S.H. der Fünfte Kalif - Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (aba)

Islam – religiöse Freiheit und Harmonie

Deutsche Übersetzung der Ansprache des weltweiten Oberhaupts der Ahmadiyya Muslim Jamaat anlässlich der Einweihung der Sadiq Moschee in Karben am 30. August 2023

»Die Revue der Religionen« übernimmt die volle Verantwortung für eventuelle Fehler in der Übersetzung.

*Bitte beachten Sie, dass diese Abschrift nicht ohne ausdrückliche Genehmigung vervielfältigt werden darf, weder im Web noch in Printform.

Nach der Rezitation von tašahhud, ta’awwuḏ und bi-smillāh sagte Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (aba), das weltweite Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat und fünfter Nachfolger des Verheißenen Messias (as): 

»Verehrte Gäste, as-salāmu ʿalaikum wa-raḥmatullāhi wa-barakātuhū, Allahs Frieden und Segen seien mit Ihnen allen!

Wir sind Allah, dem Allmächtigen, dankbar, dass die Ahmadiyya Gemeinde nach einer langen Verzögerung nun eine kleine Moschee in dieser Stadt bauen konnte. Ich danke dem Bürgermeister, den Stadträten und den Einwohnern der Stadt, die uns geholfen haben, den Bau dieser Moschee zu ermöglichen. Diese Dankesbekundung ist nicht nur verbaler Natur, sondern unsere religiöse Pflicht. Es ist ein islamisches Gebot, denn der Gründer des Islam sagte, wenn man anderen nicht dankbar ist, ist man auch Gott, dem Allmächtigen, nicht dankbar. Daher ist es auch unsere religiöse Pflicht, Ihnen, die uns bei der Bewältigung dieser Aufgabe geholfen haben, unsere Dankbarkeit zu zeigen. Heute hat unsere lokale Ahmadiyya Muslim Gemeinde durch die Gnade Allahs, des Allmächtigen, eine kleine, schöne Moschee in dieser Stadt erhalten. 

Herr Abdullah Wagishauser, der Amir (Vorsitzende) der Jamaat Deutschland, sagte bei der Erwähnung der Geschichte dieser Stadt, dass diese Moschee in der Mitte der Stadt liegt. Das ist sehr gut, denn wo in einer Stadt verschiedene Einrichtungen für weltliche und materielle Dinge zur Verfügung stehen, sollte es auch einen zentralen Ort für diejenigen geben, die der Religion anhängen, damit sie sich dort versammeln und Gott anbeten können. Das kann eine Moschee, eine Kirche oder ein Gotteshaus anderer Glaubensrichtungen sein. Wenn sie alle zusammenkommen, wird deutlich, dass die Religion uns lehrt, miteinander gut umzugehen und harmonisch zu leben. 

Es gibt keine Religion und es hat auch keinen Religionsgründer gegeben, der Extremismus gelehrt oder Unruhe gestiftet hätte. Gemäß unserem Glauben wurden alle Propheten von Allah, dem Allmächtigen, gesandt. Gott hat sie mit der Lehre gesandt, die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Verehrung Gottes und die Erfüllung der Rechte der Mitmenschen zu lenken und Frieden, Liebe, Zuneigung und Brüderlichkeit zu fördern. 

In dieser Hinsicht ist es gut, dass wir einen Platz für die Moschee im Zentrum der Stadt gefunden haben, damit wir die Menschen um uns herum über die schönen Lehren des Islam informieren können. Wir werden bestimmten Missverständnissen über den Islam entgegentreten, die durch einige irrende Muslime entstanden sind – und es ist bedauerlich, dass die meisten Muslime nach diesen falschen Vorstellungen handeln. Durch den Qur’an, die Praxis und das Beispiel des Heiligen Propheten [Muhammad] (saw) werden wir zeigen, dass die wahren Lehren des Islam für Frieden, Liebe, Zuneigung und Harmonie stehen. 

Anfangs gab es einige Leute, die gegen diese Moschee waren, wie unser Herr Amir erwähnte, und bis zu einem gewissen Grad mag dieser Widerstand gerechtfertigt gewesen sein, weil sie, wie ich bereits erwähnte, das Verhalten bestimmter Muslime beobachtet haben. Sie haben beobachtet, dass es unter den Muslimen Extremismus gibt; sie haben beobachtet, dass in den meisten muslimischen Ländern die Rechte der anderen nicht beachtet werden. Vielleicht hatten sie deshalb Vorbehalte, aber wenn sie unsere Moschee sehen, wenn sie das Verhalten unserer Ahmadis beobachten und wenn sie den wahren Islam sehen, werden ihre Zweifel und Vorbehalte nur noch weiter zerstreut werden. Wie man bereits am Verhalten anderswo sieht, sind diejenigen, die einst gegen uns waren, jetzt unsere Freunde und haben ihren Widerstand beendet. So Gott will, wird diese Zahl [derer, die sich uns widersetzen] immer weiter abnehmen, da sie die Moschee und die Lehren des Islam besser kennenlernen werden. So hoffen wir, dass sich der Kreis unserer Freundschaft weiter ausdehnt. 

Die Beauftragte der Bundesregierung für Minderheiten ist ebenfalls anwesend. Sie hat sehr richtig gesagt, dass es Religionsfreiheit geben sollte, und das deutsche Grundgesetz gewährt vollständige Religionsfreiheit. Wir sind der Regierung dafür dankbar, denn genau wegen dieser Religionsfreiheit sind viele Pakistaner hierher ausgewandert, da sie in ihrem eigenen Land keine Religionsfreiheit hatten. Als sie hierher kamen, konnten sie sich problemlos unter dem Schutz der Regierung niederlassen, so dass sie ihr Recht auf Religionsfreiheit ungehindert ausüben konnten. Dafür sind wir der Regierung dankbar, denn die Einwohner von Ländern, in denen die Religionsfreiheit oder andere Freiheiten zerstört werden, werden in diesen Ländern willkommen geheißen und können sich einleben.

Ein weiterer guter Punkt, den sie ansprach, war, dass Menschen verschiedener Religionen mit Mitgefühl zusammenleben und, wie ich eingangs erwähnte, lehrte der Gründer jeder Religion, dass man neben der Verehrung seines Schöpfers auch die Rechte der Mitmenschen erfüllen und einander mit Freundlichkeit behandeln muss. 

Die Wahrung der Rechte ist eine grundlegende Lehre des Islam. Der Islam lehrt nicht, dass man nur für seine eigenen Rechte kämpfen soll. Der Islam sagt, dass man auch danach streben soll, die Rechte anderer zu erfüllen. Das Streben nach Erfüllung der Rechte anderer schafft Frieden und eine Gesellschaft der Liebe und Zuneigung. Das ist genau das, was wir heute auf der Welt brauchen. 

Der Herr Abgeordnete, den ich vor zwei Tagen schon getroffen habe, ist ebenfalls anwesend. Wir haben ihn gehört. Heute ging er auf ähnliche Punkte ein, aber auf eine neue Art und Weise und sprach über seine Beziehung zur Gemeinde. Dafür spreche ich ihm meinen Dank aus, und auch dafür, dass er erwähnt hat, dass, obwohl mancherorts im Namen von Religionen Blut vergossen wird, die Religion selbst dies niemals zulassen würde. Die Religion lehrt, anderen zu dienen. Wo immer die Ahmadiyya Gemeinde etabliert wird und wo immer Menschen unserer Gemeinde beitreten, insbesondere in afrikanischen und südamerikanischen Ländern, dienen wir nicht nur Ahmadi-Muslimen, sondern Menschen aller Glaubensrichtungen. Wir haben Schulen und Krankenhäuser in Afrika errichtet, wir haben Modelldörfer gebaut und wir stellen Mittel für die Wasserversorgung bereit, und wir tun dies auch in anderen Ländern der Zweiten und Dritten Welt. Achtzig Prozent der Menschen, die von diesen Leistungen profitieren, sind Menschen, die nichts mit der Ahmadiyya Gemeinde zu tun haben, sie sind Christen oder gehören anderen Religionen an. 

Die Ahmadiyya Gemeinde setzt sich also nicht nur mit Worten für die Religionsfreiheit ein, sondern zeigt dies auch durch Taten in jedem Land der Welt. In den ärmeren Ländern werden unabhängig von ihrem Glauben die weniger Wohlhabenden mit Bildung, Gesundheitsversorgung und Trinkwasser versorgt. Während wir in den entwickelten Ländern leben, können wir uns nicht vorstellen, wie wichtig sauberes Trinkwasser ist, obwohl die Regierung uns ständig daran erinnert, vorsichtig mit Wasser umzugehen. Es gibt Menschen, die kein sauberes Trinkwasser, geschweige denn überhaupt Wasser zur Verfügung haben; sie sind mit ihren Kindern viele Kilometer unterwegs, um Wasser zu bekommen. Sie heben einen Eimer über den Kopf und tragen ihn in ihre Häuser, um ihren täglichen Bedarf zu decken. In solchen Ländern reisen unsere Freiwilligen in kleine Dörfer und abgelegene Gebiete, um dort daran zu arbeiten, Wasserpumpen zu installieren und Wasser für die Menschen zu beschaffen. 

Wenn ihnen vor ihrem Haus Leitungswasser zur Verfügung steht und sie sich mit sauberem Trinkwasser versorgen können, ist ihre Freude unbeschreiblich. Vielleicht kann man hier am Beispiel einer Person, die eine große Summe in einer Lotterie gewinnt, nachempfinden, wie glücklich jemand ist, wenn er sauberes Wasser sieht und weiß, dass er keine langen Wege mehr zurücklegen muss, um Wasser zu holen. Wasser, das zudem schmutzig ist und Krankheiten verursacht, wenn es getrunken wird. 

DieAhmadiyya Gemeinde leistet solche Dienste auf der ganzen Welt. Überall dort, wo sich unsere Gemeinde niedergelassen hat, werden Moscheen gebaut und auch diese Projekte werden in Angriff genommen. Es gibt keine Vorgaben, dass man ein Ahmadi Muslim sein muss, um in den Genuss dieser Dienste zu kommen. Im Gegenteil, wie ich bereits gesagt habe, sind achtzig Prozent der Menschen, die von unseren Projekten profitieren, Nicht-Muslime. 

Es wurde (von meinen Vorrednern) das Beispiel Afghanistan angeführt, wo den Frauen ihre Rechte nicht zugestanden werden. Die Lehren des Islam und des Heiligen Qur’an besagen, dass Frauen mit Güte behandelt und ihnen ein Höchstmaß an Höflichkeit entgegengebracht werden sollte. Das Gebot des Heiligen Qur’an lautet: So wie die Männer ihre Gefühle haben, haben auch die Frauen ihre Gefühle; so wie die Männer Sehnsüchte haben, haben auch die Frauen Sehnsüchte. Sie sollten Frauen ehrenvoll und mit Respekt behandeln und sich bemühen, ihre Wünsche zu erfüllen.

Innerhalb der Grenzen der islamischen und religiösen Lehren und gemäß den Richtlinien, die uns im Heiligen Qur’an gegeben wurden, ist es [Frauen] auch erlaubt, ihre Religion frei auszuüben. Viele unserer Ahmadi-muslimischen Frauen arbeiten als Ärztinnen, Ingenieurinnen, Landwirtinnen, Wirtschaftswissenschaftlerinnen und in verschiedenen anderen Berufen. Viele von ihnen reisen auch ins Ausland, um (humanitäre) Dienste zu leisten und ihr Leben dieser Sache zu widmen. In dieser Hinsicht werden den Frauen alle Rechte gewährt. Ebenso haben Frauen das Recht, (ihr persönliches) Eigentum zu besitzen, sowie ihnen im Islam alle möglichen Rechte eingeräumt wurden. Indes ist es wichtig, alle Religionen (in ihrer Eigenheit) zu respektieren. Für die Koexistenz aller Religionen, für die Schaffung von Frieden in der Welt, für die Verbreitung von Liebe und Zuneigung in der Gesellschaft ist es notwendig, dass man sich gegenseitig respektiert. Und der Islam gebietet, dass alle Religionen respektiert werden sollten. 

Vor ein paar Tagen habe ich anlässlich der Einweihung unserer Moschee [in Florstadt] erwähnt, dass der Islam uns nicht lehrt, nur unsere eigenen Moscheen zu schützen. Im Gegenteil, der Islam lehrt uns, dass eine Kirche, wenn sie angegriffen wird, geschützt werden muss; eine Synagoge, wenn sie angegriffen wird, muss geschützt werden; ein Tempel, wenn er angegriffen wird, muss geschützt werden. Diejenigen, die im Namen des Islam Kirchen niederbrennen oder Anschläge verüben, handeln also nicht nach den Lehren des Islam. Wie ich bereits erwähnt habe, sind die Lehren des Heiligen Qur’an dem völlig entgegengesetzt. Der Heilige Qur’an lehrt, alle Religionen zu schützen. 

Der Herr Bürgermeister hat auch viele hervorragende Punkte angesprochen. Er sprach über politische Parteien und darüber, dass verschiedene politische Parteien in dieser Versammlung vertreten sind. Das zeigt, dass die Ahmadiyya Gemeinde sich nicht nur in diese Gesellschaft integriert, sondern auch alle auf einer Ebene versammelt. Der Grund dafür ist, dass wir gegenseitige Liebe, Zuneigung und Brüderlichkeit aufbauen wollen. Wir sollten uns gegenseitig respektieren, weil wir Mitmenschen sind. 

Dies wird uns ermöglichen, die Rechte der anderen zu erfüllen, was ein Gebot des Islam ist. Der Islam und der Heilige Qur’an haben uns zwei (grundlegende) Gebote gegeben: Das erste ist, dass wir die Rechte unseres Schöpfers erfüllen, und das zweite, dass die Menschen die Rechte der Mitmenschen erfüllen. Darüber hinaus wurde uns auch ausführlich erklärt, wie wir diese Rechte erfüllen können. Wenn wir die Praxis entwickeln können, diese Rechte zu erfüllen und uns nicht nur um unsere eigenen Rechte, sondern auch um die Rechte anderer bemühen, dann können wir, wie ich bereits sagte, wirklich Frieden, Liebe und Zuneigung schaffen. Wir sind dann diejenigen, die diese Rechte erfüllen und wahren Frieden schaffen. 

Zu den Rechten der Nachbarn möchte ich nur sagen, dass der Gründer des Islam (saw) dies so sehr betont hat, dass seine Gefährten der Meinung waren, dass man den Nachbarn vielleicht einen Anteil von ihrem Erbe geben sollte. So weitreichend sind die Lehren des Islam. 

Das sind also die Werte, die Liebe, Zuneigung und Frieden gedeihen und sich ausbreiten lassen. Dies sind die Werte, für die wir uns in der Welt einsetzen, und dank dieser Lehren möchten wir mit allen Menschen in Kontakt treten, unabhängig von ihrem Glauben. 

Dies ist genau die Lehre, durch die Frieden und wahre Brüderlichkeit in der Welt geschaffen werden können. Ich hoffe, dass nach dem Bau dieser Moschee die Menschen hier und die Moschee selbst weiterhin die wahren Lehren des Islam vermitteln werden. Infolgedessen werden Sie erfahren, dass diejenigen, die zu Unrecht falsche Ansichten über den Islam verbreitet haben, dies aus Eigennutz getan haben. Solche Leute haben ihre eigenen Interessen, die nichts mit dem Islam zu tun haben. Die Lehren des Islam sind Liebe, Zuneigung und Brüderlichkeit. Ich bete, dass Gott, der Allmächtige, es den Menschen auf der Welt ermöglichen möge, in Liebe, Zuneigung und Brüderlichkeit zusammenzuleben und vor allem, dass sie Gott, ihren Schöpfer, anerkennen und Ihn anbeten.«

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