Der Heilige Prophet Muhammad (saw)

Einblick in das Leben des Heiligen Propheten MuhammadSAW

Die letzte Pilgerfahrt

Im neunten Jahr nach der Hidjra begab sich der Heilige ProphetSAW auf eine Pilgerfahrt nach Mekka. Am Tage der Pilgerfahrt erhielt er die Offenbarung der berühmten Verse des Qur‘an:

»Heute habe Ich eure Glaubenslehre für euch vollendet und Meine Gnade an euch erfüllt und euch den Islam als Bekenntnis erwählt.« (5:4)

von Gott aufgetragen bekommen hatte, und die er all die Jahre in Wort und Tat erklärt hatte, nun vollendet war. Jeder Teil dieser Botschaft war eine Wohltat. Diese jetzt vollendete Botschaft stellte den höchsten Segen, den der Mensch von Gott erhalten konnte, dar. Diese Botschaft ist in dem Namen Al-Islam, der »Unterwerfung« bedeutet, zusammengefasst. Unterwerfung sollte die Religion der Muslime, ja, sogar die Religion der Menschheit sein.

Der Heilige ProphetSAW rezitierte diesen Vers im Tal von Muzdalifa, wo die Pilger sich versammelt hatten. Auf dem Rückweg von Muzdalifa hielt der ProphetSAW in Mina an. Es war der 11. Tag des Monats Dhu’l-Hijja. Der ProphetSAW stand vor einer großen Versammlung von Muslimen und hielt eine Ansprache, die als die Abschiedsansprache des ProphetenSAW in die Geschichte eingegangen ist. Im Verlaufe dieser Ansprache sagte er:

»O Männer, hört mir gut zu. Denn ich weiß nicht, ob ich noch einmal in diesem Tal vor Euch stehen werde und zu Euch reden kann, wie ich jetzt rede. Euer Leben und Euer Besitz sind von Gott bis zum Gerichtstage hin immun gegen gegenseitige Angriffe gemacht worden. Gott hat für jeden einen Anteil am Erbe bestimmt. Kein Testament soll jetzt zugelassen werden, das nachteilig gegenüber den Interessen eines rechtmäßigen Erben ist. Ein neugeborenes Kind in einem Hause wird als das Kind des Vaters in jenem Hause angesehen werden. Wer immer die Vaterschaft solchen Kindes bestreitet, wird der Bestrafung durch das Gesetz des Islam unterworfen. Jemand, der seine Geburt auf eines anderen Mannes Vater zurückführt, oder fälschlicherweise jemand anderen als seinen Meister beansprucht, wird von Gott, Seinen Engeln und der ganzen Menschheit verflucht werden. Männer, Ihr habt einige Rechte Euren Frauen gegenüber, doch Eure Frauen haben auch einige Rechte Euch gegenüber. Ihr könnt von ihnen verlangen, dass sie ein sittsames Leben führen und nicht einen Lebensstil annehmen, der dem Ehemann der Allgemeinheit gegenüber Schande macht. Wenn Eure Frauen sich nicht dementsprechend aufführen, dann habt Ihr das Recht, sie zu bestrafen. Ihr könnt sie bestrafen, nachdem durch einen zuständigen Gewährsmann entsprechende Nachforschungen gemacht worden sind und Euer Recht, zu bestrafen, anerkannt worden ist. Jedoch soll Bestrafung in solchem Falle nicht harsch sein. Wenn Eure Frauen jedoch so etwas nicht tun, und ihr Benehmen ist nicht so, dass es Schande für den Ehemann bringen würde, dann ist es Eure Pflicht, sie mit Essen und Kleidung und Unterkunft entsprechend Eurem eigenen Lebensstandard zu versorgen. Bedenkt, dass Ihr Eure Frauen immer gut behandeln sollt. Gott hat es Euch zur Pflicht gemacht, für sie zu sorgen. Eine Frau ist schwach und kann nicht ihre eigenen Rechte beschützen. Als Ihr heiratetet, ernannte Gott Euch als die Bürgen dieser Rechte. Ihr brachtet Eure Frauen unter dem Gesetz Gottes zu Euren Häusern. Ihr dürft deshalb nicht das Pfand, das Gott in Eure Hände gelegt hat, beleidigen. O Männer, Ihr habt immer noch einige Kriegsgefangene in Eurem Besitz. Ich rate Euch daher, sie in gleicher Weise zu beköstigen und zu kleiden wie Ihr Euch selbst beköstigt und kleidet. Wenn sie ein Unrecht begehen, das Ihr nicht vergeben könnt, dann übergebt sie jemand anderem. Sie sind Teil von Gottes Schöpfung. Ihnen Schmerz oder Kummer zu bereiten, kann niemals recht sein. O Männer, was ich Euch sage, müsst Ihr beherzigen und im Gedächtnis behalten. Alle Muslime sind einander wie Brüder. Ihr seid alle gleich. Alle Menschen, zu welcher Nation oder zu welchem Stamm sie auch gehören mögen, und welche Stellung im Leben sie auch einnehmen mögen, sind gleich.«

Während er dies sagte, erhob der Heilige ProphetSAW seine Hände und fügte die Finger seiner beiden Hände zusammen und sagte:

»Selbst wie die Finger dieser beiden Hände gleich sind, so sind auch die Menschen untereinander gleich. Niemand hat irgendeine Überlegenheit über einen anderen Menschen zu beanspruchen. Ihr seid wie Brüder!«

Fortfahrend sagte der ProphetSAW: »Wisst Ihr, welcher Monat dies ist? In welchem Land wir sind? Welcher Tag des Jahres heute ist?« Die Muslime gaben zur Antwort, sie wussten, es ist der Heilige Monat, das geheiligte Land und der Tag der Pilgerfahrt. Dann sagte der ProphetSAW:

»Wie dieser Monat heilig, dieses Land unverletzlich und dieser Tag heilig ist, so hat Gott das Leben, den Besitz und die Ehre eines jeden Menschen heilig gemacht. Irgendeines Menschen Leben oder seinen Besitz zu nehmen oder seine Ehre anzugreifen, ist genauso ungerecht und unbillig, wie die Heiligkeit dieses Tages, dieses Monats und dieses Landes zu verletzen. Was ich Euch heute gebiete, ist nicht nur für heute gemeint. Es ist für alle Zeiten bestimmt. Es wird von Euch erwartet, es zu erinnern und danach zu handeln, bis Ihr diese Welt verlasst und zur nächsten geht, Eurem Schöpfer zu begegnen.«

Abschließend sagte er:
»Was ich Euch gesagt habe, sollt Ihr der ganzen Welt mitteilen. Es kann sein, dass diejenigen, die mich nicht gehört haben, mehr Nutzen daraus ziehen werden als diejenigen, die zugehört haben.« (Sihah Sitta, Tabari, Sirat Ibn Hisham und Khamis)

Des ProphetenSAW Ansprache ist ein Abriss der ganzen Lehre und des vollen Geistes des Islam. Es zeigt, wie tief des ProphetenSAW Sorge um die Wohlfahrt des Menschen und um den Frieden auf der Welt war; auch wie tief seine Aufmerksamkeit für die Rechte der Frauen und anderer schwacher Geschöpfe war.

Referenzen:
Hadhrat Mirza Bashiruddin Mahmud AhmadRA: MuhammadSAW– das Leben des Heiligen Propheten. S. 275 f.

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