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Terrorattacke erreicht Österreich

Eine Bestandsaufnahme

Als ob es nur eine Frage der Zeit gewesen wäre. Nach Frankreich, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Schweden und anderen hauptsächlich europäischen Staaten zeigte sich nun auch in der Hauptstadt Österreichs das grässliche Gesicht des Terrors. Wie international berichtet, fielen 4 unschuldige Passanten in Wien der wahnsinnigen Tat eines mutmaßlichen Einzeltäters zum Opfer, der sich schon zuvor solidarisch zum Gedankengut des sogenannten Islamischen Staats (ISIS) gezeigt hatte. Laut Medien hatte der 20-Jährige Österreicher mit nordmazedonischen Wurzeln schon vor einigen Jahren versucht, sich an den Kämpfen in Syrien zu beteiligen, wurde damals aber aufgegriffen, verurteilt und verbüßte dafür eine Haftstrafe von 22 Monaten im Gefängnis. Täglich werden weitere Details in der Berichterstattung zutage gefördert.

Stunden bevor sich das gesamte 9 Millionen-Einwohner Land einem erneuten Lockdown in der Corona-Krise aussetzen sollte, traf ein weiteres Schicksalsereignis die angeschlagene Stimmung und Moral der Bevölkerung, die damit sprichwörtlich auf die Probe gestellt wird. Schon vor dem Terroranschlag wurden Stimmen laut, dass die Solidarität unter den Menschen zu bröckeln droht. In Zeitungen wurde geschrieben, dass sich die Leute in zwei Lager aufzuteilen scheinen, jene, die der Autorität im Staat gehorchen und jene, die sich in ihren eigenen Bedürfnissen und Interessen allzu sehr beschnitten oder sogar verraten fühlen, Stichwort Verschwörungstheorien.

Es mag bekannt sein, dass Österreich auch schon immer im sogenannten Kampf der Kulturen eine Rolle gespielt hat, sei es bei der Zurückschlagung der Osmanen im Mittelalter, als mächtiges Kaiserreich und Vielvölkerstaat vor dem ersten Weltkrieg oder als beliebtes Gastarbeiter- und Einwanderungsland und speziell zuletzt in der Flüchtlingskrise.

Wenn nun die gewohnte gesellschaftliche Ordnung, hierzulande gern als Normalität bezeichnet, zunehmend ins Wanken gebracht wird, reagieren die Menschen tatsächlich unterschiedlich.
Wie aber sollen sie reagieren, wo ist ihre Stimme der Führung und Rechtleitung?
Gleich am Morgen nach dem Anschlag sprachen die obersten Volksvertreter des Landes zur Bevölkerung, und wählten dabei durchaus weise Worte. So erinnerte zum Beispiel Bundeskanzler Sebastian Kurz, nachdem er die extremistische Tat verurteilte und anmerkte, dass der Feind versuche, die Gesellschaft zu spalten:

»Unser Feind, das sind niemals alle Angehörigen einer Religionsgemeinschaft (oder) alle Menschen, die aus einem bestimmten Land kommen… Es muss uns allen bewusst sein, dass das keine Auseinandersetzung zwischen Christen und Muslimen, oder zwischen Österreichern und Migranten ist. Nein, es ist ein Kampf zwischen den vielen Menschen, die an den Frieden glauben und jenen wenigen, die sich den Krieg wünschen. Es ist ein Kampf zwischen Zivilisation und Barbarei, und diesen Kampf, den werden wir mit aller Entschlossenheit führen.«

Diese Worte erinnern uns daran, was der Kalif der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, schon über Jahrzehnte auf der ganzen Welt predigt:

»Der Heilige Qur’an befürwortete niemals Gewalt oder Zwang gegen diejenigen, die seine Lehren ablehnten; vielmehr forderte er die Muslime auf, Toleranz und Geduld zu zeigen. Wenn heute sogenannte Muslime oder sogenannte islamische Regierungen Extremismus oder Fanatismus an den Tag legen, so liegt die Schuld dafür eindeutig bei ihnen selbst.

Ihr betrügerisches und abscheuliches Verhalten, wodurch der Frieden und die Harmonie der Welt beeinträchtigt werden, kann in keiner Weise gerechtfertigt oder entschuldigt werden. Die Lehren des Islam sind eindeutig, wonach gewaltsame Eroberungen oder gewaltsame Bekehrungen streng verboten sind.

In der Tat ist jede Handlung oder Verhaltensweise, die dem Frieden und der Sicherheit der Gesellschaft schadet, verboten. Zu allen Zeiten hat der Prophet des Islam (Friede und Segnungen Allahs seien auf ihm) Mitgefühl und Nächstenliebe verkündet.
Er lehrte, ein wahrer Muslim sei derjenige, vor dessen Zunge und Hand alle anderen sicher sind. Er differenzierte hierbei nicht, dass Muslime allein Muslimen gegenüber mitfühlend und gütig sein sollten, sondern stellte vielmehr klar heraus, dass sie alle Gesellschaftsgruppen schützen und für sie sorgen müssen, gleich welche Glaubensunterschiede vorlägen.

Folglich machen sich Terroristen, die Selbstmordattentate verüben, Nachtclubs, Konzerthallen oder Stadien angreifen oder geistesgestört Fahrzeuge auf Menschen in der Öffentlichkeit zusteuern, allesamt schuldig, die Lehren des Islam auf grauenhafteste und barbarischste Weise zu verletzen.«

Ansprache des weltweiten Oberhaupts der Ahmadiyya Muslim Jamaat vor französischen Gästen am 2. Tag der Jalsa Salana (Jahresversammlung) Frankreich 2019

Über den Autor: Yunus Mairhofer ist Redaktionsmitglied von Die Revue der Religionen und lebt in Österreich.

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