Der Heilige Qur'an Islam

Al-Qalam: Das Wort Gottes schreiben

»Beim Tintenfass und bei der Schreibfeder und bei dem, was sie schreiben.« Der Heilige Qur’an, 68:2 Die islamische Kalligrafie ist eine der am meisten bewunderten Formen der Kalligrafie und gilt als der Höhepunkt der islamischen Kunst. Nach Ansicht der Muslime ist der Heilige Qur’an das heilige Wort Gottes, das dem Heiligen Propheten MuhammadSAW offenbart wurde, und […]

»Beim Tintenfass und bei der Schreibfeder und bei dem, was sie schreiben.« Der Heilige Qur’an, 68:2

Die islamische Kalligrafie ist eine der am meisten bewunderten Formen der Kalligrafie und gilt als der Höhepunkt der islamischen Kunst. Nach Ansicht der Muslime ist der Heilige Qur’an das heilige Wort Gottes, das dem Heiligen Propheten MuhammadSAW offenbart wurde, und ist somit seit dem frühen Islam eine der wichtigsten Inspirationsquellen für die islamische Kalligrafie, da er ein Medium zur Vermittlung des Wortes Gottes darstellt. Einer der renommiertesten Künstler unserer Zeit, Pablo Picasso, ließ sich so sehr von der islamischen Kalligrafie inspirieren, dass er sagte: »Wenn ich gewusst hätte, dass es so etwas wie die islamische Kalligrafie gibt, hätte ich nie angefangen zu malen. Ich habe mich bemüht, das höchste Niveau der künstlerischen Meisterleistung zu erreichen, aber ich fand heraus, dass die islamische Kalligrafie schon lange vor mir da war.«1

Vor der Erfindung des Buchdrucks trugen die Schreiber die große Verantwortung für die Reproduktion der Schrift des Heiligen Qur’an. Sie verbrachten oft Jahrzehnte damit, die Fertigkeiten dieses Berufs zu erlernen und benötigten viele Jahre, um nur eine einzige Kopie des Heiligen Qur’an zu produzieren. Im Zeitalter der modernen Technologie ersetzten die Printmedien jedoch schnell die traditionellen Kunstformen und allmählich nahm auch die Ausbildungspraxis dieser alten Kunstform ab. Dies war mitunter eine der Inspirationen hinter dem Al-Qalam-Projekt, um diese alte Kunstform in der heutigen Generation wiederzubeleben.

Das Al-Qalam-Projekt wurde von Razwan Baig initiiert und 2016 offiziell vom weltweiten Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Seiner Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA auf der Jahresversammlung der Ahmadiyya Muslim Jamaat Großbritannien eingeweiht. Razwan Baig ist ein britischer islamischer Kalligraf und Sammler islamischer Schriftstücke und islamischer Kunst. Seine Sammlungen wurden weltweit in mehreren großen Museen gezeigt und haben zu mehr als 20 internationalen Ausstellungen beigetragen.

Das Al-Qalam-Projekt ist das erste seiner Art, bei dem jeder Teilnehmer einen Vers des Heiligen Qur’an niederschreibt. Somit wird der gesamte Text des Heiligen Qur’an vollständig von Menschen handgeschrieben sein. Seit seinem offiziellen Start hat das Al-Qalam-Projekt in Kooperation mit »The Review of Religions« weltweit Länder bereist, zuletzt Indien, Kanada und Deutschland. Die einzigartige und historische Projektinitiative kehrte im September 2018 zum zweiten Mal auf die Jahresversammlung der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland zurück. 

Es gibt über 6000 Verse des Heiligen Qur’an und somit werden mindestens so viele Menschen aus aller Welt, ob jung oder alt, sich daran beteiligen. Ein weiterer einzigartiger Aspekt dieses Projekts ist, dass es sowohl für Muslime als auch für Nicht-Muslime offen ist, denn der Heilige Qur’an ist das Wort Gottes und wurde für die gesamte Menschheit offenbart und fordert die Menschen auf, einander zu respektieren und zu lieben, unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Religion oder Glauben. Auf der diesjährigen berühmten Londoner Buchmesse (London Book Fair) hatten zahlreiche Besucher, darunter viele nicht-muslimische Verleger, die Möglichkeit einen Vers aus dem Heiligen Qur’an niederzuschreiben. Viele waren von dieser Erfahrung sehr beeindruckt und zeigten sich dankbar, dadurch einen Zugang zu islamischen Lehren bekommen zu haben. 

Das Al-Qalam-Projekt hat mittlerweile eine herausragende Bedeutung und weltweite Beachtung erfahren. Insbesondere durch die Beteiligung Seiner Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, dem jetzigen Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, an diesem Projekt weitere Anerkennung erlangt. Trotz zahlreicher und vielfältiger Aufgaben nahm sich Seine Heiligkeit kurz vor der Jahresversammlung der Gemeinde in Großbritannien die Zeit, das erste Kapitel des Heiligen Qur’an, die Suratu l-Fātiḥa, niederzuschreiben. Dies zeigt die enorme Wertschätzung, die Seine Heiligkeit diesem Projekt entgegenbrachte. Dieses Schriftstück wurde erstmals auf der Jahresversammlung der Gemeinde in Großbritannien und einen Monat später auf der Jahresversammlung der Gemeinde in Deutschland ausgestellt. Viele Besucher waren davon inspiriert und ließen es sich nicht entgehen Erinnerungsfotos davon zu machen. 

Razwan Baig mit Seiner Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA und der Schriftrolle, auf der Seine Heiligkeit das erste Kapitel des Heiligen Qur’an eigenhändig geschrieben hat. Rechts im Bild ist Amer Safir, der Chefredakteur von »The Review of Religions«.
© The Review of Religions

Aufgrund der hohen Nachfrage nach der Teilnahme an diesem Projekt, genehmigte Seine Heiligkeit die Fortsetzung dieses Projekts. Nach der fast vervollständigten ersten Ausgabe wurde bereits auf der Jahresversammlung in Großbritannien in diesem Jahr mit der Zusammenstellung der zweiten Ausgabe begonnen, die auf der Jahresversammlung in Deutschland fortgesetzt wurde.

Am Al-Qalam Projekt auf der diesjährigen Jahresversammlung in Deutschland beteiligten sich fast 500 TeilnehmerInnen, darunter auch viele BesucherInnen.

Herr Ferdinand Fickinger nahm das erste Mal am Al-Qalam Projekt teil. Von der arabischen Schrift fasziniert, sagte er folgendes über das Projekt:
»Sehr angenehm. Die arabische Sprache fasziniert mich immer mehr und wird nach und nach komplexer. Das Projekt ist unheimlich schön und vereint die Menschen. Sehr vorbildlich von den Ahmadi Muslimen.«

Herr Haris Ahmad aus Bosnien hob die Besonderheit dieses Projekts hervor:
»Dieses Projekt ist wirklich sehr interessant, besonders für Nicht-Muslime. Sie können einige der arabischen Buchstaben lernen und den Heiligen Qur’an kennenlernen. Es ist eine Chance, das Wort Gottes vielen Menschen zu erklären.«

Der Heilige Qur’an ist das heilige Wort Gottes, das als das letzte Gesetz für die ganze Menschheit offenbart wurde und allen ewigen Frieden und Sicherheit gewährt. Das Al-Qalam-Projekt hat sich als eine wirklich wirkungsvolle Initiative erwiesen, die Menschen aus verschiedenen Ländern und Glaubensrichtungen zusammenbringt, was im Wesentlichen der Zweck dieses Buches ist. Die Zusammenstellung der historischen Schrift zeigt nicht nur die große Liebe, die Ahmadis diesem heiligen Text entgegenbringen, sondern belebt auch die heilige Kunst wieder und inspiriert die nächste Generation islamischer Kalligrafen: Ein jüngstes Beispiel davon ist Imam Zahoor Ahmad Khan aus Kaschmir, der durch das Al-Qalam Projekt so sehr inspiriert wurde, dass er völlig eigenständig einen Qur’an handschriftlich in einem Zeitraum von 18 Monaten und 17 Tagen niederschrieb. Dieser war auch im Rahmen der Qur’an-Ausstellung mit anderen antiken Qur’an-Ausgaben aus der Sammlung von Razwan Baig auf der Jalsa Salana (Jahresversammlung) in Karlsruhe zu sehen.

© Ahmadiyya Muslim Community, www.alislam.org

Weitere Eindrücke der Teilnehmer des Al-Qalam-Projekts auf der Jalsa Salana Deutschland 2018

»Eine wunderschöne Idee, die Kalligrafie und Sprache des Islam einem Laien näherzubringen. Es hat mir persönlich sehr gut gefallen. Ich wünsche dem Projekt alles Gute für die Zukunft.« 
– Lars Reisberg

»Eine so einmalige und aufregende Erfahrung und eine total interessante Idee und Umsetzung. Ich bin sehr überwältigt von der ganzen Herrlichkeit, die einem entgegengebracht wird.« 
– Sara Heydweiller 

»Eine großartige Idee. Danke, dass ich daran teilhaben durfte. Ich wünsche Ihnen und dem Projekt viel Erfolg. Es ist ein schöner Weg, viele Menschen miteinander zu verbinden.« 
– Peter Nagel

»Ich habe zum ersten Mal an so einer Aktion teilgenommen. Ich habe noch nie in arabischer Sprache geschrieben. Von daher war es sehr ungewohnt für mich, aber es hat sehr viel Spaß gemacht. Das ist eine sehr tolle Aktion.«
– Sonja Gutemuth 

»Vielen Dank für die Einladung zum Schreiben. Es ist schön mit so einer Offenheit empfangen zu werden und ›beitragen‹ zu können. Das Projekt ist ein wunderbares Beispiel für Miteinander und dafür, wie wir alle mit kleinen Taten zum Großen Ganzen beitragen. Für die Vielfalt und den Zusammenhalt!« 
– Isabella Münnich

Über den Autor: Shahzad Ahmed ist Mitarbeiter von The Review of Religions und Redakteur der Rubrik Islam & zeitgenössische Themen. Er ist Imam der Ahmadiyya Muslim Jamaat und hat auch einen Bachelor (Hons.)-Abschluss in Anglistik. Er ist regelmäßiger Gast in Sendungen auf MTA International, einem internationalen Fernsehsender.

Referenzen:
1. Jurgen Wasim Fremgen, The Aura of Aliph: The Art of Writing in Islam; (New York: Prestel, 2010).

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