Weltreligionen

Halloween – ein unbedenkliches Vergnügen? Teil 1/2

Von Navida Sayed (Großbritannien)


Halloween ist ein Fest, das überall auf der Welt am 31. Oktober gefeiert wird. Dieser Tag ist stark kommerzialisiert worden, dabei kennen viele dessen wahren Ursprung gar nicht. Ganz im Gegenteil, die meisten verbinden mit Halloween einfach nur Kürbisse, furchteinflößende Kostüme, Lagerfeuer und den Brauch des »Süßes oder Saures«. Die Öffentlichkeit gibt sich die größte Mühe, um sicherzustellen, dass dieser Tag gar niemandem entgeht. Selbst für schwangere Frauen gibt es ein breites Angebot an Hexen- und Teufelskostümen. Zu dieser Jahreszeit werden sogar Anweisungen und spezielle Tipps in Bezug auf den sensiblen Umgang mit und die Rücksichtnahme auf die verletzlichen älteren Mitmenschen herausgegeben. Kurzum, auf der ganzen Welt wird Halloween von vielen Menschen als harmloses Vergnügen angesehen. Aber wie genau wurde dieser Tag ins Leben gerufen? In Wahrheit steckt nämlich hinter all diesem unschuldigen Feiern die Geschichte einer dunklen Seite von Festen, die eng mit Hexerei, Spiritismus und okkultistischen Ritualen verbunden sind. 

Geschichte und Ursprung von Halloween
Die Geschichte und der Ursprung von Halloween sind vorwiegend auf heidnische Anschauungen zurückzuführen. Ursprünglich wurde das Wort »Heiden« von den städtischen Römern für jene Menschen benutzt, die den Glauben ihrer lokalen Machthaber bevorzugten. Später wurde dieser Begriff zusätzlich auch für Polytheisten genutzt.1 Allgemein sind Heiden all diejenigen, die keiner abrahamitischen Religionsgemeinschaft angehören. Der Paganismus (Heidentum) oder Neopaganismus (modernes Heidentum) preist die Ehranbietung der Erde und/oder vorchristlicher Gottheiten an. Halloween, auch Samhain genannt, stellt in deren Kalender ein sehr wichtiges heiliges Fest dar. 


Im Laufe der Geschichte hat die Kirche (die »Kirche« ist nicht nur ein Gebäude, sondern auch die Organisation christlicher Religionsanhänger) immer wieder versucht, die Heiden zum Christentum zu bekehren, indem sie heidnische Feierlichkeiten oder Zeremonien übernahm. So sollten die Heiden das Christentum annehmen, gleichzeitig aber einige ihrer Traditionen beibehalten können. Eine dieser Feiern war eben das Halloween.

Keltische Ursprünge und die Druiden
Halloween oder Samhain stellt einen der acht Feiertage im keltischen Kalender dar. Die Kelten haben sich irgendwann von den Nordischen/Germanen abgezweigt (die Nordischen/Germanen stammen ursprünglich aus Skandinavien und bestanden aus mehreren unterschiedlichen Gruppierungen mit unterschiedlichen Glaubensansichten, dennoch gab es einige Gemeinsamkeiten zwischen ihnen). 

Halloween hat seinen Ursprung im keltischen »Fest des Todes«, das den Beginn ihres Neujahres Samhain (ausgesprochen: sow-en oder saw-win), markiert. Dieses Fest wird entweder am 31. Oktober oder am 1. November gefeiert. 

»Schon aus früheren Aufzeichnungen geht hervor, dass Samhain nicht nur als Tag der Toten gesehen wird, sondern dass diese an dem Tag auch mit den Lebendigen in Kontakt treten.«2

Es wurde deshalb als »Totenfest« bekannt, wegen der keltischen Überzeugung, dass in eben dieser Nacht der Schleier bzw. die Trennung zwischen der Welt der Lebendigen und der Welt der Toten am dünnsten ist und so die Seelen der Toten in der Lage sind, diese Welt wiederzubetreten. Zu dieser Zeit erhofften die Kelten, dass sie mit den Seelen ihrer verstorbenen Vorfahren kommunizieren und von ihnen Rechtleitung für das bevorstehende Jahr erhalten können. An diesem Tag

»(…) verließen die Geister der Toten ihre Gräber und irrten auf der Erde herum oder suchten ihre ehemaligen Häuser und Familien auf.«3

Druidische Priester waren davon überzeugt, dass böse Geister für das kalte Wetter und und die kürzeren Tage während des Samhain verantwortlich waren (ein Druide konnte Priester, Lehrer, Richter oder Philosoph sein). Sie zündeten Lagerfeuer an, um zum einen den Beginn des Samhain zu signalisieren und zum anderen gegen die Mächte der Dunkelheit anzukämpfen. Indem verschiedenste Opfer dargebracht wurden, bat man die Götter darum, nach dem kalten und dunklen Winter die Sonne und Wärme zurückzubringen. Viele Historiker gehen davon aus, dass die früheren Druiden sowohl Menschen- als auch Tieropfer darbrachten. »Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Menschenopfer insbesondere im Austausch für das Notleiden der Allgemeinheit dargebracht wurden. Dies waren heilige und magische Handlungen zu Zeiten großer Not.«4 »Die modernen Druiden haben (jedoch) die Praktiken der Menschen- und Tieropfer nicht übernommen bzw. wiederbelebt.«5 Sowohl die vergangenen als auch die jetzigen Druiden feierten bzw. feiern auch heute noch den Tag des Samhain hauptsächlich, um die Toten am druidischen Neujahr zu ehren.

Die altertümlichen Druiden glauben daran, dass die Seele unsterblich ist und nach dem Tod in ein anderes Lebewesen, sei es eine Pflanze, ein Mensch oder ein Tier, reinkarniert. Die Priester und Priesterinnen dienen als Medium, wodurch die Geister herbeigerufen und angehört werden können. Die Zeit des Samhain ist voller Wahrsagerei und Zauberei. Die Druiden sagen in dieser mächtigen Nacht die Zukunft voraus.

Die Heilige Nacht der Hexen / Wiccas

Pergament mit dem Pentagramm. Das Pentagramm ist ein Symbol, das von vielen Anhängern der Wicca-Tradition verwendet wird.

Hexen oder Wiccas (Wicca ist der Name der modernen Hexerei-Bewegung) verehren mehrere Götter und Göttinnen. Die Wicca-Bewegung gehört zu den am schnellsten wachsenden Religionsgemeinschaften innerhalb der USA.6 Eine freiwillige Befragung aus dem Jahre 1999 ergab, dass es schätzungsweise 768.000 Hexen und Heiden in den USA gibt. Die magischen Hilfsmittel (Zauberstab, Kelch, Pentakel …) und die violette und schwarze Kleidung sind ein besonderes Merkmal der Hexen/ Wiccas. 

»Die Farbe schwarz symbolisiert für Hexen die tiefsinnige Kreativität, das innere Selbst und die Geheimnisse des Universums. Wie dem auch sei, die schwarze Bekleidung der Hexen ist ein weitverbreitetes Bild.«7 Entgegen der allgemein bekannten Vorstellung fliegen sie nicht mit ihren spitzen Hüten ihre Zauberstäbe schwingend durch die Welt. Dies ist eine stereotypische Ansichtsweise, die in der Vergangenheit entstanden ist. Dieses Bild wird auch heute noch in Kindergeschichten und Filmen vermittelt.8 

Die Wiccas folgen keiner besonderen Heiligen Schrift, haben jedoch den Grundsatz, keinem anderen Leid zuzufügen. Das Wicca-Buch der Bräuche und Rituale besagt: »(…) was immer an Leid einem anderen zugefügt wird, kommt in dreifacher Form auf einen zurück.«9

»Gemäß des Hexen-/Wiccaglaubens ist Gott am Tage des Halloween/Samhain tot. Einige vertreten die Meinung, dass die Göttin deshalb in tiefer Trauer ist und die Gestalt eines alten Weibs annimmt. Die Mehrheit ist allerdings davon überzeugt, dass sie mit Gottes Kind schwanger ist und zum Zeitpunkt ihrer Trauer kurz vor der Entbindung steht. (…)«10

Das alte Weib bzw. die alte Hexe spielt eine besondere Rolle in der Samhain-Jahreszeit der Hexen. Sie glauben daran, dass das alte Weib in diesen Tagen die Leichentücher für die Toten vorbereitet. Zudem agiert sie als Hebamme für all diejenigen, die in dieser Welt sterben und in der anderen Welt wiedergeboren werden.11

Samhain oder der Abend vor Allerheiligen ist einer der acht bedeutendsten Sabbate im Hexen/Heidenkalender. 

»Ein Sabbat ist das Zusammentreffen der Hexen, um ihre Verbundenheit mit dem Teufel zu zelebrieren, andere zu verhexen, böse Pläne zu schmieden, festlich zu Essen, Trinken und zu Tanzen. (…)«12

Für Hexen stellt Samhain den heiligsten Tag und die regsamste Nacht des Jahres dar, in der sie eifrig mit der Hexerei, Wahrsagerei und Zauberei beschäftigt sind. Sie glauben daran, dass:
»Dies ist die Zeit, um Rituale auszuführen, die dazu dienen, mit den Toten zu kommunizieren, die Verstorbenen zu ehren, die Zeit übersinnlicher Fähigkeiten, Weissagungen (…) und den Toten besondere Ehre zu erweisen. Die tatsächliche Magie beginnt am 31. Oktober um Mitternacht und dauert ganze 24 Stunden bis zum 1. November an.«13

In dieser Nacht führen die Hexen mehrere verschiedene Rituale durch, unter anderem auch das Verehren von und die Kommunikation mit den Toten. Dafür werden Kerzen, Kessel, Weihrauch, Spinnennetze und viele andere Dinge, je nach Art und Weise des Rituals genutzt. Danach werden Zauberformeln ausgesprochen. Einiger dieser Zaubersprüche oder Rituale bedürfen des Besuchens von Friedhöfen. Hexen und Wiccas verehren die Toten an Samhain, indem sie entweder allein oder gemeinsam mit anderen Hexen einen Kreis formen und verschiedene Rituale ausüben, um die Toten anzurufen und mit ihnen in Kontakt zu treten. Eine wichtige Verbindung zwischen Halloween und dem Okkulten stellen sogenannte hexische Wesen dar. Dazu zählen z.B. schwarze Katzen, Eulen, Kröten und Fledermäuse.

»Ein hexisches Wesen ist in Wirklichkeit ein Dämon oder ein Kobold in äußerer Gestalt eines Tieres, der einer Hexe zugeteilt wurde, um auf ihren Befehl Zauber auszuführen.«14

Die Sabbat Feiertage der Hexen werden auch heute noch von den modernen Heiden zelebriert.

Römischer Einfluss auf Halloween
Die Römer glaubten an viele Gottheiten. »Ihre Gesetze basierten zwar auf Logik, aber der Glaube an das Omen und an Weissagungen war weit verbreitet.«15 Neben der Anbetung ihrer Götter feierten die Römer eine Reihe von Festtagen, von denen zwei das Halloween maßgeblich beeinflussten. »Um 50 nach Christus hatten die Römer den größten Teil des keltischen Landes erorbert und damit einhergehend auch ihre eigenen Traditionen eingeführt.«16 Eine davon war das traditionelle Fest Feralia (ein Tag Ende Oktober, an dem die Römer traditionell ihrer Toten gedachten) und das andere Fest diente dazu Pomona zu ehren (die römische Erntegöttin der Früchte und Bäume).

»Die Römer stellten Pomona als eine hübsche, junge Jungfrau dar, die in ihren Armen Früchte und auf dem Kopf eine Krone aus Äpfeln trug. Die Römer dankten ihr und ehrten sie für die gute Ernte, indem sie Äpfel und Nüsse niederlegten. Sie spielten verschiedene Spiele, veranstalteten Wettrennen und feierten Tag und Nacht hindurch.«17

Wiccan/Keltisches Rad des Jahres.

Das römische Fest der Toten – Fernalia und das Fest Pomona vermischten sich mit Samhain, da alle drei Feiertage zur selben Zeit begangen wurden. Man geht davon aus, dass »viele Halloween Spiele und Bräuche, bei denen Äpfel genutzt werden, wie etwa die Spiele Äpfeltauchen oder Apfelschälen aus genau dieser Zeit stammen.«18

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Referenzen:

  1. Silverwind, S. (2006), Everything You Need to Know About Paganism, Devon: David & Charles, S. 3
  2. Mackillop, J. (2005), Myths & Legends of the Celts. London: Penguin, S. 97
  3. Ingraham, Dr. D A. (2000), Pagan Traditionsof the holidays. Oklahoma: Bible Belt Publishing, S. 71
  4. Worthington, C. (2005), Druids a beginners guide. London: Hodder and Stoughton.
  5. Moran, S. (1999), The Secret World of Cults. Surrey: Bramley Books.
  6. Silverwind, S. (2006). Everything you need to know about Paganism. Devon: David & Charles, S. 20
  7. Gallagher, A.-M. (2001). Inner Magic a guide to witchcraft. London: Octopus, S. 67
  8. Pickering, D. (1996). Dictionary of Witchcraft. London: Cassell, S. 244
  9. Moon, S. (2004), The Wiccan Book of Rites and Rituals. New York: Citadel Press, S. 13
  10. Silverwind, S. (2006), Everything you need to know about Paganism. Devon: David & Charles, S. 45
  11. Gallagher, A.-M. (2001), Inner Magic a guide to witchcraft. London: Octopus, S. 14
  12. Pickering, D. (1996), Dictionary of Witchcraft. London: Cassell, S. 406
  13. Moon, S. (2004), The Wiccan Book of Rites and Rituals. New York: Citadel Press, S. 171
  14. Pickering, D. (1996). Dictionary of Witchcraft. London: Cassell, S. 182
  15. Silverwind, S. (2006). Everything you need to know about Paganism, Devon: David & Charles, S. 6
  16. Ingraham, Dr D A. (2000), Pagan Tarditions of the Holidays, USA: Bible Belt Publishing, S. 72
  17. Ingraham, Dr D A. (2000), Pagan Tarditions of the Holidays, USA: Bible Belt Publishing, S. 73
  18. Ingraham, Dr D A. (2000), Pagan Tarditions of the Holidays, USA: Bible Belt Publishing, S. 73
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