
Hinweis: Diese Übersetzung bzw. Abschrift darf ohne ausdrückliche Genehmigung weder auf anderen Webseiten veröffentlicht noch in gedruckter Form vervielfältigt werden.
Nach der Rezitation von Taschahhud, Taʿawwuz und der Sure Al-Fatiha sagte Hadhrat Khalifa-tul-Masih V (aba):
»Wie ihr wisst, umfasst die Khuddamul Ahmadiyya die männlichen Mitglieder unserer Jamaat im Alter von 15 bis 40 Jahren und die Atfalul Ahmadiyya jene von 7 bis 15 Jahren. Als Khadim seid ihr in einem Alter, in dem ihr ein gutes Bildungsniveau erreicht, Fähigkeiten erworben oder Berufe ergriffen habt, die unmittelbar für den Dienst an der Jamaat und der Menschheit eingesetzt werden können.
Darüber hinaus habt ihr sowohl körperlich als auch geistig die Fähigkeit, voll und ganz an den Aktivitäten unserer Jamaat teilzunehmen und ihr große Dienste zu erweisen. Gleichzeitig sollt ihr – auch wenn Bildung und der Erwerb von Fähigkeiten überaus wichtig sind – stets bedenken, dass der Erfolg göttlicher Religionsgemeinschaften nicht von den Fähigkeiten ihrer Mitglieder abhängt.
Vielmehr hängt er von der Gnade Allahs ab sowie davon, dass ihre Mitglieder mit Taqwa [Rechtschaffenheit] handeln und eine enge Bindung zu Allah, dem Allmächtigen, aufbauen. Hier stellt sich naturgemäß die Frage, wie ein Mensch die Nähe Allahs erlangt. Einfach ausgedrückt erfordert dies, dass der Mensch die Rechte der Anbetung Allahs erfüllt, nach Seinen Geboten handelt und den Rechten der Mitmenschen nachkommt. Gewiss kann eine Religionsgemeinschaft nicht vorankommen und erfolgreich sein, wenn ihre Mitglieder in dieser Hinsicht Schwächen aufweisen.
Als Ahmadis dürfen wir niemals unterschätzen, wie glücklich wir uns schätzen können, in diesem gesegneten Zeitalter des Verheißenen Messias (as) geboren und aufgewachsen zu sein, dessen Erscheinen von Allah, dem Allmächtigen, und dem Heiligen Propheten (saw) prophezeit wurde. Tatsächlich prophezeite der Heilige Prophet (saw), dass auf den anfänglichen Aufstieg und Fortschritt des Islam eine anhaltende Phase des religiösen Niedergangs folgen würde und dass diese Ära der spirituellen Dunkelheit tausend Jahre andauern würde.
Danach würde sich die Barmherzigkeit Allahs aufs Neue manifestieren. Er würde den hingebungsvollsten und wahrhaftigsten Diener des Heiligen Propheten (saw) als den Verheißenen Messias und Mahdi auf die Welt entsenden, um die wahren und friedvollen Lehren des Islam wiederzubeleben und weltweit zu verbreiten. Während dieser vielen Jahrhunderte des moralischen Verfalls, und insbesondere als die festgesetzte Zeit für das Erscheinen des Messias und Mahdi näherrückte, beteten unzählige fromme Menschen inbrünstig und suchten verzweifelt nach ihm, um ihn anzunehmen und seiner Mission zu dienen. Dennoch kamen sie auf diese Welt und verließen sie wieder, ohne das zu finden, wonach sich ihre Herzen sehnten. Wir Ahmadis jedoch sind durch die Gnade Allahs jene glücklichen Menschen, die den in diesen Prophezeiungen Verheißenen erkannt und ihm die Treue geschworen haben. Während ihr euch also durch diese Welt bewegt, die von Materialismus und endloser Ablenkung verzehrt wird, solltet ihr stets erkennen und zu schätzen wissen, wie überaus glücklich ihr seid.
Ihr wurdet nicht nur in diesem Zeitalter des Verheißenen Messias (as) geboren, sondern wurdet auch rechtgeleitet, ihn zu akzeptieren und Zeugen der gewaltigen Manifestation von Allahs Versprechen sowie der Erfüllung der großartigen Prophezeiung des Heiligen Propheten (saw) zu werden. Zugleich birgt dieser unermessliche Segen eine tiefgreifende Verantwortung.
Indem wir das Bai’at an den Verheißenen Messias (as) abgelegt haben, haben wir uns verpflichtet, unserem Glauben stets Vorrang vor allen weltlichen Dingen einzuräumen. Dies erfordert, dass wir die Rechte Allahs und der Mitmenschen erfüllen. Es verpflichtet uns, nach wahrer Rechtschaffenheit zu streben. Es verlangt von uns, den Geboten Allahs, Seines Gesandten (saw) und des Verheißenen Messias (as) zu gehorchen und der Welt ein edles Beispiel an Frieden und Mitgefühl vorzuleben.
In jüngster Zeit habe ich bei verschiedenen Gelegenheiten über die Bedingungen des Bai’ats gesprochen. Als Ahmadis müssen wir regelmäßig über diese zehn Bedingungen nachdenken, damit unser Glaube gestärkt wird und wir unsere religiösen Pflichten vollumfänglich begreifen.
Daran anknüpfend möchte ich heute erneut auf dieses essenzielle Thema zurückkommen und mich auf zwei spezifische Bedingungen des Bai’ats konzentrieren.
Wie jeder religiöse Mensch verstehen sollte, ist ein Glaube, dem es an der Anbetung Allahs und einer Verbindung zu Ihm mangelt, überhaupt kein Glaube. Wahrlich, wenn jemand behauptet, ein Muslim zu sein, es aber versäumt, den Rechten der Anbetung Allahs nachzukommen, so folgt daraus, dass sein Anspruch hohl bleibt und nicht mehr als leere Worte darstellt.
Die wichtigste Form des Gottesdienstes ist in der dritten Bedingung des Bai’ats dargelegt. Diese besagt, dass er oder sie die fünf täglichen Gebete ohne Unterlass und in Übereinstimmung mit den Geboten Allahs und des Heiligen Propheten Muhammad (saw) verrichten werde. In Bezug auf das rituelle Gebet sagt Allah im Heiligen Qur’an:
اِنَّ الصَّلٰوۃَ تَنۡہٰی عَنِ الۡفَحۡشَآءِ وَالۡمُنۡکَرِ
„Wahrlich, das Gebet hält ab von Schändlichkeiten und Unrecht.“[1]
In seinen Erläuterungen dazu führt der Verheißene Messias (as) aus: „Das rituelle Gebet ist eine solche Tugend, durch die satanische Schwäche beseitigt wird, und genau dies wird als wahres Gebet und Anflehen bezeichnet. Aus diesem Grund verlangt es Satan danach, dass der Mensch im rituellen Gebet Schwäche zeigt, denn er weiß, dass jedwede Reformation, zu der ein Mensch fähig ist, genau durch dieses Mittel erreicht wird.“[2]
Bezüglich der Segnungen des rituellen Gebets sagt der Verheißene Messias (as) weiter: „Lasst die Liebe und Erhabenheit Allahs für immer in euren Herzen fließen. Hierfür gibt es kein größeres Mittel als das Namaz [rituelle Gebet].“[3]
Er erklärt, dass andere Formen der Anbetung, wie das Fasten und die Entrichtung der Zakat, zwar essenziell sind, das rituelle Gebet jedoch über allem steht. Dies liegt daran, dass die Fastenzeit im Ramadan lediglich einen Monat im Jahr andauert, während die Zakat nur für jene verpflichtend ist, die in einem Jahr über ausreichendes Vermögen verfügen. Das Namaz hingegen ist eine universelle Pflicht, die für jeden Muslim bindend ist und jeden einzelnen Tag fünfmal verrichtet werden muss. Demzufolge betonte der Verheißene Messias (as), dass das rituelle Gebet mit tiefster Konzentration und der festen Überzeugung verrichtet werden muss, dass man vor jenem allmächtigen Wesen steht, das die Gebete augenblicklich erhören und annehmen kann, so es Sein Wille ist.
Der Verheißene Messias (as) legt dar, dass weltliche Herrscher durch begrenzte Ressourcen eingeschränkt sind und stets in der Furcht leben, ihre Schatzkammern könnten sich leeren. Im Gegensatz dazu ist die Schatzkammer Allahs grenzenlos und kann niemals erschöpft werden. Wenn ein Mensch folglich vor Ihm steht, sollte dies mit der Gewissheit geschehen, dass Allah all seine Bittgebete hört und der Besitzer aller Mächte ist.
Er ist der Allhörende, As-Sami, und der Allwissende, Al-Alim. Er ist der Allkundige, Al-Khabir, und der Allmächtige, Al-Qadir. Verrichtet eure Gebete daher mit völliger Überzeugung und absolutem Vertrauen auf Allah sowie mit vollkommener Demut, anstatt die Worte bloß aus Gewohnheit zu wiederholen.
Ferner lehrte der Verheißene Messias (as), dass wir niemals die Hoffnung aufgeben oder annehmen dürfen, dass Allah unsere Gebete nicht erhört.
Vielmehr muss unser Vertrauen in Ihn unerschütterlich bleiben. Zuweilen fragen Menschen, weshalb Allah ihre Gebete nicht angenommen hat. Anstatt jedoch Frustration oder Ungeduld zu zeigen, müssen sie sich vor Augen führen, dass die Annahme von Gebeten an Bedingungen geknüpft ist. Wenn wir uns wünschen, dass Allah auf unser Bittgebet antwortet, müssen wir zunächst Seinen Geboten gehorchen.
Daher sollte sich jeder Einzelne selbst fragen, ob er tatsächlich nach den Geboten Allahs handelt. Ist sein Leben gänzlich frei von jedweder Spur des Schirk? Und hält er sich von jeder Form des Fehlverhaltens fern? Ist dies nicht der Fall, so ist die Beschwerde, Allah würde seine Bittgebete nicht erhören, ein haltloser und ungerechter Vorwurf gegen Ihn.
Allah antwortet denjenigen gnädig, die mit einem festen Glauben an Seine Allmacht beten und denen bewusst ist, dass ihre Gebete wertlos – und gar ein Grund für Sein Missfallen – wären, wenn sie Seine Gebote missachteten. Über die Kraft des Gebets sagte der Verheißene Messias (as): „Es ist eine wohlbekannte Wahrheit, dass das Namaz ein überaus wirksames Mittel ist, um den Menschen vor Sünde zu bewahren. Es ist die dem Namaz innewohnende Eigenschaft, dass es den Menschen von Sünde und Unmoral abhält.“[4]

Viele Menschen bringen die Ausrede vor, ihr voller Terminkalender und ihr anspruchsvolles Arbeitspensum machten es schwierig, das Namaz zu den vorgeschriebenen Zeiten zu verrichten. Diese Ausrede ist keineswegs neu. Der Verheißene Messias (as) hat in der Tat einen Hadith angeführt, in dem eine Gruppe von Menschen, die den Islam neu angenommen hatten, den Heiligen Propheten (saw) um die Erlaubnis bat, vom rituellen Gebet befreit zu werden.
Sie brachten vor, dass sie tagsüber sehr damit beschäftigt seien, ihr Vieh zu hüten, und dass ihre Kleidung aufgrund der Art ihrer Arbeit oft verschmutzt sei. Als Antwort darauf sagte der Heilige Prophet (saw): „Nehmt euch in Acht! Wenn es kein rituelles Gebet gibt, dann gibt es gar nichts. Ein Glaube ohne Anbetung ist keineswegs ein Glaube.“
Diesbezüglich führte der Verheißene Messias (as) weiter aus: „Das Namaz ist für jeden einzelnen Muslim verpflichtend. Und was ist das Namaz? Es bedeutet, Allah mit vollkommener Demut eure eigenen Schwächen und Gebrechlichkeiten darzulegen und Seine Hilfe zu erflehen, um alle eure Bedürfnisse zu erfüllen.“ In Bezug darauf, wie man beten sollte, sagt der Verheißene Messias (as): „Ein Bittender sollte Allah preisen, indem er Seine Größe und Erhabenheit verkündet, um dadurch Seine Barmherzigkeit hervorzubringen.“[5]
Wir beobachten oft, dass jemand, der die Hilfe eines anderen benötigt, diesem Lob ausspricht, um dessen Gunst zu gewinnen. Ebenso sollten wir Allah preisen, wenn wir Seine Hilfe suchen, um Seine Barmherzigkeit auf uns zu ziehen. Der Verheißene Messias (as) sagt: „Der Mensch ist überaus bedürftig und abhängig von der Gnade Gottes, und daher sollte er beständig nach dem Wohlgefallen Allahs, des Allmächtigen, streben.“ Weiterhin sagt er: „Allein durch Seine Gnade und Barmherzigkeit kann der Mensch überhaupt etwas vollbringen. Daher sollte man beten: ‚O Allah, gewähre uns die Fähigkeit, gänzlich Dein zu werden, und mögen wir einzig auf dem Pfad wandeln, der zu Deinem Wohlgefallen und Deiner Gunst führt, und möge Deine Liebe in unsere Herzen einziehen.‘“[6]
Der Verheißene Messias (as) fährt fort, indem er erklärt: „Ein Mensch, der sich vom rituellen Gebet befreien möchte, ist nicht besser als ein Tier, da er sein Leben lediglich mit Essen, Schlafen und dem Nachjagen eitler Begierden verbringt.“ Er sagt: „Dies ist kein Glaube; vielmehr ist es der Weg der Ungläubigen.“[7] Denkt also stets daran, dass ein wahrer Gläubiger niemals nachlässig darin sein kann, die Rechte Allahs zu erfüllen. Allah sagt im Heiligen Qur’an:
فَاذْكُرُونِي أَذْكُرْكُمْ وَاشْكُرُوا لِي وَلَا تَكْفُرُونِ
„Darum gedenket Mein, Ich will euer gedenken; und danket Mir und seid nicht undankbar gegen Mich.“[8]
Der Verheißene Messias (as) erläutert diesen Vers, indem er sagt, dass Allah niemals jene im Stich lassen wird, die beständig Seiner gedenken und Ihm stets dankbar bleiben. Er wird sich immer um solche Menschen kümmern, sie beschützen und ihre Bedürfnisse erfüllen. Umgekehrt sind die Vernachlässigung des Gedenkens Allahs und das Zeigen von Undankbarkeit Anzeichen von Unglauben. In der Tat stellen die fünf täglichen Gebete lediglich das absolute Minimum dessen dar, was gefordert ist; darüber hinaus sollte ein wahrer Gläubiger Allah zu allen Zeiten gedenken, damit er dazu inspiriert wird, seinem Glauben Vorrang vor allen weltlichen Angelegenheiten einzuräumen.
Nur dann wird er erkennen, dass Allah all seine Taten beobachtet, und davon absehen, gegen Seine Lehren und Gebote zu verstoßen. Allah verspricht, dass das rituelle Gebet und das Gedenken an Ihn einen Menschen vor allen Formen der Schändlichkeit und Unmoral bewahren werden, wenn er diesen spirituellen Zustand erreicht. Auf diese Weise wird das mit wahrer Hingabe verrichtete rituelle Gebet zu einem mächtigen Katalysator für die moralische Reform.
Es schirmt die Gläubigen vor den weltlichen Lastern und Versuchungen ab, die uns umgeben – sei es im Internet, im Fernsehen, in den sozialen Medien oder andernorts. Solche Menschen werden auch niemals auf den Gedanken kommen, andere in ihren geschäftlichen Angelegenheiten zu täuschen, oder ihren Staat zu bemogeln, indem sie die ihnen zustehenden Steuern nicht zahlen oder sich in irgendeiner Weise über das Gesetz hinwegsetzen.
Ebenso wenig werden sie zu irgendeiner anderen Art von Sünde neigen. Im Allgemeinen erfreuen sich junge Menschen einer guten Gesundheit und körperlicher Vitalität. Somit können Khuddam keine physischen Gebrechen oder Schwäche als Ausrede anführen, um den Gang zur Moschee oder zum Gebetszentrum zu meiden.
Verrichtet eure Gebete daher so oft wie möglich in der Gemeinschaft. Solltet ihr euch jedoch bei der Arbeit befinden und niemand anderen haben, mit dem ihr beten könnt, oder sollte eine andere Notwendigkeit vorliegen, so solltet ihr eure Gebete dennoch zu den festgelegten Zeiten verrichten. Wenn eure Absicht rein ist, kann Allah euch den gleichen Lohn zuteilwerden lassen wie jenen, die in der Gemeinschaft beten.
Denn der Heilige Prophet (saw) lehrte: Taten werden nach der Absicht beurteilt.
In der heutigen Zeit müssen wir unseren Gebeten besondere Aufmerksamkeit widmen, da selbst aus unseren eigenen Reihen viele von weltlichen Bestrebungen vereinnahmt werden. Infolgedessen versäumen sie es, den Pflichten der Anbetung Allahs gerecht zu werden. Allah verkündet, dass die Verrichtung des Gebets das absolute Fundament des Glaubens ist.
Zahlreiche Überlieferungen des Heiligen Propheten (saw) bezeugen darüber hinaus die herausragende Bedeutung des Gebets. So berichtet beispielsweise Hadhrat Abu Hurairah (ra), dass er den Heiligen Propheten (saw) sagen hörte, dass das Gebet am Tag des Jüngsten Gerichts das Erste sein wird, wofür Allah uns zur Rechenschaft ziehen wird.
Ist die Gebetsbilanz eines Menschen vollständig, wird er erfolgreich sein und Erlösung erlangen. Weist sie jedoch Mängel auf, wird er scheitern und die Konsequenzen dieses Versagens tragen müssen. Wohin man in der heutigen Welt auch blickt, überall wird man mit weit verbreiteter Unmoral und Lasterhaftigkeit konfrontiert. Um euch vor diesen Einflüssen abzuschirmen, müsst ihr daher der Anbetung Allahs oberste Priorität einräumen.
Denn die Welt stürzt rapide in einen immer tieferen moralischen Verfall, und all jene, die es versäumen, sich vor dieser Verderbtheit zu schützen, werden den Zorn Allahs auf sich ziehen. Wahrlich, sie werden Seine Strafe erfahren, sei es im Diesseits oder im Jenseits. Bei einer Gelegenheit sagte der Verheißene Messias (as): „Also denn, all ihr Leute, die ihr euch zu Mitgliedern meiner Gemeinde zählt! Vor Gott sollt ihr nur dann zu Mitgliedern meiner Gefolgschaft gezählt werden, wenn ihr wahrhaftig auf den Pfaden der Rechtschaffenheit, vorwärts zu schreiten beginnt.“ Das heißt: Taqwa. Er sagte: „Verrichtet eure täglichen fünf Gebete mit solch straffer Sammlung und geistiger Ehrfurcht, als ob ihr Gott mit euren leibhaftigen Augen vor euch sähet.“[9]
Manchmal äußern sich Menschen dahingehend, dass es ihnen schwerfalle, im Gebet Freude oder Hingabe zu empfinden. Um echte Emotionen und spirituelle Wonne im Gebet zu erfahren, wies uns der Verheißene Messias (as) an, mit den folgenden Worten zu flehen: „O Allah, Du siehst, wie blind und ohne Sehkraft ich bin und wie es in diesem Moment ist, als wäre ich tot. Doch ich weiß, dass ich jederzeit zurückgerufen werden kann und vor Dir erscheinen muss, und niemand kann dies aufhalten.“[10]
Er erklärt, dass wir im Gebet die Vergänglichkeit dieser Welt anerkennen und uns bewusst machen sollten, dass wir alle zu Allah zurückkehren werden. Er lehrt, dass wir beständig darum beten müssen, dass Allah uns nicht aus dieser Welt abberuft, solange wir geistig blind und unwissend über Seine Barmherzigkeit, Seine Gnade und Seine Majestät sind.
Vielmehr müssen wir kontinuierlich dafür beten, dass, wann immer Allah uns zu Sich ruft, dies zu einem Zeitpunkt geschieht, an dem unsere Anbetung und Hingabe von höchster Stufe sind. Der Verheißene Messias (as) überbringt die frohe Botschaft, dass, wenn jemand auf diese Weise anbetet und fleht, jene Gebete, die sich einst wie eine bloße Formalität oder eine Last anfühlten, von spirituellem Licht durchdrungen sein werden. Und dieses Licht wird eine tiefe Emotion, göttliche Liebe und reine Freude in der Anbetung entfachen.
Kurz gesagt ist das Gebet der unverzichtbarste Bestandteil unseres Glaubens. Stellt daher von jungen Jahren an sicher, dass die fünf täglichen Gebete euer ständiger und lebenslanger Begleiter bleiben. Auch Kinder im Alter von zehn Jahren sollten sich diesen Punkt stets vergegenwärtigen. Geht niemals davon aus, dass ihr zu jung seid oder dass euch noch viele Jahre bleiben, um eure Beziehung zu Allah aufzubauen.
Stattdessen hoffe und bete ich, dass ein jeder von euch dieses Ijtema mit dem festen Entschluss verlässt, seine Bindung zu seinem Schöpfer zu stärken und Ihn mit unerschütterlicher Aufrichtigkeit und Hingabe anzubeten. Denkt daran: Um unseren Glauben wahrhaftig zu schützen, müssen wir jedes Versprechen halten, das wir Allah gegeben haben.
In diesem Zusammenhang möchte ich nun auch eure Aufmerksamkeit auf die zehnte und letzte Bedingung des Bai’ats lenken, wie sie der Verheißene Messias (as) festgelegt hat. Diese ist insbesondere für die Mitglieder der Khuddamul Ahmadiyya von entscheidender Bedeutung. In der zehnten Bedingung des Bai’ats heißt es, dass „er/sie den Bund der Brüderlichkeit mit diesem Demütigen allein um Allahs willen mit dem Versprechen des Gehorsams in allem Guten eingehen und sich verpflichten wird, diesem Bund treu zu bleiben bis zum Tage seines/ihres Todes.“
Hierin hat der Verheißene Messias (as) von jedem Ahmadi das Versprechen abgenommen, nach einem Band der bedingungslosen Liebe und Loyalität zu ihm zu streben. Dieses Band der Treue und Brüderlichkeit ist kein gewöhnliches Band. Vielmehr ist es ein Weg, um zu demonstrieren, dass wir jenen Messias und Imam Mahdi akzeptiert haben, der der Welt von Allah gemäß Seiner Verheißung und in Übereinstimmung mit den Prophezeiungen des Heiligen Propheten (saw) gesandt wurde.
Darüber hinaus verdeutlicht es unsere feste Entschlossenheit, nach den Lehren des Verheißenen Messias (as) zu handeln und seiner Sache bis zu unserem letzten Atemzug zu dienen. Wenn ein Mensch in diesem Versprechen aufrichtig ist, wird seine Verbindung zur Jamaat auf natürliche Weise stärker werden, und er wird vor negativen Gedanken und satanischen Einflüssen geschützt sein.
Sein Glaube an den Verheißenen Messias (as) und an das Khilafat-e-Ahmadiyya wird stets fest und unerschütterlich bleiben. Selbst wenn er Defizite bei bestimmten Amtsträgern oder Einzelpersonen feststellt, wird dies weder seinen Glauben erschüttern noch ihn gegen die Jamaat oder den Verheißenen Messias (as) aufbringen. Stattdessen wird er erkennen, dass, selbst wenn ein einzelner Amtsträger im Unrecht ist, dies ihn niemals davon abbringen darf, den Pflichten seines Bai’ats gerecht zu werden. Im Heiligen Qur’an, in der Sure An-Nuur, in der das Khilafat erwähnt wird, sagt Allah, der Allmächtige:
طَاعَةٌ مَّعۡرُوۡفَةٌ
„Gehorsam im Rechten.“[11]
Der Qur’an erfordert folglich von einem Gläubigen, allen Ma’ruf-Entscheidungen zu gehorchen, was bedeutet, dass er jede rechtschaffene und gute Entscheidung eines Propheten oder seiner Nachfolger akzeptieren und befolgen wird.
Es wird oft die Frage gestellt: Was ist unter Ma’ruf zu verstehen? Ma’ruf bezieht sich schlichtweg auf jede Anweisung oder Entscheidung, die auf dem Gebot Allahs, den Lehren des Heiligen Propheten (saw) und dem Heiligen Qur’an basiert. Wenn wir dies verstehen, wird deutlich, dass jede Entscheidung des Verheißenen Messias (as) und der Khulafa Ma’ruf ist, denn der Verheißene Messias (as) war der hingebungsvollste Anhänger des Heiligen Propheten (saw), und somit könnten weder er noch seine wahren Nachfolger die Menschheit jemals zu etwas anleiten, das von Güte und Wahrheit abweicht.
Hadhrat Khalifatul Masih I. (ra) hat eine wunderschöne und weise Erklärung über die wahre Bedeutung einer Ma’ruf-Entscheidung gegeben. Er erklärte, dass das Konzept des Gehorsams im Guten etwas ist, das die Menschen manchmal nicht zu verstehen vermögen. Tatsächlich beobachtete er, dass manche Menschen fälschlicherweise glauben, sie seien diejenigen, die darüber bestimmen, was richtig ist.
Sie gehen davon aus, dass, wenn ihnen ein Befehl nach ihrer eigenen Einschätzung falsch erscheint, es ihnen freistehe, ihn abzulehnen. Dies darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn alle Mitglieder unserer Jamaat diese Haltung einnehmen und selbst entscheiden würden, was Ma’ruf ist, würde die Einheit der Jamaat zerbrechen, und vollkommener Gehorsam wäre unmöglich zu erreichen.
Hadhrat Khalifatul Masih I. erklärte weiter, dass das Wort Ma’ruf im Heiligen Qur’an in Bezug auf den Heiligen Propheten (saw) und die gläubigen Frauen, die sein Bai’at ablegten, verwendet wurde. In diesem Zusammenhang fragte Hadhrat Khalifatul Masih I. (ra), ob die in dem Vers erwähnten Frauen – Gott bewahre – etwa eine Liste von Fehlern oder Irrtümern des Heiligen Propheten (saw) erstellt hätten, denen sie nicht gehorchen würden?
Das könnte natürlich niemals der Fall sein. Auf ähnliche Weise, so sagte er, habe der Verheißene Messias (as) den Ausdruck „Gehorsam im Rechten“ in der Bedingung des Bai’ats verwendet, sodass all jene, die das Bai’at ablegen, verpflichtet sind, all seinen Anweisungen sowie denen des Kalifen der Zeit zu gehorchen.
Hadhrat Khalifatul Masih I. (ra) erklärte, dass er diesen Punkt klargestellt habe, um jegliche Zweifel oder Verwirrung auszuräumen, und nicht, um gegen irgendjemanden den Finger des Verdachts zu erheben. Auch in der heutigen Zeit haben die Menschen Fragen zur Bedeutung von Ma’ruf, weshalb auch ich dieses Thema von Zeit zu Zeit anspreche.

Erinnert euch also stets daran, dass geziemender Gehorsam bedeutet, dass jedem Befehl oder jeder Anweisung, die in Übereinstimmung mit den Lehren Allahs und Seines Gesandten (saw) gegeben wird, uneingeschränkt Folge zu leisten ist. Bezüglich der Grenzen des Gehorsams erklärte der Heilige Prophet (saw), dass, wenn ein Anführer oder Amir über ein Volk eingesetzt wird und dieser eine Anweisung erteilt, die dem Gebot Allahs oder den Lehren des Heiligen Propheten (saw) widerspricht, diese nicht ausgeführt werden darf. Innerhalb unserer Jamaat sind wir jedoch durch die Gnade Allahs mit der Institution des Khilafat-e Ahmadiyya gesegnet. Ein Khalifatul Masih wird niemals eine Anweisung erteilen, die im Widerspruch zur Scharia steht.
In der Sure An-Nuur, wo das Kalifat Erwähnung findet, sagt Allah in einem der Verse:
وَاَقۡسَمُوۡا بِاللّٰہِ جَہۡدَ اَیۡمَانِہِمۡ لَئِنۡ اَمَرۡتَہُمۡ لَیَخۡرُجُنَّ ؕ قُلۡ لَّا تُقۡسِمُوۡا ۚ طَاعَةٌ مَّعۡرُوۡفَةٌ ؕ اِنَّ اللّٰہَ خَبِیۡرٌۢ بِمَا تَعۡمَلُوۡنَ
„Und sie schwören bei Allah ihre feierlichsten Eide, sie würden, wenn du es ihnen befiehlst, gewisslich ausziehen. Sprich: ‚Schwöret nicht! Gehorsam im Rechten!‘ Wahrlich, Allah ist wohl kundig dessen, was ihr tut.“[12]
In diesem Vers sagt Allah, dass es wertlos ist, bloß leere Versprechen abzugeben oder Eide zu schwören. Hier, auf dem Ijtema und bei anderen Veranstaltungen, rezitieren unsere Mitglieder emotionale Gedichte oder Nazams, in denen sie ihre Loyalität zum Ausdruck bringen und große Glaubensbekenntnisse ablegen. Bekenntnisse allein sind jedoch bedeutungslos. Was tatsächlich zählt, ist der gelebte Gehorsam in der Praxis. In dem Vers gebietet Allah ein wahrhaftige Festhalten an allem, was rechtschaffen und gut ist. Es ist selbstverständlich, dass ein Prophet niemals gegen das Gesetz Allahs handeln oder sprechen wird, noch wird er jemals einen Befehl erteilen, der der Weisheit widerspricht. Danach wird das Khilafat erwähnt, was bedeutet, dass seine Anhänger nach dem Leben des Propheten dem Khilafat vollkommenen Gehorsam leisten müssen.
Wie ich eingangs sagte, haben wir das Glück, den Imam der Zeit akzeptiert zu haben, und alles, was er lehrte und anwies, basierte auf den wahren Lehren des Islam. Bei einer Gelegenheit sagte der Verheißene Messias (as), als er sich an die Jamaat wandte, dass ihr nun mich akzeptiert habt; folglich müsst ihr die fünf Pflichtgebete regelmäßig verrichten. Ihr müsst jegliche Form der Falschheit ablegen. Ihr müsst Arroganz und Stolz aufgeben. Ihr dürft niemals die Rechte anderer an euch reißen. Behandelt stattdessen alle anderen mit Liebe und Mitgefühl.
Genau um der Mission des Verheißenen Messias (as) zu dienen und diese zu erfüllen, etablierte Allah die Institution des Khilafat-e-Ahmadiyya. Darüber hinaus ist es die Verheißung des Heiligen Propheten (saw), dass das Khilafat des Verheißenen Messias (as), InshaAllah, bis zum Jüngsten Tag bestehen bleiben wird, solange seine Anhänger beständig danach streben, sich in der Taqwa und im Gehorsam im Guten hervorzutun, und jederzeit bereit sind, die wahren Lehren des Heiligen Propheten des Islam (saw) zu verteidigen und aufrechtzuerhalten. Gewiss könnt ihr nur dann wahrhaftig behaupten, in Übereinstimmung mit den Lehren des Islam zu leben, wenn ihr danach strebt, diese edlen Ziele zu erreichen. Wenn ihr es jedoch versäumt, euren Pflichten nachzukommen, werden sich eure Behauptungen, jeder Anweisung des Kalifen der Zeit zu folgen, als hohl und als nichts anderes als eine große Lüge erweisen.
Daher müsst ihr als Mitglieder der Khuddamul Ahmadiyya, die geloben, für jedes Opfer zum Schutz und zur Bewahrung des Khilafats bereit zu sein, euch besonders darum bemühen, die Rechtleitung des Verheißenen Messias (as) und in dieser Ära die Anweisungen des Kalifen der Zeit zu verstehen und danach zu handeln. Jeder Schritt, den ihr macht, muss zur Rechtschaffenheit führen und euch Allah immer näher bringen. Der Weg, dies zu erreichen, liegt in der Wahrung des Taqwa, in der Erfüllung der Rechte Allahs, des Erhabenen, und der Rechte Seiner Schöpfung sowie im Erfüllen der feierlichen Anforderungen, die sich aus eurem Bai’at, eurem festem Glauben ergeben. Und ihr müsst stets bereit sein, jedes erdenkliche Opfer für euren Glauben und eure Jamaat zu erbringen.
Zum Abschluss bete ich, dass ihr alle erkennt, dass es an euch liegt, an vorderster Front eine wahre und ewig währende spirituelle Revolution in der Welt herbeizuführen, euer Leben als treue und ergebene Diener des Verheißenen Messias (as) zu führen und die Welt unter das Banner des Heiligen Propheten (saw) zu bringen. Möge Allah euch allen die Fähigkeit verleihen, dieser edlen Herausforderung gerecht zu werden. Amin.«
[Offizielle Abschrift ursprünglich veröffentlicht in „The Review of Religions“]
ENDNOTEN
[1] Der Heilige Koran, 29:46
[2] Malfuzat, Bd. 4, S. 59, Ausgabe 2022
[3] Ebd., S. 61
[4] Ebd., S. 232
[5] Ebd., S. 340
[6] Ebd., S. 340–341
[7] Ebd., S. 341
[8] Der Heilige Koran, 2:153
[9] Kishti-e-Nuh, Ruhani Khaza’in, Bd. 19, S. 15
[10] Malfuzat, Bd. 3, S. 481
[11] Der Heilige Koran, 24:54
[12] Ebd.





Kommentar hinzufügen