Der Heilige Prophet Muhammad (saw) Islam

Was hat der Heilige ProphetSAW Neues gebracht? Teil 2/2

Von Dr. Mohammad Dawood Majoka und Mir Abdul Latif PolitikDer dritte Aspekt des menschlichen Lebens betrifft die Ordnung und Organisation der Gesellschaft, also die Politik. Der Islam hat zum ersten Mal viele Prinzipien der politischen Organisation dargelegt und internationale Beziehungen geregelt. Im Judentum war die Politik abhängig von dem Willen des Königs oder der religiösen […]

Von Dr. Mohammad Dawood Majoka und Mir Abdul Latif

Politik
Der dritte Aspekt des menschlichen Lebens betrifft die Ordnung und Organisation der Gesellschaft, also die Politik. Der Islam hat zum ersten Mal viele Prinzipien der politischen Organisation dargelegt und internationale Beziehungen geregelt. Im Judentum war die Politik abhängig von dem Willen des Königs oder der religiösen Führer. Das Christentum lehrte: Gibt dem Kaiser was des Kaisers ist (Mat 22, 21). Dies bedeutet, dass die Rechte der Regierenden zu einem gewissen Anteil gesichert wurden, obwohl ihre Grenzen nicht klar definiert sind, aber von den Rechten der Regierten ist auch dort keine Rede. Wer soll regieren? Dies ist eine wichtige Frage. Die Bibel antwortet darauf nur, dass der Regierende nur aus den Israeliten, jemand aus der gleichen Volksreligion sein muss (Dtn 17, 15). Damit wurden auch in dieser Hinsicht Andersgläubige diskriminiert. Der Islam hat diesbezüglich keine Grenzen gesetzt. Jeder Bürger kann Staatsoberhaupt werden. Der Islam gebietet den Regierenden, dass sie unter allen Umständen gerecht handeln sollen:

„und wenn ihr zwischen Menschen richtet, dass ihr richtet nach Gerechtigkeit. Fürwahr, herrlich ist, wozu Allah euch ermahnt. Allah ist allhörend, allsehend.“ (4:59)

Die religiösen oder anderweitigen Differenzen sollen nicht als Vorwand dienen, ungerecht zu handeln:
„Und die Feindseligkeit eines Volkes soll euch nicht verleiten, anders denn gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist näher der Gottesfurcht.“ (5:9)

Den Regierenden wird befohlen, in allen wichtigen Angelegenheiten ihre Entscheidungen mit Beratung zu treffen „und die auf ihren Herrn hören und das Gebet verrichten und deren Handlungsweise (eine Sache) gegenseitiger Beratung ist, und die spenden von dem, was Wir ihnen gegeben haben.“ (42:39; 3:160)

Also können die Regierenden den Willen des Volks nicht ignorieren. Die Bürger hat der Islam nicht der Willkür des Regierenden überlassen. Auch ihre Rechte wurden festgelegt. Sie sollen in die Beratungen einbezogen werden. Diese ist in allen Angelegenheiten vorzunehmen. Die Regierung hat kein Ermessensspielraum, sondern muss die Beratung durchführen.
Sollten die Regierenden die Bürger dazu aufrufen, etwas Schlechtes zu tun, so ist das Volk ihnen in dieser Angelegenheit nicht zum Gehorsam verpflichtet: „und gehorche keinem, der ein Sünder oder ein Ungläubiger unter ihnen ist.“ (76:25)

Aber es ist selbst in dieser Extremsituation nicht erlaubt, gegen die staatliche Autorität zu rebellieren oder Unfrieden zu stiften. Stattdessen wird empfohlen, auszuwandern (4:98). Rebellion oder subversive Aktivitäten sind in jedem Fall zu unterlassen: „begehre nicht Unheil auf Erden, denn Allah liebt die Unheilstifter nicht.“ (28:78; siehe auch 5:33).
Internationale Beziehungen können kein Bestandteil der früheren Religionen sein, weil sie nicht international waren. Der Islam hat zum ersten Mal auch die internationalen Beziehungen geregelt. Der Islam erklärt, dass alle Völker gleich sind (4:2; 49:14) und kein Volk mit Gott verwandt ist und andere wie „Hunde“ sind – wie es die Bibel erklärt hatte (Dtn 7:6; Dtn 14:2; Amos 3:2; Mat 15:26). Der Heilige Prophet erklärte ausführlich, dass kein Araber Vorrang über einen Nicht-Araber hat, noch hat der Hellhäutige Vorrang über den Dunkelhäutigen. Die Bibel hatte, im Gegensatz zu dieser vernünftigen Lehre erklärt, dass die Nachkommen Hams immer Sklaven anderer Völker sein werden und die Gelehrten der Juden hatten die Dunkelfarbigen als Nachkommen Hams bezeichnet (Gen 9:24, Talmud, Sanhedrin 108b). Der Islam erklärte, dass es unterschiedliche Völker und Sippen gibt, damit die Menschen einander besser erkennen kšnnen (49:14). Gott ist mit niemandem verwandt. Er wird den bevorzugen, der auf Ihn hört und gottesfürchtig ist:
„O ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Weib erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, dass ihr einander kennen möchtet. Wahrlich, der Angesehenste von euch ist vor Allah der, der unter euch der Gerechteste ist. Siehe, Allah ist allwissend, allkundig.“ (49:14)
Nur diese islamische Lehre, die alle Völker als gleichberechtigt ansieht, kann die Grundlage des internationalen Friedens bilden.
Über die Differenzen, die zwischen Völkern auftreten, lehrt der Islam, dass alle Völker gemeinsam gegen den, der Rechtsbruch begangen hat, vorgehen sollen. Sollte der Ungerechte auf die Völkergemeinschaft nicht zugehen, so dürfen die anderen ihn auch bestrafen, aber nur solange, bis er seine Ungerechtigkeit einsieht und beendet. Er sollte nicht unverhältnismäßig bestraft oder ungerecht behandelt werden (49:10). Dieses Prinzip, das der Islam vor 1.400 Jahren vorstellte, wird heute in der UNO von allen Nationen akzeptiert. Aber dennoch ist die Vollkommenheit des vom Islam vorgestellten Prinzips noch nicht erreicht worden und es ist üblich, dass übermäßig harte Strafen verhängt werden und Gerechtigkeit nicht immer eingehalten wird. Die Teilung Deutschlands nach dem Weltkrieg und die Zuteilung deutscher Gebiete an andere Nationen wäre ein Beispiel von solchem Verhalten. Auch das ungerechte Vorgehen der großen Mächte gegen kleinere Staaten ist gang und gäbe. Sollten die Völker nicht gemäß dem islamischen Prinzip handeln, werden sie nie stabilen Frieden in der Welt erreichen.

Der Islam lehrt, dass die Völker auf internationaler Ebene ihre Rechte einfordern und die Rechte anderer beachten sollen (60:11). Man darf aufgrund von Streitigkeiten den Anhängern anderer Religionen nicht den Weg zu ihren Heiligtümern versperren (5:3). Sollte ein Volk ungerechterweise angegriffen werden, so ist dieses berechtigt sich zu verteidigen (22:40). Aber der Islam will Unfrieden und Krieg vermeiden (2:217; 5:33) daher soll, wenn der Angreifer dies anbietet, Frieden geschlossen werden (4:91). Selbst während des Kriegs solle man nicht gegen den Feind ungerecht vorgehen (2:191). Man darf nicht in der Nacht ohne Vorankündigung den Feind angreifen. Man darf nicht die Besitztümer des Feindes beschlagnahmen. Außer im Verlauf des Kriegs dürfen die Feinde nicht festgenommen werden (8:68). Alte, Priester, Kinder und Frauen dürfen nicht angegriffen werden. Über den Frieden zeigt der Heilige ProphetSAW durch sein eigenes Beispiel, dass Friedenverträge niedergeschrieben werden sollten. Der Heilige Qur-ân ermahnt, dass man nicht gegen die Verträge verstoßen darf (16:92). Den Frieden sollte man auf gleicher Augenhöhe schließen, nicht indem man seine Überlegenheit zu beweisen versucht. Man sollte sogar, um des Friedens willen, scheinbar erniedrigende Bedingungen akzeptieren. Man darf auch den Feind nicht ungerecht behandeln (2:191).
Also gibt es auch hier eine lange, ausführliche Liste von Anweisungen, die der Islam zum ersten Mal der Welt gegeben hat, wovon einige oben in aller Kürze vorgestellt worden sind. Was sind die Lehren des Alten Testaments in dieser Hinsicht? Wenn der Feind seine Waffen niederlegt, so soll man ihn gefangen nehmen und zur Fronarbeit schicken! (Dtn 20:11). Man darf in dem von Gott versprochenem Gebiet nichts am Leben lassen (Dtn 20:16). Man soll ihren Besitz beschlagnahmen (1 Sam 27:7-11).

Sollten die Bewohner einer Stadt vom biblischen Glauben abfallen, so sollen sie alle mit dem Schwert getötet, ihre Tiere geschlachtet und ihr Besitz verbrannt werden (Dtn 13). Im 1 Samuel Kapitel 15 Vers 3 wird in aller Ausführlichkeit gesagt, man solle die Alten, Jungen, Mädchen, Frauen und selbst Säuglinge töten und keine Barmherzigkeit zeigen! Auch die Schafe und Ziegen soll man töten. Es wird befohlen, dass man im Heiligen Land mit den Feinden keine Friedensverträge schließen sollte, ihrer sich bemächtigen und ihre Gebetshäuser niederreißen sollte (Dtn 7). Dagegen sagt der Islam, dass man den Götzen der Andersgläubigen nicht beschimpfen sollte (6:102), und garantiert die Sicherheit der Gebetshäuser anderer Religionen (22:41). Das ist der Unterschied, der zwischen der von MuhammadSAW gebrachten Religion und den früheren besteht!

Frauen
Der Islam wird heutzutage insbesondere aufgrund der Missverständnisse im Bezug auf seine Lehren Über die Frauen angegriffen. Daher scheint es angemessen, die Lehren des Islams und der früheren Religionen auch in dieser Beziehung zu vergleichen.
Im Judentum und auch im Christentum wird die Frau als Dienerin des Mannes angesehen (Gen 3:16). Es steht geschrieben, dass der Mann nicht für die Frau sondern die Frau für den Mann erschaffen worden ist (1 Cor. 11:9). Diskriminierend ist auch die Regelung der Bibel, dass eine Frau nach der Geburt eines Sohnes nur eine Woche, aber nach der Geburt einer Tochter zwei Wochen lang unrein bleibe (Lev. 12:2,5). Der Islam hat weder dies gelehrt, noch eine Unterscheidung zwischen Sohn und Tochter gemacht. Der Heilige Qur-ân sagt, dass Frauen und Männer wie Gewänder füreinander sind (2:188) und Frauen genauso Rechte auf Männer haben, wie Männer Rechte auf Frauen haben (2:229).
Vor dem Islam wurden die Frauen während ihrer Menstruation als unrein betrachtet (Lev. 15:19). Nicht nur dies, es wurde sogar gelehrt, dass alle, die während dieser Tage die Frau berühren, bis zum Abend unrein blieben und das Bett auf dem sie sitzt, unrein werde, und jeder, der sich auf dieses Bett setze, ebenso bis zum Abend unrein bleibe (Lev. 15:20-25). Die Frau ist somit während dieser Tage zu einem unberührbaren, unreinen Wesen der schlimmsten Sorte erklärt worden. Der Islam hingegen sagt, dass diese Tage nur eine Zeit des Leidens für die Frauen sind (2:223) und sie während dieser Zeit zu berühren zu keiner Unreinheit führt.
Über die Kopfbedeckung sagt das Christentum, dass die Frau ihren Kopf in der Kirche bedeckt halten solle, als ein Zeichen dafür, dass sie ihrem Mann Untertan sei, aber die Männer sollten dies nicht tun, weil der Mann Herr über sie sei (1 Cor. 11:3-10). Im völligen Gegensatz dazu wird die Kopfbedeckung im Islam sowohl für den Mann als auch für die Frau als ein Zeichen der Ehre verstanden, weil der Heilige ProphetSAW selbst und auch seine Ehefrauen ihren Kopf bedeckt hielten. Aus diesem Grund haben muslimische Gelehrten und Könige ihren Kopf immer bedeckt gehalten. Gemäß dem Christentum ist es den Frauen nicht erlaubt, in der Kirche zu reden, auch nicht den Männern zu predigen (1 Cor. 14:34, 1 Tim. 2:12). Der Islam hat die Frauen nicht daran gehindert zu reden und die Männer zu unterweisen. Die Frau des Heiligen ProphetenSAW, AishaRAwurde oft von den Gefährten des ProphetenSAWin Fragen der Religion befragt, deshalb sind in den authentischen Büchern der Ahadith allein von ihr 3.246 Äußerungen des Propheten überliefert, in denen sie Antworten auf vielfältige Fragen gegeben hat.
Im Erbrecht entschied die Bibel, dass den Frauen nichts zustehe, solange männliche Nachkommen lebten (Num. 27:8). Der Islam hingegen hat angewiesen, dass den Frauen auf jeden Fall aus dem Erbe des Vaters, Sohnes, Bruders, und des Ehemannes ein Erbanteil zusteht (4:12 f. u. 177). Es sollte bei dieser Gelegenheit auch erwähnt werden, dass der Islam zwar den Anteil der Tochter gegenüber dem Sohn halbiert hat, aber dies liegt aber darin begründet, dass erstens der Mann die Unterhaltspflicht hat, also das Geld auch für seine Familie ausgeben muss. Die Frau aber darf ihr Geld für sich behalten und darüber hinaus erhält die Frau bei der Heirat von ihrer Familie eine Mitgift, was für den Mann nicht vorgesehen ist. Der Unterschied in den Anteilen ist dadurch ausgeglichen.

Tritt der Fall ein, dass ein Mann seine Frau der Unzucht bezichtigt und keine Zeugen vorhanden sind, so sieht das AT vor, dass die Frau schmutziges Wasser trinken solle, falls dann ihr Bauch anschwillt, so sei sie schuldig (Num. 5). Der Islam hingegen lehrt in diesem Fall, dass sowohl der Mann als auch die Frau viermal schwören sollen (24:7-10). Es gibt keine diskriminierende Behandlung der Frauen. Vor dem Islam gab es keine Begrenzung der Zahl der Ehefrauen, die ein Mann gleichzeitig heiraten könnte. In der Bibel wird von hunderten von Ehefrauen von Salamon erzählt (1 Kön. 11, 3). Islam hat großen Wert auf das Heiraten gelegt (4:4) und unter besonderen Umständen bis zu vier Frauen erlaubt, aber mehr als vier auf jeden Fall verboten:
„Und wenn ihr fürchtet, ihr würdet nicht gerecht gegen die Waisen handeln, dann heiratet Frauen, die euch genehm dünken, zwei oder drei oder vier; und wenn ihr fürchtet, ihr könnt nicht billig handeln, dann (heiratet nur) eine“. (4:4)
Die Frauen hatten vor dem Islam kein Recht auf Scheidung. Jesus soll gesagt haben, dass der Mensch nicht das trennen soll, was Gott verbunden hat (Mt 19:3-12). Der Heilige ProphetSAW hingegen räumte sowohl dem Mann als auch der Frau ein Recht auf Scheidung ein. Selbst die christliche Welt handelt in dieser Hinsicht nicht mehr nach den Lehren der Bibel, sondern folgt eher den Lehren des Heiligen ProphetenSAW, was ihre Vollkommenheit und Vernunftmäßigkeit beweist.
Geschiedene Frauen wurden vor dem Islam als Menschen zweiter Klasse betrachtet. So verbot die Bibel z. B. den Priestern eine geschiedene Frau zu heiraten (Lev. 21:7). Das Christentum hatte auch gelehrt, dass eine Frau, die im Leben ihres Mannes wieder heiratet, Unzucht begeht (Röm. 7:3; 1 Cor. 7, 39). Der Islam hat für geschiedene Frauen keine solchen Auflagen vorgesehen. Der Heilige ProphetSAW heiratete Zaynab bin Gahas, die geschieden war, und zeigte damit, dass die geschiedenen Frauen genauso viel Ehre und Ansehen genießen wie andere Frauen in der Gesellschaft. Desgleichen hatten die Witwen laut der Bibel nicht die gleiche Stellung wie die Jungfrauen, deshalb wurde den Priestern auch verboten, Witwen zu heiraten (Lev. 12:24). Der Islam legte hingegen besonders großen Wert auf das Verheiraten von Witwen: „Und verheiratet eure Witwen.“ (24:33) Der Heilige ProphetSAW heiratete KhadijaRA, sie war damals 15 Jahre älter als er und zweifache Witwe.
Vor dem Islam konnten sich die Frauen in der Regel nicht selbst einen Ehemann aussuchen. Die Bibel ist voll von Beispielen, bei denen die Frauen einfach verheiratet worden sind, ohne dass ihre Zustimmung eingeholt wird. Es ist sogar erlaubt, dass der Vater seine Tochter verkauft (Ex. 21:7-11) oder als Belohnung jemandem zur Frau gibt (Richter 1:12, 1 Sam 17:25), oder gar als Arbeitslohn (Gen 29:15-20), wo er doch von der Arbeit selber profitiert hat und seine Tochter nichts bekommt. Im völligen Gegensatz hierzu hat der Heilige ProphetSAWangewiesen, dass die Zustimmung der Frau eingeholt werden muss, sei sie eine Jungfrau, Witwe oder Geschiedene. Er gebot auch, dass den Frauen bei der Heirat eine Summe Geld oder Eigentum zu geben sei, über diese Summe verfügt die Frau selbst und nicht ihr Vater oder sonst jemand.

Spirituelle Entwicklung des Menschen
Der dritte Aspekt der Lehren, den wir für diesen Vergleich ausgewählt haben, ist der spirituelle Fortschritt des Menschen und seine Beziehung zu Gott. Die Aufgabe einer Religion, ihr Zweck und Ziel liegen darin, die Nähe Gottes zu suchen und zu finden. Die Frage ist daher, wie kann man die Nähe Gottes erreichen? Sind jene Ränge der Nähe Gottes, die früher erreicht worden sind (wie etwa durch Propheten), auch heute noch möglich? Wer kann die Nähe Gottes erreichen? Und mit welchen Mitteln kann man die Nähe Gottes erlangen? Das sind die Fragen, die einen Unterschied zwischen Islam und den früheren Religionen deutlich machen werden. In diesem Zusammenhang sind auch die Gottesdienste und Gebete in der Religion zu erwähnen, denn auch sie zielen darauf, den Menschen zur Nähe Gottes zu verhelfen.

Fortsetzung der wörtlichen Offenbarung
Wir haben schon erwähnt, dass die früheren Religionen eingeschränkt waren, da sie sich nur auf ein Volk bezogen, und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass man bei ihnen nur Hinweise auf Gottes Nähe für das eigene Volk findet, weil sie den Anspruch erhoben, ausschließlich Gott zu besitzen! Der Islam hat zum ersten Mal in der Weltgeschichte erklärt, dass Gott ein universeller Gott ist, dass alle Völker gleich sind, und dass Gott zu allen Völkern seine Gesandte geschickt hat (16:37). Jedem Volk ist es gleichermaßen möglich, Gott nahe zu sein (49:14). Dies ist der erste Unterschied, der in diesem Zusammenhang zwischen dem Islam und den anderen Religionen sichtbar wird. Aber der eigentliche Unterschied zwischen dem Islam und anderen Religionen besteht darin, dass laut islamischer Lehre eine lebendige Beziehung zu Gott weiterhin möglich ist. Der Islam lehrt, dass jeder Mensch, wenn er will, auch heute noch durch Gottes Gnade spirituell vorankommen und an Rechtschaffenheit zunehmen und so eine lebendige Beziehung zu Gott aufbauen kann. Gott hört die Gebete (14:40), aber der Islam beschränkt Ihn nicht auf das Hören und Akzeptieren der Gebete, sondern erklärt, dass Gott auch auf die Gebete antwortet, heute genauso wie in früheren Zeiten (40:61). Zudem sagt der Islam, dass es die Möglichkeit, Offenbarungen zu erhalten heute noch gibt und dass es hauptsächlich drei Arten gibt, durch die Gott dem Menschen seine wörtlichen Mitteilungen gewährt: Durch klare wörtliche Offenbarung, Visionen und Wahrträume (42:52). Dies ist der einzige Weg, der den Menschen Mut macht. Deshalb gab es im Islam zu jeder Zeit Menschen, mit denen Gott genauso lebendig kommuniziert hat wie mit MosesASoder JesusAS und Er bewies ihnen so unwiderlegbar seine Existenz, indem Er zu ihnen sprach und „Ich bin es, Allah, es gibt keinen Gott außer mir“ sagte (20:15). In unserer Zeit hat der Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad QadianiAS erklärt:

„Ich würde der Menschheit Unrecht tun, wenn ich jetzt nicht erkläre, dass … jener Status der Kommunikation und des Zwiegesprächs [mit Gott], den ich gerade beschrieben habe, mir von Gott durch Seine Gnade geschenkt worden ist, damit ich den Blinden Augenlicht schenke und jenen, die bereit sind die Wahrheit zu akzeptieren, von dieser Heiligen Quelle berichte.“
Diese Gnade Gottes, nämlich von Ihm direkt Leitung zu erhalten, wird auch heute noch gewährt.

Die Lehre en miniature
In jeder Religion gibt es kurze Passagen oder Gebete, um die eigenen Grundüberzeugungen in einer abgekürzten Form wiederzugeben – quasi die Lehre en miniature. Diese kurzen Texte werden im Alltag bei Gottesdiensten oder anderen rituellen Anlässen eingesetzt. Sie spiegeln die Lehre der Religion und die Wünsche ihrer Angehörigen wider, zugleich zeigen sie ihre hohen Erwartungen und ihre Handlungsmaxime. Auch in dieser Hinsicht sollten die Religion miteinander verglichen werden. Für diesen Vergleich haben wir jeweils ein Gebet aus dem AT ausgewählt, nämlich das Schema Jisrael; aus dem NT, nämlich das bei der Bergpredigt gelehrte Gebet „Vater Unser“; und für den Islam die Sura Al-Fatiha, das Eröffnungskapitel des Heiligen Qur-ân.
Der erste Teil von Schema Jisrael findet sich im Dtn Kapitel 6, Vers 4-9. Die Worte des Gebets sind:
„Höre, Israel! Der Herr unser Gott ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen. Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst. Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden. Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und in deine Stadttore schreiben.“
In Dtn 13, 13-21 wird der Lohn beschrieben, den die Kinder Israels erhalten, wenn sie die Gebote Gottes mit ganzem Herzen und ganzer Seele einhalten, und auch die Bestrafung wird erwähnt, die verhängt wird, wenn sie die Gebote missachten. In Num 15:37 wird geboten, zur Erinnerung an diese Lehre besondere Quasten an die Kleider zu nähen. Die Einhaltung der Gebote wird zur Folge haben: „Werdet ihr nun auf meine Gebote hören, die ich euch heute gebiete, dass ihr den HERRN, euren Gott, liebet und ihm dienet von ganzem Herzen und von ganzer Seele, so will ich eurem Lande Regen geben zu seiner Zeit, Frühregen und Spätregen, dass du einsammelst dein Getreide, deinen Wein und dein Öl (Dtn 11:13).
Über die Strafe, die erfolgt, wenn die Gebote nicht eingehalten werden, heißt es: „Hütet euch aber, dass sich euer Herz nicht betören lasse, dass ihr abfallet und dienet andern Göttern und betet sie an, und dass dann der Zorn des HERRN entbrenne Über euch und schließe den Himmel zu, so dass kein Regen kommt und die Erde ihr Gewächs nicht gibt und ihr bald ausgetilgt werdet aus dem guten Lande, das euch der HERR gegeben hat.“ (Dtn 11:16f.)
Zu dieser Passage kann folgendes festgestellt werden: Sie dreht sich um das jüdische Volk. Die Betonung liegt auf der Einheit Gottes und auf der Belohnung bzw. Bestrafung. Wer sich nach ganzer Seele und ganzem Herzen den Geboten fügt, dem werden materieller Wohlstand, sprich: irdische Güter, versprochen. Das Leben nach dem Tod wird nicht erwähnt. Es wird nicht gesagt, woher man die Kraft schöpfen kann, um sich gemäß den Geboten verhalten zu können (etwa durch Gebete).
Im Christentum spielt ein in der Bergpredigt enthaltenes Gebet die zentrale Rolle, nämlich das Vaterunser. Der Wortlaut des Gebets ist folgendermaßen:
„Vater unser im Himmel! Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe. Wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]“
Hierzu ist folgendes anzumerken: Diese Lehre kann nicht als umfassend bezeichnet werden. Es überwiegt der Gedanke an weltliche Dinge (tägliches Brot).
Vergleicht man diese Worte mit dem von Muslimen benutzten Gebet, so sind einige Unterschiede unübersehbar. Das Gebet im Islam heißt „Sura Al-Fatiha“ und ihr Wortlaut ist so:
„Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen. Aller Preis gehört Allah, dem Herrn der Welten. Dem Gnädigen, dem Barmherzigen. Dem Herrscher am Tag des Jüngsten Gerichts. Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe. Führe uns auf den geraden Weg; auf den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht (den Weg) derer, die Missfallen erregt haben, und die irregegangen sind.“ (1:1-7)
Gott beschreibt am Anfang vier solche Eigenschaften, die als Mütter der Eigenschaften Gottes bezeichnet werden. Sie werden in einer natürlichen Reihenfolge erwähnt. Das heißt, in der Reihenfolge, in der sich das Wirken dieser Eigenschaften in der Welt zeigt. Der Welt kommt Gottes Gunst auf vierfache Weise zugute. Die erste Form der Gunst [Herr der Welten] ist die absolute und uneingeschränkte. Diese Eigenschaft kommt der gesamten Schöpfung zugute, da sie dieser ihre Existenz verdanken. Das bedeutet, alles, was aus dem Nichts ins Dasein kommt und zur Vollkommenheit gelangt, dies dieser Eigenschaft Gottes verdankt. Danach erwähnt Gott in diesem Gebet die Eigenschaft, dass Er gnädig ist. Diese Eigenschaft lässt den Geschöpfen alle Dinge zukommen, die sie für ihre Existenz benötigen. Auch diese Form der Begünstigung wird ohne das eigene Verdienst der Schöpfung gewährt; sie kann auch als allgemeine Gunst bezeichnet werden. Sie ist nicht die Folge irgendeiner Tat der Schöpfung. Durch diese Eigenschaft leben alle Geschöpfe, und erfüllen ihre Bedürfnisse und werden vor Unglück bewahrt. Was die Schöpfung entsprechend ihrer Natur begehrt, wird ihr bereitgestellt. Kein Wesen wird der Gunst dieser Eigenschaft beraubt. Die dritte Form ist die besondere Gunst. Für die allgemeine Gunst, die durch die Eigenschaft des Gnädigen zuteil wird, braucht die Schöpfung sich nicht zu bemühen; diese wird ihr zur Verfügung gestellt. Aber für die Erlangung der besonderen Gunst, die der Quelle der Barmherzigkeit Gottes entspringt, ist Selbstläuterung, Bittgebet, inbrünstige Hingabe, Aufmerksamkeit auf Gott und die eigene Anstrengung der Geschöpfe entsprechend ihrer Fähigkeiten notwendig. Diese Gunst wird dem zuteil, der nach ihr sucht, und wer sich um sie bemüht. Diese Eigenschaft wird naturgemäß an dritter Stelle nach der Eigenschaft der Gnade erwähnt. Wenn der Mensch seine Taten vollbracht hat, dann geht es um den Lohn für seine Anstrengungen. Dieser wird gewährt durch die Eigenschaft, die Maliki Yaumiddin heißt – also Meister am Tag des Jüngsten Gerichts. Die Gunst, die durch diese Eigenschaft dem Menschen zuteil wird, heißt faydan-e ahs. Diese zeigt sich, wenn das Universum der materiellen Möglichkeiten endet. Dann tritt die vollkommene Allmacht Gottes ganz offen zutage. Der Begünstigte erlangt vollkommene Einsicht und Erfahrung davon, dass es ein Besitzer der absoluten Herrschaft ist, dessen Willen, Zuwendung und besondere Allmacht dem Menschen eine große Gnade und einen großen Genuss gewährt. Für seine guten Taten bekommt er einen vollkommenen und bleibenden Lohn, der außergewöhnlich klar, erhaben, begehrt und beliebt ist. Dadurch lässt Gott den Menschen an seinem Ziel gelangen. Diese Eigenschaft Gottes widerlegt auch die christliche Lehre des Sühneopfers. Denn durch die Eigenschaft wird vom Islam ein Gott präsentiert, der nicht nur bloß ein Richter, sondern darüber hinaus ein Herrscher und König ist. Er ist nicht gezwungen, jeden Sünder unter allen Umständen zu bestrafen. Die Eigenschaft der Herrschaft Gottes erfordert, dass Er die Macht hat, zu vergeben und die Sünden des Sünders zu bedecken, wenn es Ihm angemessen erscheint. Die vier Formen von Gunst werden in der Sura Al-Fatiha in hervorragender Sprachgewandtheit in einer Reihenfolge erwähnt, in der sie auch ihre Wirksamkeit entfalten. Also ist die Anlage des Gottesworts ein Spiegelbild der Anlage der Natur u. Schöpfung. Es wird auf eine Art und Weise gesprochen, die jeder Beobachter eindeutig in der Natur erkennen kann.
Mit diesen vier Müttern aller Göttlichen Eigenschaften soll jenes Gott gezeigt werden, den der Qur-ân der Welt präsentiert und von dessen Existenz er sie überzeugen will. Durch eine Reflexion über sie wird gleichsam das Antlitz Gottes sichtbar. Die Seele empfindet einen Genuss und wirft sich vor Gott nieder. Deshalb wird in diesem Gebet von Gott am Anfang in der dritten Person gesprochen. Dann lassen die vier Eigenschaften Gott quasi aus dem Verborgenen hervortreten. Deswegen erfordert es die Eloquenz, dass ab diesem Punkt von Gott nicht mehr in der dritten Person gesprochen wird, sondern Gott in der zweiten Person angesprochen wird. „Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe“, mit diesen Worten wird die zweite Person benutzt. Die Verse, die nun folgen, stehen im engen Zusammenhang mit den zuvor erwähnten Eigenschaften.
Die vier Eigenschaften Gottes und Sein Name „Allah“ sind in Wahrheit fünf Ozeane. Und es ist ein Wunder der Eloquenz des Qur-ân, dass er zunächst diese fünf erwähnt, worauf fünf Verse folgen. Den fünf Versen kommen die fünf Ozeane der Eigenschaften Gottes zugute. Jeder Vers entspricht auch diesen Eigenschaften steht ihnen quasi gegenüber. Alle Nuancen dieser Eigenschaften bereichern die Bedeutungen der mit ihnen zusammenhängenden Verse. Der erste Ozean ist Allah, der Erhabene. Ihm gegenüber steht das Wort „Dir allein dienen wir.“ Darin wird die Bedeutung des Gottesdienstes hervorgehoben und wird gesagt, dass die Sehnsucht in der menschlichen Seele nur durch den Gottesdienst gestillt werden kann. Der zweite Ozean ist „Herr der Welten.“ Von diesem profitiert der Satz: „Zu Dir allein flehen wir um Hilfe.“ Für einen ohnmächtigen und hilflosen Diener Gottes ist es ein großer Trost, dass sein Gott der Herr der Welten ist. Mit den Worten „zu Dir allein flehen wir um Hilfe“ ruft er einen Gott an, der für Erhalt und Entwicklung der Universen zuständig ist (rabb). Die Eigenschaft des Erhalters und Entwicklers hilft dem Menschen, indem sie bewirkt, dass jede Sache entsprechend ihrer Eigenheit notwendige Charakterzüge erhält; sie lässt nicht zu, dass diese Sache unvollkommen bleibt. Der dritte Ozean ist „der Gnädige“. Dieser kommt dem Satz „führe uns auf den geraden Weg“ zugute. Die Eigenschaft der Gnade stellt demjenigen, der seine Entwicklung durch die Eigenschaft des „rabb“ vollendet hat, alles zur Verfügung, das für seine Existenz notwendig ist. Deswegen kommt sie nach der Eigenschaft des „rabb“. Der vierte Ozean ist die Barmherzigkeit. Daraus profitiert der Satz: „auf den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hat.“ Dies, damit der besondere Diener zu den Dienern, denen Gott Gnade erwiesen hat, zählen mag. Denn an den durch die Barmherzigkeit (Rahimiyyat) gewährten besonderen Gnaden haben nur die Gehorsamen Anteil, und andere nicht. Der fünfte Ozean ist die Eigenschaft der Herrschaft Gottes am Jüngsten Tag. Davon profitiert der Satz: „die nicht Missfallen erregt haben und die nicht irregegangen sind.“ Denn die wahre Natur vom Göttlichen Missfallen und davon, dass der Mensch in Irrtum und Irreführung verharrt, wird dem Menschen erst am Jüngsten Tag sichtbar werden. An diesem Tage wird sich Gott mit Seinem Missfallen und mit Seiner Gnade zeigen. Der Mensch wird aus Göttlicher Hand entsprechend seinen Taten Ehre oder Schmach erfahren. Diese Lehre des Islam in abgekürzter Form ist sicherlich etwas Besonderes und Einzigartiges. Darin wird Gott vorgestellt. Die Eigenschaften, die das Gebet enthält, stehen in einer Ordnung und in einem Zusammenhang. Der Mensch wird auf das Gebet und den Gottesdienst aufmerksam gemacht. Aber gleichzeitig bekommt er Anregung dazu, sich um die Gnade Gottes zu bemühen, und wird vor der Bestrafung gewarnt. Das Gebet ist nicht beschränkt, denn es spricht sowohl von den Gnaden in dieser Welt als auch von denen im Jenseits. Die Lehre des Islam und der Inhalt des Qur-âns wird in dieser Sura kurz und prägnant zusammengefasst. Nichts Wichtiges wird darin ausgelassen – kurzum, die islamische Lehre en miniature.

Das Gebet
Wie kann man die Nähe Gottes erreichen? Alle Religionen sagen, dass gute Taten den Menschen zur Nähe Gottes verhelfen, aber sie lehren auch, dass der Menschen schwach ist. JesusASsagte, der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach (Mk 14:38). Dann stellt sich die Frage, wie kann ein Mensch die Anweisungen Gottes befolgen und sich spirituell fortentwickeln, damit er vollkommene Verbindung mit Gott eingehen kann? Eine Antwort auf diese Frage finden wir weder bei Jesus noch bei den anderen. Der Islam hat als erste Religion diese Frage beantwortet und erklärt, dass Gott die Quelle aller Segnungen und Gnaden ist, Er ist es, der die Menschen von Sünden reinigt und ihre Herzen mit eigener Liebe füllt, also solle man Ihn um Hilfe bitten. Der Qur-ân lehrte daher, Gott darum zu bitten: „zeige und halte uns auf dem richtigen Pfad, den Pfad derer, denen Du Gnade erwiesen hast“ (Al-Fatiha 1:6). Dann wird Gott selbst einem die Fähigkeit und Kraft schenken, mit der man Seine Anweisungen befolgen können wird und Er wird selber alle Schwächen beseitigen. Die Lehren, die in dieser Sure gegeben werden, sind oben (7.3.2) in aller Ausführlichkeit behandelt und mit der Lehre der Bibel verglichen worden.
Allumfassende und vollkommene Lehren Über das Bittgebet (in islamischer Terminologie „Dua“ genannt) hat der Heilige ProphetSAW uns gegeben. Er wies uns nicht nur an, bei jeder Gelegenheit und allen Umständen zu beten, sondern lehrte uns auch, wie wir beten sollen und was wir beten sollen z. B. wenn man auf ein Gefährt steigt, wenn man Schlafen geht, wenn man aufwacht, wenn man den Mond sieht, wenn man eine Tätigkeit beginnt etc. So ausführlich und umfangreich sind diese Lehren, dass es keine Lebenslage gibt, für die er uns ein Gebet nicht gelehrt hat. Die Jünger Jesu hingegen wussten wenig über das Gebet und seine Philosophie. Als sie in (bestimmten) ihren Bemühungen keinen Erfolg hatten und Jesus nach dem Grund fragten, musste er ihnen erklären, dass man die Schwierigkeiten durch Gebet bewältigt (Mk 9, 29). Über die Bittgebete hinaus gibt es ein umfassendes Gefüge von Gottesdiensten (Gottesdienst = Ritualgebet), das der Islam eingeführt hat. Frühere Religionen hatten weder erklärt, warum der Gottesdienst (d.h. Ritualgebet) nötig ist, noch sieht man in ihren Gebeten einen inneren Zusammenhang und einen Zweck. Die Christen z. B. versammeln sich am Sonntag in der Kirche und lobpreisen Gott, aber warum? Nur weil ihnen dies geboten worden ist? Es ist auch wichtig zu wissen, warum das Gebet verrichtet wird, außer dass es eine gute Tat ist? Warum sollen sich die Menschen dafür versammeln? Die christlichen Religionsquellen schweigen darüber jedoch. Und sie schweigen so sehr, dass selbst die verschiedenen Teile des Gottesdienstes von den Kirchenvätern erfunden worden sind und nicht von Jesus stammen. Der Islam erklärt, dass das Gebet nötig ist, weil hierin das Gute für den Menschen liegt. Der Mensch ist erschaffen worden, um Gott zu dienen, d.h. Seine Eigenschaften in sich zu reflektieren (51:57). Und um diesen Zweck zu erfüllen, braucht er Beistand von Gott und diesen bekommt er u. a. auch durch das Ritualgebet, das auch eine Form des Bittgebets darstellt. Durch diese Gebete wird der Mensch von Sünden ferngehalten, so wie ein einer, der im Fluss ein Bad nimmt, gereinigt wird. Der Islam erklärt auch, dass man Gott für Seine Gnaden und Segnungen zu danken hat, dies ist eine Pflicht für den Menschen (2:153), und eine Methode, wie man dies tun kann, liegt im Gebet. Abgesehen von Bittgebeten, die man zu jeder Tageszeit sprechen kann, hat der Islam einige Zeiten für den Gottesdienst festgeschrieben, zu denen man insbesondere beten soll. Der Gründer des Islam zeigte den Muslimen durch sein eigenes Beispiel, wie man beten soll, erSAW legte auch die Zeiten fest, lehrte das Verhalten während der Gebete, und erklärte ausführlich, was unter erschwerten Bedingungen zu tun ist, wie z. B. bei Krankheit, Reisen, Unwetter etc.
Vor dem Islam hatten andere Religionen selbst das Gebet eingeschränkt. Man dürfte nicht überall Gottesdienste abhalten, vielmehr sind hierfür Kirchen, Synagogen und Tempel vorgesehen. Der Islam erklärte, dass die ganze Erde für das Gebet geeignet ist (2:145). Vor dem Islam war auch die Leitung der Gottesdienste eingeschränkt und bestimmten Personen (oder Stämmen) vorbehalten. Unter den Juden waren es die Nachkommen von Aaron, und unter den Christen die mit Segnung der Kirche auserkorenen Priester. Der Islam hob auch diese Beschränkungen auf und machte die Muslime von jeglichem Priestertum frei, daher darf jeder Muslim im Gottesdienst vorbeten, Trauung vollziehen, und das Totengebet leiten usw.

Mittel Gott zu erreichen
Der Heilige Qur-ân hat acht Wege erwähnt, auf denen man Gottes Nähe erreichen und den eigentlichen Zweck des menschlichen Lebens erfüllen kann. Dies sind wie folgt:

  1. Gott auf die richtige Weise zu erkennen und an Ihn zu glauben, denn der Glaube an einen imaginären und toten Gott kann einem nicht helfen. Der Heilige Qur-ân hat diesen Weg sehr ausführlich beschrieben. Im Gegensatz zu anderen Religionen hat der Islam keine Eigenschaft Gottes für ausgesetzt oder vergangen erklärt, noch hat er in Seinem Wesen einen Mangel oder Beschränkung für möglich gehalten.
  2. Die Liebe zu Gott, die durch das Betrachten und Reflektieren seiner Schönheit und Seiner Vollkommenheit entsteht. Denn das menschliche Herz wird von der Schönheit angezogen. Deshalb hat der Heilige Qur-ân die Eigenschaften Gottes und seine Vollkommenheiten so ausführlich dargestellt. Im Gegensatz zu den früheren Religionen hat der Islam die Liebe Gottes nicht zu einem Vorrecht eines Stamms oder Volks erklärt.
  3. Das Nachdenken über die Gnaden, die Gott uns erwiesen hat. Außer der Schönheit ist auch die Gnade etwas, die den Menschen anziehen. Deshalb finden die Gnaden und Segnungen Gottes im Heiligen Qur-ân eine so ausführliche Erwähnung. Sie fangen schon vor der Geburt des Menschen an und sind unzählbar.
  4. Es ist wichtig und notwendig, Gotteshilfe zu suchen, um Ihn zu erreichen. Dazu ist das Gebet notwendig. Dieses Thema haben wir oben etwas ausführlicher behandelt.
  5. Ein anderer Weg Gott zu erreichen ist Anstrengung und Opfer. Darunter fallen auch die finanziellen Opfer auf dem Weg Gottes und andere Anstrengungen z. B. Fasten, Hadsch d.h. die Pilgerfahrt nach Mekka etc.
  6. Standhaftigkeit ist ein weiteres Mittel, das notwendig ist, um dieses Ziel zu erreichen. Jene, die sich auf den Weg zu Gott machen, müssen durch harte Prüfungen gehen. Jene, die dabei standhaft bleiben, werden gemäß dem Heiligen Qur-ân am Ende die Erfolgreichen sein.
  7. Eine Möglichkeit, die Nähe Gottes zu erreichen, liegt darin, sich in der Gesellschaft der Personen aufzuhalten, die besondere Diener Gottes sind. Dies, weil der Mensch Vorbilder braucht. Er teilt die Erfahrung der anderen Gottessucher, dadurch kann er dazulernen und auf diese Weise sich verbessern.
  8. Das achte Mittel, Gott zu erreichen sind die wörtlichen Offenbarungen, Visionen und Träume, die den Reisenden zu Ihm die Gewissheit verschaffen, dass sie sich auf dem richtigen Weg befinden und zusätzlich ihre Sehnsucht nach Gott wachsen lassen.

Die spirituellen Zustände des Menschen
Nach den acht Mitteln, mit deren Hilfe man Gottes Nähe erreichen kann, ist es auch notwendig zu wissen, durch welche Zustände der Mensch während seiner spirituellen Entwicklung geht. Dies deshalb, damit der Mensch wissen kann, wo er sich gerade befindet und der zurückgelegte Weg ihn ermutigt, und er auch sieht, wie viel er noch zu tun hat und so an Demut zunimmt. Der Heilige Qur-ân hat drei Grundzustände des Menschen erklärt:

1. Naturzustand, dessen Quelle Nafs Amara (das befehlende Ego oder verführendes Selbst) genannt wird. Das ist der Zustand, in dem der Mensch vom Weg der Rechtschaffenheit abgekommen ist. Er neigt zu jeder Art von Sünde und Fehlern, weil in diesem Zustand der Zweck seiner Handlungen das Erfüllen seiner unmittelbaren und egoistischen Wünsche ist. Dabei achtet er auf keinen Verhaltenskodex.

2. Gezähmter oder zivilisierter Zustand, dessen Quelle der Nafs Lawwama (das sich anklagende Selbst) ist. Dies ist der Zustand, in dem er zu einem zivilisierten Menschen wird. Das Gewissen des Menschen erwacht und warnt ihn bei Fehlern. Er beginnt, seine Fehler zu bemerken und zeigt Reue, und versucht seine Fehler zu Überwinden.

3. Spiritueller Zustand, dessen Quelle gemäß dem Heiligen Qur-ân Nafs Mutmaiinna (die beruhigte Seele) ist. Dies ist der spirituelle Zustand. In diesem Fall erreicht die Seele einen inneren Frieden und ist beruhigt. Sie schwebt sozusagen von selbst zu Gott. Der Mensch verabscheut von sich aus alle Sünden und bewirkt alle guten Taten.

Diese drei Zustände haben tiefe innere Beziehungen zueinander. Deshalb hat der Heilige Qur-ân ausführliche Anweisungen über alle drei Zustände gegeben. Die Grundlehren über das Essen, Trinken, Heiraten, Leben, Wohnen, Umgang etc. haben den Zweck, dass die Menschen danach handeln und dadurch in den zweiten Zustand gelangen. Darüber hinaus enthält der Qur-ân prinzipielle Anweisungen für alle Lebenslagen. Wenn man gemäß diesen Lehren handelt und sich anstrengt, wird man zu einem zivilisierten, friedvollen und guten Menschen, der seine Eigenschaften und Fähigkeit richtig nutzt und schlussendlich den dritten Zustand – die beruhigte Seele – erreichen kann. In diesem Zustand neigt die Seele des Menschen von Natur aus zu Gott. Zudem empfängt in diesem Zustand der Mensch die Leitung des Heiligen Qur-ân, die ihm weitere Wege des Fortschritts zeigt. Seine spirituellen Lehren machen den Menschen zu einem Menschen, der in der Liebe zu Gott verloren ist.

Schlussbemerkung
In diesem Kapitel sind die Glaubenslehren des Islam, seine Verhaltensnormen und die spirituellen Lehren dargelegt worden, und es ist deutlich geworden, dass in jeder Hinsicht der Heilige ProphetSAW neue Lehren gebracht hat. Die Besonderheit seiner Lehre ist, dass sie universell ist, für alle Völker und für alle Zeiten. Im Islam ist erfüllt worden, was den früheren Lehren fehlte. Sie enthält ausführliche und zusätzliche Anweisungen, die den Menschen für jede Angelegenheit Rechtleitung geben.

Der Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat, der Verheißene MessiasAS und Mahdi des Islam, sagt:


„Zum Vergleich der gegenwärtigen Religionen und dann zur Erkenntnis der wahren Religionen unter diesen, muss der Sucher nach der Wahrheit auf dreierlei Aspekte achten. Erstens, was lehrt diese Religion über Gott. Zweitens muss der Sucher nach der Wahrheit beachten, was die Religion, die er für sich erwählt, über ihn selbst und allgemein über die menschliche Verhaltensweise lehrt. Drittens sollte der Sucher nach der Wahrheit eine Religion aussuchen, deren Gott kein vermutetes Wesen ist, an den man aufgrund von Märchen und Mythen glaubt, noch sollte es sein, dass Er einem Toten gleicht… Wenn jemand erkennt, dass eine bestimmte Religion in Bezug auf diese drei Aspekte überlegen ist, so ist es seine Pflicht, diese Religion für sich zu erwählen.“ (Nasīm-e daʿwat, Rūḥānī ḫazāʾin, Bd. 19, S. 373 f.)

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