Basics Das Kalifat

Das ist ein Kalif

Wie im Christentum auch, herrscht im Islam der Glaube, dass Gott es so wollte, dass Er einen Statthalter auf Erden einsetzt und zu diesem Zweck den Menschen erschuf.

Im Heiligen Qur’an liest sich das folgendermaßen:
»Und als dein Herr zu den Engeln sprach: ‘Ich will einen Statthalter auf Erden einsetzen.’« (Hl. Qur’an 2:31)
Was man hier als Statthalter übersetzt findet, heißt im Arabischen Khalifa, also Kalif.

Unter einem Khalifa versteht die islamische Welt zudem einen Stellvertreter des Heiligen Propheten MuhammadSAW, der der Führer der Gläubigen (Amir-ul-Mominin) ist. Der Heilige Qur’an enthält in Sure 24, Vers 56 zudem das Versprechen Allahs, dass Er für die Muslime das Kalifat (Khilafat) errichten würde:

»Verheißen hat Allah denen unter euch, die glauben und gute Werke tun, dass Er sie gewißlich zu Statthaltern (Khulafaa) auf Erden machen wird, wie Er jene, die vor ihnen waren, zu Statthaltern machte; und dass Er gewisslich für sie ihre Religion festigen wird, die Er für sie erwählt hat.«

Folglich wurde nach dem Tode des Propheten MuhammadSAW von seinen Gefährten (Sahaba) sein Nachfolger (Khalifa) gewählt. Die islamische Welt kennt vor allem die vier sogenannten rechtgeleiteten Kalifen, die nach dem Tode des Propheten nacheinander gewählt wurden: zuerst Abu Bakr, dann Umar, danach Usman, danach Ali.


Unter der Herrschaft von Ali kam es allerdings zu einem Zwiespalt, als eine Schar der Muslime beanspruchte, dass nur ein Verwandter des Propheten jemals Oberhaupt der Muslime hätte sein dürfen. Diese Schar spaltete sich vom Hauptkörper der Muslime ab und wurde später Schiiten genannt.

Noch vor dem Tod Alis, des vierten Kalifen, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen um die Herrschaft im Islam. Amir Moawiya erklärte sich selbst zum Kalifen und siegte später im Machtkampf. Durch ihn, der das Gebot des Qur’an missachtete, indem er sich selbst zum Kalifen ernannte, fand die etwa 30-jährige Zeit des rechtgeleiteten Kalifats ein Ende. Moawiya änderte das Kalifat in eine Erbherrschaft (Dynastie) um. Weil Hussein, ein Sohn Alis, sich weigerte, den Sohn Moawiyas, Yezid, als Kalifen anzuerkennen, bekämpfte Yezid ihn und es kam am 10. Oktober 680 zur denkwürdigen Schlacht bei Kerbela, derer von der schiitischen Welt noch heute im Zuge eines großen Trauerfests gedacht wird.

Im Sunnitentum gab es für viele Jahrhunderte Kalifen unterschiedlicher Dynastien. Diese waren von ihrem Selbstverständnis her gleichzeitig religiöse als auch weltliche Oberhäupter der Gläubigen. Indes kann bei den meisten von ihnen tatsächlich nicht von spiritueller Leitung gesprochen werden. Dieses dynastische Sultanat (ein anderer Name für Kalifat) wurde schließlich 1923 in der Türkei endgültig abgeschafft.

Der Prophet MuhammadSAW hatte prophezeit:

»Es wird das Prophetentum geben unter euch, solange Allah es wünscht, dann wird Allah es fortnehmen, dann wird es ein Kalifat geben auf der Grundlage des Prophetentums, und zwar solange, wie Allah es wünscht; dann wird Allah es fortnehmen; dann wird es eine ungerechte Dynastie geben, solange Allah es wünscht, dann wird Allah sie fortnehmen; dann wird es eine Tyrannei geben, solange Allah es wünscht, dann wird Allah sie fortnehmen; dann wird es wiederum ein Kalifentum geben auf Grundlage des Prophetentums. Nachdem er dies gesagt hatte, schwieg der Prophet.« (Musnad Ahmad bin Hanbal).

Dieses neuerliche Kalifat begründet zu haben, beansprucht die Ahmadiyya Muslim Gemeinde, in der es seit dem Tode ihres Stifters Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad aus QadianAS im Jahr 1908 auserwählte Kalifen gibt. Derzeit amtiert der fünfte Kalif nach dem Erscheinen des Gründers der Bewegung. Sein Name ist Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA.

In jüngster Zeit sind indes innerhalb des sunnitischen Islam immer wieder Anstrengungen unternommen worden, das Kalifat einzurichten, und es kam dazu, dass Führer von Anhängern des Islam sich zu Kalifen ernannten, aber genauso schnell wieder verschwanden, wie sie gekommen waren.

Vorlage: Hadayatullah Hübsch, Islam-99, Nienburg 1998 (modifiziert von Die Revue der Religionen)

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  1. Sehr interessanter Aspekt der Erziehungswissenschaft...es ist immer wieder spannend zu lesen, dass Glaube bzw. Religion und Wissenschaft keine getrennte Welten…

  2. Auch ich hoffe auf einen Folgeartikel, denn der Inhalt war recht spannend und gut zu lesen gewesen. Die Auseinandersetzung mit…

  3. Schöner Artikel - sehr umfangreich. Hoffe auf einen Folgeartikel mit mehr Beispielen aus dem Leben des Heiligen Propheten (Saw) bzgl…

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