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Die Welt aus den Fugen – Der Einmarsch Russlands in die Ukraine

„Wenn nach dem Zweiten Weltkrieg ein Weg der Gleichberechtigung gegangen worden wäre, der zu Gerechtigkeit führte, dann wären wir jetzt nicht Zeuge des gegenwärtigen Zustands der Welt, die wieder von Kriegen heimgesucht wird. Wenn in der Zeit der Interventionen gerecht gehandelt worden wäre, dann wären wir nicht Zeugen eines Rüstungswettlaufs geworden, Zeugen davon, wie in die Weiterentwicklung von Waffen und Soldaten investiert wurde, und Zeugen davon, wie die Streitkräfte der Welt kontinuierlich an Stärke zulegten. Wenn Gerechtigkeit etabliert worden wäre, dann wären wir weder Zeugen eines Rüstungswettlaufs um Atombomben und chemischen Waffen geworden noch davon, wie die Nationen dieser Welt mit dem Erlangen dieser irregeleiteten Ziele prahlten. Analysieren wir mit Genauigkeit den gegenwärtigen Zustand dieser Welt, so muss mit Bedauern festgestellt werden, dass der Grundstein für einen weiteren Weltkrieg schon gelegt worden ist.“[1]

Der russische Einmarsch in die Ukraine ist eine seit dem 24. Februar 2022 von Russland ausgehende militärische Invasion eines souveränen Nachbarstaates. Seit fast zwei Jahrzehnten ermahnt das spirituelle Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, die Welt und Staatsoberhäupter mit klaren Worten wie diesen, absolute Gerechtigkeit walten zu lassen, um den fatalen Schaden entstehender Konflikte abzuwenden, der ursächlich auf Hass und Ungerechtigkeit basiert. Seine Heiligkeit erklärte bei seiner Grundsatzrede vor Würdenträgern im Hamburger Rathaus im Juni 2011, die unter dem Titel „Welt aus den Fugen“ publiziert wurde:

„Ausgehend von diesen Überlegungen sollten wir immer des Prinzips gewahr sein, dass man immer das erntet, was man sät. Es ist ein Naturgesetz, dass die Konsequenzen mit unseren Taten korrespondieren. Allah hat für Fortschritt und Wohlergehen des Menschen sowohl in diesem System als auch im Universum ein System etabliert, das ausbalanciert und gerecht ist. Wenn diese Balance gestört wird, dann wird die Welt zerstört. So wie wir im Heiligen Qur’an, Sure 55, Verse 8-14, lesen: 

»Und den Himmel wölbte Er in der Höhe und bestimmte das Maß, dass ihr das Maß nicht überschreiten möget. So macht gerechtes Maß und kürzt das Maß nicht. Und Er hat die Erde für die Schöpfung gemacht; in ihr sind Früchte und Palmen mit Knospenbüscheln, und Korn in Hülsen und duftende Blumen. Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide da leugnen? 

In diesen Versen wird das System des Universums erklärt, das in Struktur und Gang perfekt aufeinander abgestimmt ist und in makelloser Harmonie sich befindet. Der Heilige Qur’an erklärt, dass der Mensch dieses perfekte Beispiel an Balance und Harmonie übernehmen sollte. Aus diesem Grund heißt es auch im Qur’an, dass die Menschheit die Krone der Schöpfung darstellt. Wenn nun gegen dieses System rebelliert wird und das System der gerechten Balance gestört wird, wenn also nur nach persönlichen Wünschen getrachtet und dem selbstsüchtigen Ego gefolgt wird, dann muss der Mensch Unheil erleiden. Darin besteht kein Zweifel. Deswegen gilt es, in den wechselseitigen Beziehungen eine perfekte Verbindung zu entwickeln, Harmonie zu fördern und ein gerechtes Miteinander zu etablieren. Das bestehende Maß darf nicht überschritten werden. Was immer Allah der Allmächtige geschaffen hat, sei es ein Lebewesen oder pflanzliches Leben, es sollte mit Gerechtigkeit und in Balance behandelt werden. Dann kann man den Lohn, den Allah gewährt, ernten.“[2]

Seine Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA sagte weiter in seiner Ansprache im Hamburger Rathaus 2011:

„Wenn wir die Situation der Welt heutzutage analysieren, so werden wir feststellen, dass diese Angelegenheiten sich zu Problemen internationaler Tragweite entwickelt haben. Die Tatsache, dass in Kriegen verwendetes Arsenal wie Nuklearwaffen und Langstreckenraketen ständig weiterentwickelt werden, ist ein Beweis dafür, dass dieser Hass sich auf globale Dimensionen ausgeweitet hat. Wenn nicht, was für einen Sinn hat es dann, Langstreckenraketen weiterzuentwickeln, deren wesentliche Funktion darin besteht, Ziele zu treffen, die sich so weit entfernt wie möglich befinden.“

Weiter sagt Seine HeiligkeitABA:

„Der Islam gibt uns die Erlaubnis, diejenigen zu bekämpfen, die Kriege anzetteln und grausam handeln. Darüber hinaus lehrt er, dass von dem Unterdrücker abzulassen ist, wenn er damit aufhört, grausam zu handeln und Unordnung zu stiften, denn Kriege sollten nur eingegangen werden, um Grausamkeiten zu unterbinden. Gestattet sind also nur Verteidigungskriege, Angriffskriege sind verboten. Das wird in Sure 2, Verse 192-194 des Heiligen Qur’an erwähnt. Ich habe die Quintessenz dieser Verse dargelegt. In einer wohlbekannten Überlieferung des Heiligen ProphetenSAW heißt es, dass er sagte, dass beiden zu helfen ist, sowohl den Unterdrückten als auch dem Unterdrücker. Als der Heilige ProphetSAW gefragt wurde, wie dem Unterdrücker zu helfen sei, so antwortete er, dass ihm dann geholfen wird, wenn seine Hand aufgehalten wird, was bedeutet, dass er davor bewahrt werden sollte, ungerecht und grausam zu handeln, so dass er vor Allahs Bestrafung geschützt bleibt. Dieses Prinzip, wonach selbst dem Unterdrücker geholfen werden muss, entspringt aus dem Verlangen, Mitgefühl zu zeigen und basiert nicht auf persönlichem Interesse. Um diesen Aspekt zu betonen, weist der Heilige Qur’an uns an einer Stelle an, Gerechtigkeit und Gleichheit zu etablieren, wenn Aussöhnung und Frieden erfolgt sind (49:10).“[3]

Am 24. März 2012 wurde in der Bait-ul-Futuh Moschee zu London, der größten Moschee Westeuropas, das 9. Jährliche Peace-Symposium (Friedenskonferenz) von der Ahmadiyya Muslim Jamaat des Vereinigten Königreichs organisiert. Die Veranstaltung zog ein Publikum von mehr als tausend Besuchern an, darunter Regierungsminister, Staatsbotschafter, Mitglieder sowohl des Houses of Commons als auch des Houses of Lords, der Bürgermeister von London sowie weitere Würdenträger, Nachbarn und Gäste aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft. Seine HeiligkeitABA führte unmissverständlich aus:

„Die Wahrheit ist, dass die angeblich nutzbringenden Aspekte der Nuklearenergie und -technologie außergewöhnlich gefährlich sein und zu breiter Vernichtung führen können, sei dies aufgrund fahrlässigen Verhaltens oder durch Unfälle. Wir haben bereits solche Katastrophen mitansehen können, wie beispielsweise den Nuklearunfall, der sich 1986 in Tschernobyl, heute Teil der Ukraine, ereignete. […] Es ist eine offenkundige Feststellung, dass Menschen in Kriegen sterben. Als deshalb Japan in den Zweiten Weltkrieg einstieg, waren sich dessen Regierung und Bevölkerung nur allzu gut bewusst, dass einige Menschen ihr Leben lassen würden. Es heißt, dass schätzungsweise drei Millionen Menschen in Japan gestorben sind, was ungefähr vier Prozent der Landesbevölkerung ausmachte. […] Aber es muss deutlich gesagt werden, dass im Falle eines erneuten Einsatzes von nuklearen Waffen im hier und jetzt es durchaus möglich ist, dass Teile bestimmter Länder ganz und gar von der Weltkarte weggefegt werden. Sie könnten aufhören, zu existieren. Vorsichtige Schätzungen legen die Anzahl der Toten des Zweiten Weltkrieges auf etwa 62 Millionen fest, wobei es aber auch heißt, dass ungefähr 40 Millionen von den Getöteten Zivilisten waren. 

[…] Obendrein haben inzwischen auch kleine Nationen, nukleare Waffen in ihren Besitz gebracht. Was eine besonders große Angst auslöst, ist das Wissen, dass derartige nukleare Waffen in den Händen solcher Menschen gelangen können, die entweder nicht die Fähigkeit dazu haben oder aber sich dagegen entscheiden, über die Konsequenzen ihrer Handlungen nachzudenken. Die Wahrheit ist, dass solchen Menschen die Konsequenzen noch nicht einmal kümmern: sie sind kriegslüstern. 

[…] Kürzlich sprach ein ranghoher russischer Offizier eine ernsthafte Warnung über die potentielle Gefahr eines Nuklearkriegs aus. Nach seiner Ansicht würde ein solcher Krieg nicht in Asien oder wo anders, sondern an den Grenzen Europas geführt werden, und die Bedrohung würde wohl von den osteuropäischen Ländern ausgehen und sich auch dort entzünden. Wohlgemerkt, ich habe diesen Empfindungen nicht aufgrund irgendwelcher persönlichen Ängste Ausdruck verliehen, vielmehr resultiert mein Ansporn aus aufrichtiger Liebe für die Menschheit. Diese Liebe für die Menschheit hat sich bei allen wahrhaftigen Muslimen durch die Lehren des Heiligen Propheten MuhammadSAWentwickelt und eingeträufelt, der, wie ich bereits erwähnte, als Träger von Barmherzigkeit und Mitgefühl für die gesamte Menschheit entsandt worden war.“[4]

Der russische Präsident Wladimir Putin hat in einem vom Kreml verbreiteten Video angeordnet, die Abschreckungswaffen der Atommacht in besondere Alarmbereitschaft zu versetzen. Er nannte die Atomwaffen dabei nicht explizit.

Bereits vor einem Jahrzehnt schon ermahnte Seine HeiligkeitABA die Welt vor dem Einsatz nuklearer Waffen:

„Der Gebrauch von Nuklear- und Feuerwaffen kann nur bedeuten, dass gegen Gott rebelliert wird, eine Rebellion stattfindet, die uns auf den Pfad der Zerstörung der Balance und des Equilibriums führt. Deswegen wurden wir daran erinnert, die Rechte gegenüber unseren Mitmenschen und Gott zu entrichten. Im Heiligen Qur’an wird an einigen Stellen das Aufkommen von Atomwaffen angedeutet. Als Muslim, der an die absolute Wahrheit des Heiligen Qur’an glaubt, erinnere ich wiederholt die Welt daran, dass die extreme Feindseligkeit gegenüber anderen menschliche Werte komplett aufsaugt und so die Welt in die Zerstörung führt. Das muss vermieden werden. Wir für unseren Teil haben das Gebet. Unablässig flehen wir Allah an, dass wir dieser Zerstörung der Welt ausweichen können.“[5]

In der am 24. Februar 2022 veröffentlichten Stellungnahme zur Russland-Ukraine-Krise sagte das weltweite Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, der fünfte Kalif, Seine Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA

„Als Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat kann ich die politischen Führer der Welt nur darauf hinweisen, dass sie dem Frieden in der Welt Vorrang einräumen und ihre nationalen Interessen und Feindschaften um des Wohlergehens der gesamten Menschheit willen zurückstellen sollten.

Daher ist es mein aufrichtiges Gebet, dass die führenden Politiker der Welt mit Vernunft und Weisheit handeln und sich für das Wohlergehen der Menschheit einsetzen.

Ich bete, dass die Führer der Welt sich ernsthaft bemühen, die Menschheit heute und in Zukunft vor den Qualen des Krieges, des Blutvergießens und der Zerstörung zu bewahren und zu schützen.

Und so bete ich aus tiefstem Herzen, dass die Führer der Großmächte und ihre Regierungen keine Handlungen vornehmen, die die Zukunft unserer Kinder und der nächsten Generationen zerstören. Vielmehr sollten sie sich mit aller Kraft und Motivation dafür einsetzen, dass wir unseren Nachkommen eine Welt des Friedens und des Aufschwungs hinterlassen.

Ich bete dafür, dass die Staats- und Regierungschefs der Welt das Gebot der Stunde beherzigen und ihre Verpflichtung, den Frieden und die Stabilität in der Welt zu sichern, über alles andere stellen. Möge Allah, der Allmächtige, alle unschuldigen und wehrlosen Menschen beschützen und möge wahrer und dauerhafter Frieden in der Welt herrschen. Ameen.“


[1] Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (2011). Welt aus den Fugen. Verlag Der Islam.
[2] Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (2011). Welt aus den Fugen. Verlag Der Islam.
[3] Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (2011). Welt aus den Fugen. Verlag Der Islam.
[4] Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (2012). Die Weltkrise und der Weg zum Frieden. Verlag Der Islam.
[5] Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (2011). Welt aus den Fugen. Verlag Der Islam.

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