Ahmadiyya Aus den Schriften des Verheißenen Messias (as) Islam

Befreiung von der Sünde Teil 1

Aus den Schriften von Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS
Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat

Auf den folgenden Seiten beabsichtigen wir, auf das Heilmittel für das verzehrendste Übel aller Zeiten hinzuweisen. Es ist deutlich, dass der erstaunliche materielle Fortschritt der Welt mehr als aufgewogen wird durch ihren beklagenswerten geistigen Niedergang. Die menschliche Seele ist so weit von ihrer natürlichen Würde abgefallen, dass sie reine Wahrheiten scheut und ihre wirkliche Berührung meidet. Es scheint, als ob irgendeine gewaltsame Energie sie mit beschleunigter Bewegung in den Sündenpfuhl und in die untersten Tiefe der Laster hinunterzieht. Solch ein vollständiger Wechsel ist im Verstand des Menschen vorgegangen, dass das, was geistig am Hässlichsten und Abscheulichsten ist, als blendende Schönheit in den Umgangsformen bewundert wird. Ein empfindsames Gewissen, diese innerliche Ermahnung des Menschen, fühlt, dass er von seiner natürlichen Reinheit unter dem demoralisierenden Einfluss einer unsichtbaren Macht abweicht. Dieses Gift ist so allgemein verbreitet, dass es schon fast die ganze Welt zerstört hat. Reine und edle Wahrheit wird ausgelacht und es wird damit gescherzt: ein Hinwenden zu Gott und totale Ergebung in Seinen Willen wird als Albernheit betrachtet. Jede Seele auf dieser Erde scheint auf irdische Sorgen und Vorteile konzentriert zu sein, so, als ob eine versteckte Macht sie in diese Richtung gezwungen hätte. Solcherart ist die übliche Anziehungskraft des Lasters; und die Wahrheit, auf die wir bereits hingewiesen haben, ist, dass überall auf der Welt diese Anziehungskräfte am Werk sind. Die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit einer Attraktion hängt von der Sicherheit oder Unsicherheit unserer Sicht im Hinblick auf bestimmte Angelegenheiten ab, und wenn die Sicherheit größer ist, ist auch die Anziehung stärker. Es ist ein Grundsatz der Wahrheit, welcher in der geistigen Welt nicht weniger fraglos gilt als in der materiellen Welt, dass einer Anziehung nur durch ihr Gegenteil entgegen gewirkt werden kann, wenn letzteres einflussreicher ist als das erstere. Weil die Welt in ihrem gegenwärtigen Stand unter dem Einfluss einer üblen Anziehung abwärts gezerrt worden ist, kann sie sich nie selbst auf höheres Niveau und in höhere Regionen aufschwingen, solange nicht eine gegensätzliche und mächtigere Anziehung vom Himmel die vorhandenen irdischen Tendenzen überströmt und eine größere Sicherheit in der entgegengesetzten Richtung zustande bringt. Um es klarer zu machen: Kein Wechsel zum Besseren kann erfolgen, solange die Menschen nicht mit Gewissheit zu sehen beginnen, dass da wirkliche, wesentlichere und dauerhafte Vorteile und Freuden durch die Unterwerfung unter die Gebote Gottes folgen, als durch Nachgiebigkeit gegenüber fleischlichen Begierden und üblen Verlangen gespürt werden kann, und dass diese Vorteile und Wonnen durch ein tugendhaftes Leben greifbar und fühlbar werden können, ebenso wie Missetat nicht nur gleich, sondern schlimmer ist als der Tod. Diese Gewissheit allein kann, wenn sie eine vollständige Kontrolle über den Sinn hat, einen sichereren Schutz gegen die Sünde bieten. Es ist weiter notwendig, dass im Herzen die absolute Überzeugung herrschen sollte, dass dem Menschen Licht vom Himmel nur bewilligt wird durch die Sonne, die der Imam seiner Zeit darstellt. Diejenige Person, die denkt, sie könne ohne diese wirkliche Quelle des Lichts auskommen, ist getäuscht, denn sie stellt sich in den Widerspruch zu den unveränderlichen Gesetzen Gottes. Ist es möglich, dass die Augen ohne die Sonne sehen können? Die Augen haben Licht, doch um sich dessen zu bedienen, müssen sie das Licht der Sonne ausborgen. Der Imam ähnelt der Sonne, indem er die wahre Quelle allen Lichts ist; er kommt vom Himmel und erleuchtet die Welt, und das Auge ist blind, das nicht Licht von ihm ausleiht. Andererseits wird diejenige Person, welche mit Hilfe dieses Lichts auf einer festen Grundlage der Gewissheit steht, von der Richtung der Rechtschaffenheit angezogen. Zwischen den irdischen und himmlischen Anziehungskräften wird natürlich ein Kampf erfolgen, und jede wird versuchen, die andere zu überwinden. Die eine wird einen Menschen zur Tugend leiten, die andere zum Laster, die eine nach Osten und die andere nach Westen. Je mächtiger, kräftiger die beiden gegensätzlichen Anziehungen wachsen, desto furchtbarer wird der Kampf sein. Es ist eine notwendige Konsequenz großen materiellen Fortschritts, dass diese zwei Anziehungen ihre höchsten Kräfte entfalten sollten. Wenn die Welt ihre höchste Stufe materiellen Fortschritts erreicht hat, sind die Tage himmlischen Fortschritts nicht fern. Es ist sicher, dass in den Himmeln auch Vorbereitungen stattfinden, die dann für eine geistige Reformierung getroffen werden. Eine Anziehung wird in den Himmeln hergestellt, so dass die zwei miteinander um den Vorrang ringen. Schrecklich ist die Zeit, wenn Verwahrlosung und Nichtigkeit zuoberst auf der Welt regieren, denn es ist der Tag der Rache und der versprochene Tag des großen geistigen Ringens. Der schreckliche Kampf ist in bildlicher Sprache von den heiligen Propheten Gottes beschrieben worden. Einige haben ihn als endgültigen Kampf zwischen den Engeln des Himmels und den Teufeln des Abgrunds der Hölle dargestellt, an dessen Abschluss es zum Ende der Welt kommt; wieder andere haben ihn aus derber Unkenntnis als körperlichen Kampf interpretiert, der mit Schwert und Schießpulver geführt würde. Die letztere Sichtweise ist ohne Zweifel das Ergebnis von Falschbeurteilung und oberflächlichen Vorstellungen; bildliche Worte, die einen geistigen Wettkampf beschreiben, sind falsch gedeutet worden, so als ob sie einen physischen Krieg bedeuten.

Kurzum, ein harter Kampf ist jetzt im Gange zwischen der Dunkelheit der Welt und dem Licht des Himmels. Die Propheten Gottes, von Seiner Heiligkeit AdamAS bis zum Heiligen Propheten MuhammadSAW sagten diesen mächtigen Kampf voraus. Er hat Führer auf beiden Seiten, die Verhehler der Wahrheiten auf der Seite der Dunkelheit und die Enthüller der Wahrheiten auf der Seite des Lichts. Das eine kommt vom Himmel mit Heerscharen von Engeln und in einer Kundgebung von Michael, und das andere tritt in die Schranken mit den Mächten der Dunkelheit und ist eine Verkörperung Satans. Nun, da die Einwohner der Hölle gewappnet in einer Schlachtreihe stehen und entweder ihre bösen Taten vollbracht haben oder mit ihren sündhaften Taten beschäftigt sind, werden wir natürlich zu der Hoffnung verleitet, dass auch das himmlische Heer Vorbereitungen trifft zur Vernichtung des Üblen, wobei uns gutes Urteilsvermögen befähigt, den Schluss zu ziehen, dass das Himmelsheer nicht nachlässig in seinen Pflichten handelt. Aber die himmlische Herrschaft ist Tumult und Geplapper abgeneigt und fährt mit ihren Tätigkeiten in ernster Ruhe fort. Oberflächliche Betrachter können solange kaum ihrer Handlungen gewahr werden, bis ein Zeichen in den Himmeln erscheint, und ein Minarett (erleuchtetes Haus) auf der Erde errichtet wird, silberglänzend weiß und strahlend von Licht. Das himmlische Licht fließt auf dieses Minarett hinab, welches schließlich die ganze Welt erleuchtet.

Die abschließenden Bemerkungen des letzten Abschnitts erfordern eine Erläuterung: Das göttliche geistige System, ungeachtet seiner Übereinstimmung mit der physischen Welt in allen herausragenden Punkten, legt bestimmte besondere Merkmale an den Tag, die ein oberflächlicher Beobachter in letzterer nicht entdecken kann. Ein Beispiel dafür ist in der Art und Weise zu finden, wie irdische Attraktion der erste Antrieb für himmlische Attraktion wird, obwohl die zwei einander genau entgegengesetzt sind. Es ist deshalb vernünftig zu behaupten, dass zu einer Zeit, wenn diese beiden Attraktionen in den letzten Tagen der Weltgeschichte, wenn materieller Fortschritt das höchste Stadium erreicht haben wird, in ihrer vollen Kraft handeln, die beiden Anziehungskräfte miteinander um Vorrang streiten werden, denn ein wahrer Erfolg wird nicht erreicht werden, solange der Feind nicht verwüstet ist. Wo deshalb die beiden Rivalen gleich erfolgreich und stark sind, muss der Wettkampf notwendigerweise hart sein, da jeder der beiden im Innersten die Zerstörung des anderen wünscht. Die Vernunft stützt auch die prophetischen Äußerungen all der großen Patriarchen und Propheten insofern, als der Kampf zwischen Gut und Böse die notwendige Konsequenz des Zusammenstoßens zwischen zwei feindlichen Mächten ist, von denen entweder die eine die andere überwinden muss, oder aber beide werden im Wettstreit vernichtet.

Entsprechend der prophetischen Äußerungen kann dieser abschließende Wettkampf zwischen Gut und Böse so beschrieben werden, dass nach dem Verlauf von eintausend Jahren von JesusAS an gezählt, was das Jahrtausend der Einkerkerung Satans bedeutete, eine üble Anziehungskraft auf der Erde Boden gewann. Dies war die Zeit in der Weltgeschichte, da die Muslime die wahren und edlen Prinzipien des Islam verleugnet hatten, und sich ihre Religion deswegen in einem Zustand des Niedergangs befand. Ihr geistiger Fortschritt wurde zu jener Zeit behindert und ihre Errungenschaften kamen zum Erliegen. Sie, die Religion, war in den Tagen geboren worden, als der Urheber des Bösen im Abgrund der Hölle lag. Ihr Aufstieg und Niedergang in diesen zwei Zeitabschnitten war notwendig, damit das, wovon die Propheten und zuletzt der heilige JohannesAS gesprochen hatten, erfüllt werden sollte. Es geschah deshalb in Erfüllung dieser Prophezeiungen, dass die Religion des Islam nach eintausend Jahren, von JesusAS an gerechnet, abzunehmen begann, und ihr weiterer Fortschritt da und dann aufgehalten wurde. Satanische Bewegungen und Handlungen nahmen verschiedene Formen an und erschienen in vielen schillernden Gewändern. Der Baum des Üblen fasste Wurzeln und verzweigte sich in enorm hohem Ausmaße. Einige seiner Äste verbreiteten sich im Osten, andere erreichten die äußersten Niederlassungen im Westen. Und nicht wenige überschatteten den Norden und den Süden. Keine Ecke der Welt wurde vom Übel ausgespart. Aber die Zeit, während derer Satan losgelassen war, war, wie die Zeit seiner Gefangenschaft, begrenzt auf 1000 Jahre und Gottes Propheten gaben Zeugnis dafür ab.

Mit dem Ende des 13. Jahrhunderts nach der Auswanderung unseres heiligen Propheten wurde die Periode von Satans Freiheit beendet. Dazu muss bemerkt werden, dass wir in der Berechnung der Zeitabschnitte der Prophezeiungen mit dem Mondjahr als Ausgangspunkt beginnen müssen; dieses System des Berechnens der prophetischen Perioden wurde vom allmächtigen Gott sowohl den Juden als auch den Muslimen gelehrt. Das Sonnenjahr ist eine Neuerung der Menschen und es kann deswegen, weil es gegen die heiligen Schriften dieser zwei Religionen ist, nicht in der Berechnung prophetischer Zeiten angewendet werden. Kurzum, die Zeit, in der wir leben, kennzeichnet das Ende der Frist, die Satan gewährt war. Die Periode, für die er in Freiheit war, ist an ihrem Ende angelangt; aber da dieser nicht möchte, dass seine Freiheit eingeschränkt und seine Autorität hinweggenommen wird, muss das Ergebnis natürlicherweise ein Kampf zwischen den guten und den bösen Anziehungskräften sein. Das war von Anfang an so bestimmt, und die Worte Gottes können nicht verändert werden.

Andere Tatsachen halten dieselbe Sichtweise aufrecht, nämlich, dass die eintausend Jahre von Satans Obergewalt nun zu Ende sind, und wir jetzt im Jahrtausend der Herrschaft Gottes leben, dessen Anbruch schon begonnen hat. Das sechste Jahrtausend seit Auftreten AdamsAS ist zu seinem Ende gekommen und das siebente, in welchem der zweite Adam erscheinen sollte, hat begonnen. Gott schuf Adam am sechsten Tag und die heiligen Schriften geben weiterhin von der Tatsache Zeugnis, dass ein Tag beim Herrn gleichzusetzen ist mit tausend Jahren. Die Versprechungen Gottes machen es deshalb absolut notwendig, dass der zweite Adam schon geboren worden sein muss, obwohl von der Welt noch nicht erkannt. Wir können ferner nicht den Schluss vermeiden, dass der von Gott für das Erscheinen des zweiten Adams bestimmte Ort im Osten und nicht im Westen liegen muss, denn von Genesis 11:8 lernen wir, dass Gott den ersten Adam in einen Garten in Richtung Osten gestellt hat. Folglich müsste auch der zweite Adam im Osten auftauchen, um der Ähnlichkeit mit dem ersten in Hinsicht auf seine Örtlichkeit willen. Dieser Schluss ist gleichermaßen verbindlich für Christen als auch für Muslime, wenn sie die Autorität der Schriften anerkennen und nicht von atheistischer Geisteshaltung sind.

Der Weg ist geebnet worden für ein klares Verständnis des wahren Standes der Tatsachen. Die spirituelle Atmosphäre der Welt ist bewölkt durch dichte Wolken von Dunkelheit und die Zeit ist angebrochen, dass das Licht seine Strahlen entsenden sollte, die drohende Düsterkeit zu vertreiben. Doch es ist eitel anzunehmen, dass trübe Fackeln, von irdischer Hand angezündet, die Dunkelheit sichtbar durchdringen könnten. Einzig allein klares und strahlendes himmlisches Licht kann sie vertreiben. Pechschwarze Dunkelheit hat die Welt überschattet, und die schwach gewordenen und flackernden Lampen der Rechtschaffenheit sind im Begriff zu erlöschen. Herkömmliche Glaubensbekenntnisse, unfruchtbare Kenntnisse und formelle Gebete können das Licht nicht zurückbringen.

Kann der Blinde denn den Blinden führen? Oder kann Dunkelheit die Dunkelheit vertreiben?. Ein neues Minarett wird jetzt benötigt, welches seine Spitze weit über die flachen Hütten, von irdischen Händen erbaut, erheben soll, so dass himmlisches Licht darauf herniederfließen möge, und die himmlische Lampe seine Spitze erleuchte, um von dort ihren reinen Glanz über die ganze Welt auszustrahlen. Je höher das Minarett ist, desto weiter wird das Licht reichen und auf diese Weise die fernsten Ränder der Welt erleuchten.

Es muss noch erklärt werden, was ein Minarett ist. Minarett ist der Name, der dem reinen, geheiligten, edlen und großmütigen Geist gegeben worden ist, der von Gott dem vollkommenen Menschen gewährt wurde; infolgedessen bekommt es sein Licht vom Himmel – eine Idee, die in der buchstäblichen Bedeutung des Wortes existiert. Die Höhe des Minaretts stellt den Großmut der Seele des vollkommenen Menschen dar, seine Festigkeit steht für die Standhaftigkeit und Entschlossenheit, die er zur Zeit der größten Prüfungen zeigt; und seine Weiße ist ein Symbol seiner Schuldlosigkeit, welche zu guter Letzt nachgewiesen wird. Wenn der vollkommene Mensch durch alle diese Stadien hindurchgegangen ist und all diese Prüfungen erduldet hat, wenn sein Großmut, seine reine Standhaftigkeit, seine Geduld und Entschlossenheit in ihrer ganzen Herrlichkeit erstrahlen werden und seine Unschuld mit überzeugenden Argumenten nachgewiesen ist, dann ist die Zeit seines Kommens voller Herrlichkeit; und die Periode seines ersten Kommens, die eine Zeit der Prüfungen und Verfolgungen war, wird beendet. Dann kommt der Heilige Geist, ausgestattet mit der Glorie Gottes, auf ihn hernieder, und die göttliche Eigenschaft der Herrlichkeit wird in ihm manifestiert. All dies findet in seinem zweiten Auftreten statt.

Derselben Wirklichkeit liegt die besondere Art der Ankunft des Verheißenen Messias zugrunde. Die Muslime glauben, dass er in der Nähe eines Minaretts herabkommen wird. Das Herabsteigen, von dem in jener Überlieferung gesprochen wird, steht in Wirklichkeit für seine Ankunft in Herrlichkeit, die mit einer Offenbarung göttlicher Macht und Eigenschaften verbunden sein wird. Es schließt nicht die Idee seiner vorhergehenden Gegenwart auf Erden aus, aber es ist notwendig, dass die Himmel ihn solange halten, wie die von Gott festgesetzte Zeit noch nicht erreicht ist. Es ist also unveränderliches göttliches Gesetz, dass geistige Realitäten durch physikalische Symbole versinnbildlicht werden. Der Tempel zu Jerusalem und die Kaaba zu Mekka sind Erläuterungen zu demselben Gesetz und repräsentieren die Offenbarungen göttlicher Glorie.

Dieselbe Erklärung bestätigt sich im Fall der Überlieferung, welche das Erscheinen des Verheißenen Messias auf oder in der Nähe eines Minaretts in einem Lande im Osten von Damaskus beschreibt.

Das Wort ›Osten‹ sollte besonders erwähnt werden, denn Ada-mas war ebenfalls in einem Garten in östlicher Richtung hineingestellt worden. Der Zweck der Prophezeiung wurde also keineswegs beeinträchtigt, da das Minarett ja schon vor der glorreichen Ankunft des Verheißenen Messias gebaut war; denn es zeigt sich aus den prophetischen Äußerungen, dass das Minarett ein Zeichen sein muss, das auf seine Ankunft in großartigem Ruhm hinweisen wird.

Es war auch bestimmt worden, dass der Verheißene Messias auf der Welt in zwei Charakteren erscheinen solle. Zuerst wird er als gewöhnliche Person kommen und unter Prüfungen und Verfolgungen aller Art leiden. Sind die Tage des Leidens vorüber, wird die Zeit seines Erscheinen in voller Herrlichkeit sein. Noch vor dieser Zeit muss das Minarett fertiggestellt sein, denn es zeigt sich aus den Überlieferungen, dass ein Minarett als Sinnbild für die Wirklichkeit steht, und dieses ein materielles Bild des geistigen Minaretts ist, auf welches wir vorher schon verwiesen haben. Die Welt wird ihn vor seiner glorreichen Ankunft nicht erkennen, denn er ist nicht von dieser Welt. Auch wird die Welt ihn nicht lieben, denn er kommt von dem Gott, den die Welt nicht liebt. Deswegen ist es unvermeidlich, dass er beschimpft, verfolgt und mit jeder Art von Verbrechen belastet wird. Die islamischen Prophezeiungen bezeugen, dass der Verheißene Messias zu Anfang nicht erkannt werden wird. Andererseits wird er böswilliger und erbitterter Behandlung durch die Unwissenden ausgesetzt sein, genauso wie Bedrängnis und Gewalttätigkeit durch die Unheilstifter. Ein Mann wird ihm Gewalt antun und meinen, er habe eine tugendhafte Tat vollbracht, ein anderer wird ihm Unrecht tun und seine Tat als höchst erfreulich in der Sicht Gottes betrachten. Auf diese Weise wird er leiden und jede Prüfung erdulden und jeder Schwierigkeit gegenüberstehen, bis die von Gott festgesetzte Zeit kommt zur Erfüllung des Göttlichen Gesetzes, das die Verfolgung von Propheten betrifft. Dann wird die Zeit seines Glanzes kommen. Fähige Menschen werden ihre Augen geöffnet haben und sie werden anfangen, an ihn mit vorurteilsfreiem Sinn zu denken. „Kann dieser ein Lügner sein“, werden sie fragen, „der nicht bezwungen noch vernichtet werden kann“. „Was ist der Grund“, werden sie untereinander diskutieren, „dass ihm göttlicher Beistand ohne Unterbrechung gewährt wird und uns niemals.“

Der erleuchtende Engel Gottes wird dann in ihre Herzen herabkommen und sie ermahnen, dass jede der Einzelheiten, über die in den Überlieferungen berichtet wurde, welche ein Hindernis auf dem Weg ihrer Annahme gewesen waren, nicht unbedingt in jenem buchstäblichen Sinn verwirklicht werden muss. Es war möglich – nein höchstwahrscheinlich -, dass einige jener Überlieferungen Irrtümer und Erfindungen waren, und andere in bildlicher Sprache abgefasst waren und nicht buchstäblich erfüllt werden konnten. Was war der Grund für das Unglück der Juden, Jesusas zu verwerfen? Nichts, außer, dass sie darauf warteten, dass sich jedes Wort der Prophezeiung in buchstäblichem Sinn hätte erfüllen sollen, gemäß ihren eigenen Vorstellungen davon. Aber ihre Erwartungen waren eitel und ihre Hoffnungen eine Täuschung. Mit jenem göttlichen Gesetz vor sich und mit dem Gott ihrer Väter über ihren Häuptern sollten die Gegner von Gottes Botschaftern anfangen, nachzudenken, damit sie nicht von Gott in derselben Weise wie die Verwerfer der Propheten vor ihnen behandelt würden. Kurzum, solche Überlegungen, wenn richtig abgewogen, werden schließlich ihre Gemüter umkehren, so dass der zurückgewiesene und leidende Botschafter des Himmels angenommen wird, genauso wie es der Fall war mit den Propheten vergangener Zeiten.

Es ist nicht die geringste Wahrheit in der Behauptung, dass es an der Zeit sei, Zuflucht zu Schwert und Gewehr zu nehmen, um die wahre Religion und Rechtschaffenheit zu verbreiten. Das Schwert, weit entfernt davon, die Schönheiten und Vorzüge der Wahrheit zu offenbaren, macht sie zweifelhaft und drängt sie in den Hintergrund. Jene, die solche Ansichten vertreten, sind keine Freunde des Islam, sondern seine Feinde. Sie besitzen niedere Motive, niedere Naturen, eine arme Gesinnung, beschränkten Geist, trägen Verstand und Kurzsicht. Sie sind es, die den Weg für Einwände gegen den Islam öffnen, dessen Richtigkeit nicht bezweifelt werden kann. Sie halten daran fest, dass der Islam das Schwert für seinen Fortschritt brauche und brandmarken somit seine Reinheit und werfen einen Fleck auf seinen heiligen Namen. Die Religion, die ohne Mühe ihre Wahrheit und Überlegenheit durch vernünftige Argumente, durch himmlische Zeiten oder andere zuverlässige Zeugnisse begründen kann, braucht nicht das Schwert, um den Menschen zu drohen und ein Bekenntnis zu ihrer Wahrheit von ihnen zu erzwingen. Religion ist ihren Namen einzig und allein wert, solange sie in Übereinstimmung mit der Vernunft steht. Wenn es ihr misslingt, dieser Erfordernis zu genügen, wenn sie sich wegen ihrer Niederlage ein Argument zurechtbiegen muss durch Handhabung des Schwertes, braucht sie kein weiteres Argument mehr für ihre Verfälschung. Das Schwert, das sie führt, ruiniert sie selbst, bevor es andere erreicht; wenn der Einwand kommt, dass schon im frühen Islam aufs Schwert zurückgegriffen wurde und daher die Gesetzlichkeit von Jihad bestehe, dann sagen wir, der Einwand gründet sich auf Unkenntnis der frühen islamischen Verhältnisse. Islam erlaubte niemals den Gebrauch des Schwertes, um den Glauben zu verbreiten. Außerdem verbietet der Islam strikt den Zwang in Glaubenssachen. Es besteht der klare und ausdrückliche Befehl: „Es soll kein Zwang sein in der Religion“.

Warum aber wurde dann das Schwert in die Hand genommen? Die Umstände, unter denen auf diese Maßnahme zurückgegriffen worden war, haben indes nichts zu tun mit der Ausbreitung von Religion; sie hängen zusammen mit der Erhaltung des Lebens. In Kürze sind sie wie folgt:
Die wilden Wüstenbewohner Arabiens, die kaum das Rechte vom Falschen unterscheiden konnten, verbreiteten Hass gegen den Islam in seinen frühesten Tagen und wurden zu seinen erbittersten Feinden. Den Grund für diesen Hass kann man sich leicht denken: Als die Einheit Gottes und die islamischen Wahrheiten den götzendienerischen Arabern offen gepredigt wurden, und überzeugende Argumente gegen Götzenverehrung ihrem Verstand einleuchtend gemacht wurden, und man ihnen beibrachte, wie herabwürdigend es für die Edelsten der Geschöpfe Gottes war, sich vor Steinen in Unterwerfung zu beugen, erkannten sie sich als unfähig, den Anhängern des neuen Glaubens auf beweiskräftiger Ebene entgegenzutreten. Diese Aufdeckung führte zu einer Bewegung zugunsten des Islam unter den Vernünftigeren unter ihnen. Die Verwandschaftsbande wurden entzwei geschnitten, der Sohn trennte sich von seinen Eltern und der Bruder vom Bruder. Dies erbitterte jene umso mehr und sie erkannten schlicht, dass, wenn die falsche Religion ihrer Väter gerettet werden sollte, übertriebene Maßnahmen ergriffen werden mussten, um den Zutritt zu dieser neuen Religion zu stoppen.

Die neuen Bekehrten im Islam wurden deshalb gewaltsam verfolgt und keine Mühe wurde gescheut, den Weg zu dem neuen Glauben zu versperren. In Mekka wurde von Abu Jahal und den anderen mekkanischen Oberhäuptern die gleiche Art der Verfolgung ausgeübt. Diejenigen, die vertraut sind mit der frühen muslimischen Geschichte, wissen sehr genau, welche barbarische und grausame Behandlung den frühen Bekehrten zugemessen wurde, und wie viele von ihnen kaltblütig ermordet wurden. Aber diese rauen Methoden hielten die Leute nicht davon ab, die Wahrheit anzunehmen, denn sogar ein oberflächlicher Blick genügt, um jemanden von der Vernünftigkeit und Reinheit des Islam zu überzeugen, verglichen mit dem Götzendienst. Zuletzt, als die unversöhnlichen Feinde des Islam sahen, dass auch schlimme Verfolgung nur wenig nützte, und dass ihre alte Religion davon bedroht war, im Strom muslimischer Vernunft hinweggefegt zu werden, planten sie den Tod des Propheten selbst. Aber ihre Pläne wurden vereitelt. Der allmächtige Gott beschützte Seinen Gesandten und führte ihn nach Medina. Die Ungläubigen jedoch hatten keine Ruhe mehr in ihren Häusern, solange sie hörten, dass die von ihnen verfolgte Religion an einem anderen Platz Boden gewann. Sie verfolgten die Muslime bis zu ihren neuen Wohnsitzen und einzig allein ihre Ausrottung hätte sie zufriedenstellen können. Was blieb dem Islam unter diesen Umständen anderes übrig, als sich zu verteidigen? Für welches Vergehen sollten Muslime gnadenlos abgeschlachtet werden und nicht einmal ihr Leben schützen dürfen? Warum sollten nicht die hartnäckigen Verfolger zu Vergeltung und ihrer gerechten Strafe geführt werden! Die muslimischen Kämpfe wurden also nicht deshalb unternommen, um Bekehrte zu gewinnen, sondern um unschuldige muslimische Menschenleben zu schützen. Kann eine vorurteilsfreie Beurteilung den Beschluss akzeptieren, dass der Islam unfähig war, gerade gegen wilde Araber seine Annehmbarkeit zu beweisen? Kann ein Unvoreingenommener glauben, dass Männer, die so tief gesunken waren, sogar Bilder und leblose Dinge anzubeten und jeder Art von Laster nachzugehen, die edle Religion des Islam auf intellektueller Ebene bezwingen konnten, und dass ein Mangel an Beweisen den Islam dazu führen konnte, Zuflucht zu den Waffen zu nehmen, um die Zahl seiner Anhänger zu vergrößern? Jene, die solche Einwände gegen den Islam vorgeschoben haben, haben sich ernsthafter Ungerechtigkeit schuldig gemacht, insofern sie den wahren Stand der Tatsachen verschwiegen haben.

Es ist jedoch wahr, dass die muslimischen Maulvis und die christlichen Missionare gleichermaßen schuld sind an dieser ungerechten Beschuldigung gegenüber dem Islam. Die unwissenden Maulvis gaben vor, dem Islam zu dienen, während sie durch ihre wiederholten Einschärfungen die falsche Lehre über den Jihad in das Gemüt der nicht-aufgeklärten Öffentlichkeit einprägten; die Öffentlichkeit wurde durch die Fatwas der Maulvis einerseits und die Einwände der christlichen Missionare, die sie für gelehrte Männer hielten, andererseits, irregeführt. Die Lehre vom Jihad, die auf diese Weise durch das Zeugnis zweier sich bekämpfender Zeugen vertreten wurde, konnte in ihrer Gültigkeit von den breiten Massen nicht bezweifelt werden. Hätten doch die Priester eine andere Richtung eingeschlagen und in wahrer Rechtschaffenheit erklärt, dass sich die Fatwas der Maulvis auf Unwissenheit der frühen islamischen Geschichte gründeten, und da die Begleitumstände, die damals eine für Muslime unvermeidliche Verweisung auf Waffen erforderten, danach nicht mehr existierten; die Idee vom Jihad würde schon lange vom Angesicht der Erde verschwunden sein. Aber sie schauten niemals auf die Konsequenzen, und ein irregeleiteter Eifer für ihre eigene Religion warf einen Schleier über ihr Urteilsvermögen, die Wahrheit begreifen zu können.

Man muss an dieser Stelle auch festhalten, dass Selbstverteidigung und Tötung der Feinde den Muslimen solange nicht erlaubt war, bis die Araber wegen exzessiver Unterdrückung, Gewalttätigkeit und Blutvergießens an Unschuldigen sich derartig schuldig machten, dass sie die Todesstrafe verdienten. Aber Milde wurde sogar denen gegenüber walten gelassen, die den Islam annahmen. Die Einheit der Religion schuf eine brüderliche Beziehung und alle vergangenen Fehler waren vergessen. Gerade hier strauchelten einige Gegner des Islam und sie zogen daraus den Schluss, dass die neue Religion den Ungläubigen aufgezwungen wurde. Tatsächlich aber ist es gerade umgekehrt der Fall, als die Gegner dachten. Es gibt hier keinen Zwang; es war eine Gunst für jene, die sich der Tötung verdient gemacht hatten. Es ist augenscheinlich absurd, diese bedingte Milderung von gerechter Bestrafung als Zwang zu bezeichnen. Sie verdienten, getötet zu werden, nicht weil sie nicht an die Mission des Propheten glaubten, sondern weil sie viele unschuldige Menschen ermordet hatten. Die höchste Strafe war nach dem Gesetz für sie bestimmt, aber durch die Gnade des barmherzigen Gottes bekamen sie eine weitere Gelegenheit, die verdiente Todesstrafe abzuwenden. Er wusste, dass sie während dieser langen Jahre des Widerstandes die islamischen Wahrheiten nahegebracht bekommen hatten, und dass ihnen die Nutzlosigkeit ihres Götzendienstes wohl verständlich geworden war; deswegen bot ihnen Seine Gnade sogar dann noch die Gelegenheit, Seine Verzeihung und die Vergebung ihrer Sünden flehentlich zu erbitten, nachdem der Urteilsspruch gegen sie persönlich gefällt worden war. Dies zeigt klar, dass es nicht Zweck des Islam war, einen Ungläubigen lediglich zum Tode zu befördern, sondern man war gewillt, sogar dann noch zu verzeihen, wenn der Verbrecher den Tod verdient hatte.

Der Islam hatte auch noch mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Religiöse Vorurteile waren zu dieser Zeit so stark, dass ein Angehöriger irgendeines Stammes, wenn er den islamischen Glauben annahm, entweder hingerichtet wurde oder ihm damit gedroht wurde, wobei die Verfolgung so heftig war, dass ihm das Leben nur noch eine Last zu sein schien. Der Islam musste deshalb der Schwierigkeit gegenüberstehen, freiheitliche Religionsausübung einzuführen, wobei er für dieses vornehme Ziel Kriege in Kauf nehmen musste.

Die frühen Kriege des Islam fielen unter eine der oben genannten Rubriken, und der Islam benützte nie das Schwert für seine eigene Verbreitung oder irgendeinen anderen Zweck. Versuche wurden unternommen, um seine bloße Existenz auszulöschen, weswegen er um sein Leben kämpfen musste. Man ergriff nicht die Waffe aus eigenem Antrieb, sondern war dazu gezwungen. Der Islam musste sich verteidigen, um den gefährlichen Gegner zurückzutreiben. Später dann, als seine wahren Prinzipien vergessen waren, haben die Maulvis die Lehre nach anderem Aspekt ausgelegt, und aufgrund von Unkenntnis wurde hochmütig eine hassenswerte Lebensrichtung eingeschlagen. Doch die Schuld dafür kann keinesfalls dem Islam zugeschoben werden; die Quelle, aus der er fließt, ist rein und unbefleckt. Und dass diese neue Lehre von oberflächlich denkenden Eiferern, die sich ebensowenig um ein Menschenleben kümmerten, als sich der Mensch um das Leben eines Sperlings kümmert, mit dem islamischen Lehren gleichgesetzt wurde, ist fraglos der Fall. Aber auch all das unschuldige Blut, das in der Vergangenheit vergossen wurde, stellt sie anscheinend nicht zufrieden. Sie halten jetzt für die Welt noch einen blutigen Mahdi auf Lager und würden gern vor allen Nationen das hässlichste Bild des Islam ausbreiten, damit jeder zu glauben beginnt, der Islam hätte zu seiner Verbreitung schon immer zu Zwang und Schwert zurückgreifen müssen; das würde bedeuten, dass er nicht ein Körnchen Wahrheit in sich berge, um die Herzen zu erobern. Es scheint, als seien die Maulvis dieser Zeit mit der Demütigung und dem Verfall, den der Islam bereits erlitten hat, noch nicht zufrieden, sondern müssen ihn immer noch mehr herabsetzen und immer noch mehr der Ungnade aussetzen.

Aber Gott will nun, dass der Islam nicht länger mit Vorwürfen gebrandmarkt wird und nicht mehr in Verruf bleiben soll. Es ist schon erschütternd genug zu sehen, wie seine Gegner, die nicht die Mühe unternommen haben, die Umstände für sich zu untersuchen, es ihren Gedanken eingeprägt haben, dass der Islam schon von Anfang an das Schwert zur Vermehrung seiner Anhänger gebraucht habe. Nun ist es höchste Zeit, dass all diese gemeinen Beschuldigungen von der Oberfläche des Islams weggeräumt werden; und wenn die Maulvis sich vereinigen, um dieses Übel aus der Mitte der Muslime zu vertilgen, werden sie etwas dauerhaft Gutes getan haben und ihren Glaubensgenossen eine Wohltat erwiesen haben.

Eine solche Darstellung der islamischen Lehren wird ferner die Vorzüge und Schönheiten dieser Religion für die allgemeine Öffentlichkeit enthüllen, und die Abneigung, welche ihre Gegner aufgrund von Missverständnissen gefasst haben, wird in Bewunderung umschlagen. Wenn die Staubwolken sich verzogen haben werden, werden sie fähig sein, selbst Licht aus dieser Lichtquelle zu erhalten.

Offensichtlich kann niemand einem grausamen Mörder nahekommen. Jeder fürchtet ihn, Frauen und Kinder zittern bei seinem Anblick und es scheint, dass er ein Verrückter ist. Ein Gegner aus einer fremden Religion kann nicht einmal eine Nacht mit ihm verbringen, aus Furcht, dass dieser beschließen würde, auf Kosten seines Lebens ein mörderischer Sieger zu werden. Solche Geschehnisse kommen bei den unwissenden Grenzbewohnern tatsächlich vor, und eine einzige blutige Tat wird für ausreichend gehalten, den Mörder zum Einzug ins Paradies zu berechtigen und seiner zahlreichen Segnungen würdig zu sein. Es ist schon eine Schande für Muslime, dass fremde Rassen nicht gefahrlos als ihre Nachbarn leben können. Sie können ihnen nicht für einen einzigen Moment trauen und sie erwarten kaum Gutes von ihnen in Notzeiten. Sie halten sich nicht für sicher unter ihnen und ziehen sich zurück vor dem versteckten Glauben der Fanatiker.

Ein Beispiel dafür ereignete sich kürzlich hier in Qadian: Am letzten 20. November kam ein Europäer hierher. Gerade zur selben Zeit hatte sich eine Anzahl meiner Anhänger versammelt und man unterhielt sich über ein religiöses Thema. Der Reisende stand für sich abseits der Versammlung und wurde mit höflichen Worten angesprochen und darum gebeten, sich zur Gruppe zu setzen. Es zeigte sich, dass er ein reisender Engländer war, der in Arabien und anderen islamischen Ländern gewesen war. Er kam mit dem Ziel hierher, mich und meine Gefolgsleute zu fotografieren. Als Gast wurde er gebeten, ein paar Tage zu bleiben, aber er schien ängstlich zu sein. Er gab an, dass er viele Muslime gesehen hätte, die grässliche Mordtaten gegen Christen verübt hatten. Er erwähnte mehrere spezifische Beispiele aus Bagdad, wo solche Grausamkeit verübt worden war. Alsdann wurde ihm verständlich gemacht, dass die Ahmadiyya Gemeinde des Islam solche Lehren verabscheut und deren Anhänger nicht schätzt. Sie hätte sich selbst das vornehme Ziel gesteckt, dieses Übel auszulöschen. Daraufhin fühlte er sich zufriedengestellt und blieb für eine Nacht.

Es steckt eine Lehre für die Muslime, die den Jihad predigen, in dieser Geschichte: Das Anwachsen solcher Lehren unter den Muslimen hat der Sache des Islam anhaltende Verletzungen zugefügt und einen Abscheu dagegen in den Herzen anderer Nationen geschaffen. Sie haben kein Vertrauen und keine Sympathie für die Muslime, solange die gefährliche Doktrin des Jihad von ihnen befürwortet wird. Sie können sich keine vorteilhafte Meinung bilden, außer von denen, die kein streng religiöses Leben führen und die sich in ihrem religiösen Glauben nicht sehr gewissenhaft verhalten. Für all diese Missverständnisse sind keine anderen als die Muslime selbst verantwortlich. Die Schuld, eine ganze Welt vom Erkennen islamischer Wahrheiten auszuschließen, geht zu Lasten der Maulvis, die Dogmen lehren, die der Natur des Menschen zuwider sind. Wie könnte jene Religion von Gott sein, deren Lehren das Aufblitzen des Schwertes benötigen, um sich Eingang in die Herzen der Menschen zu verschaffen?

Solche Erwägungen wären genug, Leute vom Annehmen der Wahrheit abzuhalten. Die wahre Religion ist jene, welche um ihrer innewohnenden Eigenschaft willen, ihrer Kraft und ihrer überzeugenden Argumente wegen mehr Stärke hat als das schärfste Schwert; sie braucht keine Existenz aus Stahl.

Solchermaßen sind die Übel, welche nach einem Reformer rufen. Wirft man einen Blick auf den internen Zustand des Islam, so erfährt man eine jämmerliche Enttäuschung. Es ist ein schauderhaftes Bild: Die Sonne hat sich einer Finsternis hingegeben, ihr größerer Teil ist bereits verdunkelt und wenig nur bleibt sichtbar. Die sozialen Beziehungen unter den Muslimen sind beklagenswert. Überlieferungen sind fabriziert worden, welche wie Gift auf ihre moralischen Verhältnisse wirken und die Göttlichen Gesetze brechen. Zum Beispiel hat das Gesetz Gottes für die Menschen drei Arten von Rechten festgelegt. Die heiligsten Ansprüche, die das Göttliche Gesetz dem Menschen gegeben hat, sind solche, die sich auf Leben, Wohlergehen und Ehre beziehen. Uns ist geboten, keinen Menschen zu töten, keine Gewalttätigkeiten gegen die Ehre des anderen zu begehen und uns nicht sein Eigentum unehrenhaft anzueignen. Trotzdem haben einige Muslime all diese Gebote übertreten. Sie nehmen einer unschuldigen Person das Leben und schaudern niemals ob dieser unmenschlichen Tat. Hohlköpfige Maulvis haben Fatwas mit dem Inhalt in Umlauf gebracht, dass es rechtmäßig sei, die Frauen von Ungläubigen oder Ketzern zu verführen oder sich ihrer zu bemächtigen und ihre Besitztümer zu stehlen oder zu veruntreuen.

Wie gefährlich ist der Zustand einer Religion, die voll von soviel Übel ist, und deren angeblich religiöse Führer, anstatt in Gehorsam den Geboten ihres Gewissens zu folgen, ihren sinnlichen Begierden folgen und Anderen ihre eigenen irrigen Ansichten als heilige, von Gott und Seinen Propheten gelehrte Doktrin andrehen. Sie sind verantwortlich für die Sünden, die die unwissenden Muslime im Namen des Islam begehen. Das sind Wölfe im Schafspelz, welche die Menschen betrügen. Sie handeln wie Gift und behaupten, ein Gegenmittel zu sein. Sie sind Feinde der Schöpfung Gottes und des Islam. Ihre Herzen sind ohne Anstand und Sympathie, aber sie verbergen sich. Sie setzen die Maske des Predigers auf, aber tragen sichtbar die Nachgiebigkeit gegenüber ihren eigenen sinnlichen Begierden. Sie betreten die Moscheen wie Heilige, aber ihre Sinnesart ist schwarz von teuflischer Taten. Diese ehrlosen Gestalten sind nicht begrenzt auf ein einzelnes Land oder eine Stadt oder eine Sekte, sondern man kann sie in jedem islamischen Land finden. Sie sind angeblich die religiösen Führer der Menschen und Erklärer der Lehren ihrer Religion. Sie nennen sich Maulvis und setzen eine fromme Miene auf, so dass sie als gottesfürchtige Männer gelten. Ihre Taten jedoch enthüllen ihren wahren Charakter. Sie wollen nicht, dass wahre Rechtschaffenheit und echte Sympathie in der Welt verbreitet werden, denn sie sehen dies als einen Verlust für sich selbst an.

Kurzum, der Weg des Islam ist durch zahlreiche Schwierigkeiten blockiert. Die meisten Seelen sind wie tot und nicht empfänglich für den Ruf der Tugend. Der goldene Mittelweg, den der Islam als die führende Regel des Lebens lehrte, wurde aufgegeben, und Muslime übernahmen extreme Verhaltensweisen. Es gibt solche unter ihnen, die sich vor Grabmälern niederwerfen und sich im Kreis um sie herum bewegen, wie die Pilger um die Kaaba. Sie betrachten die aus dem Leben geschiedenen Seelen als ihre geistigen Führer, als ob diese die volle Macht von Gott über die Angelegenheiten der Menschheit erhalten hätten. Jede religiöse Vorschrift ist mit einem Grabmal verbunden, welches von den Jüngern auf Veranlassung des Oberhaupts angebetet wird. Wenn jemand nach einem übernatürlichen Zeichen verlangt, werden tausend Wunder der toten Heiligen erzählt, aber beweisen lässt sich keines. Für sie ist der Grabmal-Kult wesentlich im Islam und sie sagen, alle übrigen, die behaupten, dieser Religion zu folgen, seien im Irrtum. Das ist jene Gruppe, die den Weg der Übertretung gewählt hat.

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