Aktuelle und soziale Themen Interviews S.H. der Fünfte Kalif - Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (aba)

Kalif der Ahmadiyya im Interview mit der Berliner Zeitung 2024

Die Berliner Zeitung hat anlässlich des Friedenssymposiums 2024 mit dem Kalif der Ahmadiyya Gemeinde die Möglichkeiten eines friedlichen Miteinanders ausgelotet.

Herr Kalif, Sie haben bei Ihrer Rede zur Verleihung des Friedenspreises der Ahmadiyya Gemeinschaft kürzlich gesagt, dass ein Land, wenn es angegriffen wird, nach den Worten des Propheten Muhammad das Recht hat, sich zu verteidigen. Meinen Sie damit, europäische Länder sollten jetzt im Ukrainekrieg etwas tun, um zu einer Art Frieden zu kommen?

Wenn sie der Meinung sind, dass Russland im Unrecht ist, dann sollten sie alle zusammenarbeiten. Sie haben bereits Sanktionen gegen Russland verhängt. Es wird behauptet, dass die Soldaten einiger Länder wie Großbritannien und Frankreich auch direkt in den Krieg zwischen der Ukraine und Russland verwickelt sind. Das ist eine Maßnahme. Die erste Maßnahme, die sie ergriffen haben, war die Verhängung von Sanktionen gegen Russland. Russland ist mittlerweile zu Gesprächen bereit, auf diplomatischem Wege, um diese Angelegenheit zu regeln. Die Situation ist die folgende: Russland hat zwar angegriffen, aber die Schuld liegt auf beiden Seiten. Die Nato wurde gegründet, als es noch die UdSSR gab. Es gibt keine UdSSR mehr. Heute gibt es verschiedene Interessensphären. Es hat keinen Sinn, die Nato fortbestehen zu lassen. Diesen Sachverhalt muss man zuerst einmal sehen.

Und dann erwähnte ich, dass der Prophet sagt: Wenn ein Land ein anderes Land angreift, dann muss man herausfinden, wer die Feindseligkeit begeht, wer im Unrecht ist. Wenn Russland im Unrecht ist, hätte der erste Schritt sein müssen, dass sich alle zusammensetzen und Russland bitten, dieses Problem zu lösen. Wenn Russland nicht bereit ist, das Problem objektiv zu lösen, kann man sagen – nicht als Nato, sondern als Länder der ganzen Welt: Wir versuchen, Sanktionen gegen euch zu verhängen oder wir werden gegen euch kämpfen. Und wenn das der Fall ist, denke ich, wird Russland definitiv eine Lehre daraus ziehen. Das ist gemeint. Sie müssen erst einmal herausfinden, wer Grausamkeiten begeht und wer im Unrecht ist und welche Lösung ohne Krieg möglich ist. Wenn man all diese Dinge geklärt hat, sollte man sich natürlich zusammenschließen, nicht nur die Nato, nicht im Namen der Nato, sondern unter dem Banner der Vereinten Nationen – reformierter Vereinter Nationen.

Würden Sie sagen, dass Europa mehr für den Frieden tun sollte?

Die Realität ist, dass Europa sich das von den USA diktieren lässt. Sie haben keine eigene Politik. Wenn man seine eigene Politik macht, seine eigenen Maßnahmen ergreift, dann wird natürlich auch Russland verstehen, dass man so vorgeht. Denn es gibt einen direkten Konflikt zwischen Russland und Amerika. Und die Europäer werden als Marionette benutzt.

Sie glauben, dass die Europäer die Ukraine nicht dergestalt mit Waffen und Geld unterstützen würden, wenn die USA ihnen das nicht sagen würden?

Wenn die Angelegenheit gütlich gelöst werden kann, ohne Kampf, ohne Gewalt, dann sollte man zuerst diesen Weg suchen. Auch wenn Russland im Unrecht war, hätte dies der erste Schritt sein müssen. Auch dann gilt der von mir zitierte Vers: ‘Lasst das Land verstehen, dass wir uns zusammengeschlossen haben.’ Wenn ihr glaubt, dass ihr im Recht seid, dann wird die Welt zusammenkommen, um zu diskutieren und die Angelegenheit zu regeln. Wenn sie sich dagegen wehren und sagen „Wir haben recht, und wir werden kämpfen“, dann solltet ihr natürlich alle zusammenkommen und angreifen. Und wenn ihr angreifen wollt, dann lasst die Ukraine nicht allein gegen Russland kämpfen. Dann braucht ihr keine Angst zu haben, dass es dann einen Weltkrieg gibt. Dann kämpft gegen Russland, nicht nur Europa oder ihr, die Nato, nicht unter dem Banner der Nato, sondern unter dem Banner der Vereinten Nationen.

Würde auch die muslimische Welt das unterstützen?

Wenn sie Teil der Vereinten Nationen sind, dann sollten sie einbezogen werden. Dann wüsste Russland Bescheid und es gäbe keine Blöcke. Sie sollten auch China fragen. Anstatt eine Blockbildung von China, Russland oder anderen Ländern zuzulassen, sollten wir uns alle zusammenschließen.

Sie haben kürzlich auch über den Konflikt in Gaza gesprochen. Deutschland hat ein besonderes Verhältnis zu Israel aufgrund seiner historischen Verbrechen am jüdischen Volk.

Erlaubt dieses historische Verbrechen den Israelis, das Gleiche zu tun, was ihnen angetan wurde?

Denken Sie nicht, Deutschland sollte sich Israel gegenüber anders verhalten als andere Länder?

Wenn man Gerechtigkeit walten lässt, dann kann man Israel fragen, was sie tun. Man kann sagen, wir sind mit euch, wir unterstützen euch, aber es sollte eine gewisse Gerechtigkeit geben. Das bedeutet nicht, dass, weil die alten Deutschen oder die alte deutsche Regierung, die Hitler-Regierung, Unrecht an den Juden begangen hat, diese Tatsache den Juden die Lizenz verleiht, dasselbe mit anderen Nationen zu tun. Wenn ihr sie unterstützt, okay! Wenn sie sich rächen wollen, sollten sie sich aber an Deutschland rächen, nicht an den Palästinensern.

Sie haben kürzlich auch gesagt, dass Europa in seinem eigenen Interesse handeln muss. Und Sie sagten, dass es eine Hegemonie der USA in der Welt gibt. Glauben Sie, dass sich das jetzt ändert und die muslimische Welt dieses Gefühl der Veränderung spürt?

Wenn Sie nicht versuchen, sich aus dem Griff der Vereinigten Staaten zu lösen, können Sie keine eigene Politik machen. Sie sagen, dass Sie aufgrund der Geschichte Israel und den Juden etwas schuldig sind, weil die deutsche Regierung etwas Falsches mit ihnen gemacht hat. Die andere Seite ist: Weil die Deutschen gegen die Vereinigten Staaten gekämpft haben, haben die Vereinigten Staaten eine Politik betrieben, die Deutschland in zwei Länder teilte – eines wurde Russland gegeben, eines haben die Amerikaner behalten. Und natürlich gab es lange Zeit keine deutsche Armee, Amerika kontrollierte sie. Psychologisch stehen Sie also unter dem Druck der Amerikaner. Befreien Sie sich selbst von diesem Druck und seien Sie mutig und unabhängig.

Wir haben in Deutschland eine starke muslimische Zuwanderung. Es gibt Spannungen. Diese Zuwanderung ist zu einer Sorge der deutschen Wähler geworden. Immer mehr Menschen wählen wieder rechte Parteien. Wie sehen Sie diese Situation?

Ich habe über dieses Thema bereits in Deutschland gesprochen. Wenn man die Rechte der Einheimischen ignoriert und die Einwanderer unterstützt und die Steuergelder für die Einwanderer ausgibt, dann entsteht natürlich Frustration, und diese Frustration führt zu Feindseligkeit gegenüber den Einwanderern. Man muss ausgewogen vorgehen.

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