Ahmadiyya Hadhrat Mirza Masroor Ahmad - Khalifatul Masih V (aba)

Betet für Frieden und Harmonie

Ansprache anlässlich der Grundsteinlegungszermonie für die Moschee in Raunheim, von Seiner Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, dem weltweiten Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat

Am 18. April 2017 legte das weltweite Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Gemeinde, Seine Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, den Grundstein für die erste Moschee in Raunheim. In seiner Ansprache legte Seine Heiligkeit den Sinn und Zweck von Moscheen dar und erklärte, wie Islam Religionsfreiheit und Demokratie fördert.
Diese Ansprache ist aus dem Urdu übersetzt. Die Revue der Religionen übernimmt Verantwortung für etwaige Fehler in der Übersetzung.

Seine Heiligkeit sagte nach dem tašahhud, ta’awwuḏ und bi-smillāh:

„Sehr geehrte Gäste, as-salāmu ʿalaikum wa-raḥmatullāhi wa-barakātuhū. Möge Allah Sie alle Frieden und Harmonie schenken, besonders in Anbetracht der heutigen Weltlage, in der nicht nur Gefahr von [extremistischen] religiösen Bewegungen ausgeht, oder wie einige sagen, muslimischen extremistischen Gruppierungen, sondern auch wegen der neuen Entwicklungen von Feindseligkeiten zwischen Ländern und Regierungen. Folglich wächst in Europa, Korea, im Fernen Osten und sogar in den USA die Angst vor einem bevorstehenden Krieg. Daher müssen wir alle bemüht sein Frieden zu etablieren und dafür zu beten. Deswegen habe ich ganz am Anfang Ihnen die Botschaft des Friedens und Harmonie übermittelt, damit all jene, die Menschheit lieben, dies verstehen und versuchen Frieden und Harmonie zu verbreiten. Die Politiker sollten versuchen, ihre Regierungen davon zu überzeugen, an-statt Kriege zu führen, nach dem Frieden zu streben und sich mehr darum zu bemühen Versöhnungen und Lösungen zu finden.

Der Name von Islam steht für Frieden und der Name an sich bedeutet Frieden. Unglücklicherweise haben einige Gruppierungen – einige extremistische Organisationen – den Namen des Islam beschmutzt. Folglich herrscht auch in den muslimischen Ländern Blutvergießen und Konflikt zwischen Regierungen und ihrer eigenen Bevölkerung. Aber es herrschen auch Kämpfe zwischen den verschiedenen extremistischen Gruppierungen. Ebenso haben einige extremistische Gruppierungen in westlichen Ländern Gewaltakte durchgeführt, einschließlich einiger Fälle in Deutschland, Frankreich und Belgien. Dies hat dazu geführt, dass der Islam in der nicht-muslimischen Welt in einem schlechten Licht dargestellt wird. Deswegen sind die Menschen unkundig der wahren Lehren des Islam. Vielleicht sind sogar einige unter Ihnen, die glauben, dass der Islam Extremismus und Gewalt fördere. Vielleicht haben einige Menschen dadurch Befürchtungen, wenn eine Moschee gebaut wird. Aber ich freue mich darüber, dass alle Redner erwähnt haben, dass von den Ahmadi-Muslimen nicht nur ein positiver Einfluss auf die Gesellschaft ausgeht, sondern sie auch Liebe, Mitgefühl, Frieden und Brüderlichkeit fördern und ihren Beitrag dazu leisten sich in die hiesige Gesellschaft zu integrieren.

Das ist der wahre Islam und nach dem Bau dieser Moschee werden diese guten Taten noch großartiger zum Vorschein treten. Dann wird man verstehen, dass von Minaretten, keine Hassparolen ertönen, sondern nur Klänge der Liebe, Zuneigung und der Anbetung.

Gäste und Würdenträger hören die Ansprache Seiner Heiligkeit während der Grundsteinlegung in Raunheim, Deutschland, zu. Über 130 Gäste nahmen an der Zeremonie teil, die für den Bau der ersten Ahmadiyya Muslim Moschee in der Stadt veranstaltet wurde.
© Makhzan-e-Tasaweer

Im Heiligen Qur’anist geschrieben – und der Bundesvorsitzender [der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland] hat in seiner Ansprache dies erwähnt -, dass als Prophet AbrahamAS mit dem Propheten IsmailAS die Fundamente der Kaa‘ba errichtete (auf dessen Muster unsere Moscheen zur Anbetung Gottes gebaut werden), beide beteten „Mache diesen Ort zu einem Ort des Friedens und der Sicherheit.“ Wenn unsere Moscheen also diesem Muster der Propheten AbrahamAS und IsmailAS folgen – und sie sollten diesem Muster folgen – sollten auch unsere Moscheen eine Quelle des Friedens und der Sicherheit werden. Und dies ist auch der Sinn und Zweck ihres Baus.

Ich bedanke mich für die Worte des verehrten Bürgermeisters. Er sprach von den Rechten der Nachbarschaft indem er sagte, dass die Ahmadis die Rechte der Nachbarschaft erfüllen und gegenseitiges Verständnis fördern.
Auf die Rechte der Nachbarschaft hat der Islam so viel Wert gelegt, dass der Gründer des Islams – der Heilige Prophet MuhammadSAW – sagte: „Allah hat mich immer und immer wieder auf die Rechte der Nachbarn hingewiesen. Einmal kam mir sogar der Gedanke, dass die Nachbarn vielleicht Teilhaber am Erbe sein werden.“ Auch der Heilige Qur’anhat detailliert die Rechte der Nachbarn erwähnt. Dies verdeutlicht die Wichtigkeit von Rechten der Nachbarn. Der Kreis der Nachbarn ist dabei so groß, dass es nicht nur die unmittelbaren Nachbarn einschließt, sondern alle, die in der Nähe wohnen, gelten als Nachbarn. Die Arbeitskollegen gelten als Nachbarn und so geht dieser Nachbarschaftskreis noch weiter. Es heißt, dass eure Nachbarschaft bis zu 40 Häusern reicht. Wenn man in allen vier Richtung 40 Häuser berechnet, dann hat jeder Ahmadi eine Nachbarschaft von 160 Häusern. Wenn man das alles zusammenzählt, dann wird (praktisch) die gesamte Stadt zur Nachbarschaft eines Ahmadi. Dies wird auch für unsere Moschee gelten, wenn diese – wo Gott will – gebaut ist. Wenn die Moschee gebaut wird, dann ist es die Pflicht derjenigen, die hier kommen, dass sie die Rechte ihrer Nachbarschaft beachten. Die Moschee sollte keineswegs der Grund für Schwierigkeiten sein, stattdessen sollten wir den hier lebenden Menschen zeigen können, dass ihre Befürchtungen in Bezug auf das Verkehrsaufkommen oder anderer Veranstaltungen sich als falsch erwiesen haben. Die Nachbarn sollten feststellen, dass sie durch die Moschee der Ahmadi-Muslime profitiert haben und die Ahmadis noch stärker die Rechte der Nachbarschaft erfüllt haben, als dies vor dem Bau der Moschee der Fall war.

Gleiches gilt für das Gesetz. Die Gesetze zu befolgen ist eine sehr wichtige Angelegenheit. Wenn ein Muslim sich nicht gemäß den Landesgesetzen verhält, dann hat er kein Recht in diesem Land zu leben. Bezüglich der Einhaltung der Gesetze sagte der Gründer des Islam, der Heilige Prophet MuhammadSAW sogar, dass die Liebe zur Heimat ein Teil des Glaubens sei. Gesetze werden erlassen, um den Bürgern eines Landes Schutz zu gewähren, ihr Leben zu erleichtern und sie vor Ungerechtigkeit zu schützen. Wenn nun die Lehre des Islams besagt Frieden und Harmonie zu verbreiten, dann ist es für einen Ahmadi-Muslim oder einen wahren Muslim unmöglich die Gesetze des Landes zu brechen. Jeder wahrhaftige Muslim wird stets ein gesetzestreuer Bürger des Landes sein und so sollte er sich auch verhalten. Wenn sie das nicht tun, dann haben sie auch keinerlei Bezug zu der Religion des Islam. Wenn Jemand also diesbezüglich Befürchtungen und Zweifel hatte, dann sollte er diese beseitigen. Der Islam erlaubt keinerlei Unfrieden noch, dass die Gesetze des Landes gebrochen werden sollten. Wenn einige Individuen Gewaltakte im Namen des Islam verüben, dann beschmutzen sie den Namen des Islam, denn der Islam verbietet solche Handlungen kategorisch.

Seine Heiligkeit während der Ansprache in Raunheim. In Seiner Rede lobte Seine Heiligkeit Deutschland für die Religionsfreiheit für alle Menschen. Er warnte gleichzeitig, dass die Welt vor einer drohenden Krise stehe, weil die Feindschaft der Regierungen und Länder zueinander zugenommen habe.
© Makhzan-e-Tasaweer

Ich bedanke mich ebenfalls bei der verehrten Bundestagsabgeordnetin für ihre aufrichtigen Gefühle und dafür, dass sie die Religionsfreiheit erwähnt hat. In diesem Land genießen wir Religionsfreiheit und sind der Bevölkerung und der Regierung für diese Freiheit sehr dankbar. Es ist wegen dieser Religionsfreiheit, dass obwohl die Mehrheit der lokalen Bevölkerung Christen sind oder eine andere Religion folgen, sie dennoch den Muslimen – die eine Minderheit darstellen – erlaubt haben eine Moschee zu errichten. Dafür bin ich den Bürgern, Nachbarn und dem Gemeinderat sehr dankbar. Dafür, dass man uns erlaubt hat hier eine Moschee zu errichten. Wenn Gott so will, wird nach dem Bau der Moschee jeder sehen, dass sie Jenen die Erlaubnis zum Moscheebau gegeben haben, die ihrerseits bemüht sind die Verpflichtungen und Rechte in Bezug auf die Nachbarn zu erfüllen.

Auch bin ich Ihnen dafür dankbar, dass wegen der Religionsfreiheit wir unseren Gottesdienst und andere Aktivitäten ungehindert nachgehen können. In Wahrheit bildet die Religionsfreiheit das Fundament für Frieden und Harmonie. Wir sind überzeugt davon, dass Allah zu jedem Volk einen Propheten gesandt hat. Er sandte zu jedem Volk Seine Auserwählten um die Menschen zu reformieren und ihnen Religion, gutes Benehmen und vieles mehr zu lehren.

Daher stammt jede Religion von Gott ab. Und wir bekennen, dass alle von Gott gesandten Propheten, seit der Erschaffung der Welt bis heute, wahrhaft waren und von Gott geschickt wurden um Seine Botschaft zu verbreiten. Entsprechend können wir nicht einmal daran denken, die Rechte anderer zu unterschlagen, geschweige denn jemandem Schaden zu zufügen. Tatsächlich wurde dem Heiligen ProphetenSAW nach einer langen Zeit der Verfolgung die Erlaubnis sich zu verteidigen, mit der Bedingung – die im Qur’anerwähnt ist – gegeben, dass eure Gegner, welche euch vernichten wollen, in Wirklichkeit versuchen die Religion an sich auszulöschen. Entsprechend ist es wichtig diese Gegner daran zu hindern. Denn wenn sie jetzt nicht mit Waffengewalt aufgehalten werden, wird keine Kirche, keine Synagoge, kein Tempel und keine Moschee in der Welt übrigbleiben. Da diese Menschen gegen die Religion an sich sind.

Der Islam und der Heilige Qur’anerklären die Religionsfreiheit als das Fundament seiner Lehren. Ich möchte sie daher beglückwünschen, dass Sie in hiesigen Ländern die Wichtigkeit der Religionsfreiheit mehr verstanden haben, als einige muslimische Länder. Das ist der Grund, dass Ahmadi Muslime, die in Pakistan keine Religionsfreiheit besitzen, sich hier niedergelassen haben um in Freiheit ihren Gebeten und anderen Aktivitäten nachzugehen. Wegen dieser Religionsfreit ist es ihnen möglich hier Moscheen zu errichten. Auch dafür bin ich Ihnen sehr dankbar. Es wurde hier auch von Demokratie gesprochen. Da Sie ein wirklich demokratisches Land sind, haben Sie die Wichtigkeit der Religionsfreiheit verstanden. Auch der Islam fördert eine freie und faire Demokratie. In Wirklichkeit lehrt der Qur’an, dass bei der Wahl von Führern, Beratern oder Regierungsbeamten, jene Individuen gewählt werden sollten, die dem Vertrauen gerecht werden würden, welches in ihnen gesetzt wird. Der Islam lehrt, dass jeder von seinem Wahlrecht Gebrauch machen soll. Anstatt auf Parteizugehörigkeit zu schauen, sollte man jene Kandidaten wählen, die nicht nur die Rechte gegenüber dem Volke erfüllen, sondern auch für den Fortschritt des Landes bemüht sein werden. Mit dieser Lehre verbreiten wir unsere Botschaft in der ganzen Welt. Gleichwohl sind wir auch bemüht selbst gemäß dieser Lehre zu handeln. Es ist die Aufgabe eines jeden Ahmadis, dass er neben dem Dank für diese Religionsfreiheit, auch die Gesetze des Landes auf eine Weise einhält, welches ihn zum Vorbild für die Anderen werden lässt. Ferner sollten man jene Führer wählen, die auf einer außergewöhnlichen Art und Weise ihrem Land dienen können.
Ich hoffe, dass mit der Moschee, die hier lebenden Ahmadis problemlos zusammenkommen und ihre Veranstaltungen abhalten können. Neben dem Gottesdienst werden sie in der Lage sein, weitere Veranstaltungen zu organisieren. [Ich hoffe] sie werden eine Schlüsselrolle für den Fortschritt ihrer Nation und des Landes spielen.

Möge Allah der Allmächtige sie ermöglichen, dies zu tun. Möge Allah, nach dem Bau der Moschee, die Ahmadis befähigen, jene Erwartungen zu erfüllen, die in einem Ahmadi gesetzt werden und die ich von ihnen erwarte. Möge Allah sie auch dazu befähigen ihren Nachbarn die wahre und schöne Botschaft des Islam vorzustellen. Möge Allah sie befähigen, dies zu tun. Dankeschön!“

Nach der Grundsteinlegung leitet Seine Heiligkeit ein stilles Gebet.

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