Ahmadiyya Ansprachen des Kalifen

Menschliche Werte – Die Grundlage für eine friedliche Welt

Ansprache des weltweiten Oberhauptes der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Seine Heiligkeit, Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA,
im Nationalen Parlamant Kanadas

Am 17. Oktober 2016 hielt Seine Heiligkeit, Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, weltweites Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, eine historische Ansprache anlässlich eines speziellen Empfangs im Kanadas National Parlament in Ottawa, der Hauptstadt Kanadas. Hierin hob Seine Heiligkeit hervor, dass Regierungen die Religionsfreiheit für all ihre Bürger garantieren müssen und die Notwendigkeit Frieden und Stabilität in weltlichen Angelegenheiten zu etablieren. Die Revue der Religionen präsentiert hier die ganze Ansprache.

Nachdem rezitieren des Tashahhud, Ta’awwuz und Bismillah sagte Hadhrat Mirza Masroor Ahmad, Khalifatul Masih V., das weltweite Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jammat:

“Bismillahir Rahmanir Raheem – Im Namen Allahs, des Gnädigen, immer Barmherzigen.

Allen verehrten Gästen ein Assalamo Alaikum Wa Rahmatullahe Wa Barakatohu – Friede und Segnungen Allahs seien mit ihnen allen.

Als erstes möchte ich diese Gelegenheit nutzen, ihnen allen für diese Einladung zu danken – vor allem unserer engen Freundin Judy Srgo. Ich bin weder eine politische Person, noch bin ich der Führer einer politischen Organisation. Vielmehr bin ich das Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jammat, die eine rein religiöse und spirituelle Gemeinde ist.

Nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir auf der Grundlage der Menschlichkeit, unabhängig von den unterschiedlichen Hintergründen, alle miteinander verbunden sind und deshalb vereint sein sollten. Alle Menschen und alle Organisationen müssen sich gemeinsam bemühen, menschliche Werte zu wahren und danach streben, die Welt, in der wir leben, zu einem besseren und weitaus harmonischeren Ort zu machen. Wenn also menschliche Werte und Menschenrechte in einem Land oder einer Region nicht wahrgenommen werden, so hat es einen Dominoeffekt/Anstoßeffekt auf andere Teile der Welt, und ein solches Unrecht kann sich weiter ausbreiten.

Umgekehrt, wenn es Güte, Menschlichkeit und Wohlstand in einem Teil der Welt gibt, wird es einen positiven Effekt auf andere Gesellschaften und andere Menschen haben. Als Ergebnis der modernen Formen der Kommunikation und des Transports sind wir alle jetzt viel näher zusammen und nicht mehr eingeschränkt oder geografisch gebunden. Dennoch ist es ein seltsames und tragisches Paradoxon, dass heute, obwohl wir mehr miteinander verbunden sind als jemals zuvor, die Entfernung zwischen uns stetig wächst. Es ist äußerst bedauerlich und traurig, dass statt Einheit und Liebe unter den Menschen zu verbreiten, die Welt weit mehr auf die Ausbreitung von Hass, Grausamkeit und Ungerechtigkeit geachtet hat.

Die Menschen sind nicht bereit, persönliche Verantwortung für ihre Misserfolge zu übernehmen, deshalb beschuldigt jeder einzelne den anderen und betrachtet die Teilung und die Konflikte der Welt, als einen Fehler eines Jeden, nicht aber als seinen eigenen. Infolgedessen gehen wir durch eine Zeit der großen Ungewissheit und niemand kann wirklich begreifen, was die Konsequenzen unseres Handelns sein werden, sowohl kurzfristig als auch langfristig.

Seine Heiligkeit, Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (ABA), weltweites Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, besuchte das kanadische Parlament und rief alle Länder dazu auf, gerecht gegenüber ihren eigenen Bürgern und anderen Nationen zu sein und dabei die Rechte der Anderen über das Eigeninteresse zu stellen.

In dieser Zeit, in der die Angst vor dem Islam im Großteil der Welt zunimmt, möchte ich sie alle beruhigen, dass der Islam nicht das ist, was er gewöhnlich in den Medien dargestellt wird. Was mein Wissen über den Islam betrifft, kenne ich nur den Islam, dessen Lehren auf seinem Namen basieren. Die wörtliche Bedeutung des Wortes „Islam“ ist Frieden, Liebe und Harmonie und alle seine Lehren beruhen auf diesen edlen Werten. Doch leider kann man nicht leugnen, dass es einige muslimische Gruppen gibt, deren Überzeugungen und Handlungen im absoluten Gegensatz dazu stehen. In völliger Verletzung der grundlegenden Lehren des Islam, üben sie Gewalt und Terrorismus auf schrecklichste in seinem Namen aus. Im Lichte all dessen, werde ich nun versuchen, mit Ihnen die wahren und friedlichen Lehren des Islam zu teilen.

Dieser geschätzte Ort, wo Sie mich mutig eingeladen haben, ist kein Haus der Religion und wahrscheinlich gibt es viele unter ihnen, die sich persönlich nicht für Religion interessieren. Doch in Ihren Aufgaben als Gesetzgeber, werden Sie gelegentlich Fragen behandeln, die sich auf die Anhänger der Religion auswirken. In diesem Zusammenhang sagt der Heilige Koran kategorisch, im Kapitel 2, Vers 257: „Es soll kein Zwang sein im Glauben.“ Was für eine klare, umfassende und unmissverständliche Aussage, die die Freiheit des Denkens, die Religionsfreiheit und die Gewissensfreiheit verkörpert. So ist mein Glaube und meine Lehre, dass jeder Mensch in jedem Dorf, in jeder Stadt, in jeder Großstadt oder Land, das unbestrittene Recht hat, seine Religion zu wählen und auszuüben.

Darüber hinaus hat jeder Einzelne das Recht, seine oder ihre Lehre friedlich anderen zu verkünden und zu verbreiten. Diese Freiheiten sollten als grundlegende Menschenrechte garantiert werden, und so sollten die Legislative oder Regierungen sich nicht übermäßig in solche Angelegenheiten einmischen, sonst besteht die Gefahr, dass ihr Einmischen als eine Provokation angesehen werden könnte und zu Frustration und Groll führt. Leider sehen wir in der heutigen Welt, wie muslimische Regierungen sich selbst in solche persönlichen Angelegenheiten einmischen. Dies ist ein Grund für die Instabilität und Konflikte in diesen Ländern. Die einzigen Profiteure sind extremistische religiöse Kleriker und Militanten, die die Frustrationen von Menschen durch das Fördern der barbarischen Gewalt und des sinnlosen Konflikts nutzen. Allerdings kann man nicht sagen, dass westliche Regierungen, die beanspruchen, wirklich demokratisch zu sein, völlig unschuldig oder tadellos sind. Vielmehr sehen wir hier im Westen, dass manchmal auch Gesetze oder Regeln erlassen werden, die im Widerspruch zu den westlichen Behauptungen stehen, Leuchttürme der universellen religiösen Freiheit und Toleranz zu sein.

Es ist zu bedauern, dass in vielen Fällen Muslime, teilweise, für die Instabilität in der heutigen Welt verantwortlich sind – Obwohl der Islam selbst nur Frieden lehrt.
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Gelegentlich werden Gesetze geschaffen, die der Ansicht widersprechen, dass jeder Mensch in der westlichen Welt frei ist, zu glauben, was er oder sie wünscht und die Freiheit hat, friedlich nach seinem oder ihrem Glauben zu leben. Es ist nicht weise für Regierungen oder Parlamente, Einschränkungen für grundlegende, religiöse Praktiken oder Glaubenssätze der Menschen zu setzen. Zum Beispiel sollten sich die Regierungen nicht mit der Art von Kleidung beschäftigen, die eine Frau zu tragen wünscht. Sie sollten keine Dekrete erlassen, die vorschreiben, wie ein Ort des Gottesdienstes aussehen soll. Wenn sie auf diese Weise übergreifen, wird es einen Auslöser für Unruhe und steigernden Frustrationen unter ihren Leuten sein. Solche Beschwerden werden sich weiter verschärfen, wenn sie nicht kontrolliert werden und letztlich den Frieden der Gesellschaft bedrohen. Natürlich befürworte ich nicht, dass Menschen mit extremistischen Ansichten toleriert werden oder frei sein sollten, ihren Überzeugungen nachzugehen.

Klimawandel ist eines der großen Gefahren für die Welt, nicht nur aus ökologischer Sicht. Versuche Kohlendioxidemissionen zu reduzieren lähmen auch entwickelnde Volkswirtschaften – Somit auch eine Ursache für Auseinandersetzung und Instabilität.
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Wo und wann immer jemand seine Religion gebraucht, um Grausamkeit und Ungerechtigkeit zu rechtfertigen oder die Rechte anderer zu verletzen/usurpieren oder gegen den Staat zu handeln oder in einer Weise, die die Sicherheit der Nation bedroht, ist es sicherlich die Verantwortung der Regierung und Behörden diese bösen Praktiken/Taten zu unterbinden. Unter solchen Umständen ist es für die Regierung, den Parlamentariern und anderen relevanten Behörden völlig gerechtfertigt und angemessen, dafür zu sorgen, dass diese Menschen aufgespürt und in Übereinstimmung mit dem Gesetz des Landes bestraft werden. Nichtdestotrotz ist es meines Erachtens für den Staat falsch, sich unnötig in den friedlich gelebten, religiösen Glauben und Praktiken einzumischen. Der Islam, den wir kennen und praktizieren, lehrt, dass die Liebe zu deinem Land ein wesentlicher Bestandteil deines Glaubens als Muslim ist. Dem Islam zu Folge ist das Land eines Menschen dasjenige, in dem er lebt und von dem er profitiert, und wenn eine solche Lehre im Herzen und Verstand eines Muslims verwurzelt ist, ist es unmöglich für ihn, für sein Land negativ zu denken oder diesem irgendeinen Schaden zuzufügen.

Darüber hinaus lehrt der Islam, dass nicht nur das Gesetz des Landes jemanden, der gegen sein Land wirkt, bestrafen soll, sondern auch, dass solche Menschen sicherlich in den Gerichtshof des Allmächtigen Gottes eintreten und von ihm für ihre Missetaten und ihre Untreue zur Rechenschaft gezogen werden. Daher gibt es keinen Grund einen wahren Muslim zu fürchten, und es gibt keinen Grund für die Regierung, Gesetze zu erlassen, die relativ kleine religiöse Angelegenheiten oder Praktiken verletzen, die weder die Öffentlichkeit noch dem Staat Schaden zufügen oder gefährden. In solchen Angelegenheiten Gesetze zu erlassen kann nur als eine unnötige Einmischung beschrieben werden und als eine Invasion jener Freiheiten, über die der Westen beansprucht Vorreiter zu sein – es ist das Recht jeder Person, mit Freiheit und persönlicher Autonomie/Selbstbestimmung zu leben. Zweifellos können solche ungerechten Interventionen keine positive Wirkung haben, sie können nur zu Frustration, Unruhe und Zwietracht führen. Es ist die Aufgabe der Regierung und der Parlamentarier, als Hüter ihrer Nationen, in einer Weise Gesetze zu erlassen, die ihren Bürgern Rechte gibt, anstatt ihre Rechte wegzunehmen. Dies sollte pauschal getan werden, ohne Unterschiede zu machen, damit die Rechte aller Menschen, seien es Muslime, Christen, Juden, Hindus oder die Menschen irgendeines anderen Glaubens, auch deren, die nicht religiös sind, unterstützt und garantiert werden.

Wie ich bereits gesagt habe, ist es ein Grund für tiefe Trauer, dass sowohl in der muslimischen Welt, als auch unter einigen fortgeschrittenen Nicht-Muslimischen Ländern gewisse politische Maßnahmen ergriffen wurden, die diese Grundfreiheiten untergraben, die wiederum in Teilen der Öffentlichkeit Konflikte/Unruhen verursacht haben. Deshalb sollten sie, anstatt oberflächlichen Applaus/Beifall zu suchen, das größere Bild sehen; wie sie ihren Nationen Frieden bringen und sicherstellen können, dass ihre Länder und die breitere Welt vereint wird und in Wohlstand zunimmt. Doch leider scheint es so, dass anstatt eine langfristige Perspektive zu sehen, die meisten Führer oder Regierungen einem ungesunden Rennen um Macht und einer Schlacht beigetreten sind, in der sie ihre Dominanz über andere behaupten wollen.

Organisationen wie die UNO waren nicht erfolgreich daran Frieden und Gerechtigkeit zu etablieren.
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Infolgedessen sind sie zunehmend bereit, sich in den persönlichen und religiösen Angelegenheiten ihrer Bürger einzumischen, um dadurch diesen Durst nach Vormachtstellung und Kontrolle zu stillen. Solche Politik ist nicht weise und ein unnötiges Mittel, um die Welt weiter zu destabilisieren, vor allem angesichts der Tatsache, dass wir uns bereits so vielen verschiedenen Problemen und Konflikten stellen müssen, die den Frieden der Gesellschaft bedrohen. Zum Beispiel heißt es, dass der Klimawandel eine große Bedrohung für unsere Zivilisation ist. Ein weiteres brennendes Anliegen ist die wirtschaftliche Ungewissheit der Welt. Darüber hinaus und im allgemeinen Sinne, gibt es das Problem eines zunehmenden Mangels an Frieden und Sicherheit in einem Großteil der Welt. All diese Probleme sind das Ergebnis einer ungerechten Politik, Ungleichheit und mangelnde Ausgewogenheit. Wenn wir die Frage des Klimawandels betrachten, stellen wir fest, dass eine wichtige Ursache der globalen Erwärmung die industrielle Revolution im Westen war und die Tatsache, dass Wälder und Pflanzen übermäßig abgeholzt wurden.
Erst jetzt, wo diese Länder vollständig entwickelt sind, sind sie glücklich, eine Reduzierung der CO2-Emissionen oder andere industrielle Einschränkungen zu fordern. Allerdings kann eine solche Regulierung die Fortschritte und das Wachstum der aufstrebenden Mächte wie Indien und China verlangsamen und einschränken. Und so können diese aufsteigenden Nationen solche Einschränkungen als heuchlerisch, unfair und einen Versuch der historisch dominierenden Mächte betrachten, sie davon abzuhalten, sich zu entwickeln und die globale Herausforderung zu meistern. So ist die Frage des Klimawandels eigentlich nicht nur ein Umweltproblem, sondern trägt sie auch ihren Teil zum Mangel des Friedens in der Welt und den steigenden Ressentiments zwischen den Nationen bei.

In ähnlicher Weise geben viele Experten in Bezug auf die globale Finanzkrise zu, dass die Regierungen seit langem eine unkluge Politik machen und dass die heutige finanzpolitische Unsicherheit nun ein Level erreicht hat, indem sie den Weltfrieden gefährdet. Es gibt auch viele andere Faktoren, die zum Unfrieden in der Welt beitragen und bedauerlicherweise sind viele mit auf Profit bedachter und ungerechter Politik verbunden, die von bestimmten Ländern umgesetzt wurde. Jedenfalls ist das ultimative Ergebnis der verschiedenen Risiken und globalen Bedrohungen, dass sich die Welt rasant auf eine unvorstellbare Katastrophe bewegt. Aufgrund der aktuellen Instabilität werden sowohl die Regierungen der Welt als auch die Öffentlichkeit zunehmend besorgt und betroffen.

Es gibt so viele beunruhigende Probleme, dass die Welt nicht mehr weiß, welche sie in den Vordergrund stellen soll. Sollten sie sich zunächst auf die globale Erwärmung und den Klimawandel konzentrieren? Oder sollten sie die Finanzkrise behandeln? Oder sollten sie den Kampf gegen Terrorismus, Krieg und Extremismus in den Vordergrund stellen? Oder sollten sie sich auf die neuesten Entwicklungen in Syrien konzentrieren, in denen sich Russland und die Vereinigten Staaten offen gegenseitig opponieren? Oder sollten sie ihre Aufmerksamkeit dem jüngsten, direkten Konflikt zwischen den USA und dem Jemen schenken?

The Hall of Honour im zentralen Block des kanadischen Parlaments, wo 2014 Michael Zehaf-Bibeau einen Soldaten tötete und dann in das Gebäude eindrang. Er wurde im anschließenden Feuergefecht getötet. Solche Angriffe haben in den letzten Jahren zugenommen und zu mehr Instabilität im West geführt.
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Persönlich ist es meine Ansicht, dass das größte und dringlichste Problem, welchem wir ausgesetzt sind, der Mangel an Frieden in der Welt ist. Und es ist sehr bedauernswert, dass die muslimischen Länder das Zentrum einer solchen Instabilität und Unordnung sind, obwohl ihre Religion ihnen unvergleichliche Lehren gegeben hat, wie man Frieden etabliert und aufrechterhält. Zum Beispiel heißt es in Kapitel 23, Vers 9 des Heiligen Koran, dass ein wahrer Muslim eine Person ist, die alle Bündnisse oder Versprechungen erfüllt, mit denen sie betraut wurden. Die Schlüssel der Regierung übergeben zu bekommen, ist ein großes Vertrauen und so sehen wir oft Staatsoberhäupter, die ihren Nationen treu und mit absoluter Gerechtigkeit zu dienen. Leider erweisen sich in vielen Fällen solche ehrenhaften Versprechen als leere Worte, die nicht eingehalten werden. Wohingegen wenn diese Lehre des Koran verfolgt werden würde, wir niemals eine Spaltung oder einen Konflikt zwischen der Öffentlichkeit und ihren Regierungen sehen würden. Darüber hinaus heißt es in Kapitel 5, Vers 9 des Heilige Koran, dass, auch wenn eine Person oder Nation Feindschaft mit einer anderen hegt, sie sie immer noch in einer ganz fairen und gerechten Weise behandeln sollte, ganz gleich die Umstände, denn das ist es, was Allah der Allmächtige begehrt.

Doch heute erleben wir statt Gerechtigkeit, Ungerechtigkeit auf allen Ebenen der Gesellschaft, sowohl zwischen Menschen und als auch zwischen Nationen. Eine solche Ungleichheit und Missachtung der Fairness trägt direkt zur mangelnden Sicherheit in der Welt bei. In Kapitel 49, Vers 9 des Heiligen Korans heißt es, dass, wenn zwei Parteien oder Nationen in einem Konfliktzustand sind, ihre Nachbarn und Verbündeten versuchen sollten, eine Versöhnung herbeizuführen. Wenn der Friede nicht durch den Dialog etabliert werden kann, dann sollten sich die anderen Völker gegen denjenigen vereinen, der Ungerechtigkeit begangen hat und Gewalt anwenden, um ihn zu stoppen. Sobald die Aggressoren den Frieden annehmen, sollten sie nicht gedemütigt werden. Und sollten auch keine ungerechten Sanktionen gegen sie erhoben werden. Vielmehr sollten sie im Interesse der Fairness und des langfristigen Friedens gestattet werden, sich als freie Gesellschaft voranzutreiben.

Wenn wir die gegenwärtigen Konflikte in der muslimischen Welt begutachten, ist es klar, dass das Prinzip, sich gegen denjenigen zu vereinen, der den Frieden untergräbt, nicht eingehalten wurde. Wenn die Nachbarländer versucht hätten, unparteiisch zu vermitteln und ihre eigenen Interessen hintenangestellt hätten, hätte die Situation schon längst geklärt werden können. Allerdings ist es nicht nur die Schuld der muslimischen Nationen, sondern haben auch andere Länder, die in diesem, unseren globalen Dorf leben, zu dieser Unordnung beigetragen. Wenn die Großmächte zu jeder Zeit gerecht und aufrichtig gehandelt hätten, hätten wir weder eine solche Zwietracht gesehen, noch hätten wir die Entstehung von Daesh/ISIS oder extremistischen Rebellengruppen in Ländern wie Syrien und Irak gesehen. Bedauerlicherweise haben einige Großmächte ihre Rolle bei der Etablierung des Friedens nicht gespielt und stattdessen eine ungerechte Politik umgesetzt, um ihren eigenen Interessen zu dienen.

Zum Beispiel haben bestimmte westliche Länder immer ein Interesse an den Ölreserven der arabischen Welt gehabt und dieses Interesse hat ihre Politik über einen langen Zeitraum gesteuert. Darüber hinaus haben sie riesige Waffenbestände an muslimische Länder verkauft, ohne die möglichen Konsequenzen zu berücksichtigen. Was ich sage, ist nichts Neues oder Verborgenes, sondern es ist gut dokumentiert. Zum Beispiel sagt ein aktueller Bericht von Amnesty International, der im Dezember 2015 veröffentlicht wurde, dass „Jahrzehnte des rücksichtslosen Waffenhandels“ zum Terrorismus von Daesh/ISIS beigetragen hatten. Es heißt, dass die Mehrheit der Waffen, die von Daesh/ISIS verwendet werden, ursprünglich in den Vereinigten Staaten und Russland produziert wurde.

Seine Heiligkeit warnte die Weltregierungen davor schnell gerecht zu handeln, ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Welt auf eine Katastrophe in der Form eines erneuten – viel verheerenden und zerstörerischen – Weltkrieges zugeht.

Patrick Wilcken, ein Forscher der Rüstungskontrolle bei Amnesty, beendet den Bericht darüber mit der Angabe:

“Das große und vielfältige Waffenarsenal des IS ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, wie ein rücksichtsloser Waffenhandel die furchtbaren Gräueltaten massiv vorantreibt.”

Sicherlich ist es bekannt, dass die muslimischen Länder keine ausgefeilten Waffenfabriken haben, die solche hochentwickelten Waffen herstellen können, die im Nahen Osten eingesetzten werden. Daher wird die überwiegende Mehrheit der Artillerie, die in der muslimischen Welt verwendet wird, aus dem Ausland importiert. Wenn die Großmächte ihren Waffenhandel einstellen und sicherstellen würden, dass die anderen Versorgungslinien der kriegsführenden Regierungen, Rebellen und Terroristen abgeschnitten wurden, könnten solche Konflikte zu einem schnellen Ergebnis finden. Zum Beispiel ist es bekannt, dass Saudi-Arabien in seinem Krieg im Jemen vom Westen erworbene Waffen anwendet, in dem Tausende von unschuldigen Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, getötet und sehr viel Zerstörung angerichtet wird. Was wird die endgültige Folge eines solchen Waffenhandels sein?

Die Menschen von Jemen, deren Leben und Zukunft zerstört werden, werden nicht nur gegen Saudi-Arabien Hass in sich tragen und auf Rache aus sein, sondern auch gegenüber den Waffenlieferanten der Saudis und dem Westen im Allgemeinen Hass in sich tragen. Ohne Hoffnung oder Zukunftsaussichten zu haben und nachdem sie die schrecklichste Brutalität erlebt haben, werden die Jugendlichen anfällig für Radikalisierung sein und auf diese Weise wird ein neuer Teufelskreis von Terrorismus und Extremismus entstehen. Sind solche zerstörerischen und verheerenden Konsequenzen ein paar Milliarden Dollar wert? So gibt es nicht mehr nur ein Risiko für die muslimischen Länder, die sich im Epizentrum der heutigen Konflikte befinden, vielmehr hat sich die Bedrohung weit verbreitet, wie wir bereits bei den jüngsten Terroranschlägen in Paris, Brüssel und den Vereinigten Staaten bezeugen konnten.

In den letzten paar Jahren gab es auch terroristische Vorfälle in einem kleineren Maße hier in Kanada, dessen Sie sich alle bewusst sein dürften. Darüber hinaus können wir, trotz der Tatsache, dass Kanada tausende von Meilen entfernt von der arabischen Welt liegt, dennoch beobachten, dass muslimische Jugendliche aus diesem Land nach Syrien und dem Irak gereist sind, um sich extremistischen Gruppen anzuschließen. Von großer Sorge ist die Tatsache, dass, der Statistiken der kanadischen Regierung zu Folge, zwanzig Prozent derjenigen, die nach Syrien oder dem Irak gegangen sind, Frauen sind. Und das bedeutet, dass sie sich nicht nur selbst radikalisiert haben, sondern auch ihre Kinder indoktrinieren und sie einer Gehirnwäsche unterziehen werden.

Um Radikalisierung und Extremismus anzugehen, müssen wir auch beurteilen, was ihre Ursachen und Symptome sind. Bedauerlicherweise haben die meisten radikalisierten Muslime, die im Westen leben, kein Wissen oder auch nur ein grundlegendes Verständnis der Lehren des Islam. So ist ihre Radikalisierung ein Ergebnis ihrer persönlichen Frustrationen und nicht aufgrund ideologischer Überzeugungen oder ihres Glaubens. Abgesehen von der Online-Radikalisierung oder der Hass-Predigten in Moscheen oder der Ausbreitung extremistischer Literatur, glaube ich, dass eine Hauptursache für die Radikalisierung der im Westen lebenden muslimischen Jugendlichen die Wirtschaftskrise war und viele veröffentlichte Berichte dies bestätigen. Es gibt viele junge Muslime, die Qualifikationen erworben haben, aber trotz ihrer Ausbildung keine geeignete Beschäftigung gefunden haben und so marginalisiert und frustriert worden sind.

Wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind sie anfällig und eine leichte Beute für extremistische Kleriker und terroristische Rekrutierer. Wenn also Jugendliche faire Chancen haben, sich zu verbessern und in den Arbeitsmarkt einzutreten, wird es ein Mittel sein, das Land sicher und geschützt zu halten. Wenn auf Globaler Ebene nur die Großmächte und die internationalen Institutionen, wie die Vereinten Nationen, unter allen Umständen tatsächlich gemäß ihren Gründungsprinzipien gehandelt hätten, hätten wir nicht sehen müssen, wie die giftige Plage des Terrorismus so viele Teile der Welt infiziert hat. Wir hätten nicht sehen müssen, dass der Frieden und die Sicherheit der Welt immer wieder untergraben und zerstört wird. Und wir hätten sicherlich nicht die riesige Flüchtlingskrise erlebt, die jetzt die Menschen in Europa und anderen entwickelten Ländern durcheinanderbringt und erschreckt. Hunderttausende von unschuldigen Menschen sind nach Europa geflohen, und Tausende sind auch nach Kanada gekommen, um von den Terroristen, die ihre eigenen Nationen vergiftet haben, Zuflucht zu suchen. Obwohl die meisten Flüchtlinge ehrlich und anständige Menschen sind, reichen nur ein oder zwei negative Zwischenfälle, wie wir es im vergangenen Jahr gesehen haben, aus, um Panik zu verursachen, wie wir in Europa und auch in einem gewissen Maße hier in Nordamerika nun beobachten können. Daher sehen wir mit unseren eigenen Augen, wie unsicher die Welt wird und wie Hass und Angst einen Großteil der Welt erfasst und verschlungen hat. Ich wiederhole; die Kernursache hierfür ist Ungerechtigkeit und Ungleichheit. Letztendlich fehlt es an Fairness, was den globalen Finanzabsturz und die zunehmende Ungleichheit zwischen den Reichen und den Armen in den vergangenen Jahren auslöste. Ich sage dies, da als die entwickelten und reicheren Nationen sich dafür entschieden haben, in ärmeren Ländern zu investieren, sie ihren eigenen Interessen Priorität geschenkt haben, anstatt die Entwicklung der jeweiligen/einzelnen Länder zu erleichtern.

Anstatt Ausbeutung und Gier hätten die entwickelten Nationen die Rechte der schwächeren Völker verteidigen müssen und deren Fortschritt vorantreiben müssen. Sie hätten den Leuten jener armen Nationen aufrichtig helfen sollen, mit Würde und Ehre auf ihren eigenen Füßen zu stehen. Doch leider ist das einfach nicht passiert. In Kapitel 20, Vers 132 gebietet der Heiligen Koran, dass niemand den Reichtum oder die Ressourcen anderer begehren sollte. Wenn die ganze Welt dieses Prinzip umgesetzt hätte, dann wären die Finanzsysteme der Welt fair und gerecht.

Seine Heiligkeit im Gebet während seines Parlamentsbesuchs.

Das Kapital würde gerecht verteilt werden und die Nationen würden die Belohnungen ihres gottgegebenen Reichtums ernten. Wir würden sehen, dass der Handel der Welt durch den Wunsch unterstützt wird, die Menschenrechte anderer zu erfüllen, anstatt gierig Macht und Reichtum zu erwerben und persönliche Interessen um jeden Preis zu erfüllen. Ein weiteres Beispiel für die Ungerechtigkeit der Welt spiegelt sich in der Weltpolitik wider.
In einigen Ländern gibt es Diktaturen oder ungerechte Regierungen. Dennoch drückten die Großmächte bei deren Grausamkeiten ein Auge zu, weil diese Regierungen sie unterstützen und die Beschaffung ihrer Interessen erleichtern. Doch in Ländern, in denen sich die Führer oder Regierungen nicht der Laune der Großmächte beugen, sind sie sehr glücklich, Rebellen zu unterstützen oder Regimewechsel zu fordern. In der Tat gibt es keinen Unterschied in der Art und Weise, wie die jeweiligen Regierungen ihre eigenen Leute behandeln. Der materielle Unterschied ist nur, dass in einigen Fällen die Regierungen mit den Großmächten zusammenarbeiten, während sie das in anderen nicht tun.

In Bezug auf die letztgenannte Kategorie wurde westliche Militärpolitik gemacht, um diese Regierungen zu stürzen, wie im Irak und in Libyen, und in ähnlicher Weise wurden solche Versuche in den letzten Jahren in Syrien gemacht. Die Zeit hat der Entscheidung Kanadas recht gegeben, sich nicht an dem Irak-Krieg zu beteiligen, und ich stimme auch der Entscheidung Ihrer Regierung zu, ihre Luftangriffe in Syrien zu stoppen, bis die Umstände dieses bestimmten Konflikts und die Mittel, um sie zu lösen, viel klarer werden. Auf einer breiteren Ebene müssen die Vereinten Nationen auch ihre Rolle bei der Etablierung des Friedens in der Welt spielen, unbelastet von Politik, Ungerechtigkeit oder Bevorzugung/Vetternwirtschaft. Ich hoffe und bete, dass Allah der Allmächtige es den Vereinten Nationen und den Regierungen der Welt ermöglicht, so zu handeln, damit ein wahrer und dauerhafter Frieden geschaffen werden kann.

Die Alternative mag man sich gar nicht vorzustellen, denn wenn wir so weitermachen, wie wir es tun, dann steuert die Welt rasant in Richtung einer riesigen Katastrophe in Form eines weiteren Weltkriegs zu. Möge Allah den Führern und politischen Entscheidungsträgern der Welt Weisheit geben, damit die Welt, die wir für unsere Kinder und zukünftige Generationen zurücklassen, eine Welt des Friedens und des Wohlstands ist und nicht Eine mit einer untergehenden Wirtschaft und fehlgebildeten Kindern – Ameen. Am Ende möchte ich mich noch einmal bedanken, dass Sie mich heute hier eingeladen haben. Vielen Dank.“

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