Islam

»Nicht alle Helden tragen Umhänge, manchmal tragen sie Hijabs«

Von Nudrat Ahmad

»Nicht alle Helden tragen Umhänge, manchmal tragen sie Hijabs!« – Mit diesen Worten beschreibt die FOX News Broadcasting Company in den USA die heldenhafte   Tat einer 17-jährigen Ahmadi-Muslima in Oshkosh, Wisconsin, während einer Schießerei in ihrer High School.

Das veröffentlichte Video, das die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zog, zeigt, wie die junge Frau, Duaa Ahmad, rund 100 Mitschülerinnen und Mitschüler ruhig in die Ahmadiyya Muslim Moschee gegenüber der Schule führte und in Sicherheit brachte, als es am 3. Dezember 2019 zu einer Schießerei an der Oshkosh West High School kam. Schüler rannten aus dem Schulgebäude, ohne die Gefahr zu kennen, der sie ausgesetzt waren. Duaa Ahmad lief über die Straße zur Ahmadiyya-Muslim-Moschee und entsperrte den Türcode, um die Moschee zu öffnen und einhundert ihrer Mitschüler so in Sicherheit zu bringen. Dabei blieb sie selbst mutig draußen und hielt die Tür offen, bis alle Schüler hineingeströmt waren. Das Überwachungsvideo vor der Moschee, als sie die Kinder hineinließ, ging viral.

Duaa sagte in einem Interview mit FOX-News: »Man hat mich gelehrt, zuerst anderen zu helfen«, und »so wurde ich erzogen«. In ihrem Interview mit CNN erzählt Duaa demütig dem Interviewer: »Ich bin einfach in diese Situation geraten; ich habe nur getan, was jeder andere tun würde« und »ich war zur richtigen Zeit in der schlimmsten Situation vor Ort«. Duaas Hijab ist ein sehr sichtbarer Ausdruck ihres Glaubens, die Werte jedoch, die mit diesem Glauben einhergehen, erwecken leider Verwunderung in vielen Menschen, beim Betrachten dieser jungen muslimischen Frau und ihres Mutes.

Das Video stellt das allgemein übliche Bild, welches von einigen westlichen Medien über „unterdrückte“ und „unterwürfige“ verschleierte muslimische Frauen gezeichnet wird in Frage. Duaa erhält die ihr gebührende Aufmerksamkeit und den Respekt für ihren Mut in den Medien. Es sei jedoch erwähnt, dass dieser heldenhafte Akt einer Muslima bei weitem kein Einzelfall ist.

Seit der Frühzeit des Islam haben muslimische Frauen wiederholt ihren unerschütterlichen Glauben und Mut bewiesen. Während der Schlacht von Uhud zwischen den Mekkanern und den Muslimen im Jahr 624 n.Chr. kämpfte eine weibliche Gefährtin des Heiligen ProphetenSAW, Hadhrat Umme AmmaarahRA, in der Schlacht mit ihrem Mann und ihren Söhnen. Bekannt für ihre Tapferkeit, den Heiligen ProphetenSAW während der Schlacht, in der andere Männer gezögert hatten, ihnSAW zu verteidigen, kämpfte sie furchtlos gegen den Feind. Der Prophet des IslamSAW war Zeuge dieses unerschütterlichen Mutes und verkündete nach der Schlacht:

»Bei Gott! Heute ist Umme AmmaarahRA all diesen mutigen Männern vorangegangen!« (Islam International Publications; Hadhrat Umme AmmaarahRA, S.11)

Eine weitere muslimische Frau, Hadhrat SafiyaRA, die Tante des Heiligen ProphetenSAW, nahm ebenfalls an vielen Schlachten teil. Zur Zeit der Schlacht von Uhud begann der Feind begünstigt durch einen Fehler der Muslime diese zu umzingeln. Hadhrat SafiyaRA hörte von der Situation und verließ ihr Haus mit einem Speer in der Hand in Richtung Schlachtfeld. Auf ihrem Weg sah sie einige fliehende muslimische Soldaten und forderte ihre Ehre heraus, indem sie verkündete: »Habt ihr den Heiligen Propheten MuhammadSAW etwa zurückgelassen?« (Islam International Publications; Hadhrat SafiyaRA). Ihre eindringlichen Tadel führten die Männer schließlich zurück auf das Schlachtfeld.

Zur Zeit der Grabenschlacht (Khundaq) wurden Frauen und Kinder zu ihrem Schutz in eine Festung auf der einen Seite der Stadt Medina gebracht. Hadhrat SafiyaRA war unter ihnen. Ein Spion vom Stamm Banu Quraiza versuchte, in die Festung einzudringen und die Gruppe aufzuspüren. Hadhrat SafiyaRA erkannte die Situation, und leitete die Information weiter. Da die muslimischen Männer nicht in der Lage waren, die Schlacht zu verlassen und den Spion zu verfolgen, ging Hadhrat SafiyaRA selbst ihm nach, kämpfte und tötete ihn. So rettete sie das Leben der Frauen und Kinder in Medina.

Diese leuchtenden frühen Beispiele bilden nur den Anfang einer Reihe muslimischer Frauen, die im Laufe der Jahrhunderte folgten – voll Tapferkeit, Rechtschaffenheit und Großmut, bereit, anderen zu helfen und andere zu beschützen. Genau diese Werte sind es, die Duaa  auch verkörpert hat und an ihnen gilt es festzuhalten – sowohl für muslimische Männer als auch für muslimische Frauen auf der ganzen Welt.

Es tauchte im November nur wenige Wochen vor dem Ereignis in Oshkosh ein Video über einen antisemitischen Vorfall in der Londoner U-Bahn auf: Während ein Mann einen jüdischen Vater und seine kleinen Kinder, die die traditionelle jüdische Kippa trugen, beleidigte, war der einzige Passagier, der zur Verteidigung der Familie hinzukam, keine geringere als eine Hijab tragende muslimische Frau. Trotz der brenzligen Situation und der Eskalationsgefahr entschied sie sich, selbstlos zugunsten der Familie zu handeln und begann mit dem aggressiven Passagier über sein Handeln zu diskutieren. Sie wurde nach dem Vorfall zu Recht für ihren Mut als Heldin gelobt.

Muslimische Frauen sind weit davon entfernt, unterdrückt, stimmlos und unterwürfig zu sein. Eine bescheiden gekleidete muslimische Frau kann ebenso heldenhaft agieren wie jeder andere Mensch – unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht oder Religionszugehörigkeit. Ich komme zu dem Schluss, es ist wahr: nicht alle Helden tragen Umhänge.

Rückblickend bin ich noch nie in meinem Leben auf einen echten Helden getroffen, der einen Umhang trägt… aber ich habe in der Tat viele heldenhafte, Hijab tragende muslimische Frauen kennengelernt.

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