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Nach der Rezitation der traditionellen islamischen Eingangsformeln (Taschahud, Taʿawwuz und Bismillah) sagte Seine Heiligkeit Mirza Masroor AhmadABA, weltweites Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Gemeinschaft:
»Verehrte Gäste, assalāmu alaykum wa-rahmatullāhi wa-barakātuhu – Friede und Segen Allahs seien mit Ihnen allen.
Heute begeht die Ahmadiyya Muslim Gemeinschaft im Vereinigten Königreich mit Allahs Gnade diese Veranstaltung zum hundertjährigen Jubiläum der Einweihung der ersten eigens errichteten Moschee Londons, der Fazl Mosque.
Die heutige Veranstaltung knüpft an einen Empfang an, der vor zwei Jahren stattfand und an die Grundsteinlegung der Moschee durch den Zweiten KalifenRA unserer Gemeinschaft vor 100 Jahren erinnerte. Bereits damals, in den 1920er-Jahren, gab es gewisse Vorbehalte und Bedenken gegenüber Muslimen. Bedauerlicherweise erleben wir dieses Phänomen hundert Jahre später immer noch. Tatsächlich haben die Ängste und Sorgen in Bezug auf den Islam und die Muslime in jüngster Zeit sogar zugenommen. Für wahre Muslime ist dies ein Grund zu tiefem Kummer und Bedauern. Schließlich besteht der eigentliche Zweck der Moschee lediglich darin, als Ort zu dienen, an dem Menschen zusammenkommen können, um den allmächtigen Gott anzubeten und Ihm näherzukommen. Eine Moschee inspiriert all jene, die durch ihre Pforten treten, ihren Mitmenschen zu dienen und die Rechte der gesamten Menschheit zu wahren. Anstatt also ein Quell von Konflikten zu sein, wird eine wahre Moschee errichtet, um Frieden und Harmonie sowohl in der örtlichen Gemeinschaft als auch in der gesamten Welt zu fördern.
Einer der häufigsten Vorwürfe gegen den Islam lautet, er sei – Gott bewahre – eine extremistische Religion oder eine, die terroristische Handlungen fördere. Dies ist kategorisch falsch. In Wahrheit lehrt der Islam die Muslime, die Rechte aller Menschen zu verteidigen und zu wahren, unabhängig von deren Glauben oder religiösen Traditionen. Kritiker des Islam verweisen häufig darauf, dass die frühen Muslime Kriege oder Schlachten führten, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Dabei wird jedoch oft der wahre historische Kontext außer Acht gelassen. In der Anfangszeit des Islam fielen der Heilige Prophet MuhammadSAW und seine frühen Gefährten in ihrer Heimat einer brutalen und anhaltenden Verfolgung zum Opfer. Nachdem sie diese Grausamkeiten viele Jahre lang ertragen hatten, wanderten sie in eine andere Stadt aus, um dort in Freiheit und Frieden beten zu können. Doch ihre Verfolger setzten den Muslimen bis an ihren Zufluchtsort nach und überzogen sie mit Krieg. Erst da – und auch nur dann – erlaubte Allah, der Allmächtige, den Muslimen, sich zur Wehr zu setzen und sich zu verteidigen.
Diese Erlaubnis ist in Kapitel 22, in den Versen 40 und 41 des Heiligen Koran verankert. In diesen Versen legte der allmächtige Gott dar, dass den Muslimen die Erlaubnis zur Gegenwehr erteilt wurde, weil die Aggressoren nicht nur darauf abzielten, den Islam auszulöschen, sondern auch die Religionsfreiheit für alle Menschen und Gemeinschaften zu vernichten. Im Koran heißt es ausdrücklich, dass keine Kirche, keine Synagoge, kein Tempel und keine Moschee sicher wäre, wenn die Muslime sich nicht verteidigt hätten. Als der allmächtige Gott den Muslimen folglich die Erlaubnis zur Gegenwehr erteilte, geschah dies mit dem Zweck, alle Religionen zu verteidigen und die Prinzipien der Religions- und Glaubensfreiheit im Islam ein für alle Mal zu verankern.
Vor diesem Hintergrund ist die Vorstellung, Moscheen seien Orte, an denen gefährliche Verschwörungen geschmiedet oder Extremismus genährt wird, völlig abwegig. Eine wahre Moschee kann niemals ein Ausgangspunkt für Unheil oder Unruhe sein. Jede Moschee, die dazu missbraucht wird, Extremismus zu verbreiten oder Intoleranz zu schüren, verstößt direkt gegen die Lehren des Islam und ist aufs Schärfste zu verurteilen.
Tatsächlich wurde bereits zu Lebzeiten des Heiligen ProphetenSAW ein Gebäude als Moschee errichtet, das jedoch in böser Absicht und mit dem Ziel erbaut worden war, Spaltung und Aufruhr in der Gesellschaft zu stiften. Daraufhin wies der allmächtige Gott den Heiligen Propheten MuhammadSAW an, diese sogenannte Moschee abreißen zu lassen. Was unsere Gemeinschaft betrifft, so haben wir uns stets darum bemüht, Frieden und Wohlwollen in der Gesellschaft zu verbreiten. Wir haben danach gestrebt, Liebe und Versöhnung zwischen allen Menschen zu fördern.
Zudem beschränken sich unsere Bemühungen nicht auf bloße Worte. Wir haben den Menschen aller Glaubensrichtungen und Überzeugungen stets aufrichtig die Hand der Freundschaft und des Wohlwollens gereicht. Der Grund hierfür ist, dass der Islam uns lehrt, dass Religion und Glaube eine Angelegenheit des Herzens sind. Niemand hat das Recht, einen anderen Menschen dazu zu zwingen oder zu drängen, den eigenen Glauben, die eigenen Überzeugungen oder Werte anzunehmen. Gleichzeitig sind wir jedoch auch der Überzeugung, dass religiöse Menschen das Recht haben sollten, ihren Glauben frei zu praktizieren und über eigene Gotteshäuser zu verfügen. In dieser Hinsicht werden wir den Menschen dieses Landes stets dankbar dafür sein, dass sie uns die Möglichkeit gegeben haben, Moscheen in verschiedenen Städten und Gemeinden zu eröffnen; und die allererste Moschee, die wir in diesem Land errichteten, war die Fazl Mosque, in der Sie sich heute zusammengefunden haben, um ihr hundertjähriges Bestehen zu feiern.

Anlässlich der Grundsteinlegung der Moschee im Jahr 1924 bekräftigte der Zweite KalifRA unserer Gemeinschaft, dass alle Moscheen zur Anbetung des Einen Gottes errichtet werden. Er verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Liebe zum allmächtigen Gott die Herzen all jener erfüllen möge, die durch ihre Pforten treten. Uns Muslimen hat unsere Religion gelehrt, alle Religionen zu respektieren und jeglichen Glauben sowie alle Überzeugungen zu verteidigen. Wir sind davon überzeugt, dass wahrer Frieden nicht ohne die Umsetzung jener Prinzipien geschaffen werden kann, die die großen Weltreligionen der Menschheit vermittelt haben. Jeder Prophet Gottes, darunter der Prophet MosesAS, der Prophet JesusAS und der Prophet des IslamSAW, brachte der Welt eine Friedensbotschaft.
Daher möchte ich noch einmal unseren tiefen Respekt für alle Religionen betonen sowie unsere feste Überzeugung, dass alle Menschen das Recht haben sollten, ihren Glauben auszuüben und ihre religiösen Lehren zu praktizieren. Der Zweite KalifRA sagte, dass es jedem Menschen, der den Wunsch hege, Gott anzubeten, gestattet sei, dies in der Fazl Mosque zu tun – vorausgesetzt, man verstoße nicht gegen die Hausordnung und versuche nicht, die religiösen Gottesdienste derer zu stören, die diese Moschee erbaut haben. Er brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, dass sich die Fazl Mosque als dauerhaftes Symbol der Toleranz, der interreligiösen Harmonie und des gegenseitigen Respekts in der Gesellschaft erweisen werde. Durch die Gnade Allahs, des Allmächtigen, haben sich diese Worte bewahrheitet.
Der Zweite KalifRA äußerte überdies seine Hoffnung, dass diese Moschee zu einer wahren Oase des Friedens und zu einem Mittel werden möge, um Kriege und Konflikte in der Welt zu beenden. Die Fazl Mosque wurde nach dem Ersten Weltkrieg erbaut. Doch nur wenig mehr als ein Jahrzehnt nach ihrer Eröffnung brach der Zweite Weltkrieg aus. Wenn wir nun auf die heutige Zeit blicken, stellen wir fest, dass Konflikte und Kriegshandlungen in vielen Teilen der Welt rasant zunehmen. Ich habe bereits wiederholt meine Befürchtung geäußert, dass die Menschheit die Lehren aus den vorangegangenen Weltkriegen vergessen hat und wir uns folglich am Rande eines Dritten Weltkriegs befinden.
Von ganzem Herzen bete ich darum, dass die Regierungen und [politischen] Führer der Welt, anstatt auf einen derart katastrophalen Krieg zuzusteuern, zur Vernunft kommen, bevor es zu spät ist, und alles in ihrer Macht Stehende tun, um Frieden herbeizuführen. Was unseren Beitrag als Ahmadis betrifft, so haben wir uns stets darum bemüht, eine Vorreiterrolle im Dienste des Friedens einzunehmen. Wo immer wir Moscheen errichten, geschieht dies in der festen Absicht, einen Geist des gegenseitigen Mitgefühls und der Liebe innerhalb der örtlichen Gemeinschaften wie auch in der Welt im Allgemeinen zu fördern.
Wir glauben fest daran, dass ungeachtet unserer Unterschiede alle Menschen in Respekt und gegenseitigem Verständnis zusammenleben sollten. Wir sollten einander mit Mitgefühl begegnen und menschliche Werte wahren. Unsere Inspiration und Motivation schöpfen wir aus der kategorischen Erklärung des Heiligen Koran, dass es in Fragen des Glaubens oder der Religion keinerlei Zwang geben dürfe.
Die hundertjährige Geschichte der Fazl Mosque zeugt davon, dass sie stets als Leuchtfeuer des Friedens, der Liebe und des Mitgefühls gewirkt hat. Dies ist jedoch nicht ausschließlich ein Merkmal dieser spezifischen Moschee; vielmehr trifft dies auf all unsere Moscheen zu. Dieser Geist der Offenheit ist tief in unserer Identität verwurzelt. So richten wir beispielsweise in Hampshire jedes Jahr eine als Jalsa Salana bekannte Jahresversammlung aus, zu der Tausende Menschen aus der ganzen Welt für drei Tage zusammenkommen. Daran nehmen auch viele nicht-muslimische Gäste teil, sowohl aus der örtlichen Umgebung als auch aus weitaus entfernteren Gegenden. Während der gesamten Versammlung strahlt in alle Richtungen eine Botschaft des Friedens und der Toleranz aus. Die Jalsa weckt in den Teilnehmern den tiefen Wunsch, jene Barrieren abzubauen, die die Menschheit spalten, die Menschen einander näherzubringen und den Frieden in der Welt zu fördern. Genau das ist zweifellos das dringendste Gebot der Stunde.
Und dennoch steuern bedauerlicherweise viele der politischen Führer und Regierungen weltweit die Menschheit in eine völlig entgegengesetzte Richtung – geradewegs auf Krieg und Zerstörung zu. In solchen Zeiten müssen wir uns die Schrecken der vergangenen Weltkriege wieder ins Gedächtnis rufen. Wir dürfen niemals vergessen, wie der Zweite Weltkrieg letztlich sein Ende fand: durch den Einsatz von Atomwaffen, der unfassbaren Tod und Zerstörung nach sich zog. Bedenkt man die seitherigen Fortschritte in den Bereichen Waffen und Technologie, so sprengt es jede Vorstellungskraft, welches Ausmaß an Leid und Blutvergießen die Folge wäre, sollten die gegenwärtigen Konflikte zu einem umfassenden Weltkrieg eskalieren. Allein der Gedanke daran lässt einen erschaudern.
Darum dürfen wir heute nicht nur an die Verwirklichung unserer eigenen Ziele oder Wünsche denken, sondern müssen vielmehr die Rechte und Bedürfnisse unserer Kinder und der zukünftigen Generationen berücksichtigen und priorisieren. Diejenigen, die religiös sind, ganz gleich ob Christen, Juden, Hindus, Muslime oder Anhänger einer anderen Glaubensgemeinschaft, sollten danach streben, den ursprünglichen Lehren ihrer jeweiligen Religion zu folgen. Denn alle Propheten Gottes haben sich dafür eingesetzt, die Menschheit auf den Weg des Friedens und der Toleranz zu führen.
Mit diesen Worten bekräftige ich noch einmal, dass all unsere Moscheen Symbole des Friedens, der Liebe und des Mitgefühls sind. Sie stacheln die Gläubigen nicht zu Aggression oder Extremismus an. Vielmehr entfachen sie in uns die Entschlossenheit, Frieden zu verbreiten, unseren Gemeinschaften zu dienen und die Rechte der Benachteiligten und all jener zu wahren, die in irgendeiner Form schutzbedürftig sind. Das gilt ausnahmslos für all unsere Moscheen, ganz gleich, ob sie sich hier im Vereinigten Königreich, in Europa, Asien, Afrika, Nord- und Südamerika oder in irgendeinem anderen Teil der Welt befinden.
Durch die Gnade Gottes war die Fazl Mosque im vergangenen Jahrhundert stets eine Manifestation von Frieden und Mitgefühl, und sie wird, so Gott will, diese edlen Werte auch in alle Ewigkeit widerspiegeln. Sie wird auch weiterhin als Mittel zur Verbreitung von Liebe und Barmherzigkeit dienen, da wir alle Teil der Schöpfung jenes Gottes sind, der von Sich erklärt, der Versorger und Erhalter der gesamten Schöpfung zu sein. Wenn Allah also der Versorger und Erhalter der gesamten Schöpfung ist, dann obliegt es den Muslimen, sich unterschiedslos um alle Menschen zu kümmern und sich für den Aufbau einer von Liebe und Güte geprägten Gesellschaft einzusetzen. Wenn ein Ahmadi-Muslim diese Werte nicht hochhält, weicht er ganz gewiss von den Lehren des Islam ab.
Deshalb möchte ich auch die hier anwesenden Ahmadis daran erinnern, dass es in ihrer Verantwortung liegt, durch ihre eigene Verhaltensweise ein Zeugnis für die friedvollen und wohlwollenden Lehren des Islam zu sein. Jeder Schritt, den sie in der Moschee tun, sollte sie dazu inspirieren, ihre Dienste an den Mitmenschen weiter zu verstärken und die Menschen unter dem Banner der Liebe und Empathie zusammenzuführen. Möge Allah, der Allmächtige, uns dazu befähigen, auch in Zukunft den Frieden zu verbreiten und fortwährend in unserer Liebe sowie in unserem Dienst an der gesamten Menschheit zu wachsen, Amen.
Mit diesen Worten danke ich Ihnen allen vielmals für die freundliche Geste, dass Sie sich uns bei den Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen der Fazl Mosque angeschlossen haben.
Vielen herzlichen Dank.«





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