Ahmadiyya Ansprachen des Kalifen

Können sich Muslime in die westliche Gesellschaft integrieren?

Ansprache von Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, fünfter Kalif (Nachfolger) des Verheißenen MessiasAS und Oberhaupt der weltweiten Ahmadiyya Muslim Jamaat, gehalten beim Empfang in der Bait-ur-Rasheed Moschee in Hamburg, Deutschland am 5. Dezember 2012.

„Bismillahir-rahmanir-rahim – Im Namen Allahs, des Gnädigen, des immer Barmherzigen.
Sehr geehrte Gäste – Assalam-o-Alaikum wa rahmatullahi wa ba-rakatuhu – Frieden und Segnungen Allahs seien mit Ihnen allen.

Zunächst möchte ich allen Gästen, die unserer Einladung gefolgt sind, um dieser Veranstaltung beizuwohnen, meine Dankbarkeit aussprechen. Viele von Ihnen sind wohlvertraut mit unserer Gemeinde oder Sie verbindet eine lange Freundschaft mit Ahmadi-Muslimen; und ich bin mir sicher, dass diejenigen unter Ihnen, die der Ahmadiyya Gemeinde erst kürzlich vorgestellt wurden, bereits den innigen Wunsch in Ihrem Herzen haben, mehr über die Gemeinde zu erfahren. Ihre Anwesenheit bezeugt, dass Sie glauben, dass weder eine Gefahr noch eine Bedrohung vom Treffen und vom Kontakt mit Ahmadi Muslimen oder vom Besuch ihrer Moscheen ausgeht.
Die Wahrheit ist, dass in dem derzeitigen Klima, in dem der Großteil der Nachrichten und Berichterstattung über den Islam extrem negativ ist, Nicht-Muslime sehr einfach Bedenken entwickeln könnten, dass der Besuch einer Ahmadi-Moschee zu Schwierigkeiten führen oder Ihnen sogar Schaden zufügen könnte. Indessen beweist mir Ihre Anwesenheit bei dieser Veranstaltung, dass Sie weder Angst vor Ahmadi Muslimen haben noch sehen Sie sie als eine Bedrohung an. Es zeigt, dass Sie Ahmadis schätzen und glauben, dass sie aufrichtige und anständige Leute sind, genau wie Sie und die Mehrheit der Bevölkerung.
Während ich dies sage, möchte ich die Möglichkeit nicht außer Acht lassen, dass eine kleine Anzahl von Ihnen, ungeachtet der Tatsache, dass Sie heute hier erschienen sind, weiterhin Sorgen hegen, dass es negative Konsequenzen haben könnte, hier anwesend zu sein. Es ist möglich, dass Sie die Sorge haben, an der Seite von Personen mit extremistischen Tendenzen oder Denkweisen zu sitzen. Falls irgendjemand unter Ihnen diese Ängste hat, dann sollten Sie Ihr Herz umgehend davon befreien. Wir sind diesbezüglich extrem wachsam und wenn eine solch extremistische Person zufällig versuchen sollte, die Moschee oder unser Gelände zu betreten, dann werden wir harte Maßnahmen ergreifen, um diese Person aus dem Gebäude zu entfernen. Also seien Sie sich sicher, dass Sie in guten Händen sind.
Tatsächlich ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat eine Gemeinde, in der ein Mitglied jederzeit und unabhängig davon, an welchem Ort es sich befindet, ausgeschlossen wird, wenn es extremistische Tendenzen aufweist, das Gesetz bricht oder den Frieden zerstört. Wir sind aufgrund unseres absoluten Respekts vor dem Wort „Islam“, moralisch dazu verpflichtet, solche harten Schritte einzuleiten, denn Islam bedeutet wörtlich „Frieden“ und „Sicherheit“. Die wahre Bedeutung des Wortes „Islam“ wird von unserer Gemeinde dargestellt. Das Erscheinen dieser wahren Darstellung des Islam wurde sogar schon vor über 1.400 Jahren in einer großartigen Prophezeiung des Gründers des Islam, dem Heiligen Propheten MuhammadSAW, vorhergesagt. In der Prophezeiung sagte der Heilige ProphetSAW, dass eine Zeit kommen wird, in der die große Mehrheit der Muslime die wahren und unverfälschten Lehren des Islam vergessen haben würde. Gemäß der Prophezeiung würde Allah in einer solchen Zeit eine Person als einen Reformer, Messias und Mahdi entsenden, um in der Welt den wahren Islam wiederherzustellen.
Wir, die Ahmadiyya Muslim Gemeinde, glauben, dass der Gründer unserer Gemeinde, Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS von Qadian, ebenjene Person ist, die in Übereinstimmung mit dieser großartigen Prophezeiung gesandt wurde. Durch die Gnade Allahs ist diese Gemeinde gewachsen und in 202 Ländern der Welt verbreitet. In jedem dieser Länder haben Einheimische verschiedenster Herkunft und Ethnien die Ahmadiyyat akzeptiert. Unabhängig davon, dass sie Ahmadi-Muslime sind, sind sie weiterhin loyale Bürger ihrer jeweiligen Länder. Es gibt keinen Widerspruch oder Konflikt zwischen ihrer Liebe für den Islam und ihrer Liebe für ihr Land. Genau genommen sind diese beiden Loyalitäten miteinander verknüpft und verbunden. Ahmadi-Muslime sind die gesetzestreuesten Bürger der gesamten Nation, wo auch immer sie wohnen. Ich kann mit Bestimmtheit und ohne den geringsten Zweifel sagen, dass die große Mehrheit unserer Gemeindemitglieder diese Eigenschaft besitzt.
Es ist auf diese Eigenschaften zurückzuführen, dass wenn immer Ahmadi-Muslime von einem in ein anderes Land auswandern, oder wenn Einheimische zu Ahmadis konvertieren, sie weder irgendwelche Bedenken hinsichtlich der Integration in einer neuen Gesellschaft haben noch besorgt darüber sind, wie sie sich bei der Förderung der umfassenden nationalen Interessen ihrer Wahlheimat einbringen können. Wohin auch immer Ahmadis gehen, sie werden ihre Länder lieben, wie alle wahren Bürger es sollten, und sie werden ihr Leben damit verbringen, aktiv Verbesserungen und Fortschritte ihrer Nation anzustreben. Der Islam lehrt uns unser Leben in dieser Art und Weise zu leben und in der Tat spricht der Islam nicht nur eine behutsame Empfehlung aus, sondern befiehlt uns vielmehr, absolut loyal und treu ergeben unserem Aufenthaltsland gegenüber zu sein. Der Heilige ProphetSAW betonte sogar speziell, dass die Liebe zu seiner Nation Teil des Glaubens für jeden wahren Muslim ist. Wenn die Liebe zu seinem Land ein Grundbestandteil des Islam ist, wie kann ein wahrer Muslim Treulosigkeit aufweisen oder seine Nation betrügen und dabei seinen Glauben aufgeben? Was Ahmadi-Muslime betrifft, seien es Männer, Frauen, Kinder oder die Älteren, alle Mitglieder der Gemeinde stehen bei unseren großen Veranstaltungen auf und geben ein Versprechen ab, indem sie Gott als ihren Zeugen nehmen. In diesem Gelöbnis versprechen sie, Leben, Wohlstand, Zeit und Ehre nicht nur für ihre Religion, sondern auch für ihre Nation und ihr Land zu opfern. Welche Bürger könnten loyaler sein, als diejenigen, die unentwegt daran erinnert werden, ihrer Nation zu dienen, und von denen wiederholt das Gelöbnis gefordert wird, dass sie jederzeit dazu bereit sein müssen, Opfer für ihren Glauben, ihr Land und ihre Nation zu erbringen?

Manch einer von Ihnen könnte sich die Frage stellen, dass wenn die Zeit kommt, um Opfer für die Nation zu erbringen, diese Muslime hier in Deutschland, die mehrheitlich aus Pakistan, der Türkei oder anderen asiatischen Ländern stammen, ihre Heimatländer Deutschland gegenüber vorziehen könnten. Aus diesem Grund sollte ich folgendes klarstellen und erläutern: Wenn eine Person die deutsche Staatsbürgerschaft erlangt oder die Staatsbürgerschaft eines anderen Landes, dann wird sie ein vollständiger Bürger dieser Nation. Ich habe dieses Argument schon einmal Anfang diesen Jahres in einer Ansprache im Zentrum für Innere Führung der deutschen Bundeswehr in Koblenz sehr ausführlich erläutert. Ich erklärte, was gemäß der islamischen Lehre geschehen müsse, wenn sich Deutschland an einem Krieg mit dem Heimatland eines Immigranten, der deutscher Staatsbürger geworden ist, beteiligen würde. Im Falle, dass der Immigrant Sympathien für sein Heimatland haben sollte und meint, dass die Gefahr bestehe, er könne sich wünschen, dass Deutschland Schaden davontrage oder dass er gar selber Schaden verursachen könne, dann sollte diese Person auf der Stelle auf ihre Staatsbürgerschaft oder ihren Immigranten-Status verzichten und in ihr Heimatland zurückkehren. Wenn diese Person sich jedoch dafür entscheidet zu bleiben, dann erlaubt der Islam überhaupt keine Form von Untreue dem Land gegenüber. Dies ist eine absolute und unmissverständliche Lehre. Islam verbietet jede Art von rebellischem Verhalten und Pläne schmieden von einem Bürger gegen seine Nation. Egal, ob Wahlheimat oder Heimatland, der Islam verbietet es, dem Land auf irgendeine Art und Weise Schaden zuzufügen. Wenn eine Person gegen seine Wahlheimat arbeitet oder ihr Schaden zufügt, dann sollte sie wie ein Staatsfeind, wie ein Verräter behandelt werden und gemäß der Landesgesetze bestraft werden.
Das verdeutlicht die Situation eines muslimischen Immigranten. Im Falle eines einheimischen Deutschen oder einer Person eines anderen Landes, die zum Islam konvertiert ist, gibt es keinen anderen Weg, als den der absoluten Treue gegenüber seiner Nation. Eine andere Frage, die manchmal gestellt wird, lautet: Was sollten Muslime, die im Westen leben, tun, wenn ein westliches Land sich an einem Krieg gegen eine muslimischen Nation beteiligt? Um diese Frage zu beantworten, sollte ich zu allererst erwähnen, dass der Gründer unserer Gemeinde, der Verheißene MessiasAS, erklärt hat, dass wir uns jetzt in einem Zeitalter befinden, indem es keine religiösen Kriege mehr gibt. Im Laufe der Geschichte gab es Zeiten, in denen Kriege und Kämpfe zwischen Muslimen und Andersgläubigen geführt wurden. In diesen Kriegen war das Ziel der Nicht-Muslime, den Muslimen und dem Islam ein Ende zu setzen.
In den meisten der damaligen Kriege waren die Nicht-Muslime die Aggressoren und taten den ersten Schritt, daher hatten die Muslime keine andere Wahl, als sich und ihre Religion zu verteidigen. Der Verheißene MessiasAS erklärte hingegen, dass diese Gegebenheiten nicht länger existieren, da es keine moderne Regierung gibt, die mit dem Bestreben, den Islam auszulöschen, einen Krieg führt. Ganz im Gegenteil gibt es in den meisten westlichen und nicht-muslimischen Ländern überwiegend Religionsfreiheit. Unsere Gemeinde ist besonders dankbar, dass es solche Freiheiten gibt, die den Ahmadi Muslimen erlauben, die Botschaft des Islam in nicht-muslimische Länder zu verbreiten. Aufgrund dieser Religionsfreiheit sind wir in der Lage, die wahren und schönen Lehren des Islam, die des Friedens und der Harmonie, der westlichen Welt nahezubringen. Gewiss verdanke ich es der Religionsfreiheit und der Toleranz, dass ich heute vor Ihnen stehen und Ihnen den wahren Islam vorstellen darf. Offensichtlich stellt sich daher heute die Frage nach religiösen Kriegen nicht. Die einzige andere Situation, die heute entstehen kann, ist, wenn ein mehrheitlich muslimisches Land und ein mehrheitlich christliches Land, oder irgendein anderes Land, einen nicht religiös motivierten Krieg gegeneinander führen. Wie sollte sich ein Muslim in einer solchen Situation verhalten, wenn er in einem der Länder lebt, egal ob es ein christliches oder ein anderes Land ist? Um diese Frage zu beantworten, hat Islam uns ein goldenes Prinzip gelehrt, welches besagt, dass ein Muslim niemals Grausamkeit oder Gewalttaten unterstützen darf. Wenn also ein muslimisches Land Grausamkeiten oder Gewalttaten ausübt, dann sollte es gestoppt werden. Wenn Grausamkeiten oder Gewalttaten von einem christlichen Land ausgeübt werden, dann soll es ebenfalls gestoppt werden.
Wie können einzelne Bürger das eigene Land von Grausamkeit und Ungerechtigkeit abhalten? Die Antwort darauf ist sehr einfach. Heutzutage herrscht in der gesamten westlichen Welt überwiegend Demokratie vor. Wenn eine gerechte Person sieht, dass seine Regierung in gewaltsame Machenschaften verstrickt ist, dann sollte diese Person, oder eine Gruppe von Leuten, ihre Stimme erheben und versuchen ihre Nation auf den richtigen Weg zu leiten. Wenn ein Bürger bemerkt, dass sein Land die Souveränität von anderen Ländern verletzt, dann sollte er die Aufmerksamkeit seiner Regierung suchen und seine Bedenken äußern. Sich zu erheben und friedlich seine Bedenken zu äußern, ist kein Akt der Rebellion oder Revolte. Es ist vielmehr ein Zeichen von wahrer Liebe für seine Nation.
Ein gerechter Bürger kann es nicht ertragen, wenn der Ruf seines Landes Schaden erleidet oder vor der internationalen Gemeinschaft sogar Schande erfährt. Deshalb manifestiert er seine Liebe und Treue gegenüber seinem Land, wenn er es zur Rechenschaft aufruft.
Soweit die internationale Gemeinschaft und ihre Institutionen betroffen sind, lehrt der Islam, dass, wenn ein Land zu Unrecht angegriffen wird, alle Nationen sich verbünden sollten, um gemeinsam den Aggressor zu stoppen. Wenn die angreifende Nation zur Besinnung kommt und sich zurückzieht, dann sollten diesem Land keine grausamen Strafen und ungerechte Entscheidungen aufgezwungen werden, um Rache zu nehmen oder um Vorteile aus der Situation zu gewinnen. Man erkennt, dass der Islam Antworten und Lösungen zu allen möglichen Situationen bietet. Der Grundsatz der islamischen Lehre ist, dass man Frieden verbreiten muss und zwar zu solch einem Ausmaß, dass der Heilige ProphetSAW einen Muslim als eine Person definiert hat, vor dessen Hand und Zunge alle anderen friedlichen Menschen sicher sind. Wie ich bereits gesagt habe, hat uns der Islam gelehrt, dass man niemals Grausamkeit oder Gewalttaten unterstützen darf. Es ist diese schöne und weise Lehre, die einen wahren Muslim in dem Land, in dem er lebt, zu einer Position der Ehre und Würde führt. Es besteht kein Zweifel, dass alle aufrichtigen und anständigen Menschen sich solche friedlichen und rücksichtsvollen Menschen innerhalb ihrer Gesellschaft wünschen würden.
Der Heilige Prophet MuhammadSAW hat Muslimen eine weitere wunderschöne Lehre für ihr tagtägliches Leben gegeben. ErSAW lehrte, dass ein wahrer Gläubiger nach all dem streben sollte, was gut und rein ist. ErSAW lehrte, dass wann immer ein Muslim auf ein Wort der Weisheit oder etwas Edles stößt, er dies als sein persönliches Erbe behandeln sollte. Folglich sollten Muslime sich mit der gleichen Entschlossenheit, mit der eine Person versucht, sein rechtmäßiges Erbe zu erlangen, bemühen, von klugem Rat und von Güte zu profitieren, wo auch immer diese gefunden wird. Was für ein schönes und perfektes Leitprinzip ist dies zu Zeiten, in denen es so viele Sorgen über die Integration von Einwanderern gibt. Muslimen wurde gelehrt, dass sie versuchen sollten, sich alle guten Eigenschaften jeder Gesellschaft, jeder Region, jeder Stadt und jedes Landes anzueignen, um sich zu integrieren und um gegenseitigen Respekt zu entwickeln. Es ist nicht genug, diese Werte nur kennenzulernen, vielmehr müssen Muslime sich anstrengen, um sich diese Werte in ihrem eigenen persönlichen Leben zu integrieren. Dies ist die Führung, die wahrhaftige Zusammengehörigkeit und einen Geist des gegenseitigen Vertrauens und der Liebe erwirkt. Gewiss, wer kann friedliebender sein als ein wahrer Gläubiger, der abgesehen vom Erfüllen der Anforderungen seines Glauben, auch noch versucht, all die guten Eigenschaften, seiner oder jeder anderen Gesellschaft, sich anzueignen? Wer kann mehr Frieden und Sicherheit verbreiten als solch eine Person?
Aufgrund der Kommunikationsmittel, die heutzutage verfügbar sind, ist die Welt jetzt als ein globales Dorf bekannt. Dies ist etwas, dass der Heilige ProphetSAW vor etwa 1.400 Jahren prophezeite, als er sagte, dass eine Zeit kommen würde, wenn die Welt wie eine Einheit erscheinen würde und Entfernungen sich verkürzten. Er sagte, dass aufgrund der schnellen und modernen Mittel der Kommunikation die Menschen in der Lage sein würden, die ganze Welt zu sehen. In der Tat ist dies eine Prophezeiung des Heiligen Koran, die er ausführlich erklärte. Diesbezüglich lehrte der Heilige ProphetSAW, dass wenn eine solche Zeit kommt, die Menschen sich darum bemühen sollten, das Gute derart voneinander zu lernen und anzunehmen, wie sie nach ihrem verlorenen Eigentum suchen würden. In anderen Worten kann gesagt werden, dass alle positiven Dinge angenommen werden sollten, während alle negativen Dinge gemieden werden sollten. Der Heilige Koran hat dieses Gebot erklärt, indem er sagt, dass ein wahrer Muslim derjenige ist, der Gutes gebietet und Böses verbietet. Welches Land oder welche Gesellschaft könnte angesichts all dieser Punkte sagen, dass sie es nicht tolerieren oder akzeptieren können, dass solch friedliebende Muslime oder der Islam unter Ihnen sei? Letztes Jahr hatte ich die Möglichkeit, den Bürgermeister von Berlin zu treffen und ich erklärte ihm, dass es die Lehre des Islam ist, dass man jeden guten Aspekt einer Nation wie sein eigenes persönliches Eigentum behandeln sollte. Er sagte daraufhin, dass, wenn ihr nach dieser Lehre handeln würdet, dann gibt es keinen Zweifel darüber, dass euch die ganze Welt die Hand reichen und unterstützen würde.
Ich bin sehr verwundert und betrübt darüber, wenn ich höre, dass in einigen Teilen Deutschlands behauptet wird, dass weder Muslime noch der Islam in der Lage seien, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Sicherlich ist es wahr, dass der Islam, der durch Extremisten oder Terroristen repräsentiert wird, sich nicht in ein Land oder eine Gesellschaft integrieren kann, geschweige denn in Deutschland. Allerdings wird die Zeit sicherlich kommen, in der sich oppositionelle Stimmen gegen diese extremistischen Ideologien laut erheben werden, sogar in muslimischen Ländern. Trotzdem wird der wahre Islam, den der Heilige ProphetSAW gebracht hat, sicherlich auch immer aufrichtige und anständige Menschen anziehen. In diesem Zeitalter hat Allah den Verheißenen Messias gesandt, um die ursprüngliche Lehre wiederzubeleben. Er wurde in Unterwürfigkeit zum Heiligen ProphetenSAW gesandt und seine Gemeinde praktiziert und predigt die wahre Nachricht des Islam.
Es ist eindeutig, dass niemand mit Recht behaupten könnte, dass der wahre Islam nicht in der Lage sei, sich in eine Gesellschaft zu integrieren. Der wahre Islam ist der, der Rechtschaffenheit und Tugenden verbreitet und alle Formen des Bösen und Fehlverhaltens meidet. Der wahre Islam lehrt den Muslimen, Übel und Grausamkeiten zu stoppen, wo auch immer sie auftreten. Folglich zieht der wahre Islam eine Gesellschaft auf natürliche Weise wie ein Magnet an, anstatt Fragen über mangelnde Integrationsfähigkeit aufzuwerfen. Der Islam lehrt, dass man Frieden nicht nur für sich selbst anstreben und wünschen sollte, sondern dass man den gleichen Einsatz, den man für sich selbst an den Tag legt, auch dann zeigen sollte, wenn es darum geht, Frieden und Harmonie unter seinen Mitmenschen zu verbreiten. Diese selbstlose Einstellung ist der Weg, um Frieden auf der Welt zu etablieren. Gibt es irgendeine Gesellschaft, die diese Lehren nicht schätzen würde und die einem solchen Ansatz nicht zustimmen würde? Gewiss könnte eine gute Gesellschaft sich niemals wünschen, dass die Sittenlosigkeit und das Böse sich in ihr ausbreiten und sie würde niemals ablehnen, dass die Tugend und der Friede gefördert werden.
Wenn es um eine Definition des Begriffes „Tugend“ geht, so ist es möglich, dass dieser Begriff von religiösen und nicht-religiösen Menschen unterschiedlich definiert wird. Unter allen islamischen Aspekten der Güte und der Tugend gibt es zwei allumfassende Tugenden, aus denen alle anderen Formen der Güte entspringen. Das eine sind die Pflichten gegenüber Allah dem Allmächtigen und das andere sind die Pflichten der Menschheit gegenüber. Während es bei ersteren einen Unterschied in der Definition der Tugend zwischen religiösen und nicht-religiösen Menschen gibt, so gibt es doch keinen Unterschied bei letzteren, nämlich den Pflichten gegenüber der Menschheit. Die Rechte, die Allah gebühren, beziehen sich auf die Anbetung und alle Religionen bieten ihren Anhängern diesbezüglich Führung. In Bezug auf die Pflichten gegenüber den Menschen haben beide, sowohl die Religionen als auch die Gesellschaften, die Menschheit erzogen. Der Islam erklärt uns die Rechte der Menschen in beträchtlicher Tiefe und im Detail, deshalb wäre es unmöglich, alle diese Lehren an dieser Stelle zu erläutern. Ich werde jedoch einige wichtige islamische Gebote nennen, die notwendig sind, um in einer Gesellschaft Frieden zu entfalten.
Der Islam lehrt, dass man die Gefühle anderer respektieren und beachten sollte. Dies beinhaltet sowohl religiöse Gefühle als auch die Gefühle Anderer hinsichtlich allgemeiner sozialer Fragen. Um die religiösen Gefühle eines jüdischen Mannes zu wahren, hat der Heilige ProphetSAW einmal Partei für einen Juden ergriffen, nachdem dieser eine Auseinandersetzung zwischen sich selbst und einem Muslim geschildert hatte. Um die Gefühle der jüdischen Person zu schonen, hat der Heilige ProphetSAW den Muslim zurechtgewiesen, indem er ihm sagte, er solle nicht den Anspruch erheben, dass der Heilige ProphetSAW MosesAS überlegen wäre, obwohl er wusste, dass er selbst das letzte gesetzbringende Buch gebracht hatte. Dies ist die Art und Weise wie sich der Heilige ProphetSAW um die Gefühle anderer kümmerte und Frieden in der Gesellschaft etablierte.
Eine weitere großartige Lehre des Islam ist es, die Rechte der Armen und sozial Benachteiligten zu wahren. Um dies zu erfüllen, lehrt der Islam den Menschen, nach Möglichkeiten zu suchen, durch die die gesellschaftliche Stellung der sozial benachteiligten Schichten der Gesellschaft verbessert werden können. Durch eine selbstlose Art sollten wir danach streben, den Benachteiligten zu helfen, und wir sollten sie niemals in irgendeiner Form ausnutzen. Bedauerlicherweise gründen heutzutage Projekte und Möglichkeiten, die geschaffen werden, um Benachteiligten scheinbar zu helfen, oftmals auf Kredite, bei denen die Rückzahlung dem Zins unterliegt. Zum Beispiel erhalten Studenten häufig ein Darlehen, das ihnen helfen soll ihre Bildung abzuschließen oder Leute erhalten Kredite, um sich selbstständig zu machen, wiewohl es jedoch Jahre oder sogar Jahrzehnte dauert, diese wieder zurückzuzahlen. Nach Jahren der Anstrengung oder nach einer Wirtschaftskrise können diese Menschen mit der gleichen Höhe an Schulden dastehen oder sich womöglich in einer noch schlechteren finanziellen Lage befinden. Als in den vergangenen Jahren viele Teile der Welt von einer Finanzkrise heimgesucht wurden, haben wir zahllose dieser Beispiele bezeugen können oder davon gehört.
Eine Anschuldigung, die üblicherweise gegen den Islam vorgebracht wird, lautet, dass Frauen nicht fair und gleich behandelt werden. Diese Anschuldigung hat jedoch keinerlei Fundament oder Grundlage. Der Islam hat den Frauen Würde und Ehre gegeben; ich werde ein oder zwei Beispiele anführen. Der Islam gab den Frauen das Recht, sich infolge schlechten Verhaltens von ihrem Ehemann scheiden zu lassen und das in einer Zeit, wo Frauen lediglich als Eigentum oder bewegliches Gut betrachtet wurden. Erst im letzten Jahrhundert wurde den Frauen in der entwickelten Welt dieses Recht ordnungsgemäß eingeräumt. Weiterhin hat der Islam den Frauen das Recht auf Erbschaft gegeben, in einer Zeit als Frauen ohne Status oder Wert erachtet wurden. Dieses Recht wurde den Frauen in Europa erst vor relativ kurzer Zeit zugestanden.
Der Islam gibt auch seinen Nachbarn Rechte. Der Koran gibt detaillierte Richtlinien darüber, wer als Nachbar zählt und was deren Rechte sind. Nachbarn sind diejenigen, die neben einem sitzen, die Häuser in der näheren Umgebung, einschließlich diejenigen, die man kennt und sogar diejenigen, die man nicht kennt, genau genommen umfasst der Nachbarschaftsstatus die nächsten 40 Häuser, von denen man umgeben ist. Als Nachbarn miteingeschlossen sind auch diejenigen, mit denen man reist, weswegen wir angewiesen sind, auch auf sie zu achten. Dieses Gebot wurde derartig betont, dass der Heilige ProphetSAWsagte, er dachte, dass die Nachbarn vielleicht zu den vorgeschriebenen Erben mit einbezogen werden. Der Heilige ProphetSAW ging sogar so weit zu sagen, dass eine Person, vor der ein Nachbar nicht sicher ist, nicht als Gläubiger oder Muslim eingestuft werden kann.
Ein weiteres Gebot des Islam zum Wohlergehen der Anderen besagt, dass alle Parteien dazu verpflichtet sind, einander zu helfen, um die Pflichten den Schwachen und Verletzlichen gegenüber zu erfüllen und ihren Status zu verbessern. Um diese Aufgabe zu erfüllen und um diese Lehre umzusetzen, stellt die Ahmadiyya Muslim Jamaat Grundschul- sowie Hochschulausbildung in den armen und sozial benachteiligten Ländern der Welt bereit. Wir bauen und betreiben Schulen und wir vergeben und finanzieren Stipendien für die Hochschulbildung, so dass sozial Benachteiligte in die Lage versetzt werden, auf eigenen Füßen zu stehen.
Ein weiteres Gebot des Islam ist, dass man alle Versprechen und Vereinbarungen erfüllen muss. Dies beinhaltet alle Versprechen, die man anderen gibt und setzt voraus, dass ein Muslim das Versprechen der Loyalität seinem Land gegenüber als Bürger erfüllt. Dies ist etwas, worüber ich vorhin schon gesprochen habe.
Ich habe nur einige Punkte erwähnt, um Ihnen das Ausmaß zu zeigen, welch mitfühlende und liebende Religion der Islam ist. Es ist eine Angelegenheit großer Traurigkeit, dass der Islam mit der gleichen Kraft, mit der er Frieden lehrt und dazu aufruft, von den Gegnern des Islam oder denjenigen, denen die wahre Lehre des Islam unbekannt ist, mit unbegründeten Anschuldigungen angegriffen wird. Wie ich schon sagte; es ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat, die in dieser Zeit die wahre Botschaft des Islam darstellt und verbreitet. Vor diesem Hintergrund möchte ich diejenigen, die aufgrund der Aktionen einer Minderheit der Muslime Einwände gegen den Islam erheben, bitten, dass sie diese Individuen hinterfragen und verantwortlich machen, aber sie sollten nicht solch ungerechte Beispiele verwenden, um die wahren Lehren des Islam zu diskreditieren.
Sie sollten nicht der Ansicht sein, dass die Lehren des Islam für Deutschland oder irgendein anderes Land gefährlich oder bedrohlich sind. Sie sollten nicht darüber besorgt sein, ob ein Muslim sich in die deutsche Gesellschaft integrieren kann oder nicht. Wie ich bereits gesagt habe; es ist eine Vortrefflichkeit des Islam, dass er Muslimen lehrt, alle guten Dinge anzunehmen, so dass kein Zweifel bestehen kann, ob ein Muslim sich in jedwede Form der Gesellschaft integrieren und in ihr leben kann. Wenn jemand etwas Gegensätzliches tut, ist er zwar dem Namen nach ein Muslim, aber kein Anhänger der wahren Lehren des Islam. Natürlich können Muslime nicht die Anweisungen aus dem Heiligen Koran in Bezug auf die Prinzipien der Bescheidenheit, der Heiligkeit von Religion oder das Handeln nach Gerechtigkeit missachten, selbst wenn sie dazu aufgefordert werden. Allerdings sind solche Angelegenheiten keine Fragen der Integration, sondern tatsächlich Fragen der persönlichen Religionsfreiheit.
Die Verletzung der Religionsfreiheit ist kein Problem, das nur Muslime betrifft, sondern es setzen sich eigentlich alle aufrichtigen und anständigen Menschen dafür ein und sprechen sich dafür aus und erklären öffentlich, dass keine Regierung oder Gesellschaft in die persönlichen religiösen Rechte eingreifen sollte. Ich bete, dass Deutschland und jedes andere Land, das das Zuhause für Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen geworden ist, einen hohen Maßstab setzt, was Toleranz und den Respekt für die gegenseitigen Gefühle und Empfindungen angeht. Mögen diese Menschen auf diesem Wege die Vorbilder für diejenigen sein, die für gegenseitige Liebe, Zuneigung und Frieden eintreten. Dies wird das Mittel sein, um permanenten Weltfrieden und Sicherheit zu garantieren, sodass die Welt vor der Zerstörung, auf die sie sich zubewegt und welche das Resultat eines gänzlichen Mangels von gegenseitiger Toleranz ist, bewahrt werden kann.
Die Bedrohung einer entsetzlichen Zerstörung braut sich über uns zusammen. Um uns vor so einer Verwüstung zu bewahren, muss jedes Land und jeder Einzelne, ob religiös oder nicht, sehr sehr vorsichtig sein. Möge jede Person auf dieser Welt diese Realität erkennen. Zum Schluss möchte ich mich noch einmal bei Ihnen allen bedanken. Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, hier zu erscheinen, anwesend zu sein und meinen Worten Gehör zu schenken. Möge Allah Sie alle segnen. Ich danke Ihnen vielmals.“

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