Aktuelle und soziale Themen

MuhammadSAW, die Moschee und der Muezzin-Ruf

Samina Tabassum

Zur Zeit des Heiligen Propheten MuhammadSAW bauten einige Muslime in Mekka, die nur halbherzig dem islamischen Glauben zugewandt waren, ein Gebäude, das sie als Moschee bezeichneten, um sich darin gegen den Heiligen ProphetenSAW zu verschwören. Ihr Anführer selbst lud den Heiligen ProphetenSAW zum Ritualgebet in diese »Moschee« ein. Doch wie überliefert ist, verzichtete der Heilige ProphetSAW darauf, weil er von Gott davor gewarnt wurde. Denn die Absichten der Bauherren jenes Gebäudes waren politischer Natur und widersprachen somit dem spirituellen Zweck eines Gotteshauses. Schon damals wusste der Heilige Prophet MuhammadSAW, dass Moscheen nicht politisiert werden dürfen. Über dieses Ereignis berichtend fasst der folgende Qur’an-Vers den Zweck einer Moschee in folgenden Worten zusammen: 

»[…] Eine Moschee, die auf Frömmigkeit gegründet ward vom allerersten Tag an, ist wahrlich würdiger, dass du darin stehen solltest. In ihr sind Leute, die sich gerne reinigen, und Allah liebt die sich Reinigenden.«[1]

Auf diese Weise erläutern Qur’an-Kommentatoren der letzten Jahrhunderte bis in unsere Zeit hinein diesen Teil der Sure At-Taubah (Die Reue), wenn sie ihn mit seinem geschichtlichen Hintergrund in Verbindung bringen. Eine Moschee ist demnach ein Ort der Anbetung Gottes. Der Heilige ProphetSAW bezeichnete ihn als masǧid, als »Ort der Niederwerfung« vor Gott, und betrat ihn mit den Worten: »Im Namen Allahs, und Frieden sei auf dem Gesandten Allahs. O Allah, vergib meine Sünden und öffne mir die Toren Deiner Gnadenfülle.«[2] Später wurden diese Worte zu einem Gebet, das Muslime auch heute noch beim Eintritt in die Moschee aussprechen.

Moscheen stellen also weder Räume für politische Versammlungen dar, noch sind sie Stützpunkte für ein Kalifat oder der verlängerte Arm einer ausländischen Regierung, wie es wieder einmal zu vernehmen ist, wenn bestimmte »Experten« zu Wort kommen. Aktueller Anlass ist dieses Mal der Gebetsruf. Dieser könnte vielleicht einmal in der Woche, am Freitag vor dem Freitagsgebet für die Dauer von fünf Minuten aus einem Minarett einer Moschee in Köln ausgerufen werden, wenn die Zuständigen der Moschee vorher eine behördliche Genehmigung in schriftlicher Form einholen, alle Anwohner durch Flyer informieren und weitere Beschränkungen wie eine geringe Lautstärke einhalten. Ein Pilotprojekt also, noch in seinen Startlöchern.

Muslime bewegen sich dabei in zweierlei Hinsicht auf dem Boden des Grundgesetzes. Zum einen garantiert Artikel 4 des Grundgesetzes nicht nur Christen und Juden, sondern allen Bürgern die Freiheit des Glaubens und die ungestörte Religionsausübung, zu dem auch der Gebetsruf zählt. Dieser wird auch von Juristen immer wieder als ein Teil der Religionsfreiheit bestätigt. Beispielsweise urteilte kürzlich eine Richterin des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen deshalb auch: »Jede Gesellschaft muss akzeptieren, dass man mitbekommt, dass andere ihren Glauben ausleben.«[3] Von Muslimen wird gefordert, dass sie aus »ihren« Hinterhöfen herauskommen und sich in die Gesellschaft integrieren. Diese Forderung beinhaltet nicht, den Glauben verstecken zu müssen, sondern sich an Gesetze und an die guten Umgangsformen zu halten. 

Zum anderen sind gläubige Muslime durch die islamische Lehre selbst dazu verpflichtet, den Gesetzen des Landes loyal zu sein, in dem sie leben. Der Begründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS schrieb, schon im Jahr 1897 an Königin Viktoria, die das damalige Indien regierte: 

»Ein wahrer Muslim, der sich den Lehren seiner Religion bewusst ist, wird immer gegenüber dem Staat, unter dessen freundlichem Schatten er in Frieden sein Leben verlebt, aufrichtig und loyal sein. Religiöse Uneinigkeit soll ihn nicht daran hindern, wahrhaftig loyal und gehorsam [gegenüber dem Staat] zu sein.«[4]

»Einheitlichkeit der Menschheit«

Den Brief verfasste Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS in dem kleinen Dorf namens Qadian, was sich im heutigen Nordwesten Indiens an der Grenze zu Pakistan befindet. Sein Sohn Hadhrat Mirza Bashiruddin Mahmud AhmadRA legte wenig später in seiner Funktion als sein zweiter Kalif im Jahr 1924 den Grundstein der Fazl Moschee in London und sprach zu den anwesenden Gästen die folgenden Worte: »Es handelt sich um die Grundsteinlegung für ein Gebäude, das errichtet wird, um sich Ihm zu erinnern, Der der Schöpfer von allen und allem ist, und um unseren Gefühlen der Hingabe und des Gebets Ihm gegenüber Ausdruck zu verleihen, Der im Zentrum von allem steht. Wenn wir vor Ihm stehen, dann vergessen wir jegliche Unterschiede des Alters, des Ranges, der Farbe, egal ob Osten oder Westen, und je näher ein Mensch zu Ihm gelangt, desto mehr schwinden für ihn die Unterschiede und desto stärker wird ihm die Einheitlichkeit der Menschheit bewusst.«[5]

Zu diesem Anlass vor rund 100 Jahren sagte er auch: »Schwestern und Brüder, Moscheen werden errichtet, um den Geist der Liebe und der gegenseitigen Freundschaftlichkeit zu pflegen. In der Terminologie des Islam wird eine Moschee als Bait-Ullah (d. h. Haus Gottes) bezeichnet und dies ist ein Ort, an dem niemand das Recht hat, andere aufgrund von Unterschieden zu stören oder zu vertreiben, da es sich um das Haus Gottes und nicht um das Privateigentum irgendeines Individuums handelt und Gott genauso der Herr seines Gegners ist wie er auch sein Herr ist.«[6]

Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, der amtierende Fünfte Kalif der Ahmadiyya Muslim Jamaat, eröffnete 2003 in London eine der größten Moscheen in Westeuropa mit den Worten: »Der Islam lehrt uns, stets Gott zu gedenken, Der unser Schöpfer ist, und Seine Erinnerung in unseren Herzen fortwährend aufrechtzuerhalten sowie mit Seinen Geschöpfen mit Liebe, Hingabe, Harmonie und Toleranz umzugehen. Dies ist das Fazit jener Lehren, die uns der Heilige Prophet des IslamSAW brachte.«[7]

Ende 2019 hielt seine HeiligkeitABA im Hotel Adlon in der Nähe des Brandenburger Tors in Berlin eine Grundsatzrede zum Thema »Islam & Europa: Ein Kampf der Kulturen?« und sagte: »Statt Einschränkungen gegen die Praktizierung des Glaubens zu erlassen, sollten wir erkennen, dass wir alle einer einzigen gemeinsamen menschlichen Spezies angehören, die mehr als je zuvor miteinander verbunden ist. Wir sollten unsere Diversität akzeptieren und uns darauf konzentrieren, Geschlossenheit zu etablieren, sodass langfristiger Friede auf der Welt etabliert werden kann. […] Lassen Sie uns alle, ungeachtet unserer Differenzen, zusammenkommen und mit einem Geist des gegenseitigen Respekts, der Toleranz und Zuneigung für den Frieden auf der Welt und für das Fördern der Glaubensfreiheit arbeiten.«[8]

Veränderung ist die einzige Konstante

Es hat noch nicht einmal ein Muezzin in einer der 35 Kölner Moscheen den Adhan öffentlich ausgerufen, doch die Islamophobie hat schon ungehemmt ihre Spur in der deutschen Medienlandschaft hinterlassen. Manche nehmen nicht einmal eine Unterscheidung zwischen Islam, Islamismus oder politischer Islam vor. Offensichtlich ist, dass das Thema immer noch unter dem Vorzeichen »Aufgepasst, es verändert sich etwas!« diskutiert wird. Tatsächlich ist auch in den vergangenen Jahren eine bemerkbare Veränderung des gesellschaftlichen Lebens zu verzeichnen. Die Zahl der Menschen mit muslimischem Glauben in Deutschland ist gestiegen, sei es durch Geburten, Migration oder Konvertierung. In den vergangenen Jahren haben aber auch mehrere Länder völkerrechtswidrige Invasionen und Kriege erlebt. Es gibt Fluchtbewegungen, die offensichtlich nicht nur auf eine wirtschaftliche Unzufriedenheit der geflüchteten Menschen zurückzuführen sind. 

In den letzten Jahrzehnten hat sich viel verändert in der Welt, und es hat sich auch viel in Deutschland verändert. Der Wandel erinnert daran, dass Veränderung die einzige Konstante ist, die stabil bleibt, wie es der griechische Philosoph Heraklit einst behauptete. Sie hat es immer schon gegeben. Menschen mit verschiedenartigen Lebensentwürfen sind ein Teil der deutschen Realität des 21. Jahrhunderts. Auf der einen Seite gilt es, diese Menschen in den demokratischen Rechtsstaat zu integrieren. Auf der anderen Seite gilt auch für diejenigen, die seit Generationen in Deutschland leben oder längst integriert sind, dass sie aufkommende Veränderungen akzeptieren und lernen mit den veränderten Zuständen rechtsstaatlich und mit guten Umgangsformen umzugehen. Den Muslimen, die den Gebetsruf als politische Machtdemonstration sehen wollen, muss bestimmt entgegengetreten werden, denn das ist auch im Sinne des muslimischen Glaubens. Der islamische Glaube muss von jeglicher Politisierung freigemacht werden und freibleiben. Jedoch ist das Verbot des Gebetsrufs nicht die Lösung des Problems.

Die Wichtigkeit des Gebets

Für viele Muslime, sei es aus aufrichtiger Überzeugung oder aus gelebter Tradition heraus, stellt das Ritualgebet und der Ruf zum Gebet einen wichtigen Bestandteil ihres Glaubens dar. Das Gebet wird im Islam als ein lebendiges Mittel betrachtet, um Gottes Nähe zu erlangen. So steht es in der Sure 29 des Heiligen Qur’an: »Denn das Gebet hält ab von Schändlichkeiten und Unrecht; und an Allah denken ist gewiss die höchste (Tugend).«[9]

Bekannt in diesem Zusammenhang ist die mehrfach überlieferte Metapher mit dem Fluss vor dem Haus, die der Heilige Prophet MuhammadSAW zur Wichtigkeit des Gebets betonte: »Das Beispiel der fünf täglichen Gebete ähnelt einem fließenden Fluss vor eurer Tür, worin ihr euch fünf Mal täglich reinigt.«[10] Wie der Körper, so soll auch die Seele und der Geist durch das Gebet regelmäßig »gereinigt« werden. 

Auf die Frage eines Gefährten, welche seiner Verhaltensweisen ihn von der Hölle entfernen und ins Paradies führen könnten, antwortete der Heilige ProphetSAW: »Du sollst Allah verehren und Ihm keinen gleichstellen und verrichte das Gebet und zahle die Almosen (Zakat), zudem sei gütig zu deiner nahen Verwandtschaft.«[11] Die Hölle wird hierbei als die Abwesenheit und Ferne der Seele zu Gott verstanden, wohingegen das Paradies aus der spürbaren Nähe zu Gottes Anwesenheit besteht. Sie beginnt mit geistigen Zuständen wie innerer Ruhe und Zufriedenheit, die durch das Gebet und die entsprechenden Verhaltensweisen erreicht werden. Aufrichtig dargebrachte Gebete und das in ihrer Regelmäßigkeit haben auch zur Folge, dass das persönliche Wohlbefinden und der familiäre, gesellschaftliche Zusammenhalt steigen.

Diesen Zustand der Gottesnähe zu erreichen erfordert aber, seine Komfortzone auch dann zu verlassen, wenn es einem wirklich schwerfällt: »Eine vollständige Waschung (wuḍūʾ, rituelle Reinigung) trotz schwieriger Umstände wie Kälte oder ähnliches und die vielen Schritte, die man in Richtung der Moschee geht, und das Warten auf das nächste Gebet nach einem Gebet. Das ist wie der Schutz an der Grenze.«[12]

In dieser Welt, aber nicht von dieser Welt, soll der Gläubige seine mentalen Grenzen durch das Gebet schützen. Beginnend mit der Waschung, »dem Schlüssel zum Gebet«[13] folgt körperlich und gedanklich mit dem ersten takbīr ein Verlassen der weltlichen Angelegenheiten. Die folgenden Worte vom Heiligen ProphetenSAW sind überliefert: »Wenn das takbīr gesagt wird, sind alle Angelegenheiten verboten außer dem Gebet, und wenn der Friedensgruß am Ende des Gebets gesagt ist, sind alle Angelegenheiten wieder erlaubt.«[14] Im Gebet soll jede Person aus dem Heiligen Qur’an das rezitieren, was ihr leichtfällt, und bestimmte Positionen wiederholen. Dazu sagte der Heilige ProphetSAW: »Dann beuge dich (rukūʿ) bis du dabei den Ruhezustand erreichst, danach steh auf und halte dich gerade. Danach werfe dich nieder (saǧda) bis du dabei den Ruhezustand erreichst, danach setze dich kurz gerade hin.“[15]

Das Verrichten des Gebets in der Moschee oder zu Hause

Dem Ritualgebet in der Gemeinschaft wird dabei ein viel höherer Wert zugewiesen als dem, das alleine verrichtet wird, auch wenn es bei einigen Gelegenheiten in der Einsamkeit bevorzugt werden soll. Dazu ist überliefert, dass der Heilige ProphetSAW sagte: 

»Das Verrichten des gemeinsamen Gebets in der Moschee wird zwanzig Mal höher belohnt, als wenn man dieses an dem Ort der Arbeit oder zu Hause verrichtet. Also, wenn einer sich auf die beste Weise reinigt (wuḍū) und sich für das Gebet mit reiner Absicht zur Moschee bewegt, dann wird er bei jedem Schritt einen Rang höher eingestuft und eine seiner Sünden wird mit jedem Schritt vergeben, bis er die Moschee erreicht. Wenn er in die Moschee tritt und sich zum Gebet begibt, werden die Engel für ihn beten, solange er sich beim Gebet befindet. Sie beten: ›O Allah, erbarme Dich seiner! O Allah vergib ihm! O Allah nimm seine Reue an!‹ Diese Bittgebete werden wiederholt, wenn er keinen stört und seine Waschung nicht ungültig wird.«[16]

Nachdem man den Gebetsruf vernommen hat, soll man »in Ruhe und Gelassenheit zum Gebet gehen, aber nicht hetzen. Also, was verblieben ist, gemeinsam mitbeten, und was versäumt wurde, danach vervollständigen.«[17]

Zu einer anderen Gelegenheit sagte der Heilige ProphetSAW aber auch: »Ihr müsst auch zu Hause das Gebet verrichten, denn das beste Gebet ist das Gebet zu Hause, ausgenommen das gemeinsame Gebet.«[18] Über seine Vorgehensweise berichtend sagte seine Ehefrau Hadhrat AishaRA: »Der Heilige ProphetSAW pflegte bei mir zu Hause vier rakʿāt zu verrichten, um danach in die Moschee zu gehen und dort das Gebet für die Menschen zu leiten. Danach kam er wieder nach Hause und verrichtete zwei rakʿāt. Genauso kam er nach dem maġrib-Gebet nach Hause und verrichtete zwei rakʿāt. Nachdem er das ʿišāʾ-Gebet für die Menschen leitete, kam er wieder nach Hause und verrichtete zwei rakʿāt[19]

Für die Wichtigkeit des Freitagsgebets lassen sich einige Quellen heranziehen. So sagte der Heilige ProphetSAW einmal: »O ihr Gläubigen! Dieser Tag wurde euch dem ʿīd gleichgestellt. Badet an diesem Tag und putzt eure Zähne.«[20] ʿīd ist ein Festtag, an dem man sich gut gekleidet und mit Freude für ein gemeinsames Gebet trifft, um Gott anzubeten. Als »Zeichen für Weisheit eines Gläubigen« bezeichnete er, dass an dem Tag »das Gebet lang verrichtet und eine kurze Ansprache«[21] gehalten wird.

Die Gebete dauern nur wenige Minuten. In einer Zeit des ausgiebigen Konsums und der Zeitverschwendung mit Social Media, der Suche nach achtsamen Methoden, um Ruhe zu finden, stellen die Gebete einen Anker für Stabilität und geistige Freiheit dar. Auch wenn fünfmalige Ritualgebete eine verpflichtende Bedeutung im Leben eines gläubigen Menschen haben, gibt es doch die Möglichkeit, Gebete zusammenzulegen, um die Einhaltung der Gottesdienste mit der Schule, dem Studium und dem Beruf zu vereinbaren. 

»Er wollte die Praxis des Islam für seine Anhänger nicht unnötig erschweren«

Deshalb gab der Heilige ProphetSAW seinen Anhängern den Rat: »Wenn einer unter euch das Gebet leitet, sollte er es erleichtern. Denn hinter ihm beten der Schwache, Kranke und der Alte. Aber wenn er für sich allein betet, dann kann er sein Gebet, wie er möchte, lang ausdehnen.«[22] Über seine Vorgehensweise selbst erzählte erSAW: »Ich gehe zum Gebet mit der Absicht, es etwas länger auszudehnen, dann höre ich das Weinen eines Kindes, so verkürze ich das Gebet, weil ich nicht mag, dass die Mutter wegen ihres Kindes sich beunruhigt.«[23]

Als ihn eine Beschwerde eines Mannes erreichte, der nur deshalb nicht zum Morgengebet ging, weil der Vorbeter es zu lange betete, er aber seiner Arbeit nachgehen musste, ermahnte der Heilige ProphetSAW den Vorbeter. Der Vorfall ist folgendermaßen überliefert: »Ich habe den Heiligen ProphetenSAW noch nie so zornig bei einer Ermahnung gesehen, wie er es an diesem Tag war. Er sagte: ›O ihr Menschen! Unter euch sind jene, welche Menschen vertreiben, indem sie Unbequemlichkeiten verursachen.‹«[24] Er legte auch Gebete in der Moschee zusammen, »ohne dass es dort Regen oder irgendwelche Gefahr gab.«[25] Ein Gefährte erklärte die Verhaltensweise des Heiligen ProphetenSAW: »Er wollte die Praxis des Islam für seine Anhänger nicht unnötig erschweren.«[26]

Gebetet werden sollte sowieso nicht, wenn »das Essen vorliegt, und man darf nicht beten, wenn man Not zum Stuhlgang oder Wasserlassen verspürt.«[27] Das Gebet setzt Sauberkeit, Konzentration und die Absicht voraus.

Trotz all dem können Fehler aus Versehen passieren. Beim Leiten eines Ritualgebets betete der Heilige ProphetSAW einmal etwas mehr oder weniger. Darauf fragten ihn seine Gefährten, ob sich etwas bei den Gebeten geändert hätte. Er antwortete: »Ich bin nur ein Mensch und vergesse manchmal, wie ihr vergesst. Also, wenn jemand bei der Gebetsverrichtung etwas vergisst, sollte er sich (am Ende des Gebets) zwei Mal niederwerfen (saǧda).«[28]

Frauen und Männer in der Moschee

Darüber hinaus ist durch verschiedene Überlieferungen bekannt, dass die Ehefrauen des Heiligen ProphetenSAW sowie die seiner Gefährten ebenfalls zum Gebet in die Moschee gingen. Bei der Geschlechtertrennung wird davon gesprochen, dass sowohl Männer als auch Frauen in eigenen getrennten Räumen beten sollen, um sich dabei auf das Gebet, auf eine Kommunikation mit Gott, einlassen zu können. Es ist weder eine Benachteiligung noch Besserstellung des einen oder anderen Geschlechts. In größeren Moscheen sind mehrere getrennte Räume sowie Betreuungsmöglichkeiten für Kinder vorhanden. Manchmal bietet aber der folgende Qur’an-Vers Anlass zur Diskussion darüber, ob Frauen in die Moscheen kommen sollen oder nicht:

»(Es ist) in Häusern, für die Allah verordnet hat, sie sollten erhöht und Sein Name sollte darin verkündet werden. Darin preisen Ihn am Morgen und am Abend Männer, die weder Ware noch Handel abhält von dem Gedenken an Allah und der Verrichtung des Gebets und dem Geben der Zakât. Sie fürchten einen Tag, an dem sich Herzen und Augen verdrehen werden.«[29]

In diesem Vers geht es allerdings nicht um einen Vergleich zwischen Männern und Frauen. Es ist vielmehr eine Gegenüberstellung derjenigen Männer, deren Beruf sie nicht davon abhält, die Pflichtgebete zu verrichten und auch morgens sehr früh zum Gebet aufzustehen, und derjenigen Männer, die sich mehr um das Geldverdienen bemühen und nicht die gleiche Kraft aufbringen, um Gottesdienst und ihren Beruf zu vereinbaren. 

Hadhrat Mirza Bashiruddin Mahmud AhmadRA schreibt im Großen Qur’an-Kommentar (tafsīr-e kabīr), wenn eine Arbeit »auf dem Weg des Gebets ein Hindernis ist, wenn diese Dinge ein Hindernis sind für das Fasten und wenn diese Dinge hinderlich sind bei anderen religiösen Tätigkeiten, dann ist es eure Pflicht, dass ihr solche Arbeiten aufgebt und euren Glauben vor dem Zerfall schützt. Wenn diese Dinge jedoch kein Hindernis auf dem religiösen Weg sind, dann geht natürlich arbeiten. Der Islam verbietet es euch nicht.«[30] Weiter kommentiert der Zweite KalifRA den oben erwähnten Qur’an-Vers: »Das bedeutet nicht, dass diese Leute, die sich mit dem Gedenken an Gott beschäftigen, keine Landwirtschaft betreiben oder keiner anderen weltlichen Tätigkeit nachgehen, sondern das heißt, dass sie Handel betreiben, aber ihre Herzen gleichzeitig mit dem Gedenken an Allah beschäftigt sind […].«[31]

In einer Moschee findet das fünfmalige Gebet statt. Zu den Gebetszeiten faǧr (morgens), ẓuhr (nachmittags), ʾaṣr (spätnachmittags), maġrib (abends) und ʿišāʾ (nachts). Zudem treffen sich Muslime wöchentlich zum Freitagsgebet, zum Gebet an den wichtigsten islamischen Festen am ʾīdu l-ʾaḍḥiya und ʾĪdu l-fiṭr. Es gibt Seminare mit religiösen Themen, interreligiöse Dialoge werden in Moscheen veranstaltet, Ausstellungen und Informationsveranstaltungen organisiert. Die Moscheen und Gebetsräume der Ahmadiyya Muslim Gemeinde stehen als Begegnungsstätte Menschen verschiedenster Konfessionen und Institutionen offen. Moscheen bleiben also, wie sie es auch zur Zeit des Heiligen Propheten MuhammadSAW schon waren, Gebetshäuser, so wie es auch Synagogen, Kirchen und Tempel sind.


[1] Der Heilige Qur’an, 9:108
[2] Überliefert von Musnad Aḥmad bin Ḥanbal, zitiert aus dem Sammelwerk „Garten der Rechtschaffenen“. Alle folgenden Ahadith sind aus diesem Buch zitiert. Deshalb wird im weiteren Text nur der Name des Hadithbuchs als Quelle angegeben.[3]https://rp-online.de/nrw/panorama/oer-erkenschwick-muezzin-darf-doch-zum-gebet-rufen-urteil-des-oberverwaltungsgerichts_aid-53528355
[4] „Ein Geschenk für die Königin“, S. 25
[5] »Nuur für Frauen«, 3/2007, S. 20
[6] »Nuur für Frauen«, 3/2007, S. 20-21
[7] »Nuur für Frauen«, 3/2007, S. 24
[8] https://ahmadiyya.de/news/pressemitteilungen/art/islam-und-europa-kampf-der-kulturen-atheismus-als-groesste-bedrohung-fuer-westliche-kultur-mu/
[9] Der Heilige Qur’an, 29:46
[10] Ṣaḥīḥ Muslim
[11] Ṣaḥīḥu l-Buḫārī
[12] Ṣaḥīḥ Muslim
[13] Sunan at-Tirmiḏī
[14] Sunan at-Tirmiḏī
[15] Ṣaḥīḥu l-Buḫārī
[16] Ṣaḥīḥu l-Buḫārī
[17] Ṣaḥīḥ Muslim
[18] Sunan ad-Dārimī
[19] Ṣaḥīḥ Muslim
[20] Al-Muʿǧamu s-Ṣaġīr von Imām aṭṬabarānī
[21] Ṣaḥīḥ Muslim
[22] Ṣaḥīḥu l-Buḫārī
[23] Ṣaḥīḥu l-Buḫārī
[24] Ṣaḥīḥu l-Buḫārī
[25] Ṣaḥīḥ Muslim
[26] Ṣaḥīḥ Muslim
[27] Ṣaḥīḥ Muslim
[28] Musnad Aḥmad bin Ḥanbal
[29] Der Heilige Qur’an: Sura 24, Verse 37-38
[30] Tafsīr-e kabīr, S.336
[31] ebenda, S.331

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