Ahmadiyya Ansprachen des Kalifen

Gehört der Islam zu Deutschland?

Eine Ansprache von Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA Weltweites Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat

Am 25. Juni 2011, dem zweiten Tag der jährlichen Versammlung (Jalsa Salana) der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland, hielt Hadhrat Mirza Masroor Ahmad ABA (möge Allah seine Hand stärken), der fünfte Nachfolger des Verheißenen Messias as (Friede sei auf ihm) und Oberhaupt der weltweiten Ahmadiyya Muslim Jamaat, eine Ansprache vor über 300 anwesenden Gästen. Nachfolgend wird der Text dieser Ansprache wiedergegeben.

„Sehr geehrte Gäste, Assalamu Alaikum Warahmatullahe Wa Barakatohu – Frieden und Segnungen Allahs seien mit ihnen allen…
Zunächst möchte ich mich bei all den Gästen bedanken, die nicht unserer Religion angehören, aber sich dennoch die Zeit genommen haben, dieser Veranstaltung beizuwohnen, die im Rahmen unserer jährlichen Versammlung (Jalsa Salana) stattfindet. Das heutige Programm wurde insbesondere für unsere Nicht-Ahmadi -Freunde organisiert und tatsächlich setzt sich die Mehrheit der Gäste oder zumindest ein sehr großer Anteil der Gäste aus Nicht-Muslimen zusammen. Ohne Zweifel zeugt Ihre Teilnahme an dieser Veranstaltung von Ihrer Offenheit, wodurch Sie gleichzeitig auch als Bürger Deutschlands verdeutlichen, dass es wichtig ist, sich gegenseitig unabhängig von religiösen Unterschieden zu verstehen und anzuerkennen.
Eine große Mehrheit der in Deutschland lebenden Ahmadis ist nicht deutscher Herkunft. Tatsache ist sogar, dass abgesehen von einigen Mitgliedern, die meisten entweder aus Pakistan oder anderen asiatischen Ländern stammen. Dadurch wird deutlich, dass Sie nicht nur ungeachtet von religiösen Unterschieden, sondern auch unabhängig von nationalen sowie kulturellen Unterschieden hierhergekommen sind.
Es heißt, dass ein Teil der deutschen Bevölkerung asiatische Vorfahren habe. Zwar besteht der Eindruck, dass viele Nationen durch ihre Kulturen und Sprachen voneinander getrennt seien, aber die Wahrheit ist, dass ihre Kulturen und Sprachen oftmals auf gemeinsame Wurzeln zurückschauen können. Im Falle des indo-pakistanischen Subkontinents beispielsweise können wir feststellen, dass über einen sehr langen Zeitraum hinweg verschiedene Nationen und Völker dort einwanderten und ansässig wurden. Allein schon die nähere Beschäftigung mit Pakistan zeigt, dass dort Dutzende von Stämmen und sogenannte „Biradari-Systeme“ (Familien-Clans) existiert haben und über viele Epochen hinweg diese verschiedenen Gruppen schließlich zu einer Nation wurden.
Lassen Sie mich aber hier über die Pakistaner bzw. Angehörige anderer Nationen sprechen, die aus den verschiedensten Teilen der Erde nach Deutschland gekommen sind und sich niedergelassen haben. Es besteht kein Zweifel darin, dass ihre Kinder und Enkelkinder sich ungeachtet von Hautfarbe und Ethnie mit der Zeit als wahre Deutsche betrachten und bezeichnen werden. Fakt ist, dass viele sich bereits sehr schnell in die deutsche Lebensart eingelebt und hiesige Gepflogenheiten und Essgewohnheiten angenommen haben. Mehr noch, einige sind sogar in die deutsche Armee eingetreten, um dieses Land zu schützen, während andere im Öffentlichen Dienst oder bei der Justiz tätig sind. Einige haben sich entschieden, in den verschiedenen Bereichen des sozialen Diensts zu arbeiten und wiederum andere wirken bei der Förderung des wirtschaftlichen Fortschritts mit, indem sie sich in unterschiedlichen Feldern des Handels und der Industrie betätigen. Dann sind da noch jene Migranten, die Wissenschaftler geworden sind und so zum wissenschaftlichen Fortschritt des Landes beitragen. All diese Bemühungen und Tätigkeiten bezeugen die Loyalität dieser Menschen gegenüber Deutschland und sie lassen erkennen, dass sie ein aktiver Teil der Nation sind.
Aufgrund Ihrer Beziehung zu solchen Ahmadis, die ursprünglich aus Pakistan stammen und die Sie über die vergangenen Jahre gut kennengelernt haben, sind Sie schließlich heute hierher gekommen. Ich bete zu Gott, dass Er Ihre aufgeklärte Denkweise aufrechterhalten und weiterhin damit fortfahren möge, diesen Wert in Ihnen, den Sie alle unter Beweis gestellt haben, noch weiter zu verstärken.
Möge der Gedanke niemals in Ihnen aufkommen, dass diese Migranten nicht zu einem Teil der deutschen Nation werden könnten, da sie aus diesem oder jenem Land gekommen sind oder weil sie dieser oder jener Religion angehören. Ein solcher Gedanke könnte den inneren Frieden der Gesellschaft stören.
Behalten Sie in Erinnerung, dass diese kleinen und scheinbar bedeutungslosen Konfliktthemen sowie kleinen Vorbehalte sich letztlich zu großen Problemen weiter entwickeln, die dann nicht nur einzelnen Personen oder Gruppen schaden, sondern tatsächlich den Fortschritt des ganzen Landes behindern.
Kein loyaler deutscher Bürger könnte es jemals tolerieren, dass die großen Anstrengungen, die sie unternommen haben, um Deutschland zu seinem heutigen hohen fortschrittlichen Stand zu verhelfen und diesen auch zu erhalten, irgendwelcher Gefährdung ausgesetzt wird. Die Wahrheit ist, dass eine Person, die ihr Land liebt, niemals eine solche Handlung auch nur in Erwägung ziehen könnte.
Jene Ahmadi Muslime, die sich hier niedergelassen haben, lieben ihre Wahlheimat und wünschen für sie stets den Fortschritt. Es ist nicht nur die moralische Pflicht eines jeden Ahmadi Muslim, der nach Deutschland immigriert ist und Aufnahme in die deutsche Nation gefunden hat, sondern darüber hinaus auch seine religiöse Verpflichtung, seinem Land gegenüber loyal und ergeben zu sein.
Es ist ein großer Vorzug der westlichen Nationen, dass sie seit einiger Zeit Glaube und Religion von Politik und Regierung getrennt halten. Religion ist jedem Individuum als seine persönliche Angelegenheit zwischen ihm und Gott selbst überlassen. Politik und Regierung gelten demgegenüber als säkulare Angelegenheiten.
Möglicherweise ist es eine Folge der schlechten Erfahrungen aus früheren Zeitepochen, als es noch keine Trennung zwischen Kirche und Staat gab, oder vielleicht mag es an dem Extremismus liegen, der in der neueren Zeit von bestimmten muslimischen Gruppen ausgeht, dass heute in vielen westlichen Ländern bereits bei der Vernehmung des Namens einer religiösen Gemeinschaft oder des Islam an sich Furcht und Besorgnis aufkommen. Daraus resultierend wird oft schnell eine ablehnende Haltung eingenommen, anstatt zuerst nachzudenken und zu überlegen. Diese Reaktion ist sicher gerechtfertigt, wenn man sich die Handlungen bestimmter muslimischer Gruppen vor Augen führt. Einige wenige Muslime geben ein sehr erschreckendes Bild des Islam, das durch Extremismus und Terrorismus dominiert wird, ab. Tatsache ist jedoch, dass dieser Islam ein Produkt ihrer falschen Denkweise ist und keinerlei Verbindung zum eigentlichen, wahren Islam aufweist. Der Islam lehrt, dass das unrechtmäßige Töten eines Menschen dem Töten der gesamten Menschheit entspricht. Diese Lehre ist aus dem Heiligen Qur-ân abgeleitet.

Dort heißt es: „Wenn jemand einen Menschen tötet – es sei denn für (Mord) an einem anderen oder für Gewalttat im Land –, so soll es sein, als hatte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten.“ (5:33)

Ergänzend zu dieser schönen Lehre hat der Heilige Prophet MuhammadSAW ausgeführt, dass derjenige, der Selbstmord begeht, kein Gläubiger sein kann und seine Bestimmung in der Hölle finden wird. Wenn Sie nun diese Aspekte zusammen betrachten und die Lehren des Islam analysieren, so werden Sie erkennen, dass jede terroristische Handlung, durch die unschuldige Menschen getötet werden, sei es durch Selbstmordattentate oder auf andere Weise, völlig und gänzlich den Lehren des Islam widersprechen. Diese verabscheuungswürdigen Akte dienen nicht dazu, Unrast und Ruhelosigkeit aus der Welt auszumerzen, sondern verstärken sie vielmehr.
Als eine Folge des Terrorismus in der heutigen Welt gibt es Tausende von Kindern, die zu Waisen geworden sind. Das andere Extrem ist, dass Tausende von Eltern ihre Kinder zu Grabe tragen müssen, während Tausende von Frauen verwitwet sind. Selbstmordattentate sind zerstörerisch und richten zudem auch die lokalen Wirtschaften zugrunde.
An dieser Stelle möchte ich auch anmerken, dass die gegenwärtige Methodik der Kriegsführung ohne jegliche humane Rücksichtnahme die Leben der Menschen eines Landes zerstört. Unschuldige Leben werden während solcher Kriege einfach ausgelöscht. Diese Herangehensweise bei einem Krieg zeugt nicht nur von Brutalität, sondern entlarvt sich auch als ein Mittel, die Wirtschaft des Landes zu zerstören. Folglich lehnen wir, aus der Perspektive eines Ahmadi- Muslims also, sämtliche Formen der Zerstörung und wahlloses Blutvergießen ab. Wir missbilligen auch das wahllose Schießen und Bombardieren durch Regierungen, denn immer, wenn sich solche Bombardements ereignen, werden infolge dessen Menschenrechte verletzt und Leben sinnlos ausgelöscht.
Wie ich bereits erwähnte, werden in der westlichen Welt Kirche und Staat getrennt. Ungeachtet der Gründe, die zu dieser Trennung geführt haben, muss ihr Ergebnis als ein Segen bezeichnet werden. Diese Art von Regierungssystem arbeitet in einer viel integeren und gerechteren Weise. Diese positive Erfahrung der westlichen Regierung steht allerdings in einem völligen Gegensatz zu dem, was sie in der muslimischen Welt beobachten. Sie erleben die Muslime in einer scheinbar tiefen religiösen Hinwendung. Sie sehen, dass bestimmte islamische Regierungen sehr strenge Maßnahmen ergreifen und sogar Gewalt gegen ihre eigenen Leute anwenden. Sie beobachten auch die extremistischen Handlungen verschiedener Terrororganisationen, aber aufgrund mangelnden Wissens und Verständnisses verurteilen sie den Islam, anstatt die extremistischen Akte selbst zu rügen. Infolgedessen zeigen sie sehr strenge Reaktionen gegen die Religion des Islam.
Es ist unsere Überzeugung, dass der Islam eine universale Religion ist, die für die gesamte Menschheit bestimmt ist und deshalb alle Aspekte des Lebens umfasst, von scheinbar kleinen, unbedeutenden Dingen bis hin zu unermesslich wichtigen und internationalen Angelegenheiten.

Der Text des Heiligen Qur-ân liegt auch heute unverändert in seiner ursprünglichen Form vor. Nicht einmal ein einzelner Buchstabe ist hinzugefügt oder weggenommen worden. Auch viele Orientalisten und nicht-muslimische Historiker bestätigen diese Wahrheit.
Er lehrt uns, dass die Religion eine persönliche Angelegenheit eines jeden einzelnen ist und jeder bestimmt diese für sich selbst allein. Er lehrt, dass religiöse und staatliche Angelegenheiten voneinander getrennt sein sollen, und dass religiöse Differenzen nicht dazu führen dürfen, unrechtmäßig zu handeln.
In einem Vers des Heilige Qur-ân heißt es:
„Es soll kein Zwang sein im Glauben“. (2:257)
Möglicherweise ist einigen von Ihnen nicht bekannt, dass dieser Vers offenbart wurde, als der Heilige Prophet des Islamsaw bereits eine Regierung in Medina aufgebaut hatte. Auch waren zu dieser Zeit bereits Abkommen mit den Juden und anderen Stämmen abgeschlossen worden und ein funktionierendes Regierungssystem war vorhanden, als dessen Vorstand der Heilige Prophet Muhammadsaw längst anerkannt worden war.
Das Gebot, Religion und Regierung unabhängig voneinander zu belassen, wurde zu dieser Zeit und in diesen Umständen zu einem Zeitpunkt offenbart, als der Unterschied zwischen richtig und falsch bereits offenkundig geworden war und die Muslime an die Wahrheit ihrer Religion glaubten und ihre Lehren als unvergleichlich betrachteten.
Mit diesem Gebot wurde des Weiteren auch deutlich, dass diese hervorragenden Lehren ihre Verbreitung durch Liebe und Wohlwollen finden sollen, anstatt durch Einwirkung von Gewalt oder Unrecht gegenüber anderen.
Allah sagt, dass eine gerechte Regierung voraussetzt, dass eine Trennung zwischen staatlichen und religiösen Angelegenheiten aufrecht erhalten wird und jedem Bürger die ihm zustehenden Rechte gewährt werden.
Dieses Gebot ist absolut und sieht keine Ausnahmen vor, was wiederum bedeutet, dass auch jene gerecht behandelt werden sollen, die einem mit Hass begegnen und die aufgrund ihrer Ablehnung einen in jeglicher erdenklicher Art und Weise wiederholt verfolgt haben.
Im Heiligen Qur-ân heißt es:
„O die ihr glaubt! Seid standhaft in Allahs Sache, bezeugend in Gerechtigkeit! Und die Feindseligkeit eines Volkes soll euch nicht verleiten, anders denn gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist näher der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah; wahrlich, Allah ist kundig eures Tuns.“ (5:9)
Dies ist das Grundprinzip zur Führung einer Regierung, nämlich dass die Religion keine Rolle darin spielen sollte. Religiöse Unterschiede und Differenzen sollten einen nicht daran hindern, gerecht zu handeln.
Wie könnte nun jemand angesichts all dieser Punkte den Vorwurf erheben, die Lehren des Islam seien nicht gerecht? Ich glaube nicht, dass diejenigen, die sich selbst als gerecht und gebildet erachten, die Lehren des Islam für falsch befinden können, sobald sie diese einmal verstanden haben.
Ohne Zweifel steht jedem das Recht zu, solche muslimische Gruppen, die nicht den wahren Lehren des Islam folgen, als falsch zu verurteilen. Diejenigen, die verabscheuungswürdige Taten begehen, sollten für ihre Handlungen getadelt werden, gleich zu welcher Religion sie sich bekennen. Das ist wahre Gerechtigkeit und unabdingbar für den Frieden in der Welt, so dass die Werte der Liebe und des Wohlwollens wachsen und gedeihen können.
Es ist für mich unmöglich, in dieser kurzen Zeit alle wunderbaren Lehren des Islam vor Ihnen auszuführen, aber Sie alle hier sind hochgebildet, so dass ich Ihnen lediglich nahe legen möchte, sich kein Urteil aufgrund von einseitigen Schilderungen zu bilden.
Betrachten Sie das wahre Bild des Islam, das Ihnen die Ahmadiyya Muslim Jamaat vorzeichnet. Dabei ist das von uns vorgelebte Bild des Islam keineswegs eine neue Interpretation. Unser Islam entspricht genauestens dem Heiligen Qur-ân und den Lehren des Begründers des Islam, dem Heiligen Propheten Muhammadsaw. Und basierend auf diesen Lehren sollten Sie Ihr Urteil bilden.
Wir glauben, dass der Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad as, der Reformer des heutigen Zeitalters und jener Verheißene Messias ist, auf dessen Ankunft die Anhänger sämtlicher Religionen entsprechend ihrer jeweiligen heiligen Schriften und Lehren warten. Er ist erschienen, um eine Beziehung zwischen Mensch und Gott zu etablieren und um die Menschen daran zu erinnern, die Rechte ihrer Mitmenschen zu erfüllen. Er ist gekommen, um diese Welt in eine Stätte des Friedens zu wandeln.
So sagte er einmal:
„Die Aufgabe, mit welcher Allah mich beauftragt hat, besteht darin, dass ich jene Ruhelosigkeiten beseitige, die die Beziehung zwischen Gott und Seinen Geschöpfen schädigen, und dass ich die Beziehung von Liebe und Aufrichtigkeit zwischen ihnen wieder erneuere. Durch die Verkündigung der Wahrheit und das Beenden religiöser Konflikte soll ich Frieden schaffen und die göttlichen Wahrheiten verkünden, die die Augen der Welt nicht sehen.“ (Ruhani Khazain, Lecture Lahore, Bd. 20, S.180 – Essence of Islam, Vol. 4, p. 111)
Religiös motivierter Hass hat sich in der gesamten Welt verbreitet. Oder vielmehr sollte ich sagen, dass in der neueren Zeit einige, die dem Islam widersprechen, wie die Anhänger anderer Religionen, Agnostiker oder Atheisten, in unlauterer Art die Lehren des Islam angreifen.
Doch in dieser Zeitepoche hat der Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat jene, die die Lehren des Islam kritisieren, völlig sprachlos werden lassen. Er erreichte dies durch sein Verhalten und durch seine Schriften, in denen er die schönen Lehren des Islam dargelegt hat. Durch sein Lebenswerk hat er dafür Sorge getragen, dass seine Anhänger stets damit fortfahren werden, gemäß den wahren Lehren des Islam zu handeln. Wir können einen flüchtigen Blick auf seine Lehren durch das Zitat erhalten, welches ich eben vorgetragen habe. Das, was er sagte, ist nichts Neues, vielmehr ist dies in den Lehren des Heiligen Qur-ân tief verwurzelt. Und mit Bezug auf eben diese Lehren werde ich weiter fortfahren. Als der nationale Vorsitzende der Ahmadiyya Muslim Gemeinde in Deutschland mich darum bat, eine Ansprache vor Ihnen zu halten, erwähnte er die aktuelle hitzige Debatte darüber „Ob der Islam zu Deutschland gehöre!“ oder „Brauchen die Deutschen den Islam?“ oder „Ist der Islam für die Deutschen?“ – es werden unterschiedliche Formulierungen verwendet.
Diese Debatte führt in Deutschland aber auch in bestimmten anderen Ländern zu einer sehr starken und negativen Reaktion gegen den Islam. Was diese negative Reaktion gegen den Islam betrifft, so bin ich bereits kurz darauf eingegangen, als ich ausführte, dass man keine voreiligen Schlüsse ziehen dürfe, indem man einseitigen Berichten unverzüglich Glauben schenkt. Das Analysieren und Untersuchen erfordert, dass alle Gesichtspunkte einer Debatte aus einer gerechten und fairen Perspektive betrachtet werden.
Wie ich bereits ansprach, herrscht derzeit eine sehr intensive Debatte über die Rolle des Islam in Deutschland. Auf der einen Seite gibt es einige Muslime, die glauben, dass der Islam zu Deutschland gehöre, während es auf der anderen Seite des Spektrums wiederum Gruppen mit ablehnender Haltung gibt, die diese Vorstellung ablehnen. In Wahrheit jedoch ist dies eine sehr bizarre und unaufrichtige Debatte, die nur um des Streits willen geführt wird und letztlich zu sehr negativen Konsequenzen führt. Sie treibt die Menschen auf einen Pfad, der mit Gefahren gepflastert ist und an dessen Ende nur Leid und Hass stehen. Weder der Islam noch sein Begründer haben jemals beansprucht, dass der Islam nur für die Deutschen oder nur für eine bestimmte Nation oder einen bestimmten Kontinent sei. Falls der Islam nur für ein bestimmtes Gebiet beschränkt wäre, dann wäre sicherlich jede Anstrengung unternommen worden, um den Islam nur in diesem Gebiet zu halten. So wäre man sicher vorgegangen.
Der Islam jedoch erhebt den Anspruch, dass seine Lehren derart vollkommen und umfassend sind, dass sie es den Menschen in jedem Zeitalter ermöglichen, ihren Schöpfer in vollkommener Weise zu erkennen. Seine Lehren fordern die Menschen, die den Geschöpfen Gottes zustehenden Rechte im höchsten Maße zu erfüllen. Das vollendete Beispiel hierfür wurde vom Begründer des Islam, dem Heiligen Propheten Muhammadsaw, selbst zu seiner Lebenszeit gezeigt.
An dieser Stelle muss ich mit einigem Bedauern anmerken, dass die Gegner des Islam versucht haben, das Leben des Heiligen Propheten Muhammadsaw in einer sehr negativen und voreingenommenen Art und Weise zu porträtieren. Aufgrund dessen ist der Islam mutwillig in der barbarischsten Form skizziert worden.
Unglücklicherweise haben auch einige muslimische Gemeinschaften aufgrund ihrer eigennützigen Interessen den Islam in einem völlig falschen Licht dargestellt. Und sie fahren damit ungeachtet der Tatsache fort, dass der Islam uns lehrt, auf solche Art in der Gesellschaft zu leben und Regierungen zu leiten, dass jedem Bürger die ihm gebührenden zivilen Rechte gewährleistet werden.
Das vollkommene Beispiel dafür wurde durch den vom Heiligen Prophetensaw aufgesetzten Vertrag von Medina in einer eindrucksvoll einzigartigen Art und Weise dargeboten. In Medinas Gesellschaft genoss jede einzelne Person religiöse Freiheit und ebenso besaß jeder die freie Wahl, entsprechend den Geboten und Schriften seines eigenen Glaubens sanktioniert zu werden.
Also, Debatten und Fragen – wie oben erwähnt – dienen einzig dazu, billigen weltlichen und politischen Ruhm zu erlangen. Zudem sind solche Debatten bedeutungslos und haben daher meiner Ansicht nach keinerlei Wert.
Einige Deutsche, die sich als einheimische Deutsche betrachten, sind möglicherweise besorgt, dass ihnen der Islam aufgezwungen wird. Wie ich jedoch bereits ausgeführt habe, beansprucht der Islam nicht, die Religion einer bestimmten Region oder eines bestimmten Landes zu sein.

Jedoch erhebt der Islam einen anderen Anspruch, der im Heiligen Qur-ân deutlich aufgeführt ist. In dem betreffenden Vers wird der Heilige Prophet Muhammadsaw unmittelbar angesprochen.
So heißt es in der Sure 7, Vers 159:
„Sprich: „O Menschen, ich bin euch allen ein Gesandter Allahs.“ (7:159)
Demgemäß wird hier der Anspruch erhoben, dass der Heilige Prophet Muhammadsaw als ein Gesandter für die gesamte Welt entsandt worden war. Zweifellos ist Deutschland ein wichtiger Teil dieser Welt, so dass es uns auch obliegt, die Botschaft des Islam zu den Menschen dieses Landes mit dem Geist der Liebe und Zuneigung zu tragen. Es gibt keinen Raum für irgendeine Form von Zwang noch ist der Islam durch Gewalt verbreitet worden.
Von der Zeit des Heiligen Propheten Muhammadsaw bis zum heutigen Tage hat sich der Islam einzig und allein durch das Verkünden von Gottes Wort verbreitet. Dies ist eine lange und historische Debatte, auf die ich wegen mangelnder Zeit hier nicht näher eingehen kann.
Nur so viel möchte ich noch anführen: Es gab einst in Europa eine islamische Regierung in Spanien und während dieser Ära wurden Ämter von Ministern und Beamten bekleidet, die keine Muslime waren, sondern beispielsweise der christlichen Religion angehörten.
Die wahre Bedeutung des Islam ist Liebe und Zuneigung und genau dies ist auch die Schönheit unserer Religion. Dies ist die Lehre, die die Ahmadiyya Muslim Jamaat heute in der gesamten Welt verkündet.
Hierzu gehört auch jene Lehre, die ich bereits erwähnt habe, nämlich, dass stets gerecht gehandelt werden muss – auch gegenüber dem ärgsten Feind. Diese Grundlehre ist derart, dass sie von keiner weisen Person abgelehnt werden kann. Naturgemäß folgt daraus, dass das Gewissen eines Menschen Zwang in Angelegenheiten des Glaubens oder den Mangel an Gerechtigkeit nicht tolerieren kann. Diese beiden Punkte sind dermaßen evident, dass sich die Frage, ob die deutsche Mentalität und die deutschen Gesetze mit den Lehren des Islam vereinbar seien, als völlig unsinnig erweist.
Neben dem, was ich bereits ausgeführt habe, gibt es weitere unzählige Verse aus dem Heiligen Qur-ân, die uns dazu anleiten, wie der Frieden in der Gesellschaft aufrechterhalten werden kann. Ich werde daher nun einige weitere Beispiele aus dem Heiligen Qur-ân vor Ihnen darlegen, so dass Sie die erleuchtenden Lehren des Islam erkennen können, so dass jeder friedliebende Bürger sich gegen jene auflehnen kann, die Mauern des Hasses gegen die friedliebenden Muslime errichten. Vom Anfang bis zum Ende ist der Heilige Qur-ân mit der Botschaft des Friedens und der Liebe angefüllt. Wegen der knappen Zeit werde ich Ihnen aber nur einige der Gebote aus einer bestimmten Sure vorstellen, nämlich aus der siebzehnten Sure des Heiligen Qur-ân.
Der Heilige Qur-ân lehrt uns die Bedeutsamkeit, Eltern liebevoll zu behandeln und zu respektieren. Die erste Beziehung, die ein Neugeborenes erfährt, ist die Beziehung zu seiner Mutter und seinem Vater. Tatsächlich beginnt diese Beziehung aber schon vor der Geburt des Kindes, wenn es über einen Zeitraum von neun Monaten hinweg im Bauch seiner Mutter getragen wird. Während dieser Zeit muss die Mutter oft starke Schmerzen ertragen, aber sie nimmt diese Schmerzen und Schwierigkeiten mit großer Freude auf sich. Demzufolge entwickelt die Mutter in ihrem Herzen eine Liebe für das Kind, noch ehe es überhaupt geboren ist. Es ist folglich offenkundig, dass die elterliche Beziehung eine Beziehung bedingungsloser Liebe ist, und dass diese Liebe rein und gänzlich selbstlos ist. Aus diesem Grund hat Gott, Der unser Herr, unser Schöpfer und unser Erhalter ist, uns nach seiner Anbetung an zweiter Stelle die Pflicht auferlegt, den Eltern die größte Aufmerksamkeit und Fürsorge entgegenzubringen. Daher gilt es in allen Angelegenheiten, dass man seine Eltern liebevoll und mit Güte behandelt.
In diesem Zusammenhang heißt es im Heiligen Qur-ân:
„Wenn einer von ihnen oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, sage nie „Pfui!“ zu ihnen, und stoße sie nicht zurück, sondern sprich zu ihnen ein ehrerbietiges Wort.“ (17:24)
Tatsächlich erklärt der Heilige Qur-ân weiter:
„Und neige gütig gegen sie den Fittich der Demut und sprich: „Mein Herr, erbarme Dich ihrer, so wie sie mich als Kleines betreuten.“ (17:25)
Möchte oder kann sich irgendeine Gesellschaft gegen solch eine goldene Grundlehre auflehnen? Möchte oder kann irgendein Gesetz dazu auffordern, sich nicht in dieser hervorragenden Weise gegenüber den eigenen Eltern zu verhalten? Sicherlich nicht.
Gleichgültig, wie viel Sie auch recherchieren mögen, Sie werden niemals von Menschen entworfene Gesetze und Grundlehren finden, die den Eltern Schutz und solche Ehre zusprechen, wie Gott, Der Allmächtige, sie ihnen im Heiligen Qur-ân gewährt hat. Und Er ist es, Der uns gelehrt hat, die Wirklichkeit zu verstehen, dass wir die erste Lektion der Liebe, der Hingabe und des Friedens bereits in der Wiege erfahren. Wenn die Menschen in den entwickelten Ländern in der Lage sind, diese allgemeingültige Wahrheit zu erkennen, dann werden die Ängste und Sorgen der älteren Menschen für immer beseitigt sein.
Allah sagt im Heiligen Qur-ân:
„Gib dem Verwandten, was ihm gebührt, und ebenso dem Armen und dem Wanderer, aber vergeude nicht in Verschwendung.“ (17:27)
Dies ist der zweite Grundsatz, um Frieden und Liebe in der Gesellschaft zu festigen. Wenn ein Kind sein Elternhaus verlässt, dann kommt es mit seinen nahen Freunden und Verwandten in Berührung und dies ist der Grund, weshalb es einem auferlegt wird, auch deren Rechte zu erfüllen.
Ich möchte an dieser Stelle verdeutlichen, dass die Basis des islamischen Rechts darin besteht, die Rechte anderer zu erfüllen. Demgegenüber sind im Allgemeinen säkulare bzw. weltliche Gesetze eher entwickelt worden, um Eigeninteressen zu erfüllen und zu befriedigen, statt gemeinschaftlicher Interessen. Wenn jemand nur auf die Wahrung seiner eigenen Rechte bedacht ist, dann ist er verantwortlich dafür, Ungerechtigkeit zu verbreiten.
Wenn aber eine Person stets die Erfüllung der Rechte anderer vor Augen hat, dann entwickelt sich naturgemäß in seinem Umkreis ein Geist der Opferbereitschaft.
Die Wahrheit ist, dass die Bereitschaft, Opfer zu erbringen, das einzige Mittel ist, um die Verbreitung von Liebe und Frieden zu gewährleisten. Wenn eine Person den Geist des Opferns vorlebt, dann wird natürlicherweise auch das Herz der anderen Beteiligten ihm gegenüber erweichen. Kurz gefasst, dieser Vers des Heiligen Qur-ân lehrt uns, den Nächsten gegenüber außerordentlich gütig zu sein und ihre Rechte zu erfüllen.
Der Vers, den ich eben aufgeführt habe, spricht des Weiteren auch die Notwendigkeit an, die den Armen und Bedürftigen gebührenden Rechte zu erfüllen. Hiermit werden jene Menschen angesprochen, die schwach und unterprivilegiert sind und nicht selbst für ihre Rechte einstehen können. Auch die ihnen zustehenden Rechte sollen erfüllt werden. Wenn man sich engagiert, die Rechte solcher Menschen zu erfüllen, dann wird in der Gesellschaft auf allen Ebenen ein Geist der Liebe gefördert, und eine solche Gesellschaft wiederum ist ein Garant für Frieden und Liebe.
Die Alternative dazu ist eine Situation, in der unschuldige Menschen ihrer Rechte beraubt werden und wegen der Missachtung ihrer Rechte unter schwierigen Bedingungen leben und Krankheiten erleiden müssen. Sie sind nicht einmal in der Lage, die Ausgaben für tägliche Grundbedürfnisse zu tragen, und aufgrund all dieser Faktoren schauen sie dem Tod ins Gesicht. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ihre Kinder, die all diese Nöte und Entbehrungen miterleben, eines Tages in der Zukunft aufgrund der Grausamkeiten, die ihnen widerfuhren, rebellisch werden, und so wiederum selbst zu einem Grund für die Zerstörung des Friedens in der Gesellschaft werden.
Deshalb ermahnt uns der Islam im Hinblick auf die Armen und Entrechteten, stetig damit fortzufahren, sich um sie zu sorgen, ungeachtet dessen, welcher Religion oder Nation sie angehören. Aus diesem Grund wird der Spende und Wohltätigkeit große Bedeutung beigemessen. Daneben wird auch herausgehoben, dass man für das Helfen der Schwächsten unter sich keinerlei Gegenleistung erwarten darf, außerdem sollte man ihnen gegenüber keinerlei Andeutungen fallen lassen, dass man ihnen eine Gefälligkeit erwiesen habe. Man sollte finanzielle Opfer in einer solchen Weise darbringen, dass das Geben der rechten Hand sogar vor der eigenen linken Hand verborgen bleibt.
Der von mir zitierte Vers beinhaltet ferner auch das Gebot, sich um jene zu sorgen, die sich auf Reisen befinden. Auch dies ist ein hervorragender moralischer Wert und ein großer Dienst an die Menschheit, zumal eine solche Güte das Erbringen persönlicher Opfer erfordert. So kann beispielsweise anderen nur dann geholfen werden, wenn man bereit ist, von seinem eigenen Vermögen und seiner Zeit zu spenden. Darum heißt es auch, dass nicht verschwenderisch gespendet werden soll. Auch sollte für das eigene Wohlbefinden nicht dermaßen viel ausgegeben werden, dass man das Wohlergehen anderer aus den Augen verliert. Eine übermäßige Lebensführung zerstört den Frieden in der Gesellschaft und lässt einen vor Gott zum Sünder werden.
Die weit verbreitete Ruhelosigkeit in der heutigen muslimischen Welt ist ein Ergebnis davon, dass die Mehrheit der Muslime darin gescheitert ist, diese Gebote umzusetzen. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, wodurch die Gesellschaft immer stärker polarisiert wird. Wenn die wahren und wunderbaren Lehren des Islam befolgt worden wären, dann hätte eine solche Ruhelosigkeit mit Leichtigkeit vermieden werden können.
Als nächstes möchte ich die Rechte der Kinder ansprechen. Auch diese Rechte sind in einer eindrucksvollen Art und Weise durch den Heiligen Qur-ân gestärkt worden. Die Verantwortung für die Bildung und moralische Erziehung der Kinder ist sowohl auf die gesamte Gesellschaft als auch auf jedes Individuum gelegt worden.
So heißt es im Heiligen Qur-ân:
„Tötet eure Kinder nicht aus Furcht vor Armut; Wir sorgen für sie und für euch. Fürwahr, sie zu töten ist eine große Sünde.“ (17:32)
Als erstes sind die Eltern dafür verantwortlich, Sorge für die Bildung und moralische Erziehung ihrer Kinder zu tragen und diese zu gewährleisten. Dies ist eine große Verantwortung, die an sie gestellt wird. Versagen die Eltern bei der Erfüllung dieser Verantwortung, dann kommt dies dem gleich, als ob die Eltern ihr Kind „getötet“ hätten.
Kinder sind nicht nur die Nachkommen ihrer Eltern, sondern sie sind auch der Reichtum einer Nation. Tatsächlich sind sie das Vertrauen der Nation in den Händen der Eltern. Die passende Bildung und Erziehung eines Kindes bürgen für die blühende Zukunft der Nation. Deshalb ist diese Verantwortung den Eltern anvertraut worden; und sie sollten nicht aufgrund eigennütziger Motive zögern, für das Wohlergehen ihrer Kinder Geld auszugeben, ebenso wie sie auch keine Ausflüchte anführen sollten, sie seien zu beschäftigt, um ihre Kinder zu bilden und zu erziehen.
Der Heilige Qur-ân hat sehr deutlich werden lassen, dass das Vernachlässigen der Kinder durch die Eltern gleichbedeutend ist mit dem, als ob die Eltern ihre Kinder töteten. Wenn jedes Kind, das in dieser Welt geboren wird und über die geistigen und physischen Fähigkeiten verfügt, ein ausgezeichneter Diener seines Volkes zu werden, nur wegen eingeschränkter Mittel der Bildung beraubt wird, dann stellt dies eine Verschwendung seiner Fähigkeiten dar, was wiederum dem „Töten“ des Kindes gleichkommt.
Und dies ist nicht nur die alleinige Verantwortung der Eltern. Denn in der Tat obliegt auch der Gesellschaft eine Pflicht der Fürsorge. Wenn auch die Gesellschaft die Rechte des Kindes nicht erfüllt, dann ist sie ebenfalls für das „Töten“ des Kindes verantwortlich. So tragen sowohl die Eltern, die in der Hauptsache für die Bildung und moralische Erziehung verantwortlich sind, als auch die Gesellschaft eine Pflicht gegenüber dem Kind.
Die wahren Reichtümer einer voranschreitenden und sich entwickelnden Nation sind ihre Kinder und deswegen sollte Sorge für sie getragen werden. Versagt man jedoch hierin, dann entwickeln sich die Kinder zu einem Mittel für die Zerstörung einer Nation anstatt zu einem Mittel für deren Erfolg. Ihre eigenen Leben wären in diesem Fall zerstört und genau dies wird mit „Töten“ beschrieben. Die Verantwortung für ihren Tod würde vorrangig auf den Eltern lasten, aber auch auf der Regierung und der Gesellschaft insgesamt. Sie alle hätten sich in Gottes Augen einer Strafe schuldig gemacht.
Sie sehen hierbei sehr deutlich, dass der Islam nicht nur auf die Bedürfnisse der Gegenwart achtet, sondern darüber hinaus auch die Interessen der künftigen Generationen in vollem Umfang schützt.
Die heutige Welt, die sich selbst als außerordentlich weit entwickelt und fortgeschritten betrachtet, mag diesen entscheidenden Punkt wohl jetzt verstanden haben, doch der Islam hatte bereits vor rund 1400 Jahren schon diese Grundlehre vorgestellt und mit großem Nachdruck erläutert.
So möchte ich Sie heute darüber in Kenntnis setzen, dass die Ahmadiyya Muslim Jamaat im Lichte dieser grundlegenden Lehren des Islam im Rahmen ihrer begrenzten Ressourcen Mittel für die Bildung sowohl von Ahmadi als auch von Nicht-Ahmadi Kindern zur Verfügung stellt, die das Potenzial haben, ihre Bildung erfolgreich zu absolvieren. Und diese gebildeten Kinder entwickeln sich zu außerordentlich nützlichen Individuen für ihre jeweiligen Nationen.
Allgemein betrachtet sind unsere in Deutschland lebenden Ahmadi-Kinder in ihrer Bildung überragend. Wir sind aber auch um ihre moralische Erziehung bemüht, so dass sie tragende Rollen im künftigen Fortschritt Deutschlands spielen können. So gesehen übernehmen Ahmadi-Muslime in jedem Land einen herausragenden Part bei der Fortentwicklung ihrer jeweiligen Nation.

Der Heilige Qur-ân gebietet außerdem:
„Und nahet nicht dem Gut des Waisen, es sei denn zum Besten, bis er seine Reife erreicht hat. Und haltet die Verpflichtung, denn über die Verpflichtung muss Rechenschaft abgelegt werden.“ (17:35)
Dieser Vers bezieht sich auf verwaiste Kinder. Ein Waisenkind gehört ebenfalls zum benachteiligten Teil der Gesellschaft und deshalb obliegen sein Schutz und die Sorge um ihn der Verantwortung der gesamten Gesellschaft. Wenn die Eltern eines Waisenkindes ihm Vermögen hinterlassen haben, dann trägt die Gesellschaft die Verantwortung dafür, den Nachlass zu schützen und zu verwalten, bis das Kind erwachsen ist. Wenn der Vormund des Kindes wohlhabend ist, dann sollte er alle anfallenden Kosten selbst tragen, aber wenn dies nicht der Fall ist, dann liegt es zweifellos in der Verantwortlichkeit der Regierung bzw. der Gesellschaft hierfür aufzukommen. Sofern aber diese Möglichkeiten nicht gegeben sind und das Waisenkind ausreichend Vermögen besitzt, dann kann ein angemessener Betrag vom Erbe selbst abgezogen werden, um den Nachlass abzusichern. Was auch immer passieren mag, der Vormund darf mit seiner Verantwortung nicht derart rücksichtslos umgehen, dass das Erbe des Kindes bei Erreichung seiner Volljährigkeit bereits komplett ausgegeben ist.
Auch das Erbrecht ist im Heiligen Qur-ân geschützt worden, wo ferner auch gelehrt wird, dass dem Waisenkind sein gesamter Nachlass zurückzugeben ist, sobald er seinen vollen Verstand erreicht hat. Dies sind die schönen Lehren des Islam, die die Rechte von Waisenkindern wahren. Allah gebietet, diese Rechte zu gewährleisten, wenn sie aber nicht gewährt werden, dann wird Er selbst Rechenschaft dafür einfordern.
Eine weitere Lehre des Heiligen Qur-ân besagt, dass in sämtlichen Angelegenheiten des Handelns mit vollkommener Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit vorgegangen werden soll. Wir lernen, dass jegliches Einkommen, das unehrlich erzielt wird, bar jeden Segens sein wird und zu einem Mittel wird, Unfrieden in der Gesellschaft zu stiften.
In diesem Zusammenhang sagt der Heiligen Qur-ân:
„Und gebet volles Maß, wenn ihr messet, und wäget mit richtiger Waage; das ist durchaus vorteilhaft und letzten Endes das Beste.“ (17:36)
Ich betone noch einmal, dass Ehrlichkeit im weltlichen Handel, in der Wirtschaft und in geschäftlichen Angelegenheiten der Schlüssel zum Erfolg für die Gesellschaft ist, und sie ist ein Garant für Frieden und ebenso auch ein Garant für hervorragende zwischenmenschliche Beziehungen. Der allmächtige Gott lenkt unsere Aufmerksamkeit darauf, hohe moralische Werte zu zeigen.
Im Heiligen Qur-ân heißt es:
„Und wandle nicht hochmütig auf Erden, denn du kannst die Erde nicht spalten, noch kannst du die Berge an Höhe erreichen.“ (17:38)
Dieser Vers lehrt uns, dass Demut und Bescheidenheit hohe moralische Qualitäten sind. Wir müssen von allen Formen des Hochmuts Abstand halten, seien es nun Überheblichkeit im Bezug auf Wissen, Überheblichkeit im Bezug auf Wohlstand oder Überheblichkeit im Zusammenhang mit der Nationalität bzw. Regierung. Jede Form der Arroganz hindert einen daran, weitere höhere spirituelle Stufen zu erklimmen. Es gibt immer Zeiten, in denen der Mensch Schwierigkeiten und Härten begegnen muss. Wir können oft sehen, wie Menschen auf individueller Ebene Höhen und Tiefen durchleben. Selbst unter den Wohlhabenden können wir Schicksalsänderungen erleben, ebenso wie auch Regierungen solchen Veränderungen unterliegen können.
Betrachten wir zum Beispiel die gegenwärtige wirtschaftliche Situation der Welt. Es gab eine Zeit, in der einige Staaten den Anspruch zu erheben pflegten, dass niemand mit ihrer wirtschaftlichen Macht konkurrieren könne, und es schien, als ob sie sich unbezwingbar erachteten. Doch dann kam die Wirtschaftskrise und auch nach dem Verstreichen einiger Jahre befindet sich die Welt heute noch in einer ernsten wirtschaftlichen Unruhe.
Wir sehen auch, dass es viele Naturkatastrophen gibt, die sich fast täglich ereignen und bestimmte Länder mit ihrer zerstörerischen Kraft nahezu verschlungen haben. Deren gesamte Infrastruktur wurde zerstört. Einige sagen, dass diese Katastrophen infolge des Klimawandels auftreten, während andere natürliche Ursachen anführen. Doch wir führen diese Katastrophen auf die Macht des allmächtigen Gottes zurück. Wenn Allah, Der Allmächtige, den Hochmut jener zu brechen wünscht, die sich als überlegen erachten, dann verleiht Er durch verschiedene Mittel Seiner Macht Ausdruck. Um es deutlich zu sagen, welche Länder auch immer sich für sicher befinden mögen, sie sind keineswegs sicher. Anstatt festlegen zu wollen, wer richtig und wer falsch ist, sollte die Welt Gottes Hilfe, Leitung und Seinen Schutz ersuchen. Und das ist der einzige Schutz, der die Menschheit zum wahren Weg der Menschlichkeit zu führen vermag. In dieser kurzen Zeit habe ich nur diese wenigen Punkte angesprochen und dennoch schon dafür lange gebraucht, dabei ist der Heilige Qur-ân von Seite zu Seite voller Weisheit und Leitung. Aufgrund der Knappheit der Zeit habe ich lediglich auf einige Punkte hinweisen können, aber auch schon diese wenigen Punkte haben ziemlich viel Zeit beansprucht, wofür ich mich entschuldige.

Abschließend möchte ich noch einmal sagen, dass die Welt inzwischen zu einem globalen Dorf geworden ist. Die Nationen vermischen sich kontinuierlich. Und genau deshalb sollten wir unser Augenmerk darauf legen, einen Standard menschlicher Werte zu errichten und unseren Schöpfer zu erkennen. Ich bete dafür, dass wir immer zu jenen gehören mögen, die in dieser Weise denken. Abschließend möchte ich mich noch einmal bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie alle gekommen sind, um dieser Veranstaltung beizuwohnen und dass Sie durch Ihre Anwesenheit diese Versammlung bereichern.
Ich danke Ihnen vielmals.

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