpfen, um unsere Gesellschaft zu schützen, und andererseits Elemente in unseren und Amerikas Sicherheitsbehörden Dschihadisten bewaffnet und ausgebildet haben und für die Sache des Terrorismus mit ihnen konspirierten.«

In einem weiteren Artikel, der im The Boston Globe veröffentlicht wurde, sagt Professor Jeffrey Sachs, Direktor des Zentrums für nachhaltige Entwicklung an der Columbia-Universität:

»Die CIA hat in Nahost ungezählte Male Regierungen gestürzt. Medienvertreter tendieren dazu, über die Rolle der Vereinigten Staaten bei dieser Instabilität hinwegzusehen.«

Professor Sachs spricht sich für multilaterale friedliche Konfliktlösungen aus und schreibt: »Die Vereinigten Staaten sollten ihre Kämpfe im Nahen Osten sofort einstellen und sich der UNO-basierten Diplomatie für echte Lösungen und Sicherheit zuwenden.«

Es gibt viele weitere Kolumnen, die in letzter Zeit von Nichtmuslimen veröffentlicht wurden und die Tatsache belegen, dass terroristische Gruppierungen wie der DAESH [ISIS] ohne externe Unterstützung niemals hätten gedeihen können. Ich sage nicht, dass es immer falsch wäre, zu intervenieren. Aber jegliche Handlung muss fair und angemessen sein und Eigennutz muss beiseitegelassen werden. In Kapitel 49, Vers 10 sagt der Heilige Qur‘an, dass die Zielsetzung einer jeden Intervention ausnahmslos die Herstellung eines lang andauernden Friedens sein sollte, und er weist die Muslime an, selbst ihren Gegnern gegenüber gerecht zu sein. Als der Islam demzufolge den frühen Muslimen als letzten Ausweg die Erlaubnis gewährte, einen Verteidigungskrieg zu führen, wies er sie in gleicher Weise an, die Erfordernisse der Gerechtigkeit zu erfüllen und niemals durch Eigeninteressen ins Wanken zu geraten oder übergriffig zu werden, nachdem der Frieden erst einmal hergestellt worden war.

Gewiss, dieses tiefgreifende Prinzip ist heutzutage genauso nutzbringend, für Muslime wie Nichtmuslime gleichermaßen, dass nämlich dann, wenn Gewalt angewendet werden muss, um einen Aggressor aufzuhalten, grausam zu handeln, die Maßnahme verhältnismäßig sein muss und man niemals Gefahr laufen darf, Rache üben zu wollen, oder den Reichtum der Besiegten plündern zu wollen. Kehrt der Aggressor zum Frieden zurück, sollten sie weder ihrer Rechte beraubt noch auf irgendeine Art und Weise übervorteilt werden.

Zeit seines Lebens trachtete der Prophet des IslamSAW danach, Menschen in Frieden zusammenzubringen. Und er war stets dazu bereit, zugunsten anderer seinen eigenen Rechten zu entsagen. Viele nichtmuslimische Autoren und Akademiker, die den Islam sorgfältig studiert haben, bezeugen die Tatsache, dass der Heilige Prophet MuhammadSAW danach trachtete, Gemeinschaften zu einen und die Glaubensfreiheit zu verteidigen. Beispielsweise hat Peter Frankopan, Forschungsbeauftragter an der Universität von Oxford, den Heiligen ProphetenSAW in seinem Buch »Licht aus dem Osten« erwähnt. Der Autor erklärt, wie der Heilige Prophet MuhammadSAW nach interkonfessioneller Harmonie und interkonfessionellem Dialog strebte und eng mit den christlichen und jüdischen Gemeinschaften seinerzeit zusammenarbeitete. Er spricht von den »gemeinsamen Grundlagen« zwischen den religiösen Gemeinschaften jener Epoche und wie die Botschaft des Heiligen ProphetenSAW eine der »Versöhnung« war. In einem Abschnitt bezieht der Autor sich auf den Zeitpunkt, als der Prophet des IslamSAW zum Oberhaupt der Verwaltung der Stadt Medina ernannt wurde. Und schreibt: »Führende Juden aus der Stadt [Medina] sicherten Muhammad ihre Unterstützung zu im Austausch für Garantien gegenseitiger Verteidigung. Diese wurden in einem formellen Schriftstück festgehalten, in dem stand, dass ihr eigener Glaube und ihre Besitztümer seitens der Muslime jetzt und in der Zukunft anerkannt seien.«

Weiter schreibt er: »Muhammad und seine Gefolgsleute bemühten sich außerordentlich darum, den Juden und Christen ihre Ängste zu nehmen, als sich die muslimische Herrschaft ausweitete.«

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Die Wahrheit lautet folglich, dass der Islam immer in direktem Gegensatz zu jeder Art des Terrorismus oder Extremismus stand. Ich akzeptiere, dass die Übeltaten einiger Muslime der Gesellschaft schweren Schaden zugefügt haben, aber ich akzeptiere nicht, dass es nur die Muslime sind, die für die Unbeständigkeit der heutigen Welt verantwortlich sein sollen. Viele Kommentatoren und Experten äußern nun in aller Offenheit, dass in der Frage der Untergrabung des Friedens und sozialen Zusammenhalts bestimmte nichtmuslimische Kräfte und Gruppierungen genauso eine Rolle spielen.

Es sei hier nur angemerkt: Es ist jetzt die Zeit gekommen, dass sich die Menschheit von der Vorstellung verabschiedet, ausschließlich die Muslime seien an den Problemen der Welt schuld. Außerdem ist es höchste Zeit, dass unsere Führer anstatt das Vorwärtskommen ihrer politischen Parteien oder Regierungen vorzuziehen, den zukünftigen Frieden und Wohlstand der Menschheit vorziehen.

Auf einer breiteren internationalen Ebene müssen wir die Tatsache anerkennen, dass Gewalt nur selten zu irgendeinem Langzeitnutzen führt. Dementsprechend sollten die Großmächte dann, wenn sie mit Nordkorea, dem Iran oder irgendeinem anderen Land verhandeln, behutsam vorgehen und sich bemühen, den Anliegen einer jeden Partei Beachtung zu schenken. Wie einer der von mir zitierten Kolumnisten anmerkte, sollten Großmächte einem diplomatischen Ansatz folgen und bei Spannungen eine Deeskalation bevorzugen. Sie sollten danach trachten, Friedensabkommen wie auch Vereinbarungen auszuhandeln, die nicht zugunsten nur einer Partei voreingenommen sind, sondern die Anliegen sämtlicher Beteiligter berücksichtigen. Überdies sollten wir uns dann, wenn Frieden hergestellt wurde, aller vergangener Anfeindungen oder Feindschaften entledigen und gemeinsam im Geiste gegenseitiger Achtung und Wertschätzung voranschreiten.

Zweifellos ist es meine feste Überzeugung und mein Glaube, dass das bei weitem großartigste Beispiel für Vergebung, Güte und Barmherzigkeit in der gesamten Menschheitsgeschichte das Beispiel des gesegneten Begründers des Islam ist, dass des Heiligen Propheten MuhammadSAW. Dreizehn Jahre lang waren er und seine Gefolgsleute der brutalsten Verfolgung unterworfen, die man sich nur vorzustellen vermag, und sie wurden aus ihren Häusern vertrieben und dazu gezwungen, aus der Stadt Mekka auszuwandern. Muslime wurden während dieser Zeitspanne bestialisch gemartert, physisch und psychisch gefoltert und härtester gesellschaftlicher Ächtung unterworfen. Muslime wurden dazu gezwungen, lange Zeiten direkt auf glühenden Kohlen zu liegen.

Muslimische Frauen wurden mit je einem Bein an zwei verschiedene Kamele gefesselt, die man anschließend dazu brachte, in gegensätzliche Richtungen loszupreschen, so dass ihre Körper im wahrsten Sinne des Wortes in zwei Hälften gerissen wurden. Und doch, als der Heilige Prophet MuhammadSAW siegreich nach Mekka zurückkehrte, vergoss er keinen einzigen Tropfen Blut aus Rache. Im Gegenteil, er verkündete auf Geheiß Allahs, des Allmächtigen, dass all seinen Peinigern sowie all jenen, die mit Gewalt gegen den Islam opponiert hatten, sofort vergeben sei. Er verkündete, dass unter islamischer Herrschaft alle Menschen frei wären, ihre Religion und Glaubensvorstellungen zu praktizieren, frei von jeglicher Beeinträchtigung und ohne einen Anlass zur Angst. Seine einzige Bedingung war, dass jedes Mitglied der Gesellschaft dem Frieden verpflichtet bliebe. Er wies an, dass die Rechte aller Menschen, unabhängig von ihrem Rang, Glauben oder Hautfarbe, zu wahren seien und ihnen jederzeit mit Respekt zu begegnen sei. Das war das zeitlose und großartige Beispiel des Propheten des IslamSAW, und es ist dieser Geist von Mitgefühl, Güte und Erbarmen, den sich Muslime wie Nichtmuslime in der heutigen Zeit aneignen müssen. Es ist dieser Geist von Vergebung und Wohlwollen, den alle Nationen, ob groß oder klein, reich oder arm, entwickeln müssen. Erst dann wird langanhaltender Frieden verwirklicht werden können.

Von ganzem Herzen bete ich, dass es der Menschheit gelingen möge, ihre gegenseitigen Verpflichtungen zu erkennen, auf dass jene, die uns nachfolgen, sich unser mit Stolz und Dankbarkeit erinnern. Lassen Sie uns nach dem Morgen trachten und nicht nur nach dem Heute. Lassen Sie uns die zukünftigen Generationen retten. Möge Allah uns Weisheit gewähren.

Ich danke Ihnen allen ein weiteres Mal, diesen Abend mit uns zusammen verbracht zu haben. Herzlichen Dank dafür.«

Übertragung aus dem Englischen von Tariq Habib Guddat. Für etwaige Übersetzungsfehler übernimmt die Revue der Religionen die Verantwortung.