Ahmadiyya

Der Kalif, der vor der Abreise aus Frankfurt die Herzen berührt, trifft in Berlin ein

Syed Amer Safir – Berlin

Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, weltweites Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, verließ am Montag, den 20. Oktober 2019 nach 11 Uhr Frankfurt für die nächste Etappe seiner Europareise und kam am selben Abend in Berlin an, wo er von einer begeisterten Menge von Ahmadi-Muslimen empfangen wurde. Der Kalif kam gegen 19 Uhr in der Khadija-Moschee an, wo er die abendlichen Gebete Maghrib und Ishaa leitete.

Es gab einige sehr bewegende Momente, als der Kalif Baitus Subuh in Frankfurt verließ. Als der Kalif aus seiner Residenz herauskam, wandelte er langsam durch die  Menschenmenge und ging auf einige Ahmadi-Muslimen zu, die darauf warteten, Abschied zu nehmen, und sprach auch persönlich mit einigen von ihnen.

Einem Mann mit langem Bart, der leidenschaftlich Slogans rief, erzählte der Kalif einen Witz. Er heißt Herr Shaikh Shaukat, 64 aus Karlsruhe. Er besaß früher  eine Pizzeria und wurde später LKW-Fahrer. Heute dient er der Ahmadiyya Muslim Jamaat und befördert Fahrgäste in einem Mini-Van. Ich habe festgestellt, dass Herr Shaukat seit Beginn der Europareise des Kalifen eine immer präsente Figur ist. In den Jahresversammlungen (Jalsa Salanas) der Niederlande und Frankreichs stand er regelmäßig während der Veranstaltung auf, um mit großer Leidenschaft Slogans zu rufen, aus Liebe zum Kalifen. Herr Shaukat ist ein Konvertit zum Islam Ahmadiyyat.

Bei der Abreise des Kalifen aus Baitus Subuh Frankfurt, rief er erneut einen Slogan, als der Kalif durch die Menschenmenge ging. Doch diesmal wandte sich der Kalif, der den Slogan hörte, an Herrn Shaukat, um mit ihm zu reden. Ich sprach danach mit Herrn Shaukat und er beschrieb die Erfahrung wie folgt:

Der Kalif kam ein paar Schritte auf mich zu, nachdem ich den Slogan »Naaray Takbeer« und »Inni Maaka Ya Masroor« ausgerufen hatte [Ich bin mit dir, O Masroor – eine Offenbarung, die dem Verheißenen Messias mitgeteilt wurde] und sagte zu mir: »Weißt du, wie man das Wort »Naaray« schreibt?« Darauf antwortete ich: »Noon – Ain – Ray« (Buchstabierung in Urdu), und ich gestikulierte mit Handbewegungen, wie ich glaubte, dass es geschrieben werden sollte. Dann sagte ich vor Aufregung sehr schnell zweimal Takbeer und war im Grunde etwas durcheinander. Der Kalif lächelte breit und wirkte so glücklich. Dann sagte der Kalif zu mir, ich solle noch einmal »Naaray« schreiben. Zweimal oder dreimal wiederholte es sich , dass  der Kalif zu mir sagte, dies zu tun. Jedes Mal mit einem Lächeln, wenn ich versuchte, das Wort zu buchstabieren. Ich persönlich glaube, dass der Kalif versucht hat, mir im Spaß zu sagen, dass, wenn ich wüsste, wie man »Naaray« ruft, auch damit vertraut sein sollte, wie man es aufschreibt!

Ich fragte Herrn Shaukat, wie es sich anfühlte, nachdem er in den letzten Wochen während der Reise die Slogans so oft in Anwesenheit des Kalifen ausgerufen hatte, vom Kalifen selbst angesprochen worden zu sein und mit ihm zu sprechen.

»Ich fühlte mich, als würde der Messias Gottes selbst auf mich, einen schwachen und kranken Menschen, zukommen«, sagte Herr Shaukat. Ich fragte ihn, was er mit einer »kranken« Person meinte. »Einer, der geistig schwach ist«, erwiderte er. »So wurde auch der Verheißene Messias beschrieben, als einer, der die spirituell Kranken heilen würde. Gott hat uns einen geistigen Führer für unsere moralische und geistige Bildung gegeben. Und so schien es in der einen Minute, als der Kalif zu mir sprach, als hätte ich die ganze Welt erlangt. Als der Blick des Kalifen auf mich fiel sah ich nur Nuur (spirituelles Licht). Ich werde mich immer an diesen Moment erinnern, und wann immer ich das tue, bereitet es mir immer große Freude. Ich ging nach Holland und Frankreich, weil ich dem Kalifen sehr verbunden bin. Und jetzt bin ich in Berlin, um meinen Kalifen wiederzusehen!«

Der Kalif wanderte weiter durch die Menge und ging zu einem weiteren Ahmadi, dessen Finger verletzt war. Der Kalif hielt seine Hand für einige Zeit mit großem Mitgefühl. Sehr liebevoll erkundigte sich der Kalif mit großer Aufmerksamkeit nach seiner Gesundheit, während er weiterhin seine Hand hielt, um die Verletzung zu untersuchen, und beriet ihn dann hinsichtlich des  Medikaments, das er einnehmen sollte. Und bei einem weiteren jungen Ahmadi erkundigte sich der Kalif nach seinem Wohlergehen und seinen Zukunftsplänen und gab dem jungen Mann dann eine Orientierungshilfe.

Der Kalif ging weiter in Richtung der Frauen, die eifrig winkten, um die Aufmerksamkeit ihres geliebten Oberhauptes auf sich zu ziehen. Der Kalif gab ihnen reichlich Zeit und winkte zurück. In der Nähe befanden sich zwei syrische Ahmadis. Sie konnten nur Arabisch sprechen und so fungierte Munir Odeh als Übersetzer. Odeh, ursprünglich aus Palästina, ist Produktionsleiter bei MTA International, dem offiziellen Fernsehsender der Ahmadiyya Muslim Jamaat (www.mta.tv). Odeh ist verantwortlich für die Übertragung der Veranstaltungen des Kalifen auf seiner Reise auf MTA. Odeh erzählte mir später, dass der Kalif mit Sorge und Zuwendung fragte, wer die beiden Syrer seien, woher sie gekommen seien und was sie hier täten.

Dies sind nur einige Eindrücke von der Abreise des Kalifen, der mit seinen Anhängern interagierte, ihnen Liebe zeigte, Witze mit ihnen teilte, sie tröstete, mit ihnen lächelte und sie mit Mitgefühl überschüttete.

Nach einem anstrengenden einwöchigen Aufenthalt in Frankfurt, wo er täglich alle fünf Gebete leitete, zahlreiche ‘Ameen’-Zeremonien durchführte, Hunderte von Ahmadis in privater Audienz traf, zwei Ansprachen anlässlich der Einweihung von zwei Moscheen hielt, die Freitagsansprache hielt und viele Nikahs leitete, geht der Kalif nun auf die nächste Etappe seiner Deutschlandreise. Vor allem hat der Kalif die Herzen der Menschen verändert, sowohl der Ahmadis als auch der Nicht-Ahmadis, von denen viele beschrieben haben, wie sich ihr Leben nach der Begegnung mit dem Kalifen verändert hat.

Ansprache des Kalifen in Berlin
Am Dienstag, den 22. Oktober wurde der Kalif zu einem besonderen Anlass in Berlin empfangen, wo zahlreiche Würdenträger und Parlamentarier zugegen waren. Die Berliner Mauer wurde 1961 als physische und ideologische Grenze zwischen Kommunismus und Demokratie errichtet und schuf auch eine Trennung zwischen Arm und Reich. Im November 1989 fiel die Berliner Mauer und diese Teilung wurde symbolisch beendet. Der Fall der Berliner Mauer hat vielen Menschen Vieles bedeutet. Für die einen bedeutete es das Ende des Kommunismus, für die anderen war es der Beginn der Freizügigkeit und der Beseitigung von Klassendiskriminierung. Der Mauerfall  sollte eine Zeit des Friedens und des Wohlstands einleiten.

Viele Jahrzehnte später hat sich die Landschaft Deutschlands stark verändert. Rechtsextreme Gruppen haben mit alarmierender Geschwindigkeit an Kraft gewonnen. Die Masseneinwanderung hat dazu geführt, dass Millionen von Menschen aus dem Ausland nach Deutschland gekommen sind, was die soziale, politische und kulturelle Landschaft enorm verändert hat. Auf globaler Ebene sollte der Fall der Berliner Mauer das Ende des Kalten Krieges bedeuten. Heute scheint die Welt jedoch auf einen globalen Krieg zuzusteuern, und ideologische Mauern wurden wieder einmal zwischen den Nationen errichtet. Weltweit sind Krisenherde entstanden, wie etwa zwischen dem Iran und den USA oder zwischen Pakistan und Indien. Atomwaffen, die im Besitz vieler dieser Nationen sind, bedeuten, dass ein regelrechter Krieg zu einer katastrophalen Zerstörung führen könnte, deren Ausmaß die Menschheit noch nie erlebt hat.

Es wird daher faszinierend sein, die Botschaft des Kalifen aus der Stadt der Berliner Mauer zu hören, wenn er sich dafür aussprechen wird, dass die „Mauern“ der Feindschaft, die sich zwischen den Nationen und Völkern herausgebildet haben, niedergerissen werde können.

Über den Autor: Syed Amer Safir ist Chefredakteur und Manager der englischen Ausgabe von »The Review of Religions« und Sekretär des Management Komitees, das alle Aktivitäten von »The Review of Religions« weltweit beaufsichtigt.