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Ein Konvertit beleuchtet den Umgang des Heiligen Propheten MuhammadSAW mit Christen

©Pixabay

Bilal Atkinson, Großbritannien

Bilal Atkinson, ursprünglich aus England, ist ein Ahmadi-Muslim, der vom Christentum konvertierte. In den letzten Tagen ereigneten sich in Frankreich schreckliche Anschläge, bei denen sogenannte Muslime Christen zur Zielscheibe ihrer Angriffe gemacht haben. Solche Angriffe müssen nicht nur aufs Schärfste verurteilt werden, vielmehr muss auch deutlich gemacht werden, dass diese Handlungen den Lehren des Islam absolut widersprechen. In diesem Artikel geht Bilal Atkinson auf das Vorbild der Person ein, die den Islam am besten kannte, den Heiligen Propheten MuhammadSAW und auf die Art und Weise, wie er Christen behandelte und damit ein klares und ewig bleibendes Zeichen für alle Muslime setzte. Bilal Atkinson ist auch Redakteur der Rubrik Christentum der Zeitschrift The Review of Religions.

Die Menschen auf der ganzen Welt sind entsetzt über das jüngste Blutbad in Frankreich im vergangenen Monat. Dieses wurde von Männern verübt, die sich als Muslime ausgaben und ihr abscheuliches Verbrechen im »Namen des Islam« begingen.

Am 16. Oktober wurde Samuel Paty, ein Lehrer, in der Nähe seiner Schule in einem Vorort von Paris ermordet. Erst kürzlich, am 29. Oktober, wurden drei unschuldige Gläubige, zwei Frauen und ein Mann, grausam ermordet, während sie sich in ihrem Gotteshaus Notre Dame de Nice in der französischen Stadt Nizza aufhielten.

Ich erwähnte, dass sich diese Kriminellen als Muslime ausgegeben haben, weil die Taten, die sie angeblich im Namen des Islam begangen haben, völlig abscheulich und grotesk im Hinblick auf die wahre Lehre des Islam und die Praxis von Muhammad, dem Heiligen ProphetenSAW des Islam, sind.

Es scheint, dass heute die ganze Welt den Islam als eine aggressive und terroristische Religion betrachtet. Oft werden die Ermordung unschuldiger Menschen, Selbstmordattentate und Terroranschläge von Menschen verübt, die behaupten, Muslime zu sein. In Wirklichkeit haben die widerspenstigen Handlungen dieser unwissenden Menschen nichts mit dem Islam zu tun.

Der Islam mahnt die Menschheit, alle Formen von Hass, Feindseligkeit und Bosheit abzulegen und sich stattdessen unter dem Banner der Liebe und des gegenseitigen Respekts zu vereinen. Er tritt für die Schaffung von Frieden und Gerechtigkeit auf allen Ebenen der Gesellschaft und zwischen allen Menschen ein. So sagt Allah der Allmächtige in Kapitel fünf, Vers neun des Heiligen Qur’an:

»O die ihr glaubt! Seid standhaft in Allahs Sache, bezeugend in Gerechtigkeit! Und die Feindseligkeit eines Volkes soll euch nicht verleiten, anders denn gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist näher der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah; wahrlich, Allah ist kundig eures Tuns.«

Der Heilige Qur’an 5:9

Mit diesem Vers im Hinterkopf ist es eine dringende Notwendigkeit der Zeit, auf alle Formen von Fanatismus und Extremismus mit der wahren Botschaft des Islam von Frieden und Harmonie zu antworten.

Im Jahre 628 n. Chr. gewährte der Heilige ProphetSAW des Islam den christlichen Mönchen des Katharinenklosters am Berg Sinai eine »Charta der Sonderrechte«. Sie bestand aus mehreren Klauseln, die alle Aspekte der Menschenrechte abdeckten, darunter Themen wie der Schutz von Christen, die Freiheit der Religionsausübung und der Freizügigkeit, die Freiheit, ihre eigenen Richter zu ernennen, die Freiheit, ihr Eigentum zu besitzen und zu erhalten, die Befreiung vom Militärdienst und das Recht auf Verteidigung im Krieg.

Nachstehend folgt der Text der Charta:

»Dies ist das Dokument, das Muhammad, der Sohn Abdullahs, des Propheten Gottes, Warner und Überbringer der frohen Botschaft, hat schreiben lassen, damit es keine Ausrede für die Nachfolgenden gibt. Ich habe veranlasst, dass dieses Dokument für die Christen des Ostens und des Westens, für diejenigen, die in der Nähe leben, und für diejenigen in den fernen Ländern, für die Christen, die jetzt leben, und für diejenigen, die nach ihnen kommen werden, für die Christen, die uns bekannt sind, und auch für diejenigen, die wir nicht kennen, geschrieben wird.

1. Jeder Muslim, der gegen die darin enthaltenen Vorschriften verstößt und sie missbraucht, würde als jemand angesehen, der gegen Gottes Testament verstößt und sein Versprechen bricht, und er würde sich selbst des Fluchs Gottes würdig erweisen, sei er nun König oder Untertan.

2. Ich verspreche, dass jeder Mönch oder Wanderer usw., der meine Hilfe auf den Bergen, in den Wäldern, Wüsten oder Behausungen oder in Gebetsstätten ersuchen wird, ich seine Feinde mit all meinen Freunden und Helfern, mit all meinen Verwandten und mit all denen, die sich zu mir bekennen, ihn verteidigen werden, denn sie gehören zu meinem Bund. Und ich werde die Verbündeten gegen die Verfolgung, Verletzung und Erniedrigung durch ihre Feinde verteidigen, als Ausgleich für die Steuer, die sie versprochen haben zu zahlen.

3. Wenn sie es vorziehen, ihr Eigentum und ihre Leute selbst zu verteidigen, dürfen sie dies tun und werden dafür keine Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen müssen.

4. Kein Bischof wird aus seinem Bistum vertrieben, kein Mönch aus seinem Kloster, kein Priester aus seinem Gotteshaus und kein Pilger wird auf seiner Pilgerreise zurückgehalten.

5. Keine ihrer Kirchen und anderen Gotteshäuser dürfen verwüstet oder zerstört oder abgerissen werden. Kein Material ihrer Kirchen wird für den Bau von Moscheen oder Häusern für die Muslime verwendet werden, jeder Muslim, der dies tut, wird als aufsässig gegenüber Gott und seinem Propheten angesehen werden.

6. Mönche und Bischöfe werden keiner Steuer oder Entschädigung unterliegen, unabhängig davon, ob sie in Wäldern oder an den Flüssen, im Osten oder Westen, im Norden oder Süden leben. Ich gebe ihnen mein Ehrenwort. Sie unterliegen meinem Versprechen und meinem Bund und werden vollkommene Immunität vor allen möglichen Unannehmlichkeiten genießen.

7. Bei der Instandsetzung ihrer Kirchen wird ihnen jede Hilfe zuteil werden. Sie sind vom Tragen von Waffen freizustellen. Sie sollen von Muslimen geschützt werden. Dieses Dokument soll bis zum Jüngsten Tag nicht missachtet werden.«

Al-Wasaiq-ul-Siyasiyya, S. 187-190.

Der Heilige ProphetSAW betonte nicht nur die wünschenswerte Toleranz in religiösen Angelegenheiten, vielmehr setzte er in dieser Hinsicht einen sehr hohen Standard. Eine Delegation eines christlichen Stammes aus Najran besuchte ihn in Medina für einen Meinungsaustausch über religiöse Angelegenheiten. Daran nahmen mehrere kirchliche Würdenträger teil. Ihr Gespräch fand in der Moschee statt und erstreckte sich über mehrere Stunden. Irgendwann bat der Leiter der Delegation um Erlaubnis, die Moschee zu verlassen und ihren Gottesdienst an einem geeigneten Ort abzuhalten. Der Heilige ProphetSAW sagte:

»Es ist nicht nötig, dass Sie die Moschee verlassen, denn die Moschee ist der Ort, an dem man den einen Gott anbetet. Wenn Sie das tun wollen, haben Sie alle Freiheit der Anbetung und der Abhaltung der Gottesdienste in der Moschee.«

Zurqani IV, S. 41.

In der heutigen Welt nimmt die Kritik am Islam und seinem Gründer immer mehr zu, obwohl die Lehren des Islam und jede Handlung des Heiligen ProphetenSAW von der Liebe zur Menschheit und dem Wunsch nach Frieden in der Welt geprägt sind.

Die weltweite Ahmadiyya Muslim Jamaat, deren Motto »Liebe für alle und Hass für keinen« lautet, wurde von Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS aus Qadian gegründet, der beanspruchte, der lang erwartete Mahdi und Verheißene Messias zu sein. Die Gemeinde ist eine Verkörperung des wahren Islam in seinem grundlegenden und ursprünglichen Zustand, wie er von seinem Gründer, dem Heiligen Propheten MuhammadSAW, praktiziert wurde.

Der Verheißene MessiasAS schreibt:

»Ein wahrer Muslim, der in Wirklichkeit seines Glaubens bewusst ist, wird sich immer in Aufrichtigkeit und Gehorsam gegenüber einer Regierung verhalten, unter deren Schatten der Sicherheit er in Frieden sein Leben verbringen kann. Der Unterschied der Religion hindert ihn nicht an wahrer Gehorsamkeit und Ergebenheit.«

Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS, Tuḥfa-e Qaiṣariyya, Rūḥānī ḫazāʾin, Bd. 12, S. 29, [Dt. Ü.: Frankfurt am Main 2018, S. 61]

Im Hinblick auf die jüngsten Gräueltaten in Frankreich hat das derzeitige weltweite Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, seine Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, alle Formen von Terrorismus und Extremismus verurteilt und zu gegenseitigem Verständnis und Dialog zwischen allen Völkern und Nationen aufgerufen und kürzlich folgendes bekräftigt:

»Der Mord und die Enthauptung von Samuel Paty und der Angriff in Nizza heute müssen auf das Schärfste verurteilt werden.
Solch schmerzliche Angriffe verstoßen völlig gegen die Lehren des Islam. Unsere Religion erlaubt unter keinen Umständen Terrorismus oder Extremismus, und jeder, der etwas anderes behauptet, handelt gegen die Lehren des Heiligen Qur’an und widerspricht dem edlen Charakter des Heiligen ProphetenSAW des Islam.
Als weltweites Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat spreche ich den Angehörigen der Opfer und der französischen Nation unser tiefes Mitgefühl aus. Es muss klar sein, dass unsere Verurteilung und unser Hass auf solche Angriffe nicht etwas Neues ist, sondern immer schon unsere Position und Haltung war. Der Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat und seine Nachfolger haben stets kategorisch jede Form von Gewalt oder Blutvergießen im Namen der Religion abgelehnt.
Die Folgen dieser abscheulichen Tat haben die Spannungen zwischen der islamischen Welt und dem Westen sowie zwischen den in Frankreich lebenden Muslimen und dem Rest der Gesellschaft weiter verschärft. Wir betrachten dies als eine Quelle tiefen Bedauerns und als ein Mittel, den Frieden und die Stabilität in der Welt weiter zu untergraben.
Wir müssen uns alle zusammenschließen, um alle Formen des Extremismus auszurotten und gegenseitiges Verständnis und Toleranz zu fördern.
Aus unserer Sicht wird die Ahmadiyya Muslim Jamaat keine Mühen scheuen in unserer Mission, ein besseres Verständnis der wahren und friedlichen Lehren des Islam in der Welt zu fördern.«

https://ahmadiyya.de/news/pressemitteilungen/art/das-oberhaupt-der-ahmadiyya-muslim-jamaat-ueber-die-juengsten-entwicklungen-in-frankreich/

Der Islam fordert von Muslimen, sich an dessen Lehren zu halten und unter ihnen ist grundlegend, dass sie nicht nur die dem allmächtigen Gott zustehenden Rechte erfüllen müssen, sondern ebenso wichtig ist, dass sie auch die der Schöpfung Gottes zustehenden Rechte erfüllen müssen.

Der Islam verlangt von Muslimen, ihr Land zu lieben, ihm gegenüber loyal zu sein und sich an die Gesetze des Landes zu halten. Dies ist auch die Botschaft an die muslimischen Flüchtlinge, die in den Westen kommen. Sie sollten wissen, dass es ihre islamische Pflicht ist, ihrer Wahlheimat und ihrer Bevölkerung dankbar zu sein.

Sie sollten daran denken, dass sie ein zweites Leben und die Möglichkeit erhalten haben, ihre Kinder in einem Land aufzuziehen, das frei von Krieg und Unruhen ist, und so ist es ihre Pflicht, ihre neue Heimat zu schätzen und zu würdigen.

Hass, Groll und vor allem Terrorismus haben in der Lehre des Islam absolut keinen Platz. Islam bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes Frieden. Wie ironisch ist es dann, dass ausgerechnet diese Religion heute im Westen als die Religion des Terrorismus, der Unordnung, des Chaos und der Rache verstanden wird. Dem ist nicht so. Frieden ist der Name des Islam, die Bedeutung des Islam und die Identität des Islam. Frieden ist die jeder Lehre des Islam zugrunde liegende Botschaft.

Über den Autor: Bilal Atkinson ist Redakteur der Rubrik Christentum der Zeitschrift The Review of Religions. Er ist ein pensionierter Polizeibeamter, der seit über zwei Jahrzehnten in der Forensik tätig war. Er dient derzeit als Präsident der Hartlepool-Gemeinde der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Großbritannien.

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