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Die Tragödie von Beirut – eine dunkle Wolke schwebt über einem Land der Erde Vielfalt

©Pixabay

Fazal Ahmad, Großbritannien

Beirut wurde von den libanesischen Behörden zur »Katastrophenstadt« erklärt und ist in seinen Grundfesten erschüttert worden. Die schockierenden Bilder einer schrecklichen Explosion in Beirut am Dienstag, dem 4. August 2020, haben Beirut nicht nur in den Ausnahmezustand versetzt, sondern auch eine Schockwelle rund um die Welt ausgelöst. Je mehr Bilder und Videos die Welt in absolutem Entsetzen versetzen, desto mehr kann man sich die absolute Tragödie vorstellen, der die Bürger Beiruts ausgesetzt sind. Unsere Gedanken und Gebete sind bei allen Betroffenen im Libanon.

Berichten zufolge entzündeten sich 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat, die in einem Lagerhaus in der Nähe des Hafengeländes gelagert waren und verursachten die riesige Pilzwolke und die Mega-Explosion, die die Umgebung dem Erdboden gleichmachte und bis nach Zypern zu spüren war. Bisher wurden 135 Todesopfer bestätigt, aber es ist so gut wie sicher, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen wird, wenn die Rettungskräfte die Trümmer durchkämmen, und über 4.000 Menschen sind verletzt, viele davon schwer.

Die Krankenhäuser in der Stadt sind ausgelastet und die Umgebung ist Schauplatz eines Massakers. Das Ausmaß des Leids ist riesig, mit potenziell über 300.000 Menschen, die obdachlos geworden sind und das zu einem Zeitpunkt, wo die seit vielen Jahren leidende libanesische Wirtschaft inmitten der COVID-19-Pandemie an einem Tiefpunkt angelangt war. 

Das Land steht sowohl politisch im Nahen Osten als auch historisch als Bindeglied zwischen Afrika, Asien und Europa an einem Scheideweg. Interne Konflikte und übergreifende Konflikte aus den Nachbarländern haben zu den jüngsten Unruhen des Landes beigetragen. Die Lage an dieser Schnittstelle hat jedoch auch das Erbe des Landes bereichert. 

Aufgrund seiner Lage im Nahen Osten, in der Nähe von Israel, Palästina, Syrien, der Türkei und Ägypten, verfügt der Libanon über eine tiefe und reiche religiöse Geschichte, die den Islam und das Christentum umfasst. Tatsächlich hat der Libanon schon immer eine vielfältige religiöse Vielfalt gehabt und rühmt sich immer noch vieler Glaubensrichtungen von Muslimen, Christen, aber auch einer kleineren Anzahl von Juden, Hindus und Buddhisten. Einige Gruppen, wie die Drusen und Alawiten, unterscheiden sich stark vom Mainstream-Islam und zeigen die Verschmelzung religiöser Gedanken über Glaubensrichtungen und Regionen hinweg, da die Libanesen (altphönizische Seeleute) Kontakte zu Europa, Nordafrika, dem Nahen Osten und Asien hatten und viele dieser Einflüsse absorbierten.

In der Antike errichteten die Römer in Baalbek auf einem ehemals phönizischen Tempel einen gewaltigen Tempel zur Anbetung des Jupiter. Es gibt viele antike und bekannte phönizische Küstenstädte wie Byblos, Tyrus und Sidon, die zu den Ausgangspunkten von Seeexpeditionen über das Mittelmeer wurden und zu einer gegenseitigen Bereicherung religiöser Ideen, Kulte und Göttervorstellungen aus Spanien, Tunesien, Ägypten, Griechenland und Rom in der gesamten Region führten.

Byblos war den Pharaonen in Ägypten als das »Land der Götter« bekannt, und die Tempel hier stammen aus dem Jahr 3200 v. Chr. In der griechischen Ära erhielt Byblos später seinen Namen aufgrund des regen Handels mit Papyrusrollen. Ein Strom von Kulten und Götzen zog durch Byblos und durch die Region, darunter Baal, Isis, Osiris und Adonis. Alexander der Große und Salahuddin durchquerten diese Region auf dem Weg nach Ägypten; die Region ist also durchdrungen von Geschichte und kulturellem Austausch, was letztlich zum Zusammenwachsen religiöser Ideen führte.

Römischer Tempel für die Anbetung des Jupiter ©Pixabay

Die wichtigste christliche Glaubensgemeinschaft sind die Maroniten, die ihren Namen vom heiligen Maron erhalten haben, der im 4. Jahrhundert n. Chr. lebte. Die Gruppe, die um sein Heiligtum herum aufwuchs, waren monotheletische Christen, die sowohl an die menschliche als auch an die göttliche Natur JesuAS glaubten, da sie mit ihren eigenen Widersprüchen beim Verständnis der göttlichen Natur zu kämpfen hatten, die Rom durch die Trinität annahm. Aber die monotheletische Lehre wurde auf einem Kirchenkonzil 680 n.Chr. in Konstantinopel (Istanbul) als Häresie verurteilt.

Was den islamischen Einfluss betrifft, so gründete und baute al-Walid I. aus der Umayyaden-Dynastie im 8. Jahrhundert einen wunderschönen Palastkomplex in Anjar.

Es gibt viele andere religiöse Stätten und Bezugspunkte im Libanon mit unterschiedlichem Grad an Glaubwürdigkeit, wie z.B. der Schrein NoahsAS in Karak, christliche Wunderstätten wie Unsere Liebe Frau von Mantara, wo MariaAS gewartet haben soll, während JesusAS in der Nähe predigte; der Schrein JosuasAS in El-Menyeh und die maronitischen Klöster von Qadischa.

Bei einem so glanzvollen maritimen Erbe war es also schockierend, in einem schönen Teil der Welt im Hafen von Beirut eine solche Tragödie zu sehen. Wir beten, dass sich die Verletzten im Libanon schnell erholen und dass der Libanon bald eine Zeit des Friedens und des Wohlstands erleben kann.

Über den Autor: Fazal Ahmad ist Redakteur der Rubrik »Weltreligionen« des Magazins The Review of Religions. Er ist auch als Global Operations Director bei Humanity First tätig und verantwortlich für Projekte zur Armutsbekämpfung in 54 Ländern, vor allem in Afrika, Südasien und Mittelamerika.

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