von Yunus Mairhofer
Warum der Name Allah so oft missverstanden wird
Es genügt manchmal ein einziges Wort, um Welten zu trennen. »Allahu Akbar« – ein Ausruf, der in muslimischen Gebeten, beim Staunen über die Natur oder als spontaner Dank bei guter Nachricht verwendet wird – ruft in vielen westlichen Ohren nicht Freude, sondern Furcht hervor. Während diese Sicht vermutlich bereits in den ›kreuzzügerischen‹ Auseinandersetzungen wurzelt, ist es heute die verzerrte Brille der Medien, wodurch der Name »Allah« für viele zu einem Symbol der Bedrohung wurde.
Das Problem liegt dabei nicht im Namen. Es liegt einerseits in der Entfremdung, und andererseits in einem Mangel an Wissen – oder des Zuhörens. Will heißen, dass sich heute auch viele Anhänger des islamischen Glaubens weit von den ursprünglichen Lehren und Weisheiten ihrer Religion – wie übrigens von ihrem Propheten (saw) vorhergesagt – entfernt haben.
Wer indes glaubt, Allah sei ein anderer Gott als der, zu dem auch Christen und Juden beten, der irrt auch – und verfehlt damit das Verbindende, das alle Menschen in der Tiefe ausmacht.
Allah ist kein fremder Name
Arabische Christen benutzen bis heute »Allah« in ihren Bibeln, ihren Kirchenliedern und ihren Gebeten. In einer arabischen Messe ruft der Priester nicht »Gott ist groß«, sondern »Allahu Akbar«. Es ist derselbe Name.
Im Unterschied zum Wort »Gott«, das grammatikalisch auch ein Plural oder eine weibliche Form annehmen kann (»Götter«, »Göttin«), ist »Allah« ein einzigartiger Eigenname – ohne Plural, ohne Geschlecht. Er verweist ausschließlich auf den Einen, der keinen Anfang und kein Ende hat, der weder gezeugt wurde noch zeugt.
Die inhaltliche Einheit: Wer ist Allah eigentlich?
Im Koran heißt es: »Euer Herr hat Sich Selbst Barmherzigkeit vorgeschrieben; wenn einer von euch unwissentlich etwas Böses tut und hernach bereut und sich bessert, so ist Er allvergebend, barmherzig.«
Allah ist der barmherzige Schöpfer, der gerechte Richter, der liebende Begleiter. Er ist der, der dem Menschen näher ist als seine Halsschlagader. Er vergibt dem, der reumütig zu Ihm zurückkehrt, und erhört das stille Seufzen des Herzens.
Sind das befremdliche Anschauungen? Oder finden sich solche Töne nicht auch in den Psalmen Davids, in den Worten Jesu? »Der HERR ist barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte« (Psalm 103,8). Oder: »Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist« (Lukas 6,36).
Wer mit offenem Herzen liest, wird Übereinstimmung statt Widerspruch entdecken.
Die Unterschiede in Ritualen oder Dogmen betreffen weniger das Wesen Gottes als unser Verständnis von Ihm. Der Eine bleibt derselbe – auch wenn Menschen in verschiedenen Sprachen und Zeiten unterschiedliche Wege gingen, um Ihn zu beschreiben – um Ihm zu begegnen.
Was trennt – und was verbindet wirklich
Natürlich: Der Islam sieht in Jesus keinen Sohn Gottes im wörtlichen Sinn, sondern einen machtvollen Gesandten. Die Trinitätslehre lehnt der Koran als menschengemacht ab. Und doch lieben Muslime Jesus, verehren Maria mehr als manch ein Christ – und beten täglich zu demselben Gott, dem auch Abraham, Mose und Jesus und viele andere dienten.
Die große Trennung also – liegt sie wirklich im Glauben, oder eher im Herzen, im Misstrauen? Es ist kurz gedacht immer der bequemere Weg, Fremdes zu verteufeln.
Was aber, wenn Menschen den Klang fremder Namen nicht mehr mit Angst belegen, sondern mit Neugier? Was, wenn sie nicht reflexartig abgrenzen, sondern genauer hinhören? Dann würden viele vielleicht auch erkennen: Der Gott, den Muslime »Allah« nennen, ist kein anderer Gott. Er ist derselbe Ewige, der zu allen Völkern Boten geschickt hat. Es gibt viele Wege zu Ihm, doch nur eine Wahrheit über Ihn: Er ist Einer. Und Er ist näher, als wir denken – gleich, wie wir Ihn nennen.





Kommentar hinzufügen