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​Ich bin ein Muslim. Haben Sie etwas auf dem Herzen?

Anfang der Woche erhielt ich einen Anruf von Herrn Danyyal Tariq, dem Sekretär für Interreligiösen Dialog in der Groß-Gerauer Ahmadiyya Gemeinde, ob ich am Samstag bei der Kampagne »Ich bin ein Muslim. Haben Sie etwas auf dem Herzen?« mitmachen möchte. Ich sagte ihm zunächst zu. Allerdings hatte ich meine Zweifel bezüglich des Erfolgs dieser Kampagne. Auch Herr Danyyal Tariq teilte diese Zweifel. Er sagte mir: »Bei den Vorbereitungen kamen mir Bedenken hinsichtlich dieser Aktion auf, ob Groß-Gerau mit 25.000 Einwohnern überhaupt der richtige Ort hierfür sei.«

Trotz allem sprach ich mich mit Herrn Mahed Hussain, einem Studenten des Instituts für Islamische Theologie und Sprachen in Riedstadt, ab und wir bereiteten uns auf mögliche Beschwerden und Einwände vor. Auch Herr Shahil Munir, der als Imam und Theologe in Liverpool, Großbritannien, der Ahmadiyya Muslim Gemeinde dient, war bei dieser Aktion dabei und erzählte uns von seiner Erfahrung: »Ich bin anfangs davon ausgegangen, dass viele Leute ihren Vorurteilen und negativen Vorstellungen über den Islam freien Lauf lassen würden. Dem sei aber nicht so.« 

Am Samstag, dem 04. September 2021 trafen wir uns morgens um 9 Uhr am Marktplatz in Groß-Gerau und bauten zusammen den Stand auf. Auch verschiedene Parteien waren am Marktplatz mit ihren Ständen vor Ort, um Stimmen für die bevorstehende Bundestagswahlen zu werben. Die SPD baute ihren Stand direkt neben unseren auf.

Ich nahm das Plakat mit der Aufschrift »Ich bin ein Muslim. Haben Sie etwas auf dem Herzen?« und ging proaktiv auf die Menschen zu. Viele schauten erstmal von Weitem perplex auf das Schild, bei direktem Ansprechen waren sie jedoch abgeneigt und liefen einfach weiter. Würde jede Person so reagieren? Lohnt es sich überhaupt weiterzumachen? Diese Gedanken schwirrten in meinem Kopf. Doch ich machte weiter! Zunächst blieb es bei solchen Reaktionen. Es dauerte aber nicht lange, bis ich in einige Gespräche kam. Die Passanten drückten ihre Freude aus und erzählten, dass sie über solch eine Aktion sehr erfreut sind. Ein Mann kam vorbei und fragte mich auf seinem Fahrrad sitzend: »Sind sie von der Ahmadiyya Gemeinde?« Beim Bejahen erwiderte er: »Ja, dann gibt es keinen Grund zur Sorge, denn ihr seid die Richtigen!« 

Häufig angesprochene Themen waren der gegenwärtige Zustand der Muslime, Nächstenliebe und das harmonische Miteinander der verschiedenen Religionen. Im Großen und Ganzen war das eine erfolgreiche Aktion, die einen Beitrag dazu leisten sollte, Vorurteile abzubauen und Missverständnisse über den Islam auszuräumen. 

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Mahed Hussain 

»Eine sehr schöne Erfahrung, die ich in meiner Heimatstadt gemacht habe. Zugleich war ich überrascht darüber, dass die Passanten aufgrund unserer Plakate eine etwas distanzierte Haltung uns gegenüber zeigten. Als sie jedoch davon erfuhren, dass wir von der Ahmadiyya Muslim Gemeinde waren, begegneten sie uns sehr aufgeschlossen und freuten sich uns zu sehen, da sie mit den Arbeiten und den Mitgliedern der AMJ vertraut waren.«

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Danyyal Tariq

»Durch die Gebete Seiner Heiligkeit, Hadhrat Khalifat-ul-MasihABA war die Resonanz sehr positiv. Die Menschen waren sehr offen und herzlich. Es konnten viele Dialoge und Gespräche geführt werden. Normalerweise haben wir regelmäßig unseren Informationsstand in der Stadtmitte in Groß-Gerau. Dort haben wir die Erfahrung gemacht, dass viele Mitbürgerinnen und Mitbürger oftmals an unserem Stand vorbeiliefen, ohne diesen auch wahrgenommen zu haben. Diese proaktive Dialog-Aktion zeigte mir, dass die Menschen doch eigentlich bereit sind mit uns zu sprechen. Ich erinnere mich, dass während dieser Aktion viele Autofahrer uns zuwinkten, lächelten und uns die Daumen drückten. Einige Passanten, die zuerst nur vorbeiliefen und keinerlei Reaktionen zeigten, kamen wenige Minuten später zurück und haben ihrerseits das Gespräch im positiven Sinne gesucht. Ich habe die Ängste der Mitbürger herausgehört und angenommen. Oftmals war es die Angst der angeblich bevorstehenden Flüchtlingswelle aus Afghanistan und ob die Taliban im Namen des Islam die Weltherrschaft wollten. Aus der Sicht der wahren Lehren des Islam konnte auch die Ängstlichkeit und Wut der Menschen relativiert werden.«

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Shahil Munir

»Die Passanten waren gegenüber dem Islam positiv eingestellt. Meiner Meinung nach ist das darauf zurückzuführen, dass sie viele Muslime persönlich kennen und ein positives Bild von der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Groß-Gerau haben. Es war eine gute Möglichkeit, auf die Menschen zuzugehen und ihnen ihre Ängste über den Islam wegzunehmen. Die Organisatoren haben eine fantastische Arbeit geleistet.«

Über den Autor: Atezaz Shah ist Student an der Jamia Ahmadiyya Deutschland, dem Institut für Islamische Theologie und Sprachen in Riedstadt.

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