Hadhrat Mirza Masroor Ahmad - Khalifatul Masih V (aba)

Das Bedürfnis nach äußerem & innerem Frieden

Ansprache des weltweiten Oberhaupts der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hadhrat Mirza Masroor Ahmad(ABA), an die Gäste der Jalsa Salana Holland 2019

Am Samstag, den 28. September 2019 sprach das weltweite Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, der Fünfte Kalif, Seine Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA am zweiten Tag der 39. Jahresversammlung (Jalsa Salana) der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Holland vor mehr als 125 Würdenträgern und Gästen. 

Die offizielle Abschrift der Ansprache Seiner HeiligkeitABA wird im Folgenden ins Deutsche übersetzt präsentiert. Für etwaige Übersetzungsfehler übernimmt Die Revue der Religionen die Verantwortung. 

Nach dem Rezitieren des tašahhud, taʿawwuḏ und bi-smillāh sagte Seine Heiligkeit: 

»Sehr geehrte Gäste, as-salāmu ʿalaikum wa-raḥmatullāhi wa-barakātuhū — der Friede und die Segnungen Allahs seien mit Ihnen allen. Zunächst möchte ich all unseren Gästen danken, die unserer Einladung gefolgt sind und heute hier zu uns gekommen sind, auch wenn in den letzten Jahren viel gegen den Islam und seinen Begründer gesagt wurde. 

In der Tat wurde ein konzentrierter Versuch unternommen, Hass und Falschinformationen über den Islam zu verbreiten und den Charakter des Heiligen Propheten Muhammad (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm) zu verleumden. Vor diesem Hintergrund zeugt Ihre Teilnahme an dieser religiösen Veranstaltung, die von einer muslimischen Gemeinde ausgerichtet wird, von Ihrer Offenheit und Großzügigkeit und dafür möchte ich Ihnen meine Anerkennung aussprechen und Ihnen danken. 

Ich bete, dass dieser Geist der Großherzigkeit und der Toleranz immer in Ihnen bleiben möge und sich weiterverbreitet, damit die Menschen aller Bevölkerungsgruppen in Frieden und im Geiste gegenseitiger Liebe und Achtung zusammenleben können.

Wir Ahmadi-Muslime glauben fest daran, dass der Glaube eine persönliche Angelegenheit eines jeden Einzelnen ist. Es ist eine Herzensangelegenheit und niemand hat das Recht, schlecht über die Überzeugungen anderer Menschen zu sprechen. 

Niemand sollte das, was anderen heilig ist, verspotten, denn andere Menschen mit Spott und Verachtung zu behandeln, kann nur zu Schmerz und Leid führen und Spaltung hervorrufen. Umgekehrt sind Toleranz und gegenseitiger Respekt die Eckpfeiler, mit denen wir eine friedliche und harmonische Gesellschaft aufbauen können. 

Wie ich bereits erwähnt habe, ist der Charakter des Heiligen Propheten des Islam (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm) in der nichtmuslimischen Welt lange Zeit diffamiert und verzerrt dargestellt worden. Auch hier in Holland haben gewisse Leute die Vorreiterrolle eingenommen, indem sie zum Hass gegen den Islam aufstacheln und völlig falsche und entsetzliche Behauptungen über den Heiligen Qur’an und den Heiligen Propheten Muhammad (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm) aufgestellt haben. 

In diesem Zusammenhang werde ich in der kurzen mir zur Verfügung stehenden Zeit über die wahren Lehren des Islam und den Charakter seines Begründers (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm) sprechen. Bevor ich jedoch fortfahre, möchte ich etwas Allgemeines darüber sagen, was Frieden ausmacht und warum er so wichtig ist.

Zweifellos ist Frieden auf persönlicher Ebene etwas, das wir uns alle wünschen, während er auf breiterer Ebene etwas ist, wonach zu streben verschiedene Nationen und Bevölkerungsgruppen behaupten. 

Aber was ist Frieden und warum brauchen wir ihn? Meiner Ansicht nach gibt es zwei Arten von Frieden: Es gibt den äußeren und den inneren Frieden. Oftmals können Menschen auf einer oberflächlichen Ebene glücklich und zufrieden erscheinen. Doch obwohl sie äußerlich in Frieden leben, bleibt ihnen der innere Frieden verwehrt. Zum Beispiel sprechen mächtige und einflussreiche Menschen oft davon, Frieden zu schaffen und verfügen dabei persönlich über alle Annehmlichkeiten und jeglichen Komfort der Welt. Dennoch geben viele von ihnen zu, weiterhin auf der Suche nach eigenem Seelenfrieden zu sein und von Spannungen und Unruhe verzehrt zu werden. Rein äußerlich und materiell gesehen haben sie alles, was sie brauchen, doch ihr Inneres bleibt von Ängsten geplagt und ihre Herzen bleiben unerfüllt. Die Realität sieht somit so aus: Solange ein Mensch keinen inneren Frieden erlangt, sind seine materiellen Annehmlichkeiten wertlos. Einfach ausgedrückt ist innerer Frieden eine Sache, die man mit Geld eben nicht kaufen kann. 

Stellen Sie sich zum Beispiel die Situation einer wohlhabenden Mutter vor, die über ihre Bedürfnisse hinaus reich ist, jedoch ihr Kind verliert. Obwohl sie jeden möglichen materiellen Komfort besitzt, wird sie unruhig und verzweifelt bleiben, bis sie ihr Kind wiederfindet. Traurigerweise nehmen sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern psychische Gesundheitsprobleme zu. In den reichen Ländern begehen immer mehr Menschen Selbstmord, leiden an Zusammenbrüchen oder Depressionen, obwohl sie finanziell relativ gut abgesichert sind. 

Es überrascht nicht, dass ein Mangel an innerem Frieden auch unter den schwächeren und verletzlichen Gruppen der Gesellschaft verbreitet ist, die ihre Grundbedürfnisse nicht erfüllen können und die sich verzweifelt nach den Annehmlichkeiten sehnen, die anderen zur Verfügung stehen. So sind Frustration und innere Unruhe sowohl unter den Reichen als auch den Armen spürbar. 

Auf der einen Seite bleibt den wohlhabenden Menschen, die in Bezug auf Materielles alles besitzen, was sie brauchen, der innere Frieden vorenthalten. Am anderen Ende des Spektrums werden die Armen und Bedürftigen von ihren Lebensumständen geplagt und sehnen sich nach dem komfortablen Leben der anderen. Menschen mögen unterschiedliche Ziele oder Wünsche haben und sie mögen hinsichtlich ihres materiellen Zustands weit voneinander getrennt sein, jedoch ist ihnen gemeinsam, dass es ihnen nicht gelingt, innere Zufriedenheit zu erlangen. 

In der heutigen Welt schieben Kritiker die Schuld für die Probleme der Welt schnell auf Religion und insbesondere den Islam. Allerdings sind viele Menschen, die unter inneren Qualen und Unruhen leiden, diejenigen, die ein rein säkulares Leben führen und so können ihre Probleme weder dem Islam noch irgendeiner anderen Religion angelastet werden. 

Als religiöses Oberhaupt glaube ich fest daran, dass Religion nicht die Ursache für die heutigen Probleme ist, sondern Religion die Antwort auf dieselben darstellt. Und aus islamischer Sicht ist deren Lösung eine recht einfache. 

Der Prophet des Islam (Friede und Segnungen seien auf ihm) lehrte, wahrer Seelenfrieden setze voraus, dass der Mensch den allmächtigen Gott anerkennt und eine Beziehung zu Ihm aufbaut, denn laut Islam ist eine der Eigenschaften des allmächtigen Gottes, dass Er die »Quelle des Friedens« ist. Er wünscht sich für Seine Schöpfung ein friedliches Leben, ungeachtet aller Unterschiede in Religion oder Glauben. Darüber hinaus lehrte der Heilige Prophet Muhammad (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm), dass Allah der Allmächtige der Versorger und Erhalter der gesamten Schöpfung ist. Er sorgt nicht nur für die Muslime, sondern Seine Gnade umfasst die gesamte Menschheit, seien es Christen, Hindus, Sikhs, Juden oder Menschen anderer Religionen und Glaubensvorstellungen, ja sogar jene, die keinen Glauben haben und Seine Existenz leugnen. 

Der Islam weist die Muslime an, den Eigenschaften Gottes nach besten Fähigkeiten nachzueifern und so erklärte der Prophet des Islam (Friede und Segnungen seien auf ihm) immer wieder, dass seine Anhänger mitfühlend und rücksichtsvoll sein müssten und danach streben, anderen Frieden zu schenken.

Ein goldener Grundsatz des Begründers des Islam (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm) lautet, dass ein wahrer Muslim für andere das wünschen sollte, was er für sich selbst wünscht. 

Ich glaube, dass dieser einfache und tiefgreifende Grundsatz, wenn er nicht nur von Muslimen, sondern von allen Menschen befolgt wird, das Mittel für dauerhaften Frieden in der Gesellschaft ist. Zweifellos wünscht sich jeder Mensch Frieden für sich selbst und seine Lieben, die meisten Menschen jedoch werden lügen, wenn sie behaupten, ihren Gegnern und Konkurrenten Frieden und ein Leben in Zufriedenheit zu wünschen. 

Dies jedoch ist der Maßstab für Edelmut und Großzügigkeit des Geistes, den der Islam verlangt. Es ist eine Religion und Lehre, die die Selbstlosigkeit fördert und die Menschen dazu auffordert, alle Spuren von Egoismus zu beseitigen. Der vom Propheten des Islam vorgegebene Grundsatz (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm) lautet, dass ein Mensch offenherzig und reinen Herzens sein sollte. 

Anstatt nur das Beste für sich selbst herbeizusehnen, sollte ein Mensch dasselbe auch für andere wünschen. Bedauerlicherweise sehen wir in der heutigen Welt eher das Gegenteil. 

Die moderne Gesellschaft wird von Egoismus und Gier beherrscht. Unordnung, Konflikte und Kriege nehmen zu und die Prinzipien von Gleichheit und Gerechtigkeit werden zunehmend über Bord geworfen. 

Dies wird durch die Außenpolitik vieler mächtiger und reicher Länder veranschaulicht. Es ist ein durchgängiges Phänomen der modernen Geschichte, dass die herrschenden Mächte ihre Armeen unter dem Vorwand, Frieden zu schaffen, in ferne Länder geschickt haben. Aber die Zeit hat gezeigt, dass ihr eigentliches Ziel der Schutz und die Förderung ihrer eigenen Interessen war. 

Wenn in solchen Konflikten auch nur einer ihrer Soldaten stirbt, kommt es zu einem Ausbruch an Trauer und es wird Rache geschworen. Doch wenn ihre Bomben oder Waffen den Tod hunderter oder gar tausender unschuldiger Zivilisten – unter ihnen wehrlose Frauen und Kinder – verursachen, schweigen sie und zeigen keinerlei Anzeichen von Bedauern oder Reue. 

Die Folgen einer solchen Ungerechtigkeit sind äußerst schädlich und weitreichend. Die Menschen vor Ort sehen, dass ihr Leben scheinbar weitaus weniger wert ist als das Leben derjenigen, die aus mächtigen Ländern stammen. 

Wenn sie die augenfällige Doppelmoral und den Mangel an Menschlichkeit beobachten, werden sie von Frustration, Wut und Ressentiments überwältigt und ihre Emotionen drohen jederzeit überzukochen. 

Der Frieden und die Sicherheit dieser Länder wurden zerstört, aber der Rest der Welt wäre töricht zu glauben, dass er davon nicht betroffen sein wird; vielmehr ist die Welt heute so sehr vernetzt, dass sich die Auswirkungen der Feindseligkeiten in einem Teil der Welt zwangsläufig über die Grenzen hinaus ausbreiten werden und wir haben in den vergangenen Jahren viele Beispiele dafür gesehen. 

Wenn wir also wirklich Frieden wollen, sei es in unserem persönlichen Leben oder auf kollektiver Ebene, dann ist der entscheidende Punkt, dass wir für andere das wünschen, was wir für uns selbst wünschen. 

Wie ich bereits sagte, ist dieses einfache Prinzip die Grundlage für wahren Frieden in der Welt. 

Im Hinblick auf die Religion lehrte der Heilige Prophet Muhammad (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm), dass die Schaffung eines wahren Friedens voraussetzt, dass sich die Menschheit dem allmächtigen Gott, Der die Quelle des Friedens ist, dem edlen und reinen Gott, zuwendet und versucht, Seinen Eigenschaften nachzueifern. Dies bedeutet, dass die Menschen ihre persönlichen Interessen im Streben nach Frieden beiseitelegen und sicherstellen sollten, dass ihre Beweggründe fortwährend reiner Natur sind. 

Sicherlich ist die in der heutigen Welt vorherrschende Spaltung zu einem Großteil darauf zurückzuführen, dass die zugrunde liegenden Absichten der beteiligten Parteien nicht rein oder ehrlich sind. Es gibt klare Widersprüche zwischen ihren Worten und Taten und es kann niemals Frieden herrschen, wenn zwischen dem, was eine Person sagt und was sie tut, ein Widerspruch besteht. 

Jede Regierung und jeder politische Führer – ob aus den Vereinigten Staaten, China, Russland, europäischen Ländern, der muslimischen Welt oder anderswo – verurteilt regelmäßig Krieg und Blutvergießen. Die Realität sieht jedoch so aus, dass ihr Einwand gegen solche Dinge tendenziell auf ihre Interessen und ihr eigenes Volk beschränkt bleibt. 

Ihre Rufe nach Rechtsstaatlichkeit, Gerechtigkeit und Menschenrechten laufen allzu oft ins Leere, wenn ihre eigenen Interessen auf dem Spiel stehen. Wenn sie angegriffen werden oder ihre Rechte verletzt sehen, drücken sie blinde Wut und Entrüstung über dieses Unrecht aus, doch sie machen sich gleichzeitig selbst schuldig, schwächere Nationen ins Visier zu nehmen und Bürgerkriege oder Konflikte in anderen Ländern zu ihrem eigenen Vorteil auszunutzen. 

Anstatt die verschiedenen Parteien an den Verhandlungstisch zu holen und einen fairen und ehrlichen Dialog zu führen, haben sich die Großmächte gewöhnlich in die Konflikte anderer Länder eingemischt, indem sie diejenige Seite, die ihre Interessen unterstützt, bewaffnet oder finanziert haben. Sie schütten Öl ins offene Feuer mit dem Ergebnis, dass unschuldige Menschen, darunter Frauen, Kinder und alte Menschen, ihr Leben verlieren und die Qualen ihrer Familien mit ansehen müssen. Städte, Ortschaften und Dörfer werden verwüstet und entzweit. 

Die einzig mögliche Folge ist ein Aufflammen von Frustration und Ressentiments unter den Menschen vor Ort, und das ist etwas, das in den vom Krieg zerrütteten muslimischen Ländern in den vergangenen Jahren nur allzu offensichtlich war. 

Können die externen Mächte, die ihre eigenen Interessen in den Vordergrund stellen wirklich behaupten, sie würden den Frieden fördern? 

Können darüber hinaus die Kritiker des Islam weiterhin die Schuld für den Mangel an Frieden in der Welt dem Islam in die Schuhe schieben? 

Können sie den Propheten des Islam (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm) weiterhin für die heutigen Ungerechtigkeiten verantwortlich machen? 

Es sollte klar sein, dass der Zustand der Unruhen in der Welt, ob in muslimischen Ländern oder anderswo, nichts mit den Lehren des Islam zu tun hat; vielmehr beruhen solche Unruhen auf den Eigeninteressen und dem egoistischen Verhalten bestimmter Anführer oder korrupter Regierungen auf der einen und rebellischen, aufständischen oder separatistischen Gruppen auf der anderen Seite.

Dies wird durch die brutalen Handlungen terroristischer und extremistischer Gruppen verursacht, die nur nach Selbstbereicherung oder Macht streben. Das Zentrum der heutigen Unruhen mögen vielleicht muslimische Länder darstellen, niemand jedoch kann leugnen, dass nichtmuslimische Länder die Situation eher verschärft als entspannt haben. 

Man mag behaupten, islamische Lehren hätten Extremisten und Terroristen zu ihren Terrorakten motiviert, aber lassen Sie mich klarstellen, dass nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein könnte. Wie ich bereits sagte, lehrte der Prophet des Islam (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm), dass Allah der Allmächtige die Quelle des Friedens und der Versorger und Erhalter der gesamten Menschheit ist. Dies wird tatsächlich im ersten Kapitel des Heiligen Qur’an erwähnt.

Wie hätte es ihm also möglich sein können, Intoleranz zu fördern oder die Saat der Spaltung in der Gesellschaft zu säen? Vielmehr förderte er zeitlebens die interreligiöse Harmonie und betonte die Notwendigkeit des Friedens auf allen Ebenen der Gesellschaft – von der Familieneinheit bis hin zu internationalen Beziehungen. Dies war nicht nur seine Lehre, sondern auch seine Praxis. Von Anfang an verkündete der Heilige Prophet des Islam (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm) eine Botschaft des Friedens und förderte eine tolerante und integrative Gesellschaft. Er ließ verlauten, dass der allmächtige Gott für alle Menschen, ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft oder ihres Glaubens wünscht, dass sie in Frieden leben mögen und die menschlichen Werte anerkannt und geachtet werden. 

Es wird oft behauptet, die frühen Muslime führten Krieg oder verhielten sich intolerant gegenüber den Glaubensüberzeugungen anderer. Doch ein fairer unvoreingenommener Blick auf die islamische Geschichte beweist, dass dies völlig ungerechte und falsche Anschuldigungen sind. Als der Islam gegründet wurde, waren die frühen Muslime selbst Opfer erbarmungsloser Verfolgung in Mekka. Einige wurden brutal ermordet, andere wurden grausam gefoltert, aber die Muslime blieben geduldig und übten niemals Vergeltung. 

Nachdem sie die schrecklichsten nur vorstellbaren Grausamkeiten erlitten hatten, wanderten einige der hilfsbedürftigen Muslime in das Land aus, welches heute als Äthiopien bekannt ist. Dennoch ließen die Gegner des Islam sie nicht in Frieden leben; vielmehr folgten sie ihnen, stellten sich vor den König des Landes und flehten ihn an, die Muslime zu verbannen und sie zur Rückkehr nach Mekka zu zwingen, damit sie sie weiterverfolgen und sicherstellen konnten, dass sich der Islam nicht weiter ausbreitete. 

Die Ungläubigen von Mekka erzählten dem König, die Muslime hätten einen neuen Glauben eingeführt und die Götzenanbetung missbilligt. Sie behaupteten, die Muslime hätten Unordnung verbreitet und den Frieden in der Gesellschaft gestört. 

Auf die Anweisung des Königs hin, sich zu rechtfertigen, erklärten die Muslime ihren Glauben an den Einen Gott, der der Erschaffer aller Schöpfung ist. Sie beteten Ihn allein an, während sie nach Frieden mit allen Menschen und Bevölkerungsgruppen strebten und glaubten, dass Menschen unterschiedlicher Religionen und Glaubensrichtungen einander respektieren sollten. 

Sie brachten ihre Überzeugung zum Ausdruck, dass die Mächtigen und Reichen die Rechte der Schwachen und Unterprivilegierten nicht mit Füßen treten sollten, während die Armen und Benachteiligten keinen Hass gegenüber Bessergestellten hegen sollten. 

Der König fragte die Ungläubigen, ob die Muslime jemals Krieg geführt hätten, sie gelogen, ihre Versprechen gebrochen oder zur Rebellion angestiftet hätten. Daraufhin mussten die Gegner des Islam zugeben, dass die Muslime in allen Anklagepunkten unschuldig waren. 

Trotz ihres Hasses gegen den Propheten des Islam (Friede und Segnungen seien auf ihm) und seine Anhänger und trotz ihres innigen Wunsches, den Islam zu vernichten, bezeugten die Bewohner Mekkas die Tatsache, dass der Gründer des Islam (Friede und Segnungen seien auf ihm) niemals die Unwahrheit gesagt, niemals sein Versprechen gebrochen und niemals mit Grausamkeit oder Ungerechtigkeit gehandelt hatte.

Sie waren gezwungen zuzugeben, dass der Heilige Prophet des Islam (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm) und seine Anhänger diejenigen waren, die immer nur Liebe und Zuneigung in der Gesellschaft zu verbreiten suchten und die friedlich ihren Glauben an die Einheit Gottes propagierten. Zu allen Zeiten blieb der Prophet des Islam (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm) geduldig, selbst angesichts der grausamsten und barbarischsten Unterdrückung.

Er wandte sich nur an Gott den Allmächtigen, um seinen Schmerz mitzuteilen und so wird im Heiligen Qur’an erwähnt, dass der Heilige Prophet Muhammad (Friede und Segnungen seien auf ihm) in seinem Gebet in tiefer Trauer darüber sprach, er riefe sein Volk zu Frieden und Wohlstand auf, dieses jedoch reagierte mit brutaler und unaufhörlicher Grausamkeit. Trotz der Brutalität dieser Menschen erhob der Prophet des Islam (Friede und Segnungen seien auf ihm) während der Zeit in Mekka niemals sein Schwert gegen diejenigen, die die Muslime verfolgten, noch hörte er jemals auf, mit den Machthabern von Mekka zu kooperieren oder begann irgendeine Form der Revolte anzuzetteln. 

Die Geduld der Muslime beruhte auf dem Gebot Allahs des Allmächtigen, welches in Kapitel 25, Vers 64 des Heiligen Qur’an erwähnt wird. In diesem Vers spricht Allah der Allmächtige die Muslime an und sagt: 

»Die Diener des Gnadenreichen sind diejenigen, die in würdiger Weise auf Erden wandeln, und wenn die Unwissenden sie anreden, sprechen sie: ›Frieden‹«

Folglich beruhigte der Heilige Qur’an die Muslime und riet ihnen zur Geduld ungeachtet dessen, wie sehr sie provoziert oder gequält wurden. Sie waren angehalten, ihren Feinden und Gegnern im Gegenzug zu den ihnen entgegengebrachten Widerwärtigkeiten und dem Hass Frieden anzubieten. Dementsprechend blieben die frühen Muslime dort, wo sie gefoltert, geschmäht und verleumdet wurden auf Geheiß des allmächtigen Gottes geduldig. Ungeachtet einer natürlichen Neigung zur Vergeltung und unter Befolgung der Maxime, für andere das zu wünschen, was man für sich selbst wünscht, strebten die Muslime nach Frieden für ihre Feinde. Es war nicht nur ein vorübergehender Frieden, den sich die Muslime für andere wünschten, sondern ein immerwährender. So sagt Allah der Allmächtige in Kapitel 10, Vers 26:

»Und Allah lädt zur Wohnstatt des Friedens.«

Dieser Vers macht deutlich, dass die Muslime angewiesen wurden, keine Mühen zu scheuen, um einen dauerhaften Zustand des Friedens und der Harmonie zu fördern und die Menschen einander nahezubringen. Dennoch dauerte die erbitterte Verfolgung jahrelang an und schließlich, als die Grausamkeiten alle Grenzen überschritten, wanderten der Prophet des Islam (Friede und Segnungen seien auf ihm) und seine Anhänger nach Medina aus. 

Allerdings ließen die Gegner des Islam sie auch dann nicht in Frieden leben; vielmehr verfolgten die Ungläubigen von Mekka die Muslime weiterhin und führten bald darauf Krieg gegen sie. Erst nachdem sie jahrelang hasserfüllt verfolgt und aus ihren Häusern vertrieben worden waren, erlaubte Gott der Allmächtige den Muslimen, mit Gewalt zu reagieren und sich zu verteidigen. 

Hier ist es sehr wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Erlaubnis zum Zurückschlagen nicht nur erteilt wurde, um den Islam oder die Muslime zu verteidigen. So heißt es im Heiligen Qur’an in Kapitel 22, in den Versen 40 bis 41, dass die Erlaubnis zum Zurückschlagen erteilt wurde, um die Religion und die universelle Glaubensfreiheit zu verteidigen, da diese die eigentlichen Angriffsziele der Gegner des Islam waren. 

Es sollte auch klargestellt werden, dass der Heilige Prophet des Islam (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm) seine Anhänger anwies, sich an strengste Vorschriften für diesen Einsatz zu halten. So sorgte er beispielsweise dafür, dass Kriegsgefangene mit Mitgefühl behandelt und wo immer möglich freigelassen wurden. Er ordnete an, dass kein Kind, keine Frau, kein älterer oder kranker Mensch zur Zielscheibe werden dürfe, ebenso wenig wie Gotteshäuser oder religiöse Führer angegriffen werden dürften. Ferner wies er an, wenn die gegnerische Seite auch nur eine Andeutung zur Versöhnung mache, ihre Geste sofort akzeptiert werden müsse, damit keine Gelegenheit zum Friedensschluss vertan werde. Bemerkenswert ist auch, dass dort, wo gemeinhin angenommen wird, die frühen Muslime wären kriegerisch oder blutrünstig gewesen, heute mehrere westliche und nichtmuslimische Historiker zugeben, dass dies völlig unzutreffend ist. Tatsächlich zeigen ihre Forschungen, dass die Zahl der Menschen, die ihr Leben in allen Kriegen der frühislamischen Zeit verloren hatten, nur einen Bruchteil im Vergleich zu der Zahl der Menschen ausmacht, die in der modernen Zeit durch einzelne Bomben sterben. 

Statt Konflikte zu suchen oder Hass zu schüren, hat der Islam die Muslime daher immer nur angewiesen, die Mauern des Hasses niederzureißen, die die Menschheit spalten und Brücken der Liebe und des Mitgefühls zu bauen, um sie zu vereinen. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Muslime auf jeder Ebene der Gesellschaft und über alle Gemeinschaften und Völker hinweg die Pflicht haben, Frieden zu verbreiten und der Hauptgrund dafür ist, wie ich bereits erwähnt habe, dass es im allerersten Kapitel des Heiligen Qur’an heißt:

»Aller Preis gehört Allah, dem Herrn der Welten.«

Dementsprechend ist es für wahre Muslime, wo Gott der Allmächtige der Versorger und Erhalter der gesamten Menschheit ist, einfach nicht möglich, Hass oder Unmut gegenüber ihren Mitmenschen zu empfinden; vielmehr können unsere Herzen nur mit Gefühlen der Liebe, des Mitgefühls und der Anteilnahme für andere erfüllt werden. Natürlich haben wir als praktizierende Muslime unsere religiösen Überzeugungen. Wir glauben, dass Gott einzig ist und dass es unsere Pflicht ist, uns Ihm zuzuwenden und Ihn allein anzubeten. Gleichzeitig halten wir uns aber auch fest an das zeitlose Gebot des Heiligen Qur’an, dass es in der Religion keinen Zwang geben darf. 

Wie ich bereits sagte, ist Religion eine Herzensangelegenheit und ein persönliches Anliegen jedes Einzelnen und dies wird es immer sein. Die eigentliche Bedeutung des Wortes Islam ist »Frieden« und es gibt viele Verse im Qur’an, die zweifelsfrei deutlich machen, dass Muslime friedfertig sein sollen und anderen Liebe und Respekt entgegenbringen müssen. Wie könnte es sein, dass der Prophet des Islam (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm), dem eine so friedliche Lehre offenbart wurde, gegen diese selbst verstoßen würde? 

Aufrichtige und objektive Historiker bezeugen die Tatsache, dass der Heilige Prophet des Islam (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm) niemals Grausamkeiten beging oder die Rechte anderer Menschen verletzte. Zu jeder Zeit lehrte er Frieden, Geduld und die Wahrung der Rechte der Mitmenschen und sicherlich sind seine Lehren eine Inspiration für uns. Wir verkünden mit Stolz, dass wir die Anhänger jenes edlen Propheten sind (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm), den der Heilige Qur’an als eine Barmherzigkeit für die Menschheit bezeichnet hat. Aus diesem Grund vertritt die Ahmadiyya Muslim Jamaat den Slogan »Liebe für alle, Hass für keinen«. In dieser Zeit der Unruhe und Spaltung lautet unsere Botschaft, dass alle Nationen und alle Menschen dringend nach Frieden streben müssen. Die scharfen Kritiker des Islam sollten erkennen, dass sie, anstatt ihre Wut und ihren Hass auf den Islam und seinen edlen Propheten (Friede und Segnungen seien auf ihm) zu richten, die Spuren von Voreingenommenheit, Vorurteilen und Eigeninteresse beseitigen sollten. 

Andernfalls werden Unordnung und Hass in der Welt weiter eskalieren. Frustration und Wut unter jenen Muslimen, die ungebildet sind oder die die wahren Lehren ihrer Religion nicht kennen, werden mehr und mehr zu Tage treten. Nicht nur in der muslimischen Gemeinschaft, sondern in der gesamten Gesellschaft, überall dort, wo junge Menschen hoffnungslos und frustriert sind, werden sie leichte Beute für hasserfüllte Geistliche oder Extremisten, die ihren Verstand vergiften. 

Wir müssen uns davor hüten, sonst wird sich der bittere Kreislauf des Hasses, der die moderne Welt verdunkelt hat, weiter fortsetzen. Der Frieden innerhalb der muslimischen Gesellschaften und in der übrigen Welt wird zu einem immer weiter entfernten Traum werden. 

Wie ich eingangs sagte, ist es an der Zeit, uns alle zusammenzuschließen und anstatt gegen die religiösen Gefühle des anderen zu wüten, unsere Kräfte zu bündeln und auf den Aufbau einer besseren Zukunft für unsere Kinder und künftigen Generationen hinzuarbeiten.

Lassen Sie uns unsere Differenzen beiseitelegen und vertrauensvoll an der Schaffung eines wahren und nachhaltigen Friedens in der Welt arbeiten. Lassen Sie uns einander respektieren und danach streben, eine bessere Gesellschaft aufzubauen, die auf den Prinzipien der Einigkeit und des Gemeinwohls beruht. Möge Allah der Allmächtige uns dazu befähigen, Amin.«