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Warum Muslime 5 mal am Tag beten

Das Gebet ist ein zentraler Bestandteil des islamischen Glaubens. Von den Muslimen wird verlangt, fünfmal am Tag zu beten, was auch als Salaat bekannt ist.

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von Azhar Goraya, Mexiko

Wenn Ihnen gesagt wird, dass Sie fünfmal am Tag etwas tun sollen, würden Sie wahrscheinlich anfangen, sich Ausreden auszudenken, um es nicht tun zu müssen und warum Sie es nicht tun können.

Aber es gibt über eine Milliarde Muslime in der Welt, die fünfmal am Tag in ihren täglichen Gebeten vor Allah stehen, sich beugen und niederwerfen.

Heutzutage scheinen immer weniger Menschen bereit zu sein, einen disziplinierten Lebensstil zu führen. Der Islam jedoch lehrt uns, dass Disziplin und Durchhaltevermögen gerade auch für den spirituellen Fortschritt notwendig sind, während eine Denkweise, die sofortige Belohnung und Faulheit befürwortet, einen von Höchstleistungen abhält.

Das Gebet ist ein zentraler Bestandteil des islamischen Glaubens. Von den Muslimen wird verlangt, fünfmal am Tag zu beten, was auch als Salaat bekannt ist.

Vor dem Gebet wird eine körperliche Reinigung durchgeführt, bei der die Hände, Arme, das Gesicht und andere Körperteile mit Wasser gewaschen werden. Das Gebet selbst besteht neben verbalen Gebeten auch aus verschiedenen Körperhaltungen.

Wohl keine andere Religionsgemeinschaft erfordert eine solche Hingabe an das Gebet. Die Frage ist also: Warum beten Muslime fünfmal am Tag?

Im Folgenden lernen Sie fünf Gründe kennen, warum Muslime fünfmal am Tag beten.

1. Verpflichtung

Salaat ist obligatorisch. Es ist eine der fünf Säulen, oder Grundhandlungen, im Islam. Im Heiligen Qur’an, dem heiligen Buch der Muslime, fordert Gott die Muslime auf, das Gebet zu verrichten, und es nicht zu tun, ist somit Ungehorsam gegenüber Allah und wird als Sünde betrachtet:

»Verrichte das Gebet beim Neigen der Sonne bis zum Dunkel der Nacht, und das Lesen des Qur’an bei Tagesanbruch. Wahrlich, die Lesung des Qur’an bei Tagesanbruch ist besonders angezeigt.« (Der Heilige Qur’an 17:79)

Der Heilige Prophet MuhammadSAW erklärte, dass der Verzicht auf Salaat gleichbedeutend ist mit Unglauben. Er sagte:

»Der Unterschied zwischen Unglauben und Glauben ist die Unterlassung von Salaat.« (Sahih-Muslim)

2. Liebe und Dankbarkeit

Die täglichen Gebete bieten einem Muslim die Möglichkeit, Allah gegenüber seine Dankbarkeit zu zeigen und mit Ihm in Kontakt zu treten.

»Darum gedenket Mein, Ich will euer gedenken; und danket Mir und seid nicht undankbar gegen Mich.« (Der Heilige Qur’an 2:153)

Muslimen wird gelehrt, Allah zu lieben. Deshalb sind die Gebete keine Last, sondern etwas, worauf sich die Muslime freuen.

3. Läuterung

Der Heilige Qur’an lehrt uns, dass man sich durch das Gebet von Unsittlichkeit und lasterhaften Handlungen fernhält:

»Wahrlich, das Gebet hält ab von Schändlichkeiten und Unrecht.« (Der Heilige Qur’an 29:46)

Der Sinn unseres Lebens als Muslime besteht darin, Allah näher zu kommen, und die Sünden behindern diesen Fortschritt. Die täglichen Gebete läutern die Muslime indem sie die Neigung zur Sünde abschaffen.

Der Heilige Prophet MuhammadSAW fragte einmal seine Gefährten: Wenn vor eurem Haus ein Fluss fließt und ihr fünfmal am Tag darin badet, würde dann noch Schmutz auf euch bleiben? Sie antworteten, dass dies unmöglich sei. Er sagte, dass dies der Fall bei den fünf täglichen Gebeten sei. Gebete läutern einen Menschen:

Hadhrat Abu HurairaRA überliefert, dass er den Heiligen ProphetenSAW sagen hörte: »Sagt: Wenn für einen unter euch vor seiner Tür ein Fluss fließt und er sich darin fünf mal täglich wäscht, würde dann noch Schmutz auf seinem Körper bleiben?« Sie sagten: »Es wird kein Schmutz darauf bleiben.« Der Heilige ProphetSAW sagte weiter: »So verhält es sich mit den fünf täglichen Gebeten. Allah bereinigt durch sie die Sünden und Schwächen der Menschen.« (Ṣaḥīḥu l-Buḫārī)

4. Spirituelle Nahrung

Gebete sind wie spirituelle Nahrung. Man kann nicht ohne sie leben, denn durch Gebete stellt ein Mensch seine Beziehung zu Gott her und baut sie dann weiter aus. So wie unser physischer Körper mehrmals am Tag auf Nahrung angewiesen ist, um stark zu bleiben, so ist auch unsere Seele mehrmals am Tag auf Nahrung angewiesen, um stark zu bleiben. Diese spirituelle Nahrung erhält man durch die täglichen Gebete.

5. Natürliches Bedürfnis

Der Verheißene Messias, Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS, erklärte, dass die fünf täglichen Gebete eine Manifestation der fünf Zustände sind, die einen Menschen im Leben überkommen, wonach er sich ganz natürlich Gott zuwendet.

Das erste Gebet wird als Zuhur bezeichnet und wird verrichtet, nachdem die Sonne von ihrem Zenit zu sinken beginnt. Dies stellt eine Zeit dar, in der ein Mensch mit einem Problem konfrontiert wird, dem er sich stellen muss, und sein Glück beginnt zu schwinden. Zum Beispiel, wie wenn er eine Anklageschrift erhält, vor einem Richter zu erscheinen. Er beginnt, sich Sorgen zu machen, und sucht automatisch nach Sicherheit und einem Weg, sich vor seinem Problem zu schützen.

Ebenso stellen die nächsten drei Gebete (Asr, Maghrib und Isha) weitere Angstzustände dar, die mit dem Sinken der Sonne zusammenfallen und die damit verglichen werden können, dass dieselbe Person vor Gericht gestellt, für schuldig erklärt und schließlich ins Gefängnis gesteckt wird. Das letzte Gebet ist Fajr, das bei Tagesanbruch verrichtet wird. Das ist so, als würde ein Mensch endlich aus dem Gefängnis entlassen, und sein Glück kennt dann keine Grenzen mehr. Die fünf täglichen Gebete repräsentieren unsere natürlichen Zustände der Angst und der Not im Leben, und die Gebete erinnern uns daran, dass wir uns in jeder Phase an Gott wenden müssen, um Trost und Befreiung von unseren Problemen zu erlangen.

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  1. Sehr interessanter Aspekt der Erziehungswissenschaft...es ist immer wieder spannend zu lesen, dass Glaube bzw. Religion und Wissenschaft keine getrennte Welten…

  2. Auch ich hoffe auf einen Folgeartikel, denn der Inhalt war recht spannend und gut zu lesen gewesen. Die Auseinandersetzung mit…

  3. Schöner Artikel - sehr umfangreich. Hoffe auf einen Folgeartikel mit mehr Beispielen aus dem Leben des Heiligen Propheten (Saw) bzgl…

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