Interviews

Die Revue im Gespräch mit Frau Atia Nuur Ahmad-Hübsch, Vorsitzende der Frauenorganisation der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland KdöR

»Ein fundiertes Wissen über die eigene Religion ist essentiell, um ein starkes religiöses Selbstverständnis zu entwickeln.«

Die Revue der Religionen [RdR] hat in diesem spannenden Interview sich mit Frau Atia Nuur Ahmad-Hübsch [ANAH], der Vorsitzenden der Frauenorganisation (Lajna Imaillah) der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland KdöR über Fragen rundum individuelle Entwickung und religiöses Selbstverstädnis unterhalten. Es wurde unteranderem darüber gesprochen, wie junge deutsche Muslimas sich in der hiesigen Gesellschaft bestmöglich beteiligen können ohne ihre Religiosität zu vernachlässigen. Wie ein religiöses Selbstbewusstsein entwickelt werden kann und was es heißt eine gläubige Muslima in einer zunehmend agnostischen Gesellschaft zu sein?

RdR: Mich würde interessieren, ob es in Ihrem Leben einen besonderen Moment, einen Auslöser gab, der Sie dazu brachte ein konsequent religiöses Leben anzustreben? 

ANAH: Ich glaube, wenn man als Ahmadi geboren ist, dann ist es eine Selbstverständlichkeit mit einem Grundverständnis für Religiosität aufzuwachsen. Zumindest in den Familien, in denen Eltern es vorleben. Besonders für Ahmadi-Muslime ist Religion nicht etwas, was nur an den Feiertagen stattfindet. Vielmehr ist der Islam ein Leitfaden für das ganze Leben, so wie es bereits zu Beginn im Heiligen Qur’an heißt: »eine Richtschnu​r für die Rechtschaffenen«. Den Gläubigen, die sich für dieses Leben entschieden haben, bietet der Islam Lösungen für alle Alltagsprobleme und ​alle Fragen des Lebens. Insofern ist der Alltag von der lebendigen Lehre des Islam durchtränkt. Dadurch ist es eine Selbstverständlichkeit, dass man von Kindheit an damit aufwächst. 

In den Familien, in denen versucht wird, dem Glauben Vorrang zu gewähren, dort wachsen alle Ahmadi-Kinder mit einem religiösen Selbstverständnis auf. Die Gebote, die durch die Religion vorgegeben werden, sollen dazu beitragen, dass keine Verunsicherung durch kulturelle Einflüsse entsteht. Vielmehr sind sie eine leuchtende Fackel für unseren Weg. 

RdR: Wie war es denn in Ihrer persönlichen Erfahrung? 

ANAH: Dadurch dass mein Vater [Hadayatullah Hübsch], der gebürtiger Deutscher war, durch die Gnade Allahs den Islam angenommen hatte, spielten für ihn kulturelle Einflüsse keine Rolle mehr. Für ihn war ganz klar alles durch die Lehre des Islam definiert. Er versuchte stets, unsere Sinne für Gott zu schärfen, auch schon im jungen Alter. Zudem motivierte er uns, für Kleinigkeiten zu beten und er sprach mit uns offen über Ereignisse der Gebetserhörung. Meine Eltern wollten, dass wir uns über unsere eigenen Erfahrungen mit Allah, dem Erhabenen, bewusst werden und somit in unserem Glauben Schritt für Schritt gefestigt werden. In der Praxis wurde uns Kindern die Sunna [Praxis] des Heiligen ProphetenSAW sehr nahe gelegt. Auch wenn es um Kleinigkeiten ging wie, dass man den rechten Schuh als erstes anziehen solle. Auf liebevolle​ Weise hat mein Vater versucht, uns auch die kleinste Sunna ​zu erklären und uns dazu aufgefordert, diese zu befolgen. 

Darüber hinaus spielte die lebendige Beziehung zum Khilafat [Kalifat in der Ahmadiyya Muslim Jamaat]eine sehr prägende Rolle. Das Khilafat bietet uns zu jeder Zeit ​Rechtleitung. Daher sind wir damit aufgewachsen, dass die Lehre des Islam und die Liebe zum Khilafat unser Leitfaden waren und immer noch sind. 

RdR: Wie gelang es Ihnen, in einer Atmosphäre der vermeintlich endlosen Freiheit Ihre Identität als Ahmadi-Muslima zu entwickeln? 

ANAH: Ich glaube zu meiner Zeit war noch einiges anders. Ich nehme vermehrt wahr, dass die Herausforderungen für junge Ahmadi-Muslimas heute in der hiesigen Gesellschaft viel größer geworden sind. Es ist definitiv anzuerkennen, dass unsere Frauen und Mädchen einen großen Jihad zu kämpfen haben. Es ist eine Herausforderung, die nicht zu unterschätzen ist, weil auch zur Zeit eine zunehmende Islamfeindlichkeit herrscht und der Widerstand dagegen schwerer scheint als zuvor. Dadurch kommen große Anfeindungen auf. Man muss als kopftuchtragende Muslima kämpfen! 

Durch die Verbundenheit mit der Jamaat [Gemeinde] konnte ich damals mit anderen Schwestern in ​den Austausch kommen und mit ihnen die Probleme, die mir entgegneten, besprechen. Die Jamaat bietet den jungen Frauen einen Ort, wo sie über ihre Religion lernen können, sie vertiefen, verstehen und leben lernen. Hier können sie Argumente für die Lehre des Islam hören und versuchen, diese in ihrem Lebensalltag anzuwenden. Für mich gab es keinen Unterschied zwischen dem Leben »draußen« und dem Leben in der Jamaat. Für mich ging es Hand in Hand. Ich hatte nie das Gefühl, dass es zwei Welten sind. Vielleicht muss man meine Erfahrung etwas isolierter betrachten, weil wir zuhause aufgrund meines deutschen Vaters keine starken ausländischen, kulturellen Einflüsse hatten. Mir ist bewusst, dass es manche pakistanische ​Familien gibt, bei denen die Kultur manchmal zuhause eine wichtigere Rolle spielt und dadurch der Unterschied zwischen der Lebensrealität zuhause und dem Leben außerhalb der vier Wände viel größer erscheint. Diese Frauen und Mädchen haben es ​zum Teil schwerer, sich zurechtzufinden. Doch wie bereits gesagt ist ein fundiertes Wissen über die eigene Religion essentiell, denn dadurch wird ein starkes religiöses Selbstverständnis entwickelt, was zu einem selbstbewussten Umgang mit der eigenen Religion führt. Es ist sehr wichtig, alle religiösen Gebote mit ​​Liebe und ​​Stolz zu erfüllen und somit den Menschen zu zeigen, dass man selbstbewusst mit seinem Glauben umgeht. 

RdR: Wie bereits erwähnt sorgt die Fremdwahrnehmung der muslimischen Frau im Westen sowie die kulturell-verzerrte Sicht innerhalb der muslimischen Community für viele Komplexe und Unsicherheiten bei jungen Ahmadi-Muslimas. Wie können wir das richtige Selbstbild entwickeln ohne uns ständig aus der Brille der anderen zu betrachten? 

ANAH: Ja, wie ich schon vorhin auch sagte, ist es wichtig, sich mit der eigenen Religion auseinanderzusetzen. ​Vielleicht sollte man auch mal nachforschen und schauen, wie ist denn Ahmadiyyat in meine Familie gekommen? Was hat unsere Älteren bewegt, welche Mühen, welche Drangsal haben sie auf sich genommen, um dieser göttlichen Gemeinde beizutreten? Welche Anfeindungen haben sie ertragen? Man sollte nach dem Warum schauen. Was war ihre Absicht, ihre Motivation? Wie haben sie eine echte Liebe zu Allah entwickelt? Danach sollte man ​sich auf die Suche machen und sich ehrlich fragen, wo man selbst steht? Wie man selbst die Dinge einordnet. Was bedeutet Ahmadiyyat eigentlich für mich? Wenn man sich mit diesen Dingen befasst und diese Wahrheit bewusst für sich entdeckt und nicht dem Gedanken folgt, ich bin Ahmadi-Muslima, einfach weil meine Familie Ahmadi ist, dann entwickelt man ein Gespür, ein Gefühl, ein reines Bewusstsein für die eigene Religiosität. Dann ist man für die Gefahren, denen man im Alltag begegnet, besser gewappnet. Doch elementar ist im ganzen Prozess das Gebet! Nur durch Allahs Gnade ist es möglich, standhaft zu sein. Daher müssen wir auf dem Weg, unsere Identität, unser Selbstbild zu stärken, stets an ​Allah den Erhabenen denken. In schweren Zeiten, in denen es scheint, dass wir uns selbst nicht verstehen, in diesen Zeiten wird Allah uns dann die nötige Kraft und Ausdauer schenken, damit wir standhaft bleiben. 

RdR: Manchmal fällt es einem schwer, die Weisheit hinter einigen Geboten zu verstehen. Das hat oftmals damit zu tun, dass wir in diesen Momenten nicht so weit sind oder einen Zustand der spirituellen Schwäche verspüren. Wie bewahrt man in solchen Momenten den Fokus? 

ANAH: Dafür ist wiederum das Gebet elementar. Wenn man Allah erreichen möchte, wenn man die Weisheit eines Gebots verstehen will, dann ​muss man in Kommunikation mit dem Schöpfer treten. Antworten von Allah dem Erhabenen erbitten. ​Man muss sich auf eine aktive Suche begeben und sich trauen, verstehen zu wollen! ​Man muss seinen Herzenszustand Allah gegenüber preisgeben und nicht dem Gedanken verfallen, dass man nicht spirituell genug ist oder man ​es nicht schaffen kann, erhört zu werden. Man darf nicht sagen: Ich kann das nicht oder ich bin nicht fromm genug. Das ​schöne und wirklich einzigartige am Islam ist, dass die lebendige Beziehung und Kommunikation zu Allah den Erhabenen nicht nur bestimmten Menschen vorbehalten ist. ​Sie ist für alle möglich! Für jeden suchenden Menschen! Daher heißt es im Heiligen Qur’an; »wenn dich Meine Diener nach Mir fragen, antworte ihnen; Ich bin nahe. Ich antworte dem Gebet des Bittenden, wenn er zu Mir betet.« Und das gilt für alle! Allah freut sich ja​, wenn man sich Ihm zuwendet. Ihn sucht. Also​ ist es wichtig, diese Tatsache zu verinnerlichen, dass die Nähe Allahs​ nicht ​nur Heiligen vorbehalten ist, sondern jeder seine Gebete intensivieren kann. Allah ist nicht der Gott der Heiligen, sondern Er ist der Allmächtige Gott eines jeden Dieners. 

Des Weiteren würde ich nochmals, um auf das Verstehen von Weisheiten zu sprechen zu kommen, auf den Heiligen Qur’an verweisen. In diesem werden, bereits zu Beginn, ​die ​Gläubigen als jene bezeichnet, die an ghaib, das Ungesehene, glauben. Das beinhaltet auch die Tatsache, dass es ​Dinge gibt, die man vielleicht nicht sofort versteht. Worüber man vielleicht noch etwas nachdenken muss oder die das Herz noch nicht ganz verinnerlicht hat. Doch ist es wichtig nicht zu vergessen, dass es nicht geht, dass man bestimmte Gebote, nur weil sie einem schwerer ​vorkommen, nicht umsetzt. ​Wenn man die Absicht hat, dass man alle Gebote einhalten möchte, und Allah um Kraft bittet, dann hilft Allah der Erhabene einem auch​. Das sind die Stufen, die man dann nach und nach erklimmt. Niemand wird heilig geboren und ist direkt von Anfang an perfekt. Es gab nur einen perfekten Menschen, den Heiligen Propheten MuhammadSAW. Ansonsten geht es darum, dass man sich bewusst macht, auf welcher Reise man sich befindet. In welche Richtung man sich ​bewegt​. Allah sieht unsere Bemühungen, unsere Richtung, und diese zählen am meisten.

RdR: In der Vergangenheit war es nicht selten der Fall, dass Männer die freie Entfaltung der Frauen eingeschränkt haben. Ich las im ersten Band von »Fackel für den Weg«, wie der zweite KalifRA eine Warnung an die Männer aussprach: »Sie haben die Frauen erniedrigt und dafür hat Gott sie erniedrigt. Wenn ihr aber heute den Frauen ihre Rechte gebt und die Rechte der Unschuldigen etabliert, dann werden Gottes Engel vom Himmel herabkommen und euch emporheben. So erfüllt die Rechte der Frauen und gebt ihnen ihren Anteil.« Was glauben Sie, können Söhne, Brüder oder Väter tun, um ihre Mütter, Schwestern und Töchter eigenständig gedeihen zu lassen? 

ANAH: Hadhrat Musleh Mau’udRA, den Sie soeben zitiert haben, war ein großer und engagierter Beschützer der Frauenrechte. ErRA hat die Frauenorganisation »Lajna Imaillah« als erste Unterorganisation der Ahmadiyya Muslim Jamaat gegründet, was auch dem Zweck diente, die Rechte der Frauen zu beschützen und zu erfüllen. Grundsätzlich kann man sagen, dass es nicht nur ein Phänomen unter den muslimischen Männern ist, dass sie Frauen vielleicht in einigen Dingen im Weg stehen. Durch die Menschheitsgeschichte hindurch gab es schon immer Männer, die sich den Interessen der Frauen entgegensetzten. Der Qur’an hat ganz klare Anweisungen ​gegeben über die Rechte der Frauen und Männer. ​Wie Hadhrat Musleh Mau’udRA es auch ganz deutlich formuliert hat, lehrt der Islam, ​den Frauen ihre Rechte einzuräumen. Das schöne ist, dass es sich hierbei um eine ausgewogene, gerechte und faire Lehre handelt, die Männern und Frauen ihren Platz in der Gesellschaft zuweist. Doch dafür müssen sich Frauen und Männer fragen: was sind denn die Rechte und Pflichten, die ich habe und die ich dem Anderen gegenüber erfüllen muss? Nur wenn man Wissen hat, kann man handeln.

RdR: Unser geliebter K​alif und Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, sagte bei einer Pressekonferenz der Jalsa Salana Deutschland im Jahr 2019, dass die Lajna Imaillah eine selbstständige Organisation der Frauen ist, die den Frauen vielfältige Möglichkeiten bietet und Seine HeiligkeitABA sagte, dass es seine Überzeugung ist, dass Frauen ohne den Schatten der Männer besser gedeihen können, ähnlich einer Pflanze, die besser wächst, wenn sie nicht im Schatten eines großen Baumes steht. Wie können wir diese Botschaft als im Westen sozialisierte Ahmadi-Muslimas verstehen, wo Gesellschaften von einem ewigen Geschlechterkampf geprägt sind? Wie können sich Frauen von dem ewigen Geschlechterkampf ​befreien?

ANAH: Ich finde es ganz wichtig, dass man sich von der Vorstellung befreit, dass es eine ewige Rivalität zwischen den Geschlechtern gibt oder dass diese vorgesehen oder erwünscht ist. Diese Denkweise entspricht unter keinen Umständen dem Geist des Islam. Vielmehr heißt es im Heiligen Qur’an, dass die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen einander Freunde sind. Die Lehre impliziert, dass sie keine Feinde oder Rivalen darstellen​, vielmehr sind sie eine Ergänzung füreinander. Wir haben die Möglichkeit voneinander zu lernen. Doch innerhalb bestimmter Regeln, die eine respektvolle doch distanzierte Interaktion vorsieht. 

Für uns Frauen ist ein Ort, in dem wir uns ungezwungen ausleben können, essentiell. Im Zuge der MeToo-Debatte und den Forderungen von mehr Safe-Spaces für Frauen​ wird ersichtlich, dass Frauen sich danach sehnen, ​einen Ort für sich und ihre freie Entfaltung einzurichten. Dies fördert die Lajna Imaillah, und wir geben unseren Frauen die Möglichkeit sich innerhalb den gegebenen Rahmenbedingungen auszuleben und weiterzuentwickeln. 

RdR: Sie dienen seit fünf Jahren als Bundesvorsitzende der Lajna Imaillah Deutschland. Wie lautet Ihre wichtigste Erkenntnis der letzten Jahre? 

ANAH: Meine wichtigste Erkenntnis hat nicht unbedingt etwas mit meinem Dienst als Vorsitzende zu tun. Ich habe während verschiedener Dienste für die Jamaat immer wieder erlebt, dass alles nur durch die Gnade Allahs möglich ist. Man muss sich immer wieder darauf zurückbesinnen und sich klar vor Augen führen, dass ausschließlich Allah es ist, der jede Arbeit und Tat segnet. Manchmal neigen wir als Menschen dazu zu denken, dass unsere Bemühungen der Grund für ​einen Erfolg sind. ​Besonders während der ehrenamtlichen Arbeit für die Gemeinde steht man manchmal ​vor Herausforderungen oder Problemen, die einem als sehr schwierig ​zu bewältigen erscheinen. Doch es zeigt sich immer wieder, dass durch das Gebet und mit einer guten Absicht, jede Aufgabe machbar wird. Man merkt einfach, wie Allah die Wege öffnet. So weist auch Hudhur-e-AqdasABA [Seine Heiligkeit der Kalif] immer darauf hin, dass wir unseren Dienst mit dem Gebet und einer guten Absicht untermauern müssen. Wenn man den Geist des Dienens aufrechterhalten möchte, darf man nicht die Gnade Allahs und Seinen Segen vergessen. Sonst können wir keinen Erfolg erlangen. 

RdR: Die Lajna Imaillah erfährt direkte Rechtleitung und Anweisungen von Seiner Heiligkeit Hadhrat Khalifatul MasihABA. Können Sie mit uns Ihren Eindruck darüber teilen, welche Vision Seine HeiligkeitABA für die Frauen in Deutschland hat?

ANAH: Eine unserer wichtigsten Aufgaben zur Zeit ist es, die Botschaft der wahren Lehren des Islam zu verbreiten. Wir Frauen nehmen hierbei eine wichtige ​und wirklich große Rolle ein. Hudhur-e-AqdasABA betont wiederholt, ​dass die kopftuchtragende Muslima eine ganz besondere Stellung hat. Das Kopftuch öffnet uns ganz besondere Möglichkeiten. HudhursABA Vorstellung unterscheidet sich nicht von der von Hadhrat Musleh Mau’udRA, dass Frauen sich Wissen aneignen sollen und damit voranschreiten sollen. Schon damals hat Hadhrat Musleh Mau’udRA die Frauen zum Gleichschritt mit den Männern im Bereich Tabligh aufgefordert. Hadhrat Musleh Mau’udRA sagte einmal: wenn ihr (die Frauen) das Gefühl habt, dass eure Nachbarschaft die Botschaft des Islam und der Jamaat erreicht hat, ​dann sollt ihr eure Väter und Brüder dazu motivieren, woanders hinzuziehen, um dann dort die Botschaft an die Menschen heranzutragen​. Also die Frauen wurden als Motivator für die Männer genannt​. Genau diesen Spirit möchte HudhurABA auch in uns sehen. Doch wichtig ist zu erwähnen, dass HudhurABA uns immer wieder daran erinnert, dass wir dabei niemals unsere Identität, unser Pardah vergessen dürfen. Bei der Aufgabe des Tablighs müssen wir teil​​nehmen, aber dabei dürfen wir nicht die Sittsamkeit und Würde einer muslimischen Frau vergessen und vernachlässigen. 

Eine weitere Sache, die HudhurABA uns immer wieder nahelegt, ist, dass wir unsere Verantwortung als Mütter begreifen müssen. In der hiesigen Gesellschaft, in der die Stellung der Mutter oft nicht als wertvoll anerkannt wird und vielmehr Karriere und Bildung an Wichtigkeit gewinnen, darf die Funktion und Wichtigkeit ​einer Mutter nicht vergessen werden. Der Islam fördert die Bildung einer Frau und möchte, dass Frauen ihre Fähigkeiten ausweiten und ihren geistigen Horizont erweitern, doch jungen Frauen und jungen Müttern sollte auch das Gefühl ​gegeben werden, dass ​Mutter ​zu ​sein nicht minder gut ist. Einmal wurde uns in einem Gespräch von einigen Politikerinnen vorgeworfen, dass wir denken, unsere Frauen seien nicht fähig genug, und daher dürften sie nicht Imaminnen werden. Als ich HudhurABA davon berichtete, sagte HudhurABA sofort: Antworte ihnen doch, ​dass wir sagen, dass der Islam unterschiedliche Aufgabenbereiche für die Geschlechter vorsieht und sozusagen den Männern abgesprochen wird fähig genug zu sein, die ​Kinder bestens zu erziehen und deswegen Frauen diese Aufgabe erteilt bekommen haben. HudhurABA wechselte auf so schöne Art einfach die Perspektive und sagte damit gleichzeitig zu uns, dass wir (die Frauen) eine so große Aufgabe haben, dass wir beide Teile der Gesellschaft erziehen sollen und somit einen Grundstein für die Zukunft legen. Umso ​länger man darüber nachdenkt, desto mehr merkt man, was für eine gewaltige Aufgabe dies ist. Ich denke, wir müssen das Verständnis und das Bewusstsein für diese Aufgabe stärken und wir sollten mit Stolz diese Aufgabe anerkennen. Wir sollten uns nicht von den Einflüssen der Gesellschaft irritieren lassen, die sagt: Du bist »nur« Mutter. Sondern wir sollten sagen: ich bin Mutter und das bedeutet etwas! Und diese Aufgabe ist nicht zu unterschätzen, worauf uns HudhurABA immer wieder hinweist. 

RdR: Wir bedanken uns herzlich bei Ihnen für dieses erkenntnisreiche Interview.

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