Jalsa Salana Reflexionen

Frieden für alle – oder keinen.

„Es gibt einen Gott in der Welt, Der wünscht, dass alle Menschen in Frieden leben.“

Reflexionen nach der Hauptrede des Kalifen, Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, auf der Jalsa Salana 2022 in Karlsruhe.

Yunus Mairhofer, Redaktion

Raketenbeschuss, Waffenlieferungen, Drohgebärden. Dazwischen gestreut die tagesaktuellen Opferzahlen. Die Schlagzeilen gehen über damit, begleitet von Aufrufen zu mehr Entschlossenheit und Tatkraft. Auf Ansätze diplomatischer Lösungen verweist man unverblümt mit dem Hinweis – jetzt ist nicht die Zeit dafür. Wollen wir den totalen Krieg? Schon wieder?! Und warum? 

Weil wir gewinnen wollen. Der Feind soll sich ergeben oder sterben. Wenn wir ihn besiegt haben, dann können wir Frieden haben. Wenn wir alles besitzen, sprich die uns unbekannte Welt vollständig ausgebeutet ist, dann werden wir vielleicht zufrieden sein. So die Formel.

Genau derselben Formel folgen wir ja schon im Privat-, Berufs- und Wirtschaftsleben. Wir haben sie nämlich gelernt, von unseren Eltern, Politikern, aus Filmen, etc. – sie liegt quasi in der Luft! 

Wer aber von uns stellt sich die unbequeme Frage, ob möglicherweise genau diese Formel die Wurzel des Unfriedens ist, der uns langsam so stört?

Einer hat sie uns allen wiedermal vor Augen geführt und gestellt. Und einem Ansatz gegenübergestellt, der so ganz anders klingt: 

„Wünsche für den anderen, was du für dich selbst wünschst.“

Der Kalif der Ahmadiyya Gemeinde postuliert einmal mehr:

„Es gibt einen Gott in der Welt, der wünscht, dass alle Menschen in Frieden leben.“

Unser Gott, der Herr aller Lebenswelten, steht auch all seinen Geschöpfen bei. Er ist nicht egoistisch, parteiisch, politisch oder gar rassistisch. Und dem Menschen ist angeraten, es Ihm gleichzutun. 

Im Qur’an, der Heiligen Schrift des Islam, findet sich dieser Rat nicht nur als Friedensformel. In Wahrheit offenbart sich dort der ganze Sinn des Lebens in den Worten Gottes:

„Ich habe den Menschen […] erschaffen, um Mir und Meinem Zweck zu dienen.“ (freie Übersetz.: Hl. Qur’an 51:57)

Wessen und welchem Zweck dienen wir? Kann der gerechte Gott wie wir auf Teile seiner Schöpfung vergessen und nur den Interessen einer vermeintlich auserwählten Minderheit nachkommen? Würde eine Mutter oder auch ein Vater dabei zusehen, wie eines ihrer Kinder das andere quält oder erschlägt? 

Ist die menschliche Regung in uns derart verkümmert, dass wir es beinah schon sehen wollen, wie Millionen von uns unter einem Atompilz dahinschmelzend aus dem Leben gerissen werden. Wenn ja, dann sind es vielleicht genau wir, die einen sicher folgenden Vergeltungsschlag geradezu auf sich ziehen. Denn auch dies ist eine für ewig festgeschriebene Gesetzmäßigkeit; dass man erntet, was man sät.

Solange dieses Szenario des blanken Entsetzens jedoch noch nicht eingetreten ist, gibt es immer noch die Möglichkeit zur Besinnung. Tatsächlich ist es das Gebot der Stunde, den Eigennutz aufzugeben und uns in Gottes universelles Wohlwollen einzustimmen. Denn Krieg und mutwillige Zerstörung sind niemals gottgewollt, sondern menschengemacht. 

Der Annahme, dass sich durch das Auslöschen oder Einschüchtern des Feindes ein befriedigender Zustand erzielen ließe, wird ein für allemal eine Absage erteilt.  

Sehen Sie die Originalansprache mit deutscher Übersetzung auf YouTube.

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