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Eine alternative Erzählung: Wie sich die Kreuzigung Jesu (as) abspielte

Wenn die Christenheit zu Ostern die Auferstehung Jesu (as) feiert, werden wir an die Opfer dieses von Gott auserwählten Menschen erinnert und an die schrecklichen Qualen, die er durchmachen musste, um seinem Volk die Botschaft Gottes zu bringen.
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Ahmad Nooruddeen Jahangeer Khan, Großbritannien

Ostern wird von vielen als das wichtigste Fest im christlichen Kalender angesehen. Nach dem christlichen Glauben bedeutet es, dass Gott seinen Sohn von den Toten auferweckt hat und dass sich der Himmel mit dem Geschenk des ewigen Lebens für alle öffnet. Ostern ist ein Fest der Auferstehung Jesu (as), auf der das gesamte Fundament des christlichen Glaubens beruht. 

Für andere hingegen deutet der biblische Bericht auf eine andere Erzählung der Ereignisse in Jerusalem bis zu dieser angenommenen Auferstehung hin. In diesem Artikel werde ich einige der wichtigsten Ereignisse im Leben Jesu (as) vom Beginn seines Wirkens bis zu seinem Abschied von Jerusalem nach der Kreuzigung hervorheben und versuchen, den Lesern zu ermöglichen, diese Ereignisse in einem anderen, wenn nicht sogar in einem völlig neuen Licht zu sehen. 

Ein einziges Zeichen 

Zunächst erfahren wir im Matthäus- und im Lukasevangelium, dass Jesus (as) kurz nachdem er von Gott den Auftrag erhalten hatte, die verlorenen Schafe Israels zu sammeln, von den Schriftgelehrten und Pharisäern konfrontiert wurde, die seinen Anspruch auf die Probe stellen wollten und ein Zeichen verlangten. Jesus (as) antwortete: »Er antwortete ihnen: Diese böse und treulose Generation fordert ein Zeichen, aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jona.« [1] Jesus (as) erklärte daraufhin, dass so wie Jona (as) drei Tage und drei Nächte im Bauch des Wals verbrachte, so würde er auch drei Tage und Nächte im Bauch der Erde verbringen. Damit dieses Zeichen eine Entsprechung zu Jona (as) hat, musste Jesus (as) noch einmal in Erscheinung treten, nachdem er von seinem Volk abgelehnt worden war. Und nicht nur das: So wie Jona (as) lebend aus dem Bauch des Wals herauskam und seinen Verkündigungsauftrag fortsetzte, so muss dies auch bei Jesus (as) der Fall gewesen sein.

Eine Nacht lang im Gebet… aber mit welchem Ziel?

Da die Juden nicht von der Messianität Jesu (as) überzeugt waren, drängten sie darauf, ihn von den Römern wegen Hochverrats verhaften zu lassen, weil er vorgab, der König der Juden zu sein. Jesus (as) war sich seiner bedrohlichen Lage bewusst und verbrachte die Nacht im Garten Gethsemane, wo er inbrünstig zu seinem Herrn flehte: »Und er ging ein Stück weiter, warf sich zu Boden und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.« [2] Danach wurde Jesus (as) von einem seiner eigenen Jünger verraten und verhaftet. Es stellt sich jedoch die Frage: Wenn Jesus (as) bereits wusste, dass er für die Sünden der Menschheit am Kreuz sterben würde, wie die Christen behaupten, warum verspürte er dann den Drang und das Bedürfnis, eine ganze Nacht lang zu beten, in der Hoffnung und auf der Suche nach einer Möglichkeit, von der ganzen Pein gerettet zu werden? Lag es an der menschlichen Schwäche und der Angst vor dem Tod, oder lag es daran, dass er wusste, dass der Tod zu diesem Zeitpunkt seinen Auftrag von Gott unerfüllt lassen würde? Ein weiterer Faktor, über den man nachdenken sollte, ist die Frage, ob dieses als so leidenschaftlich beschriebene Gebet Jesu (as), gerettet zu werden, überhaupt erhört wurde. Von Jesus (as) selbst ist überliefert, dass er sagte: »Und alles, was ihr im Gebet erbittet, werdet ihr erhalten, wenn ihr glaubt.« [3] Bedeutet sein vermeintlicher Tod am Kreuz dann nicht, dass es Jesus (as), Gott bewahre, an Glauben mangelte, oder besteht die Möglichkeit, dass sein Gebet um Erretung auf eine Weise erhört wurde, die er noch nicht begriffen hatte?

Ein genialer Plan 

Nach seiner Festnahme wurde Jesus (as) zu Pontius Pilatus, dem damaligen Statthalter, gebracht, der über sein Schicksal entscheiden sollte. In den Evangelien ist zu lesen, dass Pilatus Jesus (as) nach dem Verhör für unschuldig hielt. Außerdem hatte seine Frau das untrügliche Gefühl, dass es falsch wäre, Jesus (as) zu bestrafen, denn ihr wurde von Gott ein entsprechendes Zeichen gezeigt. Bei Matthäus lesen wir: »Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau sagen: Lass die Hände von diesem Mann, er ist unschuldig. Ich hatte seinetwegen heute Nacht einen schrecklichen Traum.« [4] Daraufhin erklärte Pilatus dem Volk, dass er keinen Grund für eine Bestrafung Jesu (as) gefunden habe. Das jüdische Volk war über diese Entscheidung erzürnt und verlangte immer wieder, dass Jesus (as) durch die Kreuzigung – einen verfluchten Tod – hingerichtet werden solle, da dies ihre Überzeugung bestätigen würde, dass er ein falscher Prophet sei. Da er das Volk nicht überzeugen konnte, konnte er es sich auch nicht leisten, dass es meuterte. Pilatus bat um eine Schale Wasser, um sich die Hände zu waschen, als Ausdruck dafür, dass er mit dem Blut dieses unschuldigen Mannes nichts zu tun haben wollte [5], und gab ihrer Forderung nur widerwillig nach. 

Im Anschluss daran sollte der Angeklagte nach römischer Tradition vor einer Hinrichtung zusätzlich gedemütigt werden. Nachdem sie ihn in den Hof geführt hatten, bekleideten sie ihn mit einem Purpurmantel und setzten ihm eine Krone aus verdrehten Dornen auf, wobei sie ihn spöttisch als “König der Juden” bejubelten. [6] Darauf folgte die Geißelung, bei der Jesus (as) ausgepeitscht wurde, aber es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass der dadurch verursachte Blutverlust nicht groß genug war, um einen gesunden jungen Mann vorzeitig sterben zu lassen (für weitere Informationen siehe “Jesus Christus starb nicht am Kreuz – Die Sicht eines Kardiologen”, The Review of Religions, Ausgabe März 2012). Trotz alledem war die Hoffnung noch nicht verloren, denn Pilatus war in der Lage, einen Plan auszuhecken, um Jesus (as) tatsächlich zu retten. 

Jesus (as) am Kreuz…aber nicht sehr lange

Pilatus legte daher die Kreuzigung auf einen Zeitpunkt kurz vor Sonnenuntergang am Freitag fest. Denn er wusste, dass es nach jüdischem Recht verboten war, den Körper zu Beginn des Sabbats am Kreuz hängen zu lassen. Nachdem er sein Kreuz einen Teil des Weges nach Golgatha, dem Ort der Kreuzigung, getragen hatte, gibt es in den Evangelien Unstimmigkeiten darüber, wie lange Jesus (as) genau am Kreuz hing, aber wir wissen, dass es nach drei bis vier Stunden am Kreuz schon dunkel wurde [7], was sie zwang, ihn herunterzunehmen. 

Auf der Grundlage historischer Fakten kommt das New Bible Dictionary zu dem Schluss, dass der Tod durch Kreuzigung selten vor sechsunddreißig Stunden eintritt und bis zu neun Tage dauern kann. [8] Flavius Josephus, ein Historiker aus dem ersten Jahrhundert n. Chr., und der Schriftsteller Plutarch (ca. 75 n. Chr.) gehören zu den vielen anderen, die Überlebende von Kreuzigungen beschrieben haben, und erwähnen einige Personen, die bis zu zehn Tage am Kreuz überlebten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Jesus (as) in den wenigen Stunden, in denen er am Kreuz hing, starb, wäre also äußerst gering gewesen, und selbst die beiden Diebe, die zur gleichen Zeit ans Kreuz geschlagen wurden, waren noch am Leben. [Die Tatsache, dass Pilatus überrascht war, als er hörte, dass Jesus (as) bereits tot war [10], zeigt, dass es für einen Menschen äußerst unnormal war, so schnell am Kreuz zu sterben. 

Um den Sterbeprozess zu beschleunigen, war es üblich, den Gekreuzigten die Beine zu brechen. So geschah es auch mit den beiden Schächern, aber das merkwürdige ist, dass die Römer die Beine von Jesus (as) nicht brachen. Das liegt daran, dass Jesus (as) bei Einbruch der Dunkelheit, nachdem er geschrien hatte: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” [11], sein Haupt senkte, was manche als ” den Geist aushauchen” betrachteten, d. h. man dachte, er sei bereits gestorben. Stattdessen stach ein römischer Soldat – wahrscheinlich auf Befehl von Pilatus – mit seinem Speer in die Seite Jesu (as), woraufhin Blut und Wasser heraussprudelten. [12] Bei einem Toten würde das Blut gerinnen, so dass es nicht mehr richtig fließen kann, doch in diesem Fall war genau das Gegenteil der Fall. Dies deutet eindeutig darauf hin, dass das Herz noch schlug und das Blut im Körper zirkulierte, während er im Koma lag oder in Ohnmacht fiel. 

Wir sollten auch bedenken, dass, wenn Jesus (as) am Kreuz gestorben wäre, das jüdische Volk mit der Behauptung, er sei der falsche Messias, Recht behalten würde. Sie untermauern dies mit der biblischen Aussage: »…denn ein Gehenkter ist ein von Gott Verfluchter.« [13] Wenn er jedoch die Kreuzigung überlebte, würde das bedeuten, dass er die bösen Machenschaften der Intriganten überwunden hat und nicht eines “verfluchten” Todes gestorben ist.

Wer war Zeuge des Todes Jesu (as)?

Wenn es darum geht, festzustellen, ob jemand den Tod von Jesus (as) gesehen hat oder nicht, gibt es einige Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. Erstens wird in den Evangelien erwähnt, dass Maria Magdalena und einige andere Frauen anwesend waren, die Jesus (as) sahen, als er sein Haupt niedersenkte.

Zweitens berichten drei Evangelisten, dass es überall dunkel war und dass es ein Erdbeben gab. Es ist wohlbekannt, dass Erdbeben oft von heftigen Staubstürmen begleitet werden, die die Menschen veranlasst hätten, sich in die Sicherheit ihrer Häuser zu begeben. Man könnte also auf den ersten Blick meinen, dass eine Person im Koma verstorben ist, so dass die Anwesenheit dieser Leute am Ort des Geschehens in keiner Weise beweist, dass sie definitiv Zeugen des Todes von Jesus (as) waren, und es wäre reine Spekulation, dies zu behaupten. 

Drittens hatten die Jünger Jesu (as) ihn bereits abgelehnt und im Stich gelassen. [14] Sie konnten also nicht mehr miterleben, wie Jesus (as) aus dieser Welt schied.

Es sei daran erinnert, dass keiner der genannten Personen die Gelegenheit hatte, den Puls Jesu (as) zu fühlen oder zu überprüfen, ob er noch atmete. Tatsächlich war es wieder Pilatus, der – entgegen dem Brauch, den Leichnam am Ort der Kreuzigung zu belassen – Vorkehrungen traf, indem er Josef von Arimathäa, einem bedeutenden Mitglied des jüdischen Rates und heimlichen Anhänger Jesu (as), erlaubte, seinen Leib direkt von der Kreuzigungsstätte mitzunehmen. Mit dieser Erlaubnis hätten weder das jüdische Volk noch die Römer etwas dagegen gehabt, dass er den Körper mitnahm. Natürlich hätte das jüdische Volk angenommen, dass Jesus (as) gestorben sei, ebenso wie die Römer, die ihn bei Pilatus als tot meldeten. Die einzigen, die wirklich wussten, ob er gestorben war, waren Josef von Arimathäa und der Pharisäer Nikodemus, von dem berichtet wird, dass er “… eine Mischung aus Myrrhe und Aloe brachte, etwa hundert Pfund. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. [15]

Heilmittel, die am Körper von Jesus (as) angewandt wurden

Die Tradition der Einbalsamierung von Toten, bei der Kräuter und Gewürze auf die Haut aufgetragen werden, war im alten Ägypten üblich. Eine ähnliche Praxis fand sich auch in der jüdischen Bestattungstradition, wo Gewürze auf Särge oder bei den Beerdigungen selbst aufgetragen wurden, ohne Frage mit dem Ziel, den Geruch des Verstorbenen zu beseitigen. Es war jedoch unbekannt und widersprach der jüdischen Tradition, Kräuter und Gewürze direkt auf die Haut des Leichnams aufzutragen. Es stellt sich also die Frage, warum dies im Fall von Jesus (as) geschah und welche Bedeutung die auf seinen Wunden verwendeten Kräuter hatten.

Die Kräuter Myrrhe und Aloe sind von großer Bedeutung, denn sie belegen, dass Josef und Nikodemus sicher waren, dass Jesus (as) lebte und medizinische Hilfe benötigte, um sich von den Wunden zu erholen, die er am Kreuz erlitten hatte. 

Über die Wirkung der Aloe heißt es:

Die Aloe ist eine Gattung mit etwa 500 Arten, von denen die häufigste Aloe Vera ist, die in Afrika und im Nahen Osten wächst. Sie ist aufgrund ihrer Eigenschaften so wertvoll, dass der große Denker Aristoteles, der wusste, dass die heilenden Eigenschaften der Aloe für im Kampf verwundete Soldaten von unschätzbarem Wert sein würden, seinem Schüler Alexander III. (“der Große”) riet, alle Länder zu erobern, in denen sie wuchs, insbesondere die Insel Sokotra vor der Küste Ostafrikas. Auch Pedanius Dioskurides, ein Arzt der römischen Armee, erwähnte in seiner griechischen Kräuterenzyklopädie De Materia Medica (ca. 75 v. Chr.) medizinische Aloe. [16]

Und in Bezug auf die Bedeutung der Myrrhe:

“In der Vergangenheit wurde Myrrhe von vielen Kulturen für religiöse Zeremonien und als Heilmittel verwendet. In der Bibel wird sie als Geschenk zur Geburt Christi erwähnt. Die Ägypter glaubten an ihre Heilkräfte: Sie verbrannten sie täglich als Teil ihrer Kultrituale. In der griechischen Kultur war die Myrrhe wegen ihrer extrem hohen antiseptischen und entzündungshemmenden Eigenschaften ein wesentlicher Bestandteil der Soldatenausrüstung, wenn sie in die Schlacht zogen. Sie wurde verwendet, um Wunden zu reinigen und Infektionen zu verhindern. Sie wurde auch verwendet, um die Ausbreitung von Brand in bereits infizierten Teilen des Körpers zu verhindern. [17]

Obwohl diese Verwendung einer großen Menge von Kräutern für den Leib Jesu (as) seltsam erscheinen mag, war dies in der Tat eine bekannte Praxis unter angesehenen Ärzten. Um die Wahrheit zu sagen, wurde in zahlreichen medizinischen Büchern von Leuten aus fast allen großen Religionen festgehalten, dass diese Behandlung Jesus (as) tatsächlich zur Heilung seiner Wunden verabreicht wurde. Dies wurde von Hazrat Mirza Ghulam Ahmad (as), dem lang erwarteten Verheißenen Messias, in seinem bahnbrechenden Buch Jesus in Indien erklärt. Er schreibt: 

»…ein medizinisches Präparat namens marham-i ʿīsā oder „Die Salbe Jesu“, das in zahlreichen medizinischen Büchern angegeben ist. Einige dieser Bücher wurden von Christen, einige von Magiern und Juden, einige von Muslimen verfasst. Die meisten von ihnen sind überaus alt. Aus den Nachforschungen geht hervor, dass dieses Präparat anfangs über mündliche Quellen Hunderttausenden von Menschen bekannt wurde. Später wurde diese Rezeptur schriftlich festgehalten. Bereits zur Zeit Hadhrat Jesu (as) wurde kurz nach der Kreuzigung ein Arzneimittelbuch in lateinischer Sprache verfasst, in dem dieses Präparat mit dem Zusatz erwähnt wurde, es sei für die Wunden Hadhrat Jesu (as) zubereitet worden.« [18]

Er fährt dann fort, eine Reihe von Büchern zu erwähnen, in denen die Salbe Jesu (as) vorkommt, wie z. B. der berühmte Qanun Ibn Sina bzw. Kanon der Medizin von Avicenna, um hervorzuheben, wie bekannt diese Tatsache war. Der Verheißene Messias (as) schreibt: 

»…als diese medizinischen Bücher in Lateinisch und Griechisch verfasst wurden und daraufhin unter vielen Millionen Menschen zirkulierten: Bücher, in denen das Rezept für die „Salbe Jesu“ ebenso enthalten ist wie die Erklärung, diese Salbe sei von den Jüngern für Hadhrat Jesus (as) präpariert worden. 

Juden, Christen, Muslime und Magier standen miteinander in Fragen der Religion auf Kriegsfuß. Deswegen ist die Tatsache, dass sie alle diese Salbe in ihren Büchern erwähnten und hierbei noch nicht einmal Rücksicht auf ihre Glaubensbekenntnisse nahmen, ein klarer Beweis dafür, dass das Rezept der Salbe eine so allgemein bekannte Tatsache war, dass sie von keiner Religionsgemeinschaft oder Volksgruppe verneint wurde.« [19]

Es ist daher offensichtlich, dass Joseph und Nikodemus nicht dort waren, um den Leichnam Jesu (as) für die Bestattung vorzubereiten, denn die einzige logische Erklärung für den Bedarf an einer so großen Menge an Aloe und Myrrhe – deren medizinisch wirksame Eigenschaften zur Behandlung von Wunden bekannt sind – ist, dass Jesus (as) noch am Leben war und medizinische Hilfe benötigte, um so schnell wie möglich wieder gesund zu werden. 

Eine Wiederbelebung oder ein Überleben? 

Wenn wir uns dem Ende der Reihe von Ereignissen nähern, die in Jerusalem stattfanden, geht es um das Wiedererscheinen Jesu (as) nach der Kreuzigung. Der christliche Glaube besagt, dass Jesus (as) nach drei Tagen auferstanden sei, nachdem er am Kreuz gestorben war. In der Bibel wird beschrieben, wie einige seiner Anhänger ihn nicht weit von Jerusalem entfernt sahen, ihn aber nicht erkannten, da er verkleidet war. Dann sei er seinen elf Jüngern erschienen, aber es war, als ob sie einen Geist sehen würden. Um zu beweisen, dass er derselbe Mann war, zeigte Jesus (as) ihnen die Narben, die er bei der versuchten Kreuzigung erlitten hatte. Bei Lukas lesen wir: 

»… trat er (Jesus) selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht. Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen.« [20]

Es gibt einige Punkte, die bei diesem Ereignis zu betonen sind. Erstens: Jesus (as) tauchte mit dem gleichen Körper auf, mit dem er gekreuzigt wurde, und trug die gleichen Male und Wunden. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte man keinen Grund zu glauben, dass er nicht an der Kreuzigung gestorben ist. Zweitens hat Jesus (as) mit seinem Bedürfnis nach Essen bewiesen, dass der Körper, den er besaß, ein menschlicher war und den gleichen Bedürfnissen unterlag wie der Körper, den er vor der Kreuzigung besaß. Und drittens wird Jesus (as), nachdem er aus dem Grab gestiegen ist, nur von den ihm vertrauten Personen gesehen, nicht aber von der Öffentlichkeit oder den Pharisäern. Aus dem biblischen Bericht kann man also schließen, dass er der Gefahr, erneut ergriffen zu werden, aus dem Weg ging und es stattdessen vorzog, verborgen zu bleiben. Für Jesus (as) war dies eine wunderbare Gelegenheit, noch einmal vor dem jüdischen Volk und den Römern zu erscheinen und zu beweisen, dass ihm ein neues Leben verliehen worden war, dass sie sich ihm nicht widersetzen konnten und dass er wirklich der Sohn Gottes war. Wie hätten sie dann ein so großartiges Zeichen seiner Wahrhaftigkeit zurückweisen können? In Wirklichkeit aber reiste er aus Judäa weg, so als ob er um sein Leben fürchtete. 

All dies zusammengenommen spricht für einen Sterblichen, der anfällig für Schaden und sogar für den Tod war. Sein Wiedererscheinen war kein Beweis für seine Auferstehung von den Toten, sondern nur ein Beweis dafür, dass er dem Tod entrinnen konnte. Wenn man die Ereignisse in Jerusalem rund um das Leben Jesu (as) vom Beginn seiner Mission bis nach seiner Kreuzigung analysiert, kann man verstehen, dass Jesus (as) vor dem verfluchten Tod am Kreuz gerettet wurde. Und mit diesem Verständnis im Hinterkopf ist der Weg geebnet für die reale Chance, dass Jesus (as) seine Suche nach den verlorenen Schafen Israels fortgesetzt, und sie schließlich auch gefunden hatte.

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Fußnoten:

1. Bibel, Matthäus 12:38-39.

2. Bibel, Matthäus 26:39.

3. Bibel, Matthäus 21:22.

4. Bibel, Matthäus 27:19.

5. Bibel, Matthäus 27:24.

6. Bibel, Matthäus 15:16-18.

7. Bibel, Matthäus 27:45.

8. The New Bible Dictionary (1962 Edition), Intervarsity Press, S. 282.

9. Bibel, Johannes 19:32.

10. Bibel, Markus 15:44

11. Bibel, Markus 15:33-34.

12. Bibel, Johannes 19:34.

13. Bibel, Deuteronomium 21:23

14. Bibel, Markus 14:50.

15. Bibel, Johannes 19:39-40.

16. www.aloe-spectrum.com/body_aloes.html — Aristotle’s view on aloe

17.https://rorenglish.wpengine.com/6143/the-crucifixion-of-jesus-christas-an-alternative-reading-of-the-four-gospels/

18. Hazrat Mirza Ghulam AhmadasJesus in Indien  S. 119.

19. ebd. S. 130.

20. Bibel, Lukas 24:36-43.

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