Islam

Die Heiligkeit der Ka’ba & die Institution der Hadsch

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Hadhrat Mirza Bashiruddin Mahmud AhmadRA (1889 – 1965) war der zweite Kalif des verheißenen MessiasAS und Oberhaupt der weltweiten Ahmadiyya Muslim Gemeinde. Seine Exegese des Heiligen Koran in Urdu (Tafsir-e Kabir) aus zehn Bänden gilt als ein Meisterwerk seines Wissens.

Die Five Volume Commentary of the Holy Quran ist eine englische Übersetzung von einigen Teilen dieses Werkes, aber auch einiger seiner Notizen. Die Revue der Religionen möchte hier einige Auszüge aus diesem Werk präsentieren, welches die Signifikanz der Ka’ba und der Philosophie der Hadsch diskutiert.

Wahrlich, das erste Haus, das für die Menschheit gegründet wurde, ist das zu Bakka – überreich an Segen und zur Richtschnur für alle Völker. (3:97)

In diesem Vers lenkt der Koran die Aufmerksamkeit des Volkes der Schrift auf das Alter der Kaaba hin um ihm zu zeigen, dass das eigentliche und ursprüngliche Zentrum von Gottes Religion die Kaaba ist; andere Häuser der Andacht, die von Juden und Christen angenommen wurden, sind später entstanden. Wie gewisse Nahrungsmittel von Juden gemieden wurden und ursprünglich nicht verboten waren, sondern nachträglich verboten wurden, genauso ist ihre Qibla (Richtung des Gebetes) nicht die ursprüngliche Qibla, aber mit der Zeit wurde sie als eine solche akzeptiert.1 „In ihm sind deutliche Zeichen. Die Stätte Abrahams – und wer sie betritt, hat Frieden. Und Wallfahrt zu diesem Haus – wer nur immer einen Weg dahin finden kann – ist den Menschen eine Pflicht vor Allah. Wer aber ablehnt (möge bedenken), dass Allah sicherlich unabhängig ist von allen Geschöpfen.“ (Der Heilige Koran 3:98)

Nach dem Aufzeigen von historischen Beweisen in Bezug auf die Kaaba besagt der Koran, dass auch die Vernunft dazu anleitet die Kaaba als Qibla anzunehmen. Dieser Vers zeigt drei Gründe auf, warum die Kaaba die Qibla oder das Zentrum der Religion Gottes ist. 

Erstens, wie in den Worten „die Stätte Abrahams“ angedeutet wird, ist dies der Platz, wo AbrahamAS ankam und betete. Juden und Christen, die beide AbrahamAS in großen Ehren halten, müssen zugeben, dass AbrahamAS diesen Ort besuchte. Daher kann man nicht leugnen, dass dieser Ort ein gesegneter Ort ist. Der zweite Grund, welcher in den Worten, „wer sie betritt, hat Frieden“ beschrieben wird, ist, dass die Ka’ba nicht nur Frieden verspricht, sondern denen, die sie betreten, auch Frieden und Sicherheit gewährt. Dieses Versprechen wurde wortwörtlich erfüllt.

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Geschichtlich betrachtet hat Gott sie vor Krieg und Invasoren beschützt, in alten sowie modernen Zeiten. Die Art wie Abraha, der Herrscher von Jemen, und seine Armee zerstört wurden, als sie die Ka’ba angreifen wollten und die Art wie diese Gegend, die damals zum osmanischen Reich gehörte vom ersten Weltkrieg (1914 – 1918) verschont blieb, zeigen auf, auf welch eine wundersame Weise Gott die Ka’ba beschützte. Ungleich der heiligen Stätten anderer Völker, wurde sie nie von Menschen eingenommen, die sie nicht verehren würden. Auch zur Zeit der Jahiliyya, als verschiedene heidnische Stämme Arabiens im ständigen Krieg miteinander waren, wurde die Umgebung der Ka’ba als heilig verehrt und kein Krieg darin wurde zugelassen. Auch spirituell gesehen ist es ein Ort der Sicherheit für jene, die sie spirituell betreten, d.h. die Religion des Islam annehmen. Sie werden zu Empfängern göttlicher Gnaden und genießen Sicherheit vor der Strafe Gottes.

Der dritte Grund, was die Ka’ba auszeichnet Qibla zu sein, ist in den Worten „und Wallfahrt zu diesem Haus … ist den Menschen eine Pflicht vor Allah“ enthalten. Dieser Vers beinhaltet ein Versprechen Gottes, dass die Ka’ba immer ein Zentrum der Wallfahrt für die Menschen verschiedener Länder und Nationen sein wird. Die Erfüllung dieses Versprechens ist ein Beweis für die Tatsache, dass die Ka’ba tatsächlich von Gott als die Qibla aller Nationen auserwählt wurde.

Jeder Muslim, der die Pilgerreise leisten kann, ist verpflichtet die Wallfahrt mindestens einmal in seinem Leben zu vollziehen. Wenn er mehr als einmal diese Wallfahrt vollzieht, dann ist dies ein Akt einer außerordentlichen Hingebung.

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Die Worte “Wer nur immer einen Weg dahin finden kann” beinhalten drei Bedingungen für die Pilgerfahrt: (1) Ein Pilger muss die notwendige Transportmöglichkeit für eine Wallfahrt haben. (2) Man muss über ausreichende Geldmittel verfügen, um die Kosten der Pilgerfahrt tragen zu können. (3) Auf dem Weg sollte Frieden und Sicherheit herrschen (Dawud). Wenn eine Person krank ist, so hat sie nicht den „Weg“ zur Pilgerfahrt und daher besteht für sie keine Verpflichtung die Wallfahrt zu vollziehen.

Die Worte „Wer aber ablehnt (möge bedenken), dass Allah sicherlich unabhängig ist von allen Geschöpfen“ besagen, dass wer auch immer ablehnt die Ka’ba als Qibla zu akzeptieren – trotz der Argumente die dafür hervorgebracht werden – stets bedenken sollte, dass dieses Gebot zum Wohle der Menschen offenbart wurde. Wenn er sich nicht danach richtet, so fügt er sich selbst einen Schaden zu und nicht Gott, der “unabhängig ist von allen Geschöpfen”.

Das Ziel der Pilgerfahrt ist, die Menschen daran zu gewöhnen für das Wohlgefallen Allahs ihre Häuser und Länder zu verlassen und um Seinetwillen die Trennung von Familie und Freuden auf sich zu nehmen. Die Pilgerfahrt nach Mekka ist auch ein Symbol für den Respekt gegenüber Orten, wo sich der Wille Gottes auf eine besondere Weise manifestierte. Eine Erinnerung an die Ereignisse, die mit dieser Manifestation verbunden waren. Es erinnert die Gläubigen an die lange und gefährliche Reise von AbrahamAS und IsmaelAS zu der Wüste im Tal von Mekka, wo IsmaelAS von AbrahamAS zurückgelassen wurde. Es zeigt mit einer sprachlosen Eloquenz auf, wie jene, die auf dem Wege Gottes Opfer darbringen, von Ihm geschützt und geehrt werden. Dies stärkt in den Pilgern den Glauben an die Allmacht Gottes. Auch wird der Pilger durch die physische Nähe zu jenen Stätten, die von Anfang an der Anbetung Gottes gewidmet waren, eine besondere spirituelle Verbindung mit all jenen erfahren, die über die Jahrhunderte in der Liebe und im Gedenken Gottes miteinander verbunden sind.2

“und verkündige den Menschen die Pilgerfahrt: Sie werden zu dir kommen zu Fuß und auf jedem hageren Kamel, auf allen fernen Wegen.”
(Der Heilige Koran 22:28)

Die Pilgerfahrt ist eine Institution, die mit AbrahamAS begann, wie die Worte „und verkündige den Menschen die Pilgerfahrt“ zeigen. Es war keine polytheistische Institution, die durch den Heiligen ProphetenSAW in den Islam einverleibt wurde, um die Götzenanbeter zu besänftigen, wie einige christliche Autoren behaupten. Seit der Zeit AbrahamAS wird die Pilgerfahrt ununterbrochen bis in unsere Zeit vollzogen und sie wird bis zum Ende der Welt fortbestehen. Die Ka’ba war einige Zeit ein Wallfahrtsort nur für die Araber, aber nun ist es ein Wallfahrtsort für alle Muslime weltweit und ihr ist vorherbestimmt das spirituelle Zentrum der gesamten Menschheit zu werden. Wenn der Islam sich in der ganzen Welt verbreitet hat, wird die Ka’ba ein Symbol für die Einheit Gottes und die Einheit der Menschen sein. Die Zeit ist nicht weit entfernt, wenn es nur einen Gott, eine Religion, einen Propheten, ein Buch und mit der Kaaba ein spirituelles Zentrum für die gesamte Menschheit geben wird. Dass die Ka’ba eines Tages in die Hände des Heiligen ProphtenSAW fallen würde, der Gefangene freiließ nicht für einen Preis oder Belohnung und durch dessen Hände die Ka’ba zum spirituellen Zentrum der ganzen Menschheit werden sollte, wurde mehrere hundert Jahre vor seiner Ankunft von dem Prophten JesajaAS verkündet. Es heißt in seiner Prophezeiung:

„Ich habe ihn erweckt in Gerechtigkeit und will alle seine Wege ebnen. Er wird meine Stadt bauen und meine Weggeführten loslassen, und zwar weder um Geld noch um Gaben, spricht der HERR der Heerscharen … Der Erwerb Ägyptens und der Gewinn Kuschs und die Sabäer, Leute von hohem Wuchs, werden zu dir hinüberkommen und dir gehören; dir werden sie nachfolgen und in Fesseln gehen; vor dir werden sie niederfallen und zu dir flehen: ‚Nur bei dir ist Gott, und sonst gibt es gar keinen anderen Gott!‘“ (Jesaja 45: 13-14)

Diese Prophezeiung ist sehr deutlich und bedarf keiner weiteren Erklärung. Sie bezieht sich offensichtlich auf den Heiligen ProphetenSAW.

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Der Vers beinhaltet auch eine weitere große Prophezeiung. Die Ankündigung, dass die Ka’ba eines Tages ein großer Anziehungspunkt für Menschen aus den entlegensten Ländern sein wird – zu dem Menschen pilgern werden, um die Hadsch zu vollziehen –, wurde bereits in der mekkanischen Zeit vorhergesagt. Zu einer Zeit, als das Schicksal des Islam völlig ungewiss war und das Leben des Heiligen ProphetenSAW und seiner Anhänger ständig bedroht war. In einer Zeit, da sie aus ihren Häusern vertrieben wurden und nicht einmal wussten, wo sie Zuflucht finden könnten. In einer solchen Zeit wurde angekündigt, wie mit einem Paukenschlag, dass zur Ka’ba eines Tages Menschen aus aller Welt pilgern werden. Die Versammlung von Hunderten von Tausenden Muslimen jedes Jahr aus den entlegensten Ländern der Welt bezeugt die unwiderrufbare Erfüllung dieser unglaublichen Prophezeiung.3

„auf dass sie ihre Vorteile wahrnehmen und des Namens Allahs gedenken während der bestimmten Tage für das, was Er ihnen gegeben hat an Vieh. Darum esset davon und speiset den Notleidenden, den Bedürftigen.“
(Der Heilige Koran 22:29)

Neben den spirituellen Vorteilen der Pilgerfahrt für die Muslime besitzt sie auch große soziale und politische Signifikanz. Die Pilgerfahrt besitzt die Kraft, die Muslime verschiedener Länder in der großen internationalen Bruderschaft des Islam zu einigen. Muslime, die sich aus der ganzen Welt einmal im Jahr in Mekka treffen, können sich zu Belangen von internationaler Wichtigkeit austauschen und alte oder neue Kontakte knüpfen. Sie haben dort die Möglichkeit sich über die Probleme ihrer Brüder in anderen Ländern zu erkundigen, das Gute des Anderen zu übernehmen und von den Erfahrungen des Anderen zu profitieren und miteinander zu kooperieren. Mekka kann als das von Gott auserwählte Zentrum des Islam als eine Art Vereinte Nationen für alle Muslime der Welt fungieren.

Alle anderen Religionen konnten ein solches Forum des Austausches von internationalen Ideen und Programmen nicht hervorbringen. Es ist aber bedauerlich, dass die Muslime immer noch nicht realisiert haben, dass Mekka die internationale Hauptstadt der Muslime weltweit ist. Das sind einige materielle Vorteile, auf die in den Worten „auf dass sie ihre Vorteile wahrnehmen“ hingewiesen wird. Und die Worte „und des Namens Allahs gedenken“ verweisen auf die großen spirituellen Vorteile und Nutzen, welche die Muslime aus der Pilgerfahrt in Mekka ziehen können.4

Referenzen
1. Hadhrat Mirza Bashiruddin Mahmood AhmadRA, The Holy Koran with English Translation and Commentary, Vol.2,  (Tilford: Islam International Publications, 1988), 429.
2. Hadhrat Mirza Bashiruddin Mahmood AhmadRA, The Holy Koran with English Translation and Commentary, Vol.2,  (Tilford: Islam International Publications, 1988), 429 – 430.
3. Hadhrat Mirza Bashiruddin Mahmood AhmadRA, The Holy Koran with English Translation and Commentary, Vol.4,  (Tilford: Islam International Publications, 1988), 1744 – 1745.
4. Hadhrat Mirza Bashiruddin Mahmood AhmadRA, The Holy Koran with English Translation and Commentary, Vol.4,  (Tilford: Islam International Publications, 1988), 1745.

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