Moschee

Was passiert, wenn Deutschland seine Moscheen besucht?

Am 3. Oktober öffnen auch in diesem Jahr zahlreiche Moscheegemeinden ihre Türen zum Tag der offenen Moschee.

von Umair Khalid

Der 3. Oktober ist ein Feiertag, der in Deutschland viele Türen öffnet. Denn am Tag der Deutschen Einheit veranstalten bundesweit zahlreiche Moscheegemeinden der Ahmadiyya Muslim Gemeinschaft den sogenannten „Tag der offenen Moschee“. Nachbarn, Freunde, Interessierte und alle anderen Besucher haben an diesem besonderen Tag die Möglichkeit, eine Moschee von innen kennenzulernen und zu erfahren, was dort geschieht und welche Bedeutung sie für Musliminnen und Muslime hat. Jedes Jahr öffnen Moscheegemeinden in Deutschland ihre Türen für Besucherinnen und Besucher. Dennoch ist der Besuch einer Moschee für viele Menschen nicht selbstverständlich. Die Gelegenheit, eine Moschee zu besichtigen und mit Musliminnen und Muslimen ins Gespräch zu kommen, wird längst nicht von allen wahrgenommen. Vorbehalte und Unsicherheiten spielen dabei eine zentrale Rolle. Das öffentliche Bild des Islam wird zudem häufig von Berichten über Extremismus, Gewalt und Terror geprägt. Dadurch können Vorstellungen entstehen, Moscheen seien möglicherweise Orte, an denen extremistisches Gedankengut verbreitet werde. Der Alltag der mehr als 6,6 Millionen Musliminnen und Muslime in Deutschland findet in solchen Darstellungen hingegen häufig weniger Beachtung.

Umso wichtiger ist es, diese Distanz zu überwinden, Klarheit zu schaffen und sich ein eigenes Bild zu machen. Dazu bietet der 3. Oktober eine passende Gelegenheit. Seit nunmehr 29 Jahren findet an diesem Tag der Tag der offenen Moschee statt. Die Aktion geht auf eine Initiative des Zentralrats der Muslime in Deutschland aus dem Jahr 1997 zurück. Schon damals war es das Ziel, Brücken zu bauen und das Miteinander durch den Dialog zu fördern.

Fast drei Jahrzehnte später ist dieser Bedarf noch immer groß. Viel zu oft ist von sogenannten Hinterhofmoscheen die Rede, von Moscheen oder Gotteshäusern, die politische Agenden verfolgen. Doch eine Moschee ist weder das Zentrum einer politischen Agenda noch ein Ort, der dazu dient, Hass und Angst zu verbreiten. Eine Moschee ist ein Ort des Friedens, des Gottesgedenkens und des Miteinanders. Sie soll Menschen verbinden und keine Distanzen schaffen. Für einen gläubigen Muslim ist die Moschee ein Ort, an dem er zum gemeinsamen Gebet zusammenkommt und Zeit in Gottesandacht verbringt.

Genau davon machen sich auch die Zehntausenden Besucherinnen und Besucher ein Bild, die jedes Jahr am 3. Oktober Moscheen in Deutschland besuchen.

Laut einer Studie des Mediendienst Integration gibt es in Deutschland mehr als 2.500 Moscheen. Viele bezeichnen sich allerdings nicht als Moschee, sondern als Gebetszentrum oder Gemeindehaus. Ein Grund dafür ist, dass ihnen typische architektonische und sakrale Merkmale wie ein Minarett oder eine Kuppel fehlen. Dennoch verfügen mindestens 128 Moscheen in Deutschland über ein Minarett oder eine Kuppel.

Viele dieser Moscheen fallen im Alltag kaum auf, und doch sind sie immer wieder Ziel von Gewalt und Hass. CLAIM dokumentierte im vergangenen Jahr mehr als 62 Angriffe auf Moscheen. Die Zahl der Vorfälle steigt.

Und genau darum soll es auch am 3. Oktober gehen: darum, gesellschaftliches Miteinander aufzubauen und muslimisches Leben kennenzulernen. Das fördert nicht nur Vielfalt und Zusammenhalt, sondern kann auch Ängste abbauen und Vorurteile überwinden. Denn Hass gegenüber Musliminnen und Muslimen ist kein Sonderfall. Antimuslimischer Rassismus ist in Deutschland eine ernstzunehmende Gefahr.

Und die Menschen kommen. Viele bringen Neugier mit, viele haben Fragen, aber manche auch Skepsis. Ich selbst bin Imam und Theologe und darf seit über 15 Jahren in verschiedenen Moscheen in ganz Deutschland Gäste am Tag der offenen Moschee begrüßen und begleiten. Es erfüllt mein Herz, die interessierten Gesichter zu sehen. Sehr oft stoße ich dabei allerdings auch auf Desinformation. Doch dort, wo Dialog beginnt, entsteht oft schnell ein Gefühl des Miteinanders. Für viele Besucherinnen und Besucher ist es überhaupt das erste Mal, dass sie eine Moschee von innen betreten. Zugleich ist es für sie interessant zu erfahren, dass es muslimische Imame gibt, die sehr gut Deutsch sprechen.

Doch es gibt auch Begegnungen, die nicht immer von Neugier geprägt sind. Es gibt Gäste, die mit einem sehr kritischen Blick eine Moschee betreten und ihre Kritik offen aussprechen. Auch dafür ist eine Moschee da: um miteinander ins Gespräch zu kommen und einen Dialog zu ermöglichen. Denn Kritik wandelt sich schnell in Neugier, Neugier in Interesse und am Ende sitzt man gemeinsam bei Kaffee und Kuchen und lacht miteinander.

Auch viele Familien nutzen jedes Jahr den Feiertag, um mehr über die Moschee in ihrer Stadt zu erfahren. So kommen beispielsweise Familien mit Kindern, die gerade in der Schule den Islam kennenlernen und sich näher darüber informieren möchten. Mit einem Stift in der Hand schreiben sie fleißig alles mit, was erzählt und erklärt wird.

In den allermeisten Moscheen gibt es Ausstellungen, Führungen und Vorträge. Besucherinnen und Besucher haben die Möglichkeit, die Moschee kennenzulernen, Fragen zu stellen und mehr über den Islam und das Gemeindeleben zu erfahren. Für viele ist es auch das erste Mal, dass sie sehen, wie Muslime beten. Oft wird der Tag der offenen Moschee auch durch zahlreiche Attraktionen für Kinder und Familien bereichert, beispielsweise durch eine Hüpfburg, kulinarische Angebote oder einen Kalligrafie-Stand.

Es ist also ein Tag, der Deutschland bereichern soll, der Menschen verbinden und Angst in Vertrauen und Verständnis verwandeln soll. Auch in diesem Jahr freuen sich die Moscheegemeinden auf zahlreiche Besucherinnen und Besucher. Und auch ich freue mich auf besondere Gespräche, spannende Fragen und auf Gäste, die mit einem Lächeln und neuen Erkenntnissen die Moschee wieder verlassen.

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Über den Autor: Umair Khalid hat Islamische Theologie an der Jamia Ahmadiyya Deutschland studiert und ist als Imam tätig. Darüber hinaus ist er auch journalistisch aktiv und Mitglied der deutschen Redaktion des internationalen Fernsehsenders MTA der Ahmadiyya Muslim Gemeinschaft. Er produziert u. a. Social-Media-Beiträge, verfasst Kommentare und führt Interviews zu gesellschaftlichen und internationalen Themen.

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