Islam

Ramadan – Der Neustart-Effekt

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Qasim Choudhary, USA

Wie oft haben Sie schon Sätze wiederholt wie: »Ich werde anfangen, mich gesund zu ernähren« oder »Ich werde aufhören etwas aufzuschieben«? Wir alle haben den Wunsch, uns zu verändern und wollen einen produktiven und gesunden Lebensstil führen. Aber wo und wann sollen wir anfangen? Unser Leben ist so dynamisch und wir sind in Routinen verstrickt, die unsere Bereitschaft zur Veränderung einschränken.[1] Verbesserungen sind jedoch umso leichter zu erreichen, je mehr wir mit einem Neuanfang beginnen. Warum nehmen sich zum Beispiel 40 % der Amerikaner Vorsätze für das neue Jahr vor?[2] Warum versprechen manche Menschen, an ihrem Geburtstag auf eine schlechte Angewohnheit aufzugeben? Das liegt daran, dass wir diese Tage als eine neue Chance betrachten, vergangene Fehler zu vermeiden.

Studien zeigen, dass Menschen die Zeit nicht als Kontinuum wahrnehmen, sondern dass wir unser Leben als vorübergehende Kapitel oder Episoden wahrnehmen.[3] Diese neuen Kapitel bieten uns kleine Zeitfenster, in denen wir neu anfangen können. Wenn wir zum Beispiel unser Studentenleben Revue passieren lassen, verwenden wir verschiedene Bezeichnungen, um uns zu beschreiben. Wir haben das Kapitel Schüler oder das Kapitel Universität, und zu Beginn eines jeden Kapitels sind wir sehr entschlossen und motiviert, diese Lebensphase bestmöglich zu beginnen. Wie Katy Milkman in ihrem Buch How to Change schreibt, »sind Menschen möglicherweise offener für Veränderungen, wenn sie das Gefühl haben, dass sie einen Neuanfang erleben.«[4]

Dieses Prinzip des Neuanfangs lässt sich auch im heiligen Monat Ramadan beobachten. Die Gläubigen strömen in Scharen in die Moscheen, wir verbringen mehr Zeit damit, den Heiligen Qur’an zu rezitieren und verstärken unsere karitativen Bemühungen. Eine plötzliche Belebung ergreift viele Muslime, die sonst vielleicht das ganze Jahr über mehr mit weltlichen Dingen beschäftigt waren. Wir nutzen den Monat Ramadan, um unsere Beziehung zu Gott, dem Allmächtigen, zu stärken und uns zu verbessern. Der Heilige Prophet MuhammadSAW sagte: »Wer im Monat Ramadan in aufrichtigem Glauben fastet, dem werden alle seine früheren Sünden vergeben.«[5]

Der Ramadan ist eine Zeit, in der wir über unsere vergangenen Versäumnisse und Defizite nachdenken und uns vornehmen, stärker im Glauben zu werden. Sobald wir in den heiligen Monat Ramadan eintreten, bieten sich uns zahlreiche Gelegenheiten für einen Neuanfang. So sagte der Heilige Prophet MuhammadSAW, dass die ersten zehn Tage des Ramadan Allahs Barmherzigkeit bringen, die mittleren zehn Tage Seine Vergebung und die letzten zehn Tage retten einen vor dem Feuer der Hölle.[6] Diese drei Phasen im Monat Ramadan geben uns neue Hoffnung und die Möglichkeit, das Wohlgefallen Gottes, des Allmächtigen, zu erlangen.

Wenn sich der Monat Ramadan dem Ende zuneigt, heißt das nicht, dass wir in unsere alten Gewohnheiten zurückfallen und ein ganzes Jahr auf den nächsten Ramadan warten sollen. Andernfalls wäre, wie Seine Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA es treffend ausdrückt, »der Ramadan für uns nutzlos.«[7] Vielmehr sollte dieser gesegnete Monat als Sprungbrett dienen, um unsere spirituellen Fähigkeiten weiter zu entwickeln und das Gute in uns wachsen zu lassen. Auch wenn dieser heilige Monat in dreißig Tagen zu Ende geht, muss sein Geist weiterleben. Wie Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA auf den Punkt bringt:

»Die guten Gewohnheiten, die wir während des Ramadan entwickelt haben, sollten auch nach dem Ramadan fortbestehen und zunehmen. Wenn wir das nicht tun, dann hat das Durchlaufen des Ramadan keinen Nutzen gebracht.«[8]

Über den Autor: Qasim Choudhary ist Absolvent des Ahmadiyya Institute of Languages and Theology in Kanada und dient als Imam der Ahmadiyya Muslim Jamaat in den Vereinigten Staaten von Amerika.


[1] Milkman, Katherine L., How to Change: The Science of Getting from Where You Are to Where You Want to Be, [New York], Penguin Random House, [2021], S.18
[2] https://www.washingtonpost.com/news/wonk/wp/2018/01/01/the-science-of-keeping-your-new-years-resolution/ 
[3] Milkman, Katherine L., Hot to Change: The Science of Getting from Where You Are to Where You Want to Be, [New York], Penguin Random House, [2021], S.19
[4] Milkman, Katherine L., Hot to Change: The Science of Getting from Where You Are to Where You Want to Be, [New York], Penguin Random House, [2021], S.18
[5] Ṣaḥīḥu l-buḫārī, kitābu ṣ-ṣaūm
[6] Kanzu l-ʿummāl, Bd. 8, S. 477, Hadith 23714
[7] Freitagsansprache vom 7. Mai 2021
[8] Ibid

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